Mai 4, 2021
Von InfoRiot
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Opferperspektive veröffentlicht Zahlen

Beratungsstellen zÀhlten 2020 mehr als 1.300 rechte Angriffe

04.05.21 | 20:06 Uhr

Trotz KontaktbeschrÀnkungen hat es vergangenes Jahr in Berlin, Brandenburg und sechs weiteren BundeslÀndern zahlreiche rechte und rassistische Angriffe gegeben. Dem Verein Opferperspektive zufolge wurden tÀglich mindestens drei Menschen Opfer rechter Gewalt.

Die Beratungsstellen fĂŒr Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt beklagen ein anhaltend hohes Niveau von Gewalttaten. Im vergangenen Jahr zĂ€hlten die in acht BundeslĂ€ndern vertretenen Anlaufstellen, darunter in Berlin und Brandenburg, trotz der Corona-EinschrĂ€nkungen 1.322 rechte und rassistische Angriffe. Das sagte die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Brandenburger Vereins Opferperspektive, Judith Porath, am Dienstag in Berlin.

Demnach werden mindestens drei bis vier Menschen tĂ€glich Opfer rechter Gewalt. Von den 1.922 direkt von den Taten Betroffenen seien fast ein FĂŒnftel Kinder und Jugendliche (339) gewesen.

2020: Elf Tote durch rechte Gewalt

Elf Menschen seien 2020 bei rechten Gewalttaten ums Lebens gekommen, darunter die neun Opfer des rechtsterroristischen Anschlags von Hanau im Februar 2020. Jeweils zwei Menschen starben in Sachsen und ThĂŒringen durch homofeindlich motivierte Gewalt.

Zunahme bei anti-asiatischen Rassismus

Rund zwei Drittel aller Angriffe (809 FĂ€lle) registrierten die Beratungsstellen als rassistisch motiviert. Betroffen waren ĂŒberwiegend Menschen mit Migrationsgeschichte und Schwarze Deutsche. Eine starke Zunahme gab es auch beim anti-asiatischen Rassismus.

237 Angriffe richteten sich gegen politische Gegnerinnen und Gegner. Porath kritisierte die anhaltende Diskrepanz zwischen den Zahlen staatlicher Stellen und Behörden und den Zahlen der Beratungsstellen. Viele rechte Taten wĂŒrden von Polizei und Justiz weiterhin nicht als solche erfasst und als einfache KriminalitĂ€t eingestuft.

Vertreten sind die Opferberatungsstellen derzeit in den fĂŒnf ostdeutschen BundeslĂ€ndern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Seehofer: Lage “sehr, sehr beunruhigend”

Allerdings zĂ€hlte auch das Bundeskriminalamt (BKA) im vergangenen Jahr einen Höchststand bei den politisch motivierten Straftaten. Demnach stieg 2020 die Zahl gegenĂŒber dem Vorjahr um 8,54 Prozent auf insgesamt 44.692 Straftaten an. Mehr als die HĂ€lfte dieser politisch motivierten Taten sei auf das Konto von Rechten gegangen.

Das waren gut 3000 mehr als im bisherigen Negativrekordjahr 2016 mit damals heftigen Auseinandersetzungen in der FlĂŒchtlingspolitik. Das sei “sehr, sehr beunruhigend”, weil sich damit ein Trend der vergangenen Jahre verfestige, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Vorstellung der Statistik am Dienstag in Berlin.

Sendung: Abendschau, 04.05.2021, 19:30 Uhr




Quelle: Inforiot.de