Oktober 28, 2021
Von Emrawi
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​Die Erfahrungen von Bewohner*innen der Zentralen Erstaufnahmestelle Traiskirchen zeigen:

  • Es ist gĂ€ngige Praxis, dass Bewohner*innen wegen angeblicher minimaler HausordnungsverstĂ¶ĂŸe oder ohne jeden nachvollziehbaren Grund, auch bei kalten Temperaturen, der Zutritt in die Unterkunft verweigert wird und die Menschen dadurch gezwungen werden, auf der Straße zu schlafen oder Notschlafstellen in Wien aufzusuchen.
  • RegelmĂ€ĂŸig werden Bewohner*innen aus Traiskirchen an Orte wie das “RĂŒckkehrzentrum” auf dem BĂŒrgelkopf in Fieberbrunn/Tirol transferiert, die fĂŒr Isolation und menschenunwĂŒrdige Wohnbedingungen berĂŒchtigt sind. Verpasst eine Person ihren Transfer, dann wird ihr im Lager in Traiskirchen ebenfalls der Zutritt verweigert.
  • Mindestens seit August 2021 kam es erneut zu zahlreichen Covid-19-Infektionen in Traiskirchen und die Ausbreitung der Pandemie im Lager ist bis heute nicht unter Kontrolle. Trotz dem permanent hohen Infektionsrisiko durch die Unterbringung in einem Massenquartier werden die Bewohner*innen nicht zuverlĂ€ssig auf Covid-19 getestet. Konkret zeigt sich das u.a. daran, dass Personen mit ausgeprĂ€gtem Grippesymptomen nicht auf Covid-19 getestet wurden. Vor diesem Hintergrund ist auch von einer hohen Dunkelziffer an Covid-19-Infektionen auszugehen.
  • Wenn Personen, die Krankheitssymptome haben und dennoch nicht getestet wurden, oder andere mit diesen in engem Kontakt stehende Personen, vom Personal der BBU Traiskirchen vor die TĂŒr gesetzt und zum Ausweichen in NotschlafstĂ€tten gezwungen werden oder von Traiskirchen in andere Lager, wie auf den BĂŒrgelkopf in Fieberbrunn, transferiert werden, dann entsteht dadurch immer auch das Risiko, dass sich Covid-Infektionen auch dort verbreiten.

Es lĂ€sst sich also festhalten: In Traiskirchen wurde wochenlang zugeschaut, wie sich Menschen unter den beengten Wohnbedingungen mit Covid-19 infizieren ohne ernsthafte Maßnahmen zum Gesundheitsschutz zu setzen und zuverlĂ€ssig zu testen. Gleichzeitig werden tagtĂ€glich Menschen aus Traiskirchen in andere Massenquartiere transferiert oder mĂŒssen wegen sinnlosen Repressalien in NotschlafstĂ€tten ausweichen. Mit diesem Vorgehen gefĂ€hrdet die BBU ganz bewusst sowohl die Bewohner*innen des Lagers in Traiskirchen als auch in den Wiener Sozialeinrichtungen und in den anderen bundesbetreuten Lagern und nimmt es in Kauf, dass in viele Richtungen gefĂ€hrliche neue Infektionsketten entstehen.

Gleichzeitig können auch die Landesregierungen (zum Beispiel derzeit im Fokus Wien und Niederösterreich) nicht aus der Kritik entlassen werden: Ihre Weigerung Menschen in die Grundversorgung der LĂ€nder zu ĂŒbernehmen, sorgt fĂŒr noch dramatischere VerhĂ€ltnisse in den Bundeseinrichtungen.

Das zeigt vor allem eins: Genauso wie der Gesundheit der GeflĂŒchteten in Traiskirchen, wird der Gesundheit der Wohnungslosen in Wien wenig Interesse entgegengebracht, das zustĂ€ndige Ministerium betreibt eine Pandemiepolitik, die mit Gesundheitsschutz und sozialer Gerechtigkeit nichts zu tun hat, im Gegenteil, die staatliche Politik ist selbst gesundheitsgefĂ€hrdend.

Konkret mĂŒssen Wohnungen fĂŒr alle, die bislang in Massenquartieren untergebracht werden, zur VerfĂŒgung gestellt werden. In einem Staat, der Milliarden dafĂŒr aufwendet, den Wirtschaftsunternehmen in Pademiezeiten die Rendite zu sichern, darf das nicht an der Kostenfrage scheitern.

Unsere Initiative fordert daher einen umfassenden Gesundheitsschutz fĂŒr alle Menschen in Österreich. Dies kann letztlich nur durch die Zerschlagung der Massenunterbringungen erreicht werden. Denn sei es eine Covid-19-Infektion oder die Isolation am Tiroler BĂŒrglkopf – dieses rassistische System gefĂ€hrdet Menschenleben.




Quelle: Emrawi.org