Oktober 18, 2021
Von Indymedia
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Die Gruppe, die im wesentlichen aus naiven Berliner Student:innen der HU und ihrem Umfeld besteht, geht dabei wie folgt vor:

Mehrere Personen steigen in einen Wagen der BVG (oder S-Bahn). Eine AnfĂŒhrerin ist mit Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet, Helfer:innen tragen Laptops, klappen sie auf, und halten sie fĂŒr die FahrgĂ€ste gut sichtbar in Richtung der GĂ€nge. Setzt sich der Wagen in Bewegung, folgt eine Ansage, Musik wird gespielt, und auf den Laptops werden den FahrgĂ€sten blutige tierquĂ€lerische Szenen gezeigt, die sie zum Umstieg auf vegane ErnĂ€hrung bringen sollen. Nach der “PrĂ€sentation” werden Flyer verteilt, die Gruppe steigt aus, und behelligt den nĂ€chsten U-Bahn-Wagen.

Obwohl wir grundsĂ€tzlich die vegetarische/vegane Lebensweise befĂŒrworten und auch unterstĂŒtzen, sehen wir mehrere sehr problematische Aspekte dieses Vorgehens. Der erste, offensichtliche Punkt ist, dass dargebotenes Tierleid fĂŒr manche Personen nicht nur erschreckend/aufwĂŒhlend wirkt, sondern regelrecht einen Trigger darstellt, dem in der Enge eines U-Bahn-Wagens nicht entkommen werden kann. Es ist nicht möglich, den Blick abzuwenden, da in jeder Richtung eine Person mit Laptop steht, auf dem brutale, blutige Szenen dargeboten werden, und sich die Bildschirme auch in den Seitenfenstern spiegeln. Wir konnten heute beobachten, wie eine Person daraufhin in Panik verfiel und laut schreiend einen Nervenzusammenbruch bekam. Personen der “Train To Change”-Gruppe haben sich darum nicht gekĂŒmmert und die Reaktion der Person komplett ignoriert.

DarĂŒber hinaus sehen wir aber auch politische Probleme – und zwar prĂ€sentiert die Gruppe ihre Videos komplett kontextfrei. Hier wird nur mit der viszeralen Schockreaktion der Menschen auf tierquĂ€lerische Szenen gearbeitet, ohne politische HintergrĂŒnde von Massentierhaltung und Überkonsum zu beleuchten. Dies ist bei Student:innen von neoliberalen StudiengĂ€ngen zwar nicht anders zu erwarten, fĂŒhrt aber definitiv nicht zu einer Lösung des Problems. Die ĂŒblichen HandlungsvorschlĂ€ge sind dann der Kauf von ĂŒberteuerten Ersatzprodukten in gentrifizierenden VegansupermĂ€rkten, die (auch finanzielle) UnterstĂŒtzung von menschenfeindlichen Organisationen wie Peta, sowie die völlige Missachtung von anderen Kulturen und LebensrealitĂ€ten zum Zweck der studentischen SelbstbestĂ€tigung. ÜberflĂŒssig zu erwĂ€hnen, dass die Videos teils auf hochpreisigen Macbooks prĂ€sentiert werden und die einzige Social-Media-PrĂ€senz der Gruppe ein Profil auf der menschenfeindlichen Plattform Instagram ist (@train.to.change).

Da wir diese Art von “Aktivismus” nicht gutheißen und sie weit mehr schadet als nĂŒtzt, rufen wir zum direkten Widerstand auf. Solltet ihr in U-Bahn oder S-Bahn in den Genuss einer PrĂ€sentation dieser Gruppe kommen, sind folgende Eskalationsstufen denkbar:

– Stören der PrĂ€sentation durch lautes Reinrufen/Beschweren
– PrĂ€sentation der blutrĂŒnstigen Videos unterbinden durch konfrontatives in-den-Weg-Stellen oder Laptop zuklappen
– Aneignung der Laptops/Lautsprecher/Flyer und RĂŒckgabe zwei Stationen spĂ€ter (oder auch nicht)
– Laptops dauerhaft außer Gefecht setzen durch DraufschĂŒtten von FlĂŒssigkeit oder Verwendung eines USBKill-Sticks (https://usbkill.com/)

Bitte ruft nicht den BVG-Sicherheitsdienst oder gar die Bullen, denn mit denen wollen wir ja schließlich auch nichts zu tun haben.

Wenn ihr weiter ĂŒber die Gruppe recherchieren wollt, mĂŒsst ihr euch leider auf Instagram, Twitter oder LinkedIn begeben, weswegen wir hier auf direkte Links verzichten. Profile auf Instagram findet ihr unter den Handles @train.to.change, @laura.vater, @christian_lababidi, und vielleicht findet ihr ja noch ein paar mehr. Wenn ihr mögt, schreibt denen doch mal was in die Kommentare.

Ansonsten: esst gerne viele Möhrchen und Kartoffeln und kocht fĂŒr eure Freund:innen. Wenn ihr vegane Produkte haben wollt, geht zu nem Laden wie Dr. Pogo oder etwas vergleichbarem in eurer NĂ€he. Da stimmt dann nĂ€mlich auch die Politik.

GrĂŒĂŸlies, eure BVG (Berliner Vegan Gruppe)




Quelle: De.indymedia.org