Mai 8, 2022
Von InfoRiot
293 ansichten

ZDF-Recherchen zu Influencer Kliemann

Bad Freienwalder Geflüchteten-Verein wohl von Maskenaffäre betroffen


Mo 09.05.22 | 17:44 Uhr

Nach ZDF-Recherchen vom Team um Jan Böhmermann soll Internet-Star Fynn Kliemann bei der Produktion von Corona-Masken betrogen haben. Auch der Brandenburger Hilfsverein “Wir packen’s an” hat tausende dieser Masken gekauft.

Die Hilfsorganisation “Wir packen’s an” aus Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) könnte von einem möglichen Betrug betroffen sein. Die Firma Global Tactics des Unternehmers Tom Illbruck und des Internet-Stars Fynn Kliemann habe der Hilfsorganisation eigenen Angaben zufolge im April 2020 über 5.000 Masken verkauft, die auch an Geflüchtete auf der griechischen Insel Chios verteilt wurden.

Böhmermann deckte möglichen Maskenbetrug auf

In der vergangenen Woche hatte das ZDF in der Sendung “ZDF Magazin Royal” mit Jan Böhmermann Recherchen veröffentlicht, wonach die Masken mangelhaft gewesen sein sollen [www.zdf.de]. Außerdem seien diese viel zu teuer gewesen und wurden – anders als angegeben – nicht in Europa produziert. Böhmermanns Redaktion schreibt im Internet [www.lmaafk.de]: “Die Recherche zeigt, dass Kliemann und Illbruck im Jahr 2020 mindestens 2,3 Millionen Masken in Bangladesch und Vietnam in Auftrag gegeben haben. In der Öffentlichkeit sprechen beide bis heute nur von Masken aus Europa.”

“Die Gelder haben wir jemandem gegeben, der damit Gewinn gemacht hat”

Miriam Tödter, Pressesprecherin des Vereins “Wir packen’s an”, zeigte sich angesichts der gegen Kliemann und seiner Partner erhobenen Vorwürfe am Montag gegenüber dem rbb schockiert. “Es sind einerseits Gelder, die Leute an uns gespendet haben. Die Gelder haben wir dann jemandem gegeben, der damit Gewinn gemacht hat. Und wenn die Masken auch noch mangelhaft gewesen sein sollten, heißt es, dass Geflüchtete in den damals überfüllten Lagern Masken gekriegt haben, die eigentlich nichts taugen.”

Zur damaligen Zeit seien die medizinische Versorgung und die sanitären Bedingungen für die rund 6.000 Geflüchteten auf Chios katastrophal gewesen, heißt es von Seiten der Freienwalder. Angesichts der Pandemie hätte zudem ein akuter Mangel an Masken bestanden. Umso dankbarer sei man über ein Angebot von Global Tactics für Masken zum Selbstkostenpreis gewesen. Der Verein habe 5.400 Masken zum Preis von insgesamt 6.297,48 Euro brutto gekauft. Darüber hinaus seien 600 Masken gespendet und die Versandkosten nach Griechenland übernommen worden.

Ob die Hilfsorganisation nun gegen die Firma Kliemanns vorgehe, sollten sich die Anschuldigungen erhärten, stehe bisher nicht fest, sagte Tödter. Ihr zufolge sind auch noch andere Hilfsorganisationen von dem mutmaßlichen Betrug betroffen.

Influencer weist Vorwürfe zurück

Fynn Kliemann selbst wehrt sich gegen den Vorwurf des Maskenbetrugs. Er wies am Wochenende auf seinem Instagram-Kanal die Anschuldigungen zurück, räumte aber auch Fehler ein. In einem Statement hieß es: “Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun ‘auf den ersten Blick’ enttäuscht und geschockt sind.” Er bat zugleich um einen differenzierten Blick. Manches stimme nicht.

Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” betonte Kliemann, er sei kein Betrüger. “Die Produktion aus Bangladesch war nur für Großkunden gedacht. Ich wusste zwar darüber Bescheid, diese Masken wurden aber nie über meine Webseite verkauft oder von mir nach außen kommuniziert”, sagte er im “Spiegel”-Interview [Bezahlinhalt].

In dem von ihm selbst veröffentlichten Statement hieß es zu einer mit ihm in Verbindung gebrachten Textilfirma: “Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte. Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung.” Durch diese Versäumnisse, sich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe er viele enttäuscht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.05.2022, 15:30 Uhr




Quelle: Inforiot.de