Oktober 22, 2021
Von Emrawi
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Oft hören wir ja, dass SexualitĂ€ten, die nicht heteronormativ sind, den Kindern aufgezwungen werden. Dann fragen wir uns aber warum es kein Problem ist, dass Kinder, die teilweise noch nicht mal 12 Jahre alt sind, ein Banner gegen Abtreibungen vor der „Marsch fĂŒrs Leben“ BĂŒhne hochhalten! Außerdem ist es grundsĂ€tzlich schon verwerflich, dass die Eltern ihre Kinder auf eine Demonstration mitnehmen. Und nein liebe Fundis, das ist nicht wie bei FridaysForFuture, weil da gehen die Kinder freiwillig hin und werden nicht von den Eltern hingeschleppt.

Trotzdem gab es an dem Tag einige Erfolge und die Fundis konnten gelungen blockiert werden. Bereits nach nicht mal 50 Metern gab es die erste Sitzblockade, die zweite folgte wenige Meter spÀter. Also mussten die Fundis auf den ersten 200 Metern ihrer Route bereits zweimal umgeleitet werden.

Wenn ihr jetzt denkt das es das war habt ihr euch geirrt. Sobald die Fundis aus einer Nebenstraße der KĂ€rntnerstraße kamen, stellte sich ihnen ein Kleiner Demozug entgegen und verhinderte ein Weitergehen der Fundis. Wenige Minuten spĂ€ter traf ein 2. Demozug untermalt mit Rauchfackeln und Transparenten ein. Die Polizei versuchte zwar die Blockade zu RĂ€umen stellte sich dabei aber sehr blöd an und schaffte es gerade mal die Blockade wenige Meter nach hinten zu drĂ€ngen. Naja, wie dem auch sei die Fundis mussten frustriert die KĂ€rntnerstraße wieder hochgehen, zurĂŒck zu ihrem Startpunkt. Also haben sie es nicht mal geschafft 1/3 ihrer Route zu vollenden. Selten haben wir so frustrierte Fundis gesehen. Es war schön!

Hier findet ihr noch RedebeitrÀge vom Samstag zum Nachlesen:

„Warum sind wir hier?“

Diese Frage wurde mir und einigen von euch heute schon oft gestellt.

„FĂŒr das Recht auf Abtreibung“ wĂ€re eine mögliche Antwort
 „Aber das habt ihr doch schon?“, folgt dann meistens vom GegenĂŒber.

NEIN- haben wir nicht.

Abtreibungen und die Hilfe dabei stehen in Österreich immer noch im Strafrecht. Die Sanktionen sind lediglich unterbestimmten UmstĂ€nden ausgesetzt.

Davon abgesehen, dass ich als Anarchistin sowieso wenig Lust habe mich auf ein „Recht“ zu berufen und darĂŒber zu diskutieren unter welchen UmstĂ€nden der Staat ĂŒber meinen Körper entscheiden darf (Spoiler: unter keinen) folgt in dieser Debatte zusĂ€tzlich meistens irgendwann der leidige Punkt mit der „Fristenlösung“.

„Wann sind ein paar Zellen ein Leben?“ –dazu gibt es zwar wissenschaftliche Standpunkte aber bei den Meisten ist es eine Frage von Überzeugung, von „BauchgefĂŒhl“ (fĂŒhlt sich der Bauch halb voll oder halb leer an?) und nicht zuletzt von Glauben.

Glaube, ein gutes Stichwort, denn die zweite naheliegende BegrĂŒndung fĂŒr unseren Protest ist diese: „wegen den Fundis“ –in diesem Fall erzkonservative Christ*innen, welche heute wieder einmal ihren alljĂ€hrlichen, heuchlerischen „Marsch fĂŒrs Leben“ abhalten.

Ihre Position in der gerade beschriebenen Diskussion ist klar: „fĂŒr das Leben“ –steht ja schon im Namen.

Mein Leben als FLINTA*- Person?

NEIN. –natĂŒrlich nicht.

Wenn ich schlimme SĂŒnderin schon UnZuChT treibe, habe ich die Konsequenzen und den Fötus schließlich auch (aus-) zutragen, der hier ja logischerweise das bEsChÜtZeNsWeRtErE Leben ist.

Doch die klassische „Denkt doch eine*r einmal an die Kinder“-Argumentation ist ohnehin nur vorgeschoben, denn sobald die Kinder auf der Welt sind wird eh fett auf ihr Wohlergehen geschissen.

Habt ihr eine positive Assoziation von Kirche und Kindern?

Oder klingelt eher etwas bei Missbrauchsskandalen, religiösen Umerziehungslagern oder Legitimierung von Gewalt in der Kindererziehung?

Ich sag ja nur


Aber wozu der Zirkus, wenn nicht „fĂŒr die Kinder“?

Nun, einerseits klingt’s gut. Wer wird denn schon was „gegen Kinder“ sagen? Wer sie Verteidigt hat den moralischen „highground“ doch sowieso gepachtet.

Hoffentlich schaut dann auch keine*r genauer hin 😉

Und wo es einen „highground“ gibt, muss es auch einen „lowground“ geben.

Ein Dunkel zu ihrem heiligen Schein, eine Hölle voller DĂ€mon*innen und SĂŒNdE.

UNS.

Uns, die wir es wagen, nicht ins moralische Bild zu passen, die Sex nicht nur auf Reproduktion beschrĂ€nken, die ihre Gebote, ihren Gott und seine Macht, ihre „Macht“ nicht anerkennen.

Und hier sind wir beim eigentlichen Knackpunkt angelangt:

Im Grunde geht es der Kirche nÀmlich einzig um die Macht.

>Föten von heutezahlen morgen hoffentlichKirchensteuer -und sie glauben „Geld ist Macht.“

>Föten von heute halten morgenGewehre im nĂ€chsten „heiligen Krieg“ wenn religiöse FĂŒhrer*innen sie nur ausreichend indoktrinieren –und dabei glauben, das erweitert ihre Macht.

>Wenn Personendie abtreiben ausgegrenzt und fertiggemacht werden, soll das andere abschrecken, das Gleiche zu tun –und die Fundis glauben, so behalten sie die Kontrolle, Grundlage ihrer „Macht“.

Aber wir lassen uns das nicht gefallen.

Wir erkennen ihre „Macht“ nicht an. Sie wird an uns scheitern.

Wir sind die GEGENmacht.

Sollten wir uns fĂŒr eigene Kinder entscheiden, dann sollen diese in Freiheit leben, nicht als Gewicht auf einer moralischen Waage, nicht als Kanonenfutter und nicht um Teil einer Welt zu werden in der die Kirche und der Staat, der die Kirche schĂŒtzt, versuchen sie ihren MachtansprĂŒchen entsprechend passend zu machen.

Um die Ausgangsfrage zu beantworten:

„Wir sind hier, weil wir uns ihre falschen Machtspiele nicht gefallen lassen. Wir sind hier, weil wir die Freiheit erkĂ€mpfen wollen. Die Freiheit sich fĂŒr oder gegen Kinder zu entscheiden und die Freiheit, selbstbestimmt zu leben.“

Also kĂ€mpft ihr dĂ€monisierten! Lasst ihre Hölle wahr werden: bringt ihre „Macht“ ins Wanken!

Sie wollen unsere potentiellen Kinder, weil sie erkannt haben, dass „viele zu sein“ Macht bedeutet.

Wir –die Gegenmacht- mĂŒssen mehr werden.

Aber das Freiwillig und nicht durch ein gerissenes Gummi, Zwang und Elend.

Gegen UnterdrĂŒckung, durch Kirche und Staat! FĂŒr die Freiheit!

Ich könnte diese Rede mit „Ich stehe heute hier weil“ oder einem einfachen Hallo oder Hey oder Hi beginnen, aber nein, das will ich nicht, ich will wirklich, eindringlich, verdammt nochmal klar machen, dass ich wĂŒtend bin. Wir wissen alle, weshalb wir heute hier sind. Wir wissen alle, warum es wichtig ist, uns nicht unsere Autonomie ĂŒber unsere Körper nehmen zu lassen. Wir wissen absolut alle, dass es ein Schlag ins Gesicht ist, ins Gesicht jeder einzelnen FLINTA* Person, dass Menschen und Gruppen wie jene, die heute aufmarschieren, ĂŒberhaupt eine Plattform bekommen.

Mensch darf sich einfach hinstellen, Mensch darf einfach aufmarschieren, Mensch darf einfach Parolen schreien, Ă  la „Abtreibung ist Mord“. Wir haben es schon hundertmal gehört. Und es wird jedes Mal aufs Neue traumatisierender und erschreckender.

Das Trauma, das uns FLINTA* Personen in dieser Welt zugefĂŒgt wird, wĂ€chst jeden Tag, da draußen auf der Straße, sowie in unseren Herzen. Flinta*. Ich rede ganz bewusst von Flinta*. Das bedeutet Frauen, Lesben, Inter, Nonbinary, Trans und Agender Personen. HĂ€? Was? Ist das nicht etwas ĂŒbertrieben? Willst du denn jetzt jede Person miteinbeziehen? DrĂ€ngt das nicht Frauen in den Hintergrund? Lenkt das nicht vom Thema ab?

Ich sag euch mal etwas: Gut und schön und wunderbar und WICHTIG ist es, Frauen zu thematisieren. Aber wisst ihr was? Das Trauma wĂ€chst und wĂ€chst. Und es wĂ€chst nicht nur in den Herzen von Frauen. Es wĂ€chst in den Herzen von trans Personen, von Geschlechtslosen, von denen die sich ja unbedingt in den Vordergrund drĂ€ngen und den Platz wegnehmen wollen. Fakt ist, ich bin wĂŒtend. Ich bin so verdammt wĂŒtend. WĂŒtend auf die Fundis, mehr als alles andere. Aber fasst euch doch mal bei der eigenen Nase. Jedes Mal, wenn ihr dies als ein Frauenproblem und als reines Frauenproblem bezeichnet, werden eure BrĂŒder und Geschwister mit denselben Problemen, Rechten, demselben stĂ€ndig wachsendem Trauma verraten.

Ich bin radikal, ich bin extrem. Vielleicht. Ich bin trans und ich bin aufdringlich. Und das bin ich gern. Denn solange mein Körper mein Körper ist, betreffen mich die Fundis, hassen mich die Fundis auch, wollen mich die Fundis auch tot sehen. Sie werden mich nicht fragen, was und wer ich bin bevor sie auf mich spucken.

Ja ich bin wĂŒtend. Und ich sage es ganz offen: Ich habe Angst. Vor den ach so besorgten „Abtreibungsgegnern“, die hier und heute aufmarschieren und uns alle bis aufs Blut verachten. Ja. Und vor dem Fakt, dass ich vergessen werde. Dass wir vergessen, dass Abtreibung immer ein MENSCHENrecht, ja ein Menschenrecht sein und bleiben soll. Die Betonung, die Hervorhebung, das Uplifting von Frauen ist unglaublich wichtig. Und der Fakt, dass nicht nur Frauen abtreiben, Abtreibungen brauchen und Zugang dazu haben sollten, ebenfalls. Und das kann und soll koexistieren.

Und nicht um aufdringlich und trans zu sein, aber diese Menschen, die da auf der Straße sind, die heute hier gehen dĂŒrfen, die heute glauben sie tun etwas Gutes, die einem Zellklumpen mehr Rechte geben als mir. Ja, nicht um aufdringlich und trans zu sein, aber diese Menschen verachten meine Existenz bis aufs Tiefste. Dass von queeren Personen und Flintas* generell. Ich will die Hand meiner Geschwister in dieser Situation halten, und wissen, dass sie mich auffangen, wenn ich gestoßen werde. Mit anderen Worten: UnterstĂŒtzt eure Flinta* Geschwister oder tut erst gar nicht so, als wĂŒrdet ihr wirklich fĂŒr diese Sache kĂ€mpfen. Denn wir werden im Stich gelassen, und dass nicht nur von jener Grenzwertigkeit, die hier und heute auf der Straße stattfindet. Nein, von jedem. Denn unsere Existenz, unsere Freude und unser Recht auf ein gutes Leben, ist weder voll existent noch normalisiert.

FLINTAS* ERHEBT EUCH! Vergesst eure trans Geschwister nie und lasst uns Hand in Hand kÀmpfen. Lasst die Wut die Angst besiegen.

Fundis merkt euch:

Abtreibung ist und bleibt Menschenrecht!

Eure Kinder werden so wie wir!

Eure Kinder werden alle queer!




Quelle: Emrawi.org