November 15, 2021
Von Kollektiv.26 Autonome Gruppe Ulm
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Entstehung, Ziele und Dokumente der BDS-Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions

Friedensarbeit des BDS. ‚Ein offizielles Poster zur Spendensammlung in SĂŒdafrika glorifiziert PLFP Mitglied Khaled.‘ Teile des Bildes: Bildquelle ÂČ⁰ S. 46

„Wir werden uns aber weder von Ihnen noch von anderer Seite das friedenspolitische Recht nehmen lassen, Völkerrechtsbruch Völkerrechtsbruch zu nennen, und das auch und gerade in öffentlichen Diskursen.“ ³⁎

Immer wieder steht die BDS-Kampagne in öffentlicher Kritik, wobei vor allem der Fokus auf antisemitischen Äußerungen und Deutungsmöglichkeiten liegt. Aus linksradikalen Kreisen kommt es dabei jedoch nur vereinzelt zu Stellungnahmen, da das Thema oft als Pulverfass und als uneindeutig angesehen wird. Da wir jedoch der Meinung sind, dass der Kampf gegen Antisemitismus zentraler Bestandteil linker Arbeit ist (wie bei der Kritik an Querdenken), wollen wir uns in die Debatte einmischen. Zudem gab und gibt es in Ulm wiederholt Veranstaltungen, die eine gewisse NĂ€he zum BDS aufwiesen. Nicht zuletzt Jeff Halper, welcher 2017 vom Weltladen Ulm eingeladen wurde und der fĂŒr „antisemitische Verschwörungsideologie“ in der Kritik steht. Ebenso befĂŒrwortet er auch explizit den akademischen Boykott.ÂłÂČ

Was also hat es auf sich mit dem BDS?

Collage, Bildquelle ³³
Vorgeschichte

In der arabischen Welt gab es ‚Judenboykotte‘ schon vor dem Nationalsozialismus, aber auch wĂ€hrenddessen. Dabei gab es eine Kollaboration mit den Nazis bis 1945 und ein Einfluss ihrer Ideologie auch noch nach Ende des Faschismus. Der heutige Boykott ist zwar sicherlich nicht das selbe wie der damals und viele, die ihn befĂŒrworten, tun dies sicherlich nicht aus den selben GrĂŒnden wie damals die Nazis, jedoch bleibt der Boykott eben dafĂŒr anschlussfĂ€hig. Gerade die assoziative NĂ€he zum ‚kauft nicht bei Juden‘ ist einer der hĂ€ufigsten Kritikunke aus bĂŒrgerlichen Kreisen und spielte auch bei der Bundestagsdebatte eine zentrale Rolle.ÂčÂč ÂčÂČ ÂłÂč

1967 beschloss die Arabische Liga die sogenannte Khartum-Resolution, welche die drei Neins von Khartum enthÀlt: nein zu Frieden mit Israel, nein zur Anerkennung Israels und nein zu Verhandlungen mit Israel.

Schließlich ist noch die ‚Internationalen Konferenz gegen Rassismus‘, welche 2001 von NGOs im sĂŒdafrikanischen Durban abgehalten wurde, zentral. Bei dieser kam es zu mehreren antisemitischen VorfĂ€llen und im Abschlussdokument „wurde Israel mit dem rassistischen Apartheidsregime SĂŒdafrikas verglichen und bezichtigt, ‚rassistische Verbrechen‘ 
 sowie ‚Völkermord‘ und ‚ethnische SĂ€uberungen‘ zu verĂŒben.“ÂČ âŽ (Kritik an der Verwendung des Apartheit-Begriffs durch Nkululeko Nkosi: https://www.iz3w.org/zeitschrift/ausgaben/359_rechtspopulismus/apartheid)

Forderungen des BDS

Am 9. Juli 2005 wurde dann ein „Internationaler Aufruf der palĂ€stinensischen Zivilgesellschaft zu BDS – PalĂ€stinensische Zivilgesellschaft ruft zu Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen gegen Israel auf, bis es internationalem Recht und den universellen Prinzipien der Menschenrechte nachkommt.“

In dem Aufruf gibt es zentral drei Forderungen, welche es sich genauer anzusehen lohnt. Zwar scheinen sie auf dem ersten Blick unverfÀnglich, zeigen sich aber bei genauerem Hinsehen als problematisch:

1. Die Forderung, dass Israel die „Besetzung und Kolonisation allen arabischen Landes beendet und die Mauer abreißt“. Âč

Da stellt sich ganz wesentlich die Frage, was als arabisches Land angesehen wird und ob die Aussage bewusst diffus gehalten wird, um eine breite UnterstĂŒtzung zu erhalten. Âč⁷

Darauf deuten zumindest Aussagen von Barghouti hin, einer der MitbegrĂŒnder des BDS. Dieser betonte, die Organisationen „»mĂŒssten so flexibel angelegt sein, dass sie die realen VerhĂ€ltnisse in unterschiedlichen Kontexten berĂŒcksichtigen können.« Er betonte aber, dass jenseits dieses strategischen Vorgehens, das Ziel klar sein mĂŒsse. NĂ€mlich, dass die BDS-Kampagne sich nicht gegen die Politik Israels richte, sondern gegen Israel als Ganzes. Dies erlaube »Widerstand mit allen Mitteln, einschließlich des bewaffneten Widerstandes«. Wichtig sei es aber auch, JĂŒd*innen in die BDS-Kampagne einzubinden, um dadurch AntisemitismusvorwĂŒrfe gegen BDS zu entkrĂ€ften, die Barghouti als »intellektuellen Terror« bezeichnet.“ Âč⁞

Der Wunsch, dass Israel nicht mehr sei, wird dem BDS von vielen Kenner*innen und Beobachter*innen attestiert.ÂČÂČ ÂČ⁎ ÂČÂč ÂČ⁔ ÂČ⁶ ÂČ⁷ Dass diese Stoßrichtung gegen das Existenzrecht Israels zumindest auf viele zentrale Akteur*innen zutrifft ist empirisch nachgewiesen.Âčâč ÂČ⁰

2. „Das Grundrecht der arabisch-palĂ€stinensischen BĂŒrgerInnen Israels auf völlige Gleichheit anerkennt“. Âč

Dies ist bereits der Fall, mit der israelischen StaatsbĂŒrgerschaft gehen auch alle Rechte und Pflichten fĂŒr alle in gleicher Weise einher. Die Forderung soll implizieren, dass dies nicht der Fall wĂ€re und zeichnet ein falsches Bild von der staatlichen Verfasstheit Israels. Sollte sich die Forderung fĂŒr Bewohner*innen der besetzten Gebiete beziehen, so ist diese Forderung absurd, wĂŒrde doch die EinbĂŒrgerung der dort lebenden eine Annektion bedeuten, die der BDS vehement ablehnt.

3. „Die Rechte der palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge, in ihre Heimat und zu ihrem Eigentum zurĂŒckzukehren, wie es in der UN Resolution 194 vereinbart wurde, respektiert, schĂŒtzt und fördert.“

Das ist wohl die umstrittenste Forderung, allerdings auch deswegen, weil auch die Nachfahren der im Zuge des Krieges Geflohenen, Vertriebenen und Ausgewanderten gemeint sind. (Der Krieg der arabischen Staaten gegen Israel, als Reaktion auf die GrĂŒndung des israelischen Staates; ausgerufen wenige Stunde nach der StaatsgrĂŒndung.) Israel lehnt diese Forderung ab, da sie den Staat als einen Schutzraum der Juden und JĂŒdinnen ansehen, der um diese Funktion zu erfĂŒllen ein jĂŒdischer Staat sein soll. Kritisiert wird, dass nicht beachtet wird, dass bereits 60% der ehemaligen Bewohner*innen zurĂŒckgekehrt sind. Außerdem wird keine Beachtung den jĂŒdischen Personen geschenkt, welche 1948 aus arabischen Staaten geflohen sind, zum großen Teil nach Israel.³⁶

Des weiteren heißt es in dem von ursprĂŒnglich 171 Organisationen unterzeichneten Aufruf:

„SiebenundfĂŒnfzig Jahre nachdem der Staat Israel grĂ¶ĂŸtenteils auf Land gegrĂŒndet wurde, das zuvor von seinen palĂ€stinensischen BesitzerInnen ethnisch gesĂ€ubert wurde 
 in Israels System verwurzelte rassistische Diskriminierung von seinen eigenen arabisch-palĂ€stinensischen StaatsbĂŒrgerInnen 
 koloniale und diskriminierende Politik Israels 
 grundlegenden Menschenrechte anzuerkennen 
 wie es im Kampf gegen Apartheid in SĂŒdafrika“ Âč Hier wird ein einseitiges und dĂ€monisierendes Bild Israels gezeichnet, welches an der historischen RealitĂ€t vorbei geht. Zudem sind starke Parallelen zum Dokument von Durban zu erkennen, Aussagen, die auch schon dort kritisiert wurden. ÂČ âŽ

Der Boykott des BDS bezieht sich auch auf kulturelle und akademische Institutionen Israels, was dazu fĂŒhrt, dass israelische Kulturtreibende und Akademiker*innen aus dem internationalen Diskurs verdrĂ€ngt werden, also insbesondere jĂŒdische, aber auch arabische Stimmen aus dem zivilen Sektor Israels ins Abseits gedrĂ€ngt werden. Explizit sollen auch Projekte zwischen Israelis und PalĂ€stinenser*innen boykottiert werden. ³⁰

In Folge des BDS Aufrufs gab es weitere Aufrufe und Dokumente, welche den BDS unterstĂŒtzen und zu dessen Verbreitung beitragen sollen. Eines ist das Dokument der Kairos-Palestina-Bewegung, welches auch hier in Deutschland eine Rolle spielt.

Antijudaismus: Grundlagendokumente und theologische Positionen der Kairos-PalÀstina-Bewegung
(Christlicher) Antijudaismus, Bildquelle Âčâč S. 19

Das Dokument wurde von palĂ€stinensischen Christen verfasst und beinhaltet eine theologische Argumentation, die begrĂŒnden soll, warum Israel zu boykottieren ist. Zudem gibt es in dem Dokument eine Beschreibung der angeblichen ZustĂ€nde in Israel, wobei dies jedoch komplett einseitig geschieht und somit ein schiefes Bild gezeichnet wird. Im Folgenden sind ein paar Zitate, an denen die Problematik des Dokuments aufgezeigt werden sollen.

„Er [Jesus] brachte ‚eine neue Lehre‘ mit (Mk 1, 27), die ein neues Licht auf das Alte Testament, auf die Themen warf, die sich auf unseren christlichen Glauben und unser tĂ€gliches Leben beziehen, auf Themen wie die Verheißungen, die ErwĂ€hlung, das Volk Gottes und das Land. 
 Diesem Irrtum erliegt die fundamentalistische Bibelauslegung, die uns Tod und Zerstörung bringt, wenn das Wort Gottes versteinert und von einer Generation auf die andere als toter Buchstabe tradiert wird. Dieser tote Buchstabe wird in unserer derzeitigen Geschichte als Waffe benutzt, um uns unserer Rechte und unseres Landes zu berauben. 
 Wir glauben, dass unser Land einen universellen Auftrag hat. In dieser UniversalitĂ€t erweitert sich die Bedeutung der Verheißungen, des Landes, der ErwĂ€hlung und des Volkes Gottes und schließt die ganze Menschheit ein –angefangen bei allen Völkern, die in diesem Land wohnen. Im Lichte der Lehren der Heiligen Schrift war die Verheißung des Landes zu keiner Zeit ein politisches Programm, sondern vielmehr der Auftakt zur vollstĂ€ndigen universellen Erlösung. Sie war der Beginn der Vollendung des Reiches Gottes auf Erden.“ 
 „wie jedes Volk mit dem Land verbunden ist“ 
 „Unsere Verbundenheit mit diesem Land ist 
 ein natĂŒrliches Recht. Sie ist eine Sache von Leben und Tod.“ 
 „Wir erklĂ€ren ferner, dass die israelische Besetzung palĂ€stinensischen Landes SĂŒnde gegen Gott und die Menschen ist, weil sie die PalĂ€stinenser ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt, die ihnen von Gott verliehen worden sind.“

„Hoffnung bedeutet nicht, dem Bösen nachzugeben, sondern vielmehr, uns dagegen aufzulehnen und am Widerstand dagegen festzuhalten. Wir sehen gegenwĂ€rtig und fĂŒr die Zukunft nichts außer Niedergang und Vernichtung.“

Diese Argumentation wird als „Ablösungstheologien und Enterbungslehren (Die Kirche löst Israel als Gottesvolk ab!)“ kritisiert, von welcher sich eigentlich die beiden christlichen Kirchen nach dem Nationalsozialismus abgewandt hatten, auf Grund der Rolle, die diese Theologie im NS spielte. Sie gilt als eine Form des christlichen Antijudaismus, da mit ihr versucht wurde darzulegen, dass ‚die Christen die Juden als Volk Gottes abgelöst‘ hĂ€tten. Oder in neuerer Form, dass auch das Versprechen auf ‚das heilige Land an die Juden‘ nicht mehr gĂŒltig sei.

Exkurs christlicher Antijudaismus: Einer der antijudaistischen Sichtweisen ist Juden hĂ€tten Christus abgelehnt, weswegen sie das Anrecht auf das heilige Land verwirkt hĂ€tten. (Bis hin zum ‚Jesusmörder‘-Vorwurf.) Beziehungsweise mit Jesus gab es einen Erneuerer, welcher dem Wort neues Leben eingehaucht hĂ€tte. „Wenn das Judentum einen eigenen Weg zum Heil habe, dann könnte der christliche Anspruch zweifelhaft sein, dass nur durch Jesus der Weg zum Heil fĂŒhre.“ ⁷

Gerade auch die im Text behauptete Verbundenheit von Volk und Land ist als das zu benennen, was es ist: Völkische Ideologie. Aber auch die Behauptung einer Überlieferung des toten Wortes, lĂ€sst eine antisemitische Deutung zu. Die ‚kalte RationalitĂ€t der Juden‘ gegenĂŒber dem ‚lebendigem Glauben der Christen‘. ⁷

Eine weitere Aussage, die in ihrer WiderwĂ€rtigkeit keiner weiteren ErlĂ€uterung mehr bedarf ist folgende: „Die Wurzeln des „Terrorismus“ liegen in dem menschlichen Unrecht, das uns angetan wird, und in dem Übel der Besetzung.“ ⁔

Nicht zuletzt wird natĂŒrlich zum Boykott aufgerufen. Wir „appellieren an Einzelne, Gesellschaften und Staaten, sich fĂŒr den RĂŒckzug von Investitionen und fĂŒr Boykottmaßnahmen der Wirtschaft und des Handels gegen alle von der Besatzung hergestellten GĂŒter einzusetzen“.

Akteure in Deutschland

In Deutschland gibt es verschiedenste politische Akteur*innen, welche den BDS direkt oder indirekt unterstĂŒtzen. Die hĂ€ufigste Form der UnterstĂŒtzung scheint hier vor allem die indirekte zu sein. Verschiedene Gruppen und Personen verbreiten Inhalte des BDS, ohne ihm direkt zugehörig zu sein. Teilweise geschieht das in Verbindung mit einer scheinbaren Distanzierung von diesem, vermutlich da er in der Öffentlichkeit stark unter Kritik steht.

Zwei Gruppen aus dem christlichen/ friedenspolitischen Umfeld sind z.B. Pax Christi, ein Teil des Zentralkomitees der Katholiken, und der protestantische Jerusalemsverein e.V., der im Berliner Missionswerk angesiedelt ist. Beide sind keine offiziellen UnterstĂŒtzer des BDS.

Pax Christi befĂŒrwortet Kennzeichnung von Waren aus den Siedlungen und versuchte mitunter zu Verhindern, dass der BDS keine RĂ€ume bekommt. ⁞ âč

Jeusalemverein: Hans-JĂŒrgen Abromeit ist Vorsitzender. In einem frĂŒheren Text von uns kritisierten wir ihn bereits, unter anderem da er Abtreibungsgegner ist, und Aussagen von ihm durchaus als reaktionĂ€r christlich und schwulenfeindlich gedeutet werden können. Er war bei den Friedenswochen letzten Jahres auf Einladung des Weltladen Ulms zu Gast.

Der Jerusalemverein verlinkte einen Aufruf zur UnterstĂŒtzung des BDS von Kairos Palestine in dem es unter anderem hieß: „WĂ€hrend die alten Juden blind waren, die Zeichen des Himmels zu sehen und die Geburt ihres Königs zu erkennen, öffnete Gott den arabisch-nabatĂ€ischen Weisen die Augen.“Âč⁰ ÂČ⁞

„Wie erfreulich ist die Nachricht, dass alle Völker der Erde Hoffnung auf Christus haben dĂŒrfen. FĂŒr Juden und Heiden gleichermaßen ist ein neuer Tag angebrochen, der alle zu einem neuen Gnadenbund aufruft. Es gibt kein Ausschlussprinzip fĂŒr jemanden, der bereit ist, sich diese Gnade durch den Glauben anzueignen.“ Âč⁰

Wird hier in alter antijudaistischer Tradition JĂŒdinnen und Juden nahegelegt zum Christentum zu konvertieren? Volker Beck zumindest bescheinigte dem Papier „platten Antijudaismus“, die AusflĂŒchte Abromeits im Anschluss sehe er kritisch: „Der Aufruf wurde nicht einfach verlinkt, er wurde tatsĂ€chlich in der Advents- und Weihnachtszeit mit zwei Teaser-Texten angepriesen und war auf der Website des Jerusalemsvereins direkt herunterzuladen«. »Es war alles Bestandteil der Seite des Jerusalemsvereins.“ ÂČ⁞

Die Central Conference of American Rabbis sagt: Das Dokument „hat einen enterbungstheologischen und antisemitischen Charakter“ und ist ein „sachlich, theologisch und moralisch mangelhaftes Dokument.“ ÂČâč

Die MLPD schreibt selber: „Die MLPD unterstĂŒtzt die BDS-Kampagne kritisch. Sie trĂ€gt dazu bei, die rassistische UnterdrĂŒckung und die völkerrechtswidrige Besetzung PalĂ€stinas durch den israelischen Imperialismus anzuprangern. Die MLPD unterstĂŒtzt den Kampf um nationale und soziale Befreiung und ist solidarisch besonders mit dem Freiheitskampf der PalĂ€stinenser und Kurden.Die MLPD kĂ€mpft unter dem Banner des proletarischen Internationalismus fĂŒr die Überwindung von imperialistischer Ausbeutung und UnterdrĂŒckung in den vereinigten sozialistischen Staaten der Welt.“ ÂčÂł Hier wird eine Einteilung in gute FreiheitskĂ€mpfer und böse UnterdrĂŒcker vorgenommen, bei welcher das Übel bei Israel gesucht wird. Fraglich bleibt in welchem Teil des palĂ€stinensischen Aufstandes die Kunde einer befreiten Gesellschaft erblicken können, sind doch Teile davon alles andere als progressiv.

Der III. Weg: Die extrem rechte Kleinstpartei ist nicht offizieller Teil der Kampagne. Doch schreiben sie: „Ziel der Kampagne ist es, dem hochgerĂŒsteten Terrorstaat [anm. gemeint ist Israel] die Finanzmittel fĂŒr die Aufrechterhaltung der Besatzung von PalĂ€stina und der UnterdrĂŒckung des palĂ€stinensischen Volkes zu entziehen.“ 
 „Derweil mischte sich Israels 5. Kolonne in Form des internationalen Judentums auch sofort in die Geschehnisse ein [
].“Âč⁔ Der Antisemitismus tritt hier ganz unverhohlen zu Tage.

„Jeder kann dabei helfen und somit den Völkermord in PalĂ€stina bekĂ€mpfen.“ „Stoppt den jĂŒdischen Aggressor in Nahost, boykottiert den Terrorstaat Israel und dessen Produkte!“ Âč⁎ Dieses Statement einer Partei, die sich am Nationalsozialismus orientiert, lĂ€sst erahnen, was das Ziel ist. SelbstverstĂ€ndlich geht es hier nicht in erster Linie um Israel, als vielmehr um JĂŒdinnen und Juden selbst.

NPD: (nicht offizieller Teil) „Udo Voigt hĂ€lt es vor diesem Hintergrund fĂŒr geboten, Israel formell als „Terrorstaat“ einzustufen“ .Âč⁶

Akteure Weltweit
Collage, Bildquelle ÂČ⁰ S. 23, S. 31

171 palĂ€stinensische Organisationen unterschrieben den Aufruf, darunter die PLO, welche laut ihrer Charta die „zionistische und imperialistische PrĂ€senz zerstören“, also Israel beseitigen will.Âł

Zum BDS Natonal Commitee gehören 28 palĂ€stinĂ€nsische Gruppen. Darunter die Palestinian National and Islamic Forces (PNIF), zu denen unter anderem die als Terrororganisationen eingestuften Hamas und Islamic Jihad gehören. Âčâč S. 16, ÂČ⁰ S. 14 Diese islamistischen Gruppen richten sich offen gegen das Bestehen Israels und setzen dabei unter anderem Waffengewalt und SelbstmordattentĂ€ter ein. Insbesondere gegen israelische Zivilist*innen, aber auch gegen palĂ€stinĂ€nsiche Zivilist*innen, welche beschuldigt werden mit Israel zu kollaborieren.ÂČ⁰ S.49 Sie sind alles andere als fortschrittlich, vielmehr sind sie antidemodern und antisemitisch. ÂČÂč ÂČ⁰ S. 49 Ihre UnterstĂŒtzung des BDS beruht darauf, dass sie den zivilen Kampf als ErgĂ€nzung zum bewaffneten sehen, wobei beide perspektivisch das Ziel verfolgen Israel zu vernichten. ÂČ⁰ S. 4 ff, S. 50

In Terrorists in Suits konnten insgesamt mehr als 100 Verbindungen zwischen als Terrororganisationen eingestuften Gruppen (unter anderem die Hamas, Fatah, Islamic Jihad) und dem BDS nachgewiesen werden. Das betrifft mindestens 13 anti-israelische NGOs und mehr als 30 Personen in hohen Positionen des BDS. Auch wurden mutmaßlich Gelder von NGOs an terroristische Gruppen weitergeleitet. ÂČÂł ÂČ⁰ S. 8 Eine Distanzierung davon und vom Terror im Allgemeinen (also zum Beispiel das Einsetzen von SelbstmordattentĂ€tern, AnschlĂ€ge auf zivile Ziele) sucht man bei BDS Deutschland vergeblich. ⁎, vgl ÂČ⁰ S. 55 ff, S. 59 ff

Bildquelle Âčâč S. 20

In Behind the Mask werden 80 antisemitische Aussagen von zentralen Aktivist*innen, welche die Zielrichtung und den Ton der Bewegung prĂ€gen, dokumentiert.ÂČÂł Âčâč S. 10, S. 13 Darunter befinden sich sowohl tradierte antisemitische Mythen und ErzĂ€hlungen, wie auch Versuche der Schuld-Opferumkehr in Bezug auf die Schoah (Holocaust) und israelbezogener Antisemitismus. Diese Formen des Antisemitismus werden nicht nur von fĂŒhrenden BDS-Aktisist*innen verbreitet, sondern auch auf Plattformen, welche den BDS unterstĂŒtzen oder ihm zugerechnet werden können. vgl. Âčâč S. 37 ff, S. 54 ff, S. 79 ff.

In diesem Zusammenhang kommt es deshalb zur Interpretation, dass der Antisemitismus genau so einen neuen Weg gefunden hat, sich unauffĂ€lliger und subtiler zu artikulieren, indem beispielsweise statt „Juden“ „Israel“ (als dem „Juden unter den Staaten“Âčâč S. 17) oder „Zionisten“ gesagt wird. Dieser Antisemitismus ist fĂŒr JĂŒd*innen aber nicht weniger feindselig und schĂ€dlich und kann jederzeit in Gewalt umschlagen (s.o. Hamas). Âčâč S. 18 Verschiedene Studien können zudem eine Korrelation zwischen BDS-AktivitĂ€ten und Gewalt gegen jĂŒdische Personen sowie Personen, die als israelsolidarisch gelten, nachweisen. vgl. ÂČÂČ Âčâč S. 18

Kampagne des BDS gegen den Eurovision Song Contest 2019 in Israel, Bildquelle ³⁷

Die SS-Runen setzen Israel mit dem deutschen Faschismus gleich, was eine Verharmlosung des Nationalsozialismus und der Schoah ist. Also eindeutig antisemitisch. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung: Das Bild ist beim BDS noch immer aufrufbar.

Schluss!

Zusammengenommen lĂ€sst sich also folgendes festhalten. Die Darstellung des Konflikts zwischen Israel und den meisten arabischen Staaten, sowie den PalĂ€stinensern durch den BDS ist einseitig und unterkomplex, bisweilen auch kontrafaktisch und bewusst in die Irre fĂŒhrend. Die Darstellung Israels ist DĂ€monisierend und Delegitimierend, teilweise auch explizit antisemitisch. Es werden Doppelstandards angewandt, nicht nur im Vergleich zu anderen Konflikten (Westsahara, Jemen, 
) sondern auch in Bezug auf andere Konfliktparteien, insbesondere solche, die terroristisch, antisemitisch und islamistisch sind. Das geht so weit, dass mit Terrorist*innen zusammengearbeitet wird und es PersonalĂŒberschneidungen gibt. Antisemitismus tritt wiederholt bei verschiedenen zentralen Personen und auf zentralen Plattformen, sowie in Kampagnen zu Tage. Bei aller Verschiedenheit der UnterstĂŒtzenden scheint eins das verbindende Element zu sein, eins scheint der integrale Bestandteil dieser Bewegung zu sein: Der Hass auf Israel, der Hass auf jĂŒdisches Leben, Antisemitismus.

Dem BDS und seinen UnterstĂŒtzer*innen ist also nicht nur jede UnterstĂŒtzung zu verwehren, ihnen und ihrer Propaganda ist zudem entschieden entgegenzutreten.

Quellen

Âč BDS-Kampagne (Deutschland) http://bds-kampagne.de/wp-content/uploads/2005/07/050709_Internationaler-Aufruf-der-pal%C3%A4stinensischen-Zivilgesellschaft-zu-BDS.pdf /Palestinian Civil Society Call for BDS July 9, 2005, BDS https://bdsmovement.net/call
ÂČ https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/328693/antisemitismus-in-der-bds-kampagne
Âł https://palaestina.org/uploads/media/palaestinensische_nationalcharta.pdf
 World Conference against Racism – NGO FORUM DECLARATION, Durban, 3. September 2001 https://i-p-o.org/racism-ngo-decl.htm
⁔ Kairos-PalĂ€stina-Dokument, Ökumenischer Rat der Kirchen, 11. Dezember 2009 https://www.kairos-palaestina.ch/images/pdf/Kairos-Palastina-Dokument-de.pdf
⁶ August 2011, Dr. Klaus MĂŒller, Gemeindepfarrer in Heidelberg; außerplanmĂ€ĂŸiger Professor fĂŒr Praktische Theologie an der UniversitĂ€t Heidelberg und Beauftragter der Badischen Landeskirche fĂŒr das Christlich-JĂŒdische GesprĂ€ch; Kairos – höchste Zeit fĂŒr Frieden zwischen Israel und PalĂ€stina – eine theologische Replik https://web.archive.org/web/20120830030143/http://www.ekiba.de/16191.php
⁷ https://www.ag-juden-christen.de/broschuere-impiulse-enterbungstheologie/
⁞ https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2019/03/20/pax-christi-setzt-sich-fuer-israelfeindliche-bds-bewegung-ein/
âč https://www.paxchristi.de/meldungen/view/5794432729219072/pax%20christi%20weist%20infame%20Unterstellungen%20zur%C3%BCck
Âč⁰ https://www.kairospalestine.ps/images/kairos-palestine-christmas-alert-2020-german.pdf
https://www.evangelisch.de/inhalte/180944/06-01-2021/berliner-kirche-verurteilt-antijuedischen-weihnachtsaufruf
https://www.evangelisch.de/inhalte/181848/29-01-2021/auseinandersetzung-zwischen-jerusalemsverein-und-beck-verhaertet
ÂčÂč Gil Feiler: From boycott to economic cooperation: the political economy of the Arab boycott of Israel. Frank Cass, London / Portland 1998
ÂčÂČ Hazem Jamjoum: The Global Campaign for Boycott, Divestment and Sanctions against Israel. In: Maia Carter Hallward, Julie M. Norman (Hrsg.): Nonviolent Resistance in the Second Intifada: Activism and Advocacy. Springer, Wiesbaden 2011
ÂčÂł https://www.mlpd.de/2019/08/flugblatt-bds-kampagne.pdf
Âč⁎ https://der-dritte-weg.info/2014/08/terrorstaat-israel-boykottieren-mit-dem-mobiltelefon-beim-einkauf/Âč⁔ https://der-dritte-weg.info/2015/06/internationale-boykottbewegung-setzt-israel-unter-druck/
Âč⁶ https://npd.de/2018/02/terrorstaat-israel/
Âč⁷ https://www.belltower.news/die-bds-kampagne-gegen-israel-oder-die-taktik-der-diffusitaet-85185/
Âč⁞ Jan Riebe, Sebastian Mohr: Die BDS-Kampagne gegen Israel oder die Taktik der DiffusitĂ€t. Belltower News, 17. Mai 2019 https://www.belltower.news/die-bds-kampagne-gegen-israel-oder-die-taktik-der-diffusitaet-85185/, zuletzt eingesehen 8.03.2021
Âčâč State of Israel, Ministry of Strategic Affairs and Public Diplomacy: Behind the Mask – The Antisemitic Nature of BDS Exposed, 09.2019; https://4il.org.il/wp-content/uploads/2019/09/MSA-report-Behind-the-Mask.pdf, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČ⁰ State of Israel, Ministry of Strategic Affairs and Public Diplomacy: Terrorists in Suits – The Ties Between NGOs promoting BDS and Terrorist Organizations, 02.2019; https://www.gov.il/BlobFolder/generalpage/terrorists_in_suits/en/De-Legitimization%20Brochure.pdf, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČÂč The Covenant Of The Islamic Resistance Movement – Hamas, 14.02.2006; https://www.memri.org/reports/covenant-islamic-resistance-movement-%E2%80%93-hamas, zuletzt eingesehen 8.03.2021
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ÂČÂł Adam Milstein, The Jerusalem Post: BDS is face of old antisemitism: What will we do to stop it?, 7.10.2019; https://www.jewishpress.com/indepth/opinions/bds-new-face-of-classic-antisemitism-what-will-we-do-to-stop-it/2019/10/07/, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČ⁎ Jan Riebe, Sebastian Mohr: Die BDS-Kampagne gegen Israel oder die Taktik der DiffusitĂ€t. Belltower News, 17. Mai 2019 https://www.belltower.news/die-bds-kampagne-gegen-israel-oder-die-taktik-der-diffusitaet-85185/, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČ⁔ Linkes BĂŒndnis gegen Antisemitismus MĂŒnchen: Stellungnahme zu einer Veranstaltung mit Andreas Zumach in der LMU am 7. 11. 2018, 26.10.2018; Ist BDS antisemitisch? – Zweite Auflage der BroschĂŒre als Text und PDF zum Download, 26.10.2018: https://lbga-muenchen.org/2018/10/26/stellungnahme-zu-einer-veranstaltung-mit-andreas-zumach-in-der-lmu-am-7-11-2018/, zuletzt eingesehen 8.03.2021
Linkes BĂŒndnis gegen Antisemitismus MĂŒnchen: Ist BDS antisemitisch? – Zweite Auflage der BroschĂŒre als Text und PDF zum Download, 17.12.2019 https://lbga-muenchen.org/2019/12/17/ist-bds-antisemitisch-zweite-auflage/, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČ⁶ Wann ist „Israelkritik“ antisemitisch? Teil 2 von 3 einer Mini-Serie ĂŒber die israelfeindliche BDS-Kampagne, 12.08.2018; http://blog.florisbiskamp.com/2018/08/12/wann-ist-israelkritik-antisemitisch-teil-2-von-3-einer-mini-serie-ueber-die-israelfeindliche-bds-kampagne/?fbclid=IwAR3IWtYTAcUWtWLjE399zxGohm5Z80LQgLZgLXh_5Eaa4TrT6i5PGDl0ZS4#Argumentation_3_BDS_als_antisemitische_Struktur, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČ⁷ Zentralrat der Juden in Deutschland: Kampf gegen Antisemitismus ist Aufgabe von uns allen, 18.01.2018; https://www.zentralratderjuden.de/aktuelle-meldung/kampf-gegen-antisemitismus-ist-aufgabe-von-uns-allen/, zuletzt eingesehen 8.03.2021
ÂČ⁞ https://www.juedische-allgemeine.de/politik/platter-antijudaismus/
ÂČâč https://www.evangelisch.de/inhalte/181604/23-01-2021/altbischof-abromeit-im-nahost-konflikt-beide-seiten-hoeren³⁰ http://bds-kampagne.de/2017/07/09/pacbi-leitlinien-fuer-den-internationalen-akademischen-boykott-von-israel-2/
ÂłÂč Deutscher Bundestag: Bundestag verurteilt Boykottaufrufe gegen Israel, 2019, https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw20-de-bds-642892, zuletzt eingesehen 07.10.2021
ÂłÂČ Antony Loewenstein: Jews backing academic boycott against Israel, 12.02.2014: https://antonyloewenstein.com/jews-backing-academic-boycott-against-israel/ , zuletzt eingesehen 07.10.2021
³³ Alex Feuerherdt: Weltuntergang durch Nanotechnologie: Die Israelkritik des Jeff Halper, 22.12.2017: https://www.mena-watch.com/jeff-halper-israel-die-vhs-und-der-weltuntergang/, zuletzt eingesehen 07.10.2021
³⁎ Koordinationsgruppe Frieden: Stellungnahme der KG Frieden zum Schreiben des ‚Kollektiv 26‘, der GrĂŒnen Jugend Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau, der Jusos Ulm und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm vom 09.03.2021, 24.06.2021
³⁔ Haus der Begegnung Ulm: Die globale Auseinandersetzung um die Menschenrechte: Der Kampf um PalÀstina | Vortrag und GesprÀch mit Jeff Halper, https://hdbulm.de/Veranstaltung/die-globale-auseinandersetzung-um-die-menschenrechte-der-kampf-um-palaestina-vortrag-und-gespraech-mit-jeff-halper/ , zuletzt eingesehen 07.10.2021
³⁶ dis:orient, Arabische Juden wollen Anerkennung als FlĂŒchtlinge des Nahost-Konflikts, 23.10.2006, https://www.disorient.de/magazin/arabische-juden-wollen-anerkennung-als-fluchtlinge-des-nahost-konflikts, zuletzt eingesehen 07.10.2021
³⁷ https://bdsmovement.net/sites/default/files/eurovision-logo-bkg.jpg, zuletzt eingesehen 07.10.2021




Quelle: Kollektiv26.blackblogs.org