November 16, 2020
Von Kollektiv.26 Autonome Gruppe Ulm
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Die gestrige Veranstaltung in Gedenken an Rafael Blumenstock hat uns sehr berĂŒhrt. Von den 70 Teilnehmer*innen brachten einige Blumen und Kerzen mit und es gab spontan zwei BeitrĂ€ge von Zeitzeug*innen. Eine Zeitzeugin ergĂ€nzte uns gegenĂŒber, dass Rafael Blumenstock ein außergewöhnlich begabter Musiker war und auf dem Klavier besonders gut improvisierte. Auch sei er ein sprachliches Talent gewesen.

Die Mutter von Rafael Ă€ußerte sich im SWR.

Große Teilnahme am Gedenken trotz der Pandemie

Wir brachten Transparente an, die in dieser Form schon 1990 und 1991 von Aktivisti verwendet wurden, um die damals schon klar geĂ€ußerten politischen Botschaften wiederzugeben.

Das Mahnmal, welches 1992 beim Gedenken von Aktivist*innen aufgestellt wurde, um der Forderung nach einem dauerhaften Gedenkort Nachdruck zu verleihen, bauten wir es nach und stellten es auf.

 

Unsere Forderung: Ein dauerhaftes Mahnmal in dieser Form auf dem MĂŒnsterplatz.

Nachbildung des Mahnmals von 1992
Auch die Inschrift wurde ĂŒbernommen

Einen Offenen Brief mit unseren Forderungen schickten wir gestern an die Presse und heute an den OB und die GemeinderÀt*innen:

Sehr geehrte Gemeinderatsmitglieder, sehr geehrter Herr OB Czisch,

am 4. November 1990 wurde Rafael Blumenstock auf dem MĂŒnsterplatz brutal ermordet. 2020 jĂ€hrt sich die Tat zum 30. Mal. Bis heute konnten die TĂ€ter und ihre Motive nicht ermittelt werden. Doch gibt es deutliche Hinweise darauf, dass es sich um einen schwulenfeindlichen und rechten Mord handelt. Rafael Blumenstock wurde getötet, weil er anders war.

Rafael schminkte sich gelegentlich, trug „Frauenkleider“, war links und sprach fremde Leute nach dem Namen oder der Telefonnummer an. Viele hielten ihn wohl deswegen fĂŒr schwul. Doch das heißt auf keinen Fall, dass Rafael Blumenstock auch nur einen Funken an Mitschuld an dem Mord trĂ€gt.

Neben der Außenwahrnehmung von Rafael Blumenstock spricht auch der besonders brutale Mord fĂŒr ein Hassverbrechen und es gab Hinweise auf Nazis am Tatort. Zudem gab es zu der Zeit in Ulm eine große PrĂ€senz von Nazis sowie viele Gewalttaten, die dokumentiert sind. Auch gab es viele Angriffe auf vermeintlich Schwule in ganz Deutschland sowie in Ulm. Hier herrschte eine schwulenfeindliche Stimmung.

Eine wirkliche Aufarbeitung der UmstÀnde hat es nie gegeben. Die TÀter sind bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Und die Erinnerung an diese Tat verblasst zunehmend.

Deswegen fordern wir ein neues Mahnmal fĂŒr Rafael Blumenstock, da das alte kaum sichtbar und beschĂ€digt ist und es viel mehr fĂŒr das Vergessen des Mordes als fĂŒr die Erinnerung daran steht. Einen Vorschlag, wie das aussehen kann gab es bereits 1992 von verschiedenen Gruppen: Ein offener Kubus.

Außerdem fordern wir die Einstufung des Mordes als Verdachtsfall rechter Gewalt und eine Veröffentlichung der Informationen damaliger Ermittlungen zu Nazistrukturen sowie eine Untersuchung zu personellen und strukturellen KontinuitĂ€ten der Naziszene von der NS-Zeit bis in die 1990er Jahre und bis heute. Dies könnte eine Aufarbeitung in der Stadt erleichtern und auch Handlungsmöglichkeiten gegen rechte Akteure und Akteurinnen stĂ€rken.

GrĂŒne Jugend Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau
Jusos Ulm
Kollektiv.26 – Autonome Gruppe Ulm
Linke Ulm/Alb-Donau
Festival contre le racisme Ulm
Mein Ich gegen Rassismus
Young and Queer Ulm e.V.

Ulm, 4.11.2020

 

Alle RedebeitrÀge: https://rdl.de/beitrag/der-mord-rafael-blumenstock-ulm

Den Redebeitrag des DZOK Ulm als Film: https://vimeo.com/475206913

Wir danken allen UnterstĂŒtzer*innen und Teilnehmer*innen.

Banner oben rechts mit den Namen Opfer rechter Gewalt in Baden WĂŒrttemberg und Bayern; Das Banner unten ist ein nachgemaltes aus dem Jahr 1991
Das Originale Banner von 1991 Medien berichteten:

Interviw Dennis Scott und Robert Andreasch zu der umfassenden Recherche:

– https://youtu.be/VyrMpbGFkn8

Interview Kollektiv.26:

– https://rdl.de/beitrag/der-mord-rafael-blumenstock-ulm

Recherche:

– https://www.aida-archiv.de/2020/11/04/gegen-das-vergessen-der-mord-an-rafael-blumenstock-in-ulm/

– https://kollektiv26.blackblogs.org/2020/10/13/gegen-das-vergessen-der-mord-an-rafael-blumenstock-in-ulm/

Bericht ĂŒber offenen Brief:

– https://www.donau3fm.de/offener-brief-an-die-stadt-forderungen-zum-30-todestag-von-rafael-blumenstock-133006/

– https://www.schwaebische.de/landkreis/alb-donau-kreis/ulm_artikel,-war-schwulenhass-der-grund-der-ermordung-von-rafael-blumenstock-_arid,11291432.html

Fernsehen

– Landesschau Baden-WĂŒrttemberg am 05.11.2020. Im Beitrag wurde leider nicht ganz deutlich, dass wir eine Einstufung als Verdachtsfall fordern und nichts anderes. https://www.swrfernsehen.de/landesschau-bw/ungeloeste-mordfaelle-rafael-blumenstock-100.html

Veranstaltungshinweise:

– https://www.queer.de/events_detail.php?event_id=5160

– https://ulmtreiben.de/2020/rafael-blumenstock-gegen-das-vergessen-sby4.html

– https://www.ulm-news.de/weblog/ulm-news/view/dt/3/article/77509/Brutaler_Mord_an_Rafael_Blumenstock

– SWR Landesschau: https://www.fnweb.de/fraenkische-nachrichten_artikel,-ravenstein-den-mord-in-erlenbach-im-blick-_arid,1710895.html

Allgemeine Berichterstattung:

– https://www.schwaebische.de/landkreis/alb-donau-kreis/ulm_artikel,-bis-heute-ungeloest-erinnerung

– https://m.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/30-Jahre-nach-dem-Mord-an-Rafael-Blumenstock-Die-Ulmer-Polizei-gibt-nicht-auf-id58477241.html

– https://germanmissing.blogspot.com/2020/09/ulm-totungsdelikt-z-n-von-rafael.html?m=1

– https://www.donau3fm.de/rafael-blumenstock-ungeklaerter-mord-seit-30-jahren-132843/

– SWR mit Aussagen von der Mutter: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/rafael-blumenstock-2020-100.html

– FragwĂŒrdige Berichterstattung bei SWP, Rafael wird als Homosexueller bezeichnet obwohl sich Familie und Angehörige anders Ă€ußern: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ulm/rafael-blumenstock-ulm-mord-muensterplatz-mordkomission-polizei-offene-spuren-4-november-1990-52865799.html

– Konkret Ausgabe 11/2020

– https://m.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/War-es-rechte-Gewalt-Warum-der-Mord-an-Rafael-Blumenstock-nicht-vergessen-werden-soll-id58489226.html

– https://issuu.com/fda-ifa/docs/gai_20dao_20no_20111_20-_20november_202020_20onlin, S.28




Quelle: Kollektiv26.blackblogs.org