Februar 23, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Die Tage fĂŒr den Staudenhof-Wohnblock am Alten Markt sind gezĂ€hlt. Der Bauausschuss der Stadtverordneten votierte am Dienstagabend fĂŒr den Abriss des DDR-GebĂ€udes. Dies kann als Vorentscheidung gelten: DafĂŒr stimmten CDU, SPD und AfD, dagegen die Linke und die Fraktion Die Andere. Bei den GrĂŒnen gab es eine Zustimmung und eine Enthaltung. EndgĂŒltig entscheiden die Stadtverordneten, vermutlich in der Mai-Sitzung. 

Demnach soll der Abriss im MĂ€rz 2023 beginnen, Ende 2029 soll der Neubau stehen – und zwar auf Grundlage des Leitbautenkonzepts fĂŒr die Potsdamer Mitte, das den Wiederaufbau rund um den 1945 zerstörten Alten Markt im historischen Grundriss vorsieht. Dieses viele Jahre umstrittene Langzeitprojekt wĂŒrde mit dem Neubau anstelle des Staudenhofs vollendet

Pro Potsdam: Neubau hat mehr Vorteile als Sanierung

Allerdings gibt es laut der kommunalen Bauholding Pro Potsdam auch wirtschaftliche und soziale GrĂŒnde: So könne man fĂŒr einen Neubau Fördergelder bekommen, um Sozialwohnungen langfristig zu sichern. In einem Neubau werde zudem deutlich mehr WohnflĂ€che zur VerfĂŒgung stehen und die Grundrisse könnten flexibler vergeben werden – bei einer Sanierung sei das nicht so einfach möglich, zudem mĂŒsse man ein zweites Treppenhaus fĂŒr den Brandschutz einziehen. Die Fördermittel sorgen auch dafĂŒr, dass der geschĂ€tzt 39 Millionen Euro teure Abriss und Neubau unter dem Strich fĂŒr die Pro Potsdam billiger wĂ€re als eine Sanierung fĂŒr 18 Millionen Euro. Zudem soll Gewerbe im Erdgeschoss das Areal beleben helfen. Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) sagte, es handele sich um „eine QualitĂ€tsentscheidung fĂŒr viele Jahre“. 

Kontroverse ĂŒber Fördermöglichkeiten und “graue Energie”

In der Sitzung wurde vor dem Votum mehr als eine Stunde lang ĂŒber die Staudenhof-Zukunft gestritten. So fĂŒhrte Ralf JĂ€kel von den Linken aus, beim Staudenhof handele es sich um ein Unikat – und es seien nicht alle Fördermöglichkeiten fĂŒr eine gĂŒnstigere Sanierung berĂŒcksichtigt worden. Das bestritt Nicke: Durch die Fördermittel fĂŒr Sozialwohnungen könne man Mieten erreichen, die bei einer Sanierung nie möglich wĂ€ren. Der Ausschussvorsitzende Wieland Niekisch (CDU) sprach wiederum von einem ĂŒberzeugenden Ansatz fĂŒr die Mitte. 

66 Mieter wohnen derzeit noch im Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt.Foto: Ottmar Winter

Anja Heigl (Die Andere) argumentierte dagegen, man mĂŒsse sparsam mit Steuermitteln umgehen und auch klimapolitisch sei der Abriss falsch: „In dem Haus stecken 10.000 Tonnen graue Energie – das wĂ€ren umgerechnet 18.000 Buchen, alle 45 Jahre alt.“ Pete Heuer (SPD) konterte, den GebĂ€udeschutt könne man zum Beispiel fĂŒr den Straßenbau recyceln: „Die graue Energie verschwindet nicht.“ 

Derzeit wohnen in den 182 vergleichsweise kleinen Wohnungen noch 66 Mieter mit unbefristeten VertrĂ€gen, die auch bei einer Sanierung vorĂŒbergehend ausziehen mĂŒssten. Zudem wĂŒrde aus Sicht der Pro Potsdam auch eine Sanierung zu wesentlich höheren Mieten als ein Neubau fĂŒhren. Von bis zu 13 Euro war bereits die Rede. Heuer sagte, die Mieter könnten zunĂ€chst vielleicht in anderen neu entstehenden Wohnungen in der Potsdamer Mitte unterkommen.




Quelle: Inforiot.de