Juli 28, 2021
Von FAU Flensburg
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Billiglöhnerei fĂŒr deutschen Markt. Lkw-Fahrer des polnischen Amazon-Subunternehmens Demotrans wollen Gewerkschaft grĂŒnden. Ein GesprĂ€ch mit Dawid Mazur

Sie transportieren hauptsĂ€chlich Waren des Onlineriesen Amazon von Deutschland nach Polen und zurĂŒck. Wie sieht Ihr Job genau aus?

In etwa so: 90 Prozent der Waren, die bei Amazon in Polen sortiert und verpackt werden, sind fĂŒr den deutschen Markt bestimmt. Solange die Löhne in Polen sehr niedrig sind, haben wir nicht das Geld, um so viel wie in Deutschland zu konsumieren. Und es ist gĂŒnstiger fĂŒr Amazon, den Treibstoff zu bezahlen als die Arbeiter in Deutschland. Die Arbeitszeit eines Truckers betrĂ€gt 13 bis 15 Stunden am Tag. Ich verbringe mindestens 22 Tage im Monat auf dem Fahrersitz und erhalte dafĂŒr 1.250 Euro netto.

Wie organisieren Sie die Arbeiter in Ihrem Betrieb?

Im Februar dieses Jahres begannen wir damit, FlugblĂ€tter fĂŒr höhere Löhne zu verteilen. Im MĂ€rz fĂŒhrte ich eine Befragung der Fahrer durch. Es ging um die Arbeitsbedingungen und darum, was geĂ€ndert werden sollte. Dann erhielt unser Unternehmen eine Art Preis fĂŒr das schlechteste Transportunternehmen in Polen. Wir organisierten diesen »Wettbewerb« mit meiner Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza, IP. Bei Demotrans sind 1.000 Arbeiter beschĂ€ftigt. Die Leute versuchen sich da zu organisieren. Sie kommen nicht aus der linken Szene, sie sind Arbeiter. Sie nehmen an der Befragung teil und helfen, Flyer zu verteilen. Manchmal lerne ich von ihnen, wie man sich gegen die Befehle des Chefs wehrt. Es ist nicht so, dass ich als Organizer die Arbeiter erleuchte. Die Organisation der Arbeiter ist dort ĂŒber Jahre gewachsen.

Was passiert noch?

Zwei Kollegen haben vor einigen Monaten eine geschlossene Gruppe auf Facebook fĂŒr die Fahrer eingerichtet. Diese hat jetzt 260 Mitglieder. Die Leute sprechen dort freier, können die Firma kritisieren. Sie koordinieren sich, nehmen ĂŒber diesen virtuellen Kanal an der Befragung teil und formulieren Forderungen. Es wĂ€re praktisch, eine formale Struktur der Gewerkschaft im Betrieb zu haben. In der gesamten polnischen Transportbranche gibt es keine Gewerkschaft. Rund 400.000 Menschen arbeiten in diesem Sektor, 25 Prozent aller internationalen Truckfahrer in der EuropĂ€ischen Union sind bei einem Transportunternehmen beschĂ€ftigt, das in Polen ansĂ€ssig ist. Allgemein stehen die Fahrer durch die Bosse konstant unter Druck, keine Gewerkschaft zu grĂŒnden.

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Quelle: Fau-fl.org