Januar 23, 2022
Von InfoRiot
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Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (GrĂŒne) im Forst nahe des Potsdamer Telegrafenbergs.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (GrĂŒne) im Forst nahe des Potsdamer Telegrafenbergs.

Foto: dpa/Jens Kalaene

Die Koalitionsfraktionen SPD, CDU und GrĂŒne haben sich ĂŒber die Forstreform geeinigt. »Das Ergebnis ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber doch enttĂ€uschend«, urteilt der Landtagsabgeordnete Thomas Domres (Linke). Positiv vermerkt er, dass es nun kĂŒnftig doch 14 ForstĂ€mter geben solle und nicht nur sechs. Je ein Forstamt pro Landkreis, dies sei ein Kompromiss, mit dem die Linke leben könne, erklĂ€rte Domres am Samstag. »Auch die Erhöhung der Personalzielzahl ist ein Schritt in die richtige Richtung«, sagte er. »Sie Ă€ndert aber nichts daran, dass der Landesforstbetrieb zukĂŒnftig viel zu wenige eigene Waldarbeiter haben wird, um seine Aufgaben zu erfĂŒllen.« 44 Waldarbeiter weniger werde es kĂŒnftig geben, bedauerte Domres.

Am 9. Februar soll sich der Umweltausschuss des Landtags mit der Fortreform befassen, bevor sie vom Kabinett beschlossen wird. Domres erwartet noch eine klarstellende Formulierung, dass keine Waldschule geschlossen wird. Die Koalitionsfraktionen haben das am Freitagnachmittag versprochen. Vorher hatte es so ausgesehen, als ob sechs oder mehr Waldschulen bedroht sind. Aber nun heißt es, man benötige sie alle, um SchĂŒlern ein VerstĂ€ndnis fĂŒr das Ökosystem Wald zu vermitteln.

Dass die Bearbeitung der FördermittelantrĂ€ge fĂŒr den Waldumbau offenbar vom Forstbetrieb an die Landesinvestitionsbank gehen solle, bereitet Thomas Domres Kopfschmerzen. »Das wird fĂŒr mehr BĂŒrokratie sorgen. Wichtig wĂ€ren dagegen niedrigschwellige Förderangebote fĂŒr Waldbesitzer, die ihren Wald umbauen wollen«, sagt er.

In Brandenburg dominieren seit mehreren hundert Jahren Kiefern in Monokulturen. Der Anteil der MischwĂ€lder soll auf 40 Prozent gesteigert werden, was einem natĂŒrlichen Zustand in den hiesigen Breiten nĂ€her kommt. Das Stichwort dafĂŒr lautet Waldumbau. Derzeit gebe es einen Stau bei den AntrĂ€gen auf Fördermittel fĂŒr diesen Waldumbau, erlĂ€utert Domres. Wenn die Bewilligungsstelle zur Investitionsbank wechsele, so mĂŒsste die Bank RĂŒckfragen bei den Revierförstern stellen. Dass es durch diese Verlagerung der ZustĂ€ndigkeit zu einer Kostenersparnis kommt, sieht der Abgeordnete nicht. Er befĂŒrchtet eher das Gegenteil.

Eine Forstreform ist im waldreichen Brandenburg nie eine Kleinigkeit. Stolze 37 Prozent der LandesflĂ€che sind von Wald bedeckt. Umweltminister Axel Vogel (GrĂŒne) hatte im vergangenen Jahr eine Diskussion ĂŒber eine Reform der Forstverwaltung angestoßen. Damals nannte ein vom Minister vorgestelltes Gutachten eine Personalzielzahl von 1280 Stellen. Zu diesem Zeitpunkt waren in diesem Bereich 1420 Mitarbeiter beschĂ€ftigt. Axel Vogel versicherte: »Es wird keine KĂŒndigungen geben. Das Arbeitsvolumen soll gerechter verteilt, Aufstiegsmöglichkeiten sollen geschaffen und Entwicklungsperspektiven fĂŒr NachwuchskrĂ€fte sichergestellt werden.« Da bis zum Jahr 2030 etwa die HĂ€lfte des Personals altersbedingt ausscheide, wĂ€re der Landesforstbetrieb ohne Strukturreform und Neueinstellungen in KĂŒrze nicht mehr handlungsfĂ€hig, hieß es.

»Nach langen und intensiven Diskussionen haben wir einen guten Mittelweg zur Reform der Forstverwaltung gefunden«, erklĂ€rte jetzt der Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick (SPD). Es werde »einen kleinen Stellenaufwuchs geben«. KĂŒnftig soll die Forstverwaltung Roick zufolge 1300 Mitarbeiter zĂ€hlen – und in jedem der 14 Landkreise soll ein Forstamt fĂŒr die hoheitlichen Aufgaben der Betreuung des Waldes zustĂ€ndig sein. Insgesamt werde es in ganz Brandenburg 14 ForstĂ€mter und 14 Oberförstereien geben, erklĂ€rte der SPD-Politiker. Die Oberförstereien organisieren dabei die Bewirtschaftung des landeseigenen Waldes.

Die Personalsituation ist erklĂ€rungsbedĂŒrftig. Wieso spricht Roick bei 1300 Mitarbeitern von einem »Stellenaufwuchs«, wenn der Landesforstbetrieb jetzt noch rund 1400 Mitarbeiter zĂ€hlt? Ein Plus kommt deshalb heraus, weil als VergleichsgrĂ¶ĂŸe eine Wunschzahl dient, die vor ĂŒber einem Jahrzehnt auf Veranlassung des einstigen Finanzministers Rainer Speer (SPD) in die Personalbedarfsplanung des Landes Brandenburg hineingeschrieben wurde. Dass Speer den Posten des Finanzministers 2009 abgab und 2010 von seiner nachfolgenden Funktion als Innenminister zurĂŒcktrat, zeigt deutlich, wie alt diese Zahl ist. Sie stammt aus einer Zeit, als der Landesdienst drastisch reduziert werden sollte. Vor allem die von Speer geplante Absenkung der Stellen bei der Polizei auf 7000 erwies sich jedoch als rein spartechnisch begrĂŒndet und in der Praxis nicht realisierbar. Das Ziel wurde beerdigt. Brandenburg hat heute ĂŒber 8000 Polizisten.

»Unser Ziel ist ein zukunftsorientierter und arbeitsfĂ€higer Landesforstbetrieb«, beteuerte jetzt der CDU-Abgeordnete Ingo Senftleben. »Der Klimawandel stellt uns vor die Aufgabe des Waldumbaus. DafĂŒr brauchen wir eine tragfĂ€hige Struktur des Landesforstbetriebes.« Ähnlich Ă€ußerte sich die Abgeordnete Isabell Hiekel (GrĂŒne). »Nur mit einer modern ausgestatteten Forstverwaltung sowie gut ausgebildeten und hoch motivierten Mitarbeitenden werden wir den erforderlichen Waldumbau stemmen können«, sagte sie. Das, worauf sich SPD, CDU und GrĂŒne verstĂ€ndigt haben, scheint Enno Rosenthal vom brandenburgischen Waldbauernverband zu gefallen: »Das könnte eine gute Entscheidung sein«, sagte er. FĂŒr die in Forstbetriebsgemeinschaften zusammengeschlossenen EigentĂŒmer kleiner WaldstĂŒcke werde wichtig sein, wie ihre Selbsthilfe zur gemeinsamen Waldpflege und zum notwendigen Waldumbau durch »forstfachliche Beratung« gestĂ€rkt werde.




Quelle: Inforiot.de