November 27, 2020
Von Anarchistisches Schwarzes Kreuz Jena
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Vom 28. bis 30. September 2018 fand in Novi Sad in Serbien die 12. Anarchistische Buchmesse des Balkans statt. Wir waren bei der Buchmesse mit einem Stand zugegen und haben die Gelegenheit genutzt, an den Veranstaltungen teilzunehmen und mit Genoss*innen aus verschiedenen LĂ€ndern zu sprechen. Im folgenden wollen wir von der Anarchistische Buchmesse des Balkans allgemein, der Stadt Novi Sad und von der diesjĂ€hrigen Buchmesse berichten und die deutsche Übersetzung des Statements der Buchmesse anhĂ€ngen.

Die Anarchistische Buchmesse des Balkans wurde 2003 in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana gestartet und hat sich mittlerweile als ein jĂ€hrliches Großereignis etabliert. Von Jahr zu Jahr wird sie in einer anderen Stadt ausgetragen und bringt Anarchist*innen und AntiautoritĂ€re aus allen LĂ€ndern des Balkans zusammen. Dank dessen hat sich seit Ende der 2000er ein stabiles regionales SolidaritĂ€tsnetzwerk von Anarchist*innen im Balkan gebildet. Aus dem Netzwerk heraus sind in den letzten Jahren auch gemeinsame Projekte entstanden: die balkanweite anarchistische Zeitschrift Antipolitika, deren zweite Ausgabe auf Englisch und Serbokroatisch zum Thema „Jugoslawien“ fĂŒr Ende des Jahres erwartet wird und die gemeinsame Mobilisierung zur Antifa-Demo gegen den faschistischen Lukoff-Marsch in Sofia. Es kommt auch sonst immer wieder zu balkanweiten Mobilisierungen, zuletzt im MĂ€rz bei der antinationalen Demonstration in Thessaloniki. Außerdem hat die Balkan-Buchmesse dazu gefĂŒhrt, dass in einigen StĂ€dten nun auch regelmĂ€ĂŸig anarchistische Buchmessen stattfinden und zwar in Slowenien, Zagreb, Zrenjanin und Thessaloniki.

Mit gut 250.000 Einwohner*innen ist Novi Sad nach Belgrad die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Serbiens. Außerdem ist Novi Sad die Hauptstadt der Vojvodina, einer historisch multiethnischen Region und wirtschaftlich heute die stĂ€rkste Region Serbiens. WĂ€hrend der NATO-Bombardements auf Novi Sad wurde von MĂ€rz bis Juni 1999 außer MilitĂ€ranlagen auch ein großer Teil der stĂ€dtischen Infrastruktur zerbombt. Die drei Donau-BrĂŒcken wurden dabei vollkommen zerstört und auch die Wasser- und Stromversorgung wurde erheblich beeintrĂ€chtigt. Außerdem wurden die stĂ€dtische Ölraffinerie, Fernsehsender und Wohngebiete bombardiert. In Novi Sad gibt es eine seit Jahren stabile radikale Szene. Die Stadt ist in der Region fĂŒr ihre Antifa-Szene und Antifa-Festivals bekannt. Es gibt auch einige Anarchist*innen, die letztes Jahr die Anarchistische Buchmesse in ihre Stadt eingeladen haben.

Die Pfeiler einer der zerstörten DonaubrĂŒcken

Die diesjĂ€hrige Buchmesse fand am letzten Septemberwochenende statt. Insgesamt kamen 150 bis 200 Leute von vor Ort, aus den BalkanlĂ€ndern, aber auch aus Deutschland und Österreich zur Buchmesse. Es gab zahlreiche Aussteller*innen, die Flyer, Plakate, Hefte und BĂŒcher in ihren Sprachen sowie auf Englisch mitgebracht hatten. Neben den vielen InfostĂ€nden gab es ein sehr volles Veranstaltungsprogramm. Im Folgenden wollen wir einen kurzen Überblick ĂŒber die Veranstaltungen geben:

Die Soligruppen fĂŒr die Röszke 11 und die Charmanli 21 berichteten ĂŒber die Inhaftierung von und die Massenprozesse gegen Migrant*innen. Ahmed von den Röszke 11, der seit Herbst 2015 in Ungarn im GefĂ€ngnis sitzt, wurde vor kurzem in dritter Instanz zu 5 Jahren Haft verurteilt. Das bedeutet, dass er wahrscheinlich in den nĂ€chsten Monaten zur Zweidrittelstrafe entlassen wird. Der Prozess der Migrant*innen, die fĂŒr den Aufstand im bulgarischen Lager von Charmanli angeklagt sind und im Lager von Ljubimets wie Gefangene festgehalten werden, wird laut der Soligruppe von den Behörden verschleppt. Ein Ergebnis ist noch nicht absehbar. Indes hat die Soligruppe mit allen KrĂ€ften versucht, eine SolidaritĂ€tskampagne aufzuziehen: Veröffentlichungen auf dem SolidaritĂ€tsblog, Kundgebungen in Sofia und wĂ€hrend der Prozesse in Charmanli, solidarische Prozessbegleitung, eine Briefeschreibkampagne. Zwei weitere antirassistische BeitrĂ€ge kamen aus Griechenland. Eine neue antiautoritĂ€ren Gruppe aus Athen, bestehend aus Genoss*innen griechischer und albanischer Herkunft, stellte eine BroschĂŒre ĂŒber die Situation der albanischen Migrant*innen und ihre UnterdrĂŒckung durch den griechischen Staat vor. Außerdem stellte eine Gruppe aus Anarchist*innen und FlĂŒchtlingen aus Thessaloniki ihr „Bulletin“ vor, eine mehrsprachige Zeitschrift von Migrant*innen fĂŒr Migrant*innen, die mit logistischer UnterstĂŒtzung der anarchistischen Bewegung gedruckt und verbreitet wird.

Zwei Anarchist*innen aus Israel thematisierten aus antirassistischer und antikolonialer Perspektive die Situation in Israel, v.a. die Situation der PalĂ€stinenser*innen im Gazastreifen und im Westjordanland, die Situation der Araber*innen und Beduinen in Israel und der Migrant*innen und FlĂŒchtlinge in Israel. Sie berichteten auch von den Massendemos gegen die Mauer im Gazastreifen, bei der seit MĂ€rz ĂŒber 150 Menschen getötet worden seien. Die beiden Genoss*innen sind Teil der sehr kleinen anarchistischen Szene, engagieren sich in der Wehrdienstverweigerungsgruppe „New Profile“ und in der feministischen Organisation „Coalition of Women for Peace“. Sie riefen zur Boykottkampagne gegen Israel auf, was wir grundsĂ€tzlich kritisch sehen und in einem gesonderten Beitrag kommentieren möchten.

Neben dem Antirassismus war das Thema Antifaschismus bestimmend. Das Netzwerk Crimethinc stellte in einer Veranstaltung seine Thesen vor, u.a. die gemeinsame Kritik von Demokratie und Faschismus im Rahmen einer anarchistischen Staatskritik und die strategische Perspektive eines Dreifrontenkonflikts zwischen sozialer Bewegung, faschistischer Bewegung und demokratischen KrĂ€ften statt einer gemeinsamen Einheitsfront von Anarchist*innen und Demokrat*innen gegen Rechts. Die „Antifa Bulgarien“ aus Sofia (hier zur facebook-Seite) berichtete von der Antifa-Demo gegen den Lukoff-Marsch vom Februar und rief fĂŒr 2019 wieder zu gemeinsamen Gegenprotesten auf. Das besetzte Haus „Fabrika Yfanet“ aus Thessaloniki und das Blogprojekt „Our Baba doesn‘t say fairy tales“ stellten ihre Analysen ĂŒber die nationalistische Mobilisierung wĂ€hrend des Konflikts um den Namen Makedoniens vor. Dabei ging es vor allem um das PhĂ€nomen des Nationalismus als soziale Bewegung.

Genoss*innen der anarchistischen Föderation aus Ljubljana berichteten von der Gentrifizierung und Touristifizierung in ihrer Stadt. Sie beschrieben diese als Prozesse kapitalistischer Inwertsetzung der Stadt u.a. mit autoritĂ€ren Mitteln wie GesetzesverschĂ€rfungen und stellten sie in den Zusammenhang mit einem Zyklus von Investitionen des internationalen Kapitals im Balkan als einer kapitalistischen Peripherie. WĂ€hrend der Diskussion wurde zusammengetragen, wie staatlich gesponserte Großereignisse dabei eine Katalysatorfunktion einnehmen und VerĂ€nderungen beschleunigen, die im Nachhinein bestehen bleiben. DafĂŒr wurden zahlreiche Beispiele aus der Region zusammengetragen, u.a. die Olympischen Spiele in Athen 2004 und die erfolgreiche Bewerbung von Novi Sad und Timișoara als EuropĂ€ische Kulturhauptstadt 2021

In einer Podiumsdiskussion stellten die anarchosyndikalistischen Initiativen der Region sich selbst und ihre derzeitigen AktivitĂ€ten vor. Mit dabei waren ARS aus Bulgarien, ESE aus Griechenland, Mahala aus RumĂ€nien, MASA aus Kroatien und GASP aus dem Kosovo. Außerdem berichtete die FAU aus Deutschland kurz ĂŒber die neue „Internationale Konföderation der Arbeiter*innen“, ihre Prinzipien und bisherigen AktivitĂ€ten. Die anarchosyndikalistischen Initiativen des Balkans haben sich darauf geeinigt, in Zukunft regelmĂ€ĂŸig zu regionalen Treffen zusammenzukommen.

Weitere Projekte, die sich vorstellten, waren der selbstorganisierte antiautoritĂ€re Kindergarten „Kleiner Baum“ aus Thessaloniki, die drei Bewegungsdruckereien aus Griechenland – „Rotta“ aus Athen, „Druck!“ aus Thessaloniki und „Tittivillus“ aus Thessaloniki – und die „SelbstbildungsuniversitĂ€t Svetozar Marković aus Belgrad, die seit diesem Jahr Selbstbildungsveranstaltungen organisiert.

Aus Jena haben wir nicht nur Info-Materialien des Anarchistischen Schwarzen Kreuzes und die letzten zwei Ausgaben des Anarcho-Infoblatts Jena, sondern auch zwei passende thematische Hefte mitgebracht: „Bewegung im Balkan“, eine Artikelsammlung mit BeitrĂ€gen des ABC Jena zu Bewegung und KĂ€mpfen im Balkan seit 2017 und „Die Proteste vom Februar 2014 in Bosnien“.

Es war nicht nur schön, so viele Anarchist*innen versammelt zu sehen, sondern auch die neuen Projekte kennenzulernen. Seit der letzten Buchmesse wurden folgende Projekte gegrĂŒndet: das soziale Zentrum „Sabota“ in Prishtina, einige neue Hausbesetzungen in Kroatien, die Bewegungsdruckerei „Tittivillus“ in Ioannina, das „Bulletin“ in Thessaloniki. Außerdem wurde sich wie ja bereits erwĂ€hnt auf eine gemeinsame Mobilisierung zur Antifa-Demo gegen den Lukoff-Marsch 2019 in Sofia und ein balkanweites anarchosyndikalistisches Treffen geeinigt. Auch dieses Jahr hat die Buchmesse die anarchistische Bewegung im Balkan also nicht nur zusammen-, sondern auch vorangebracht.

Die nĂ€chste Anarchistische Buchmesse des Balkans wird im September 2019 in Sofia im Rahmen der Feierlichkeiten zum HundertjĂ€hrigen der Föderation der Anarcho-Kommunisten in Bulgarien (FAKB) stattfinden. Damit werden ein regionaler Internationalismus und eine grenzĂŒberschreitende Zusammenarbeit fortgesetzt, wie sie auch fĂŒr unserere Region, Ostdeutschland-Tschechien-Polen, vorbildlich sein könnten.


FĂŒr einen Balkan der KĂ€mpfe und der SolidaritĂ€t

Gemeinsames Statement der Teilnehmer*innen der 12. Anarchistischen Buchmesse des Balkans

Zwischen dem 28. und 30. September 2018 trafen sich zahlreiche Einzelpersonen und Kollektive aus der anarchistischen und antiautoritĂ€ren Bewegung des Balkans und darĂŒber hinaus in Novi Sad zur 12. Anarchistischen Buchmesse des Balkans. Wir kommen aus der ganzen Region und sprechen viele Sprachen: Serbo-Kroatisch, Ungarisch, RumĂ€nisch, Slowenisch, Mazedonisch, Bulgarisch, Albanisch, Griechisch und andere. Das Treffen hat bestĂ€tigt, dass wir trotz unserer verschiedenen HintergrĂŒnde doch eine gemeinsame Sprache sprechen: die Sprache der KĂ€mpfe und der SolidaritĂ€t.

In den Tagen, die wir gemeinsam verbrachten, tauschten wir uns ĂŒber unsere Erfahrungen aus verschiedenen KĂ€mpfen aus, diskutierten und aktualisierten unsere Analysen und machten konkrete VorschlĂ€ge fĂŒr die Zukunft unserer KĂ€mpfe. Wir konnten dabei einige gemeinsame Muster in den politischen Strategien der herrschenden Klasse in der gesamten Region feststellen. Auf der einen Seite setzt sie Nationalismus als Mittel ein, die UnterdrĂŒckten zu spalten und so besser angreifen zu können; auf der anderen Seite schafft sie mit dem populistischen Nationalismus einen Pseudo-Gegner, der behauptet, die tatsĂ€chlich zerstörerischen Folgen der kapitalistischen Offensive zu bekĂ€mpfen, wĂ€hrend er dem globalen Kapital doch eigentlich nur neue Möglichkeiten zu seiner Restrukturierung bietet.

Nationalismus geht wie ĂŒblich mit Militarismus, einem erneuertem religiösen Fundamentalismus und dem Patriarchat einher. Das zeigt sich deutlich in der aktuellen Phase zwischenstaatlicher Spannungen und im Aufstieg des Nationalismus als Bewegung (z.B. zwischen Kosovo und Serbien, Mazedonien und Griechenland, Bosnien und Herzegowina, in Kroatien usw.). Es wurde betont, dass koordinierte Aktionen und balkanweite Kampagnen gegen Nationalismus, Militarismus und sonstige Formen der Spaltung der UnterdrĂŒckten bitter notwendig sind. Diese können wir nur durch die gemeinsame Mobilisierung gesellschaftlicher Bewegungen erreichen. Den nĂ€chsten Anlass, zu dem wir konkret auf dieses wichtige Ziel hinarbeiten können, stellt die Mobilisierung gegen den faschistischen Lukoffmarsch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia im Februar 2019 dar. Wir drĂŒcken unsere UnterstĂŒtzung des Antilukoffmarsches aus und rufen Alle dazu auf, vor Ort Bewegungen gegen Nationalismus anzustoßen und, wenn möglich, nach Sofia zu kommen. Wir weisen an dieser Stelle auch darauf hin, dass wir unsere Strukturen vor faschistischen Angriffen schĂŒtzen und zurĂŒckschlagen mĂŒssen.

Wir erkennen an, dass der Expansion des globalen Kapitalismus aufgrund der endlichen Natur unseres Planeten Grenzen gesetzt sind. Um diese EinschrĂ€nkung zu kompensieren, greift der Kapitalismus bereitwillig auf die tödlichen Methoden direkter PlĂŒnderung und brutaler Ausbeutung zurĂŒck – zumeist und immer wieder in Form von Angriffen auf Arbeiter*innenrechte und die Umwelt. So ist es kein Zufall, dass im Balkan in den letzten Jahren viele KĂ€mpfe gegen die kapitalistische Naturaneignung ausgebrochen sind: gegen die Goldminen von Chalkidiki und Roșia Montană, gegen Wasserkraftwerke an den FlĂŒssen des Balkans, u.a. im Stara Planina in Serbien, an der Mura in Slowenien und der Albona in Albanien, gegen das Fracking in RumĂ€nien und Bulgarien und die Ausbeutung fossiler EnergietrĂ€ger in Griechenland sowie den sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszonen durch lokale Unternehmen und Energiegiganten wie Repsol, Total, ExxonMobil und Edison, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese machen deutlich, wie der extraktivistische Sektor der Wirtschaft, der von einigen wenigen internationalen Großunternehmen verwaltet und von den Justiz- und Repressionsapparaten des Staates gedeckt wird, derzeit ganze Gebiete des Balkans ĂŒbernimmt und im Gegenzug nur Umweltverschmutzung, den Abbau von Arbeiter*innenrechten sowie die Zerstörung von Gemeinschaften zu bieten hat.

In der Peripherie des kapitalistischen Weltsystems werden erhebliche Teile der Gesellschaft durch wirtschaftliche AusplĂŒnderung und Krieg zu Migrant*innen und FlĂŒchtlingen gemacht. Dieser Prozess ist fĂŒr uns im Balkan nicht nur ein theoretisches Problem, sondern eine gelebte Erfahrung. Auf ihrer Suche nach einem neuen Zuhause und im BemĂŒhen, sich ein neues Leben aufzubauen, werden die verschiedensten Bevölkerungsgruppen zur Zielscheibe des Kapitals und der politischen Apparate. WĂ€hrend das Kapital sie direkt als billige Arbeitskraft in die kapitalistische Ökonomie integriert, nutzen die politischen Apparate sie als SĂŒndenböcke, zur Rechtfertigung der zunehmenden sozialer Kontrolle Aller und zur Überwachung und UnterdrĂŒckung der widerstĂ€ndigen Teile der Gesellschaft sowie dazu, die populistische Rechte zu stĂ€rken und die SolidaritĂ€t unter den UnterdrĂŒckten zu unterbinden.

Drei Jahre nach dem zeitweiligen Zusammenbruch der Maschinerie der Festung Europa werden Menschen in GefĂ€ngnisse gesteckt, weil sie gewagt haben, sich dem Regime der Entmenschlichung zu widersetzen, dem sie unterworfen sind. FĂ€lle wie Charmanli in Bulgarien, Moria in Griechenland und Röszke in Ungarn sind nur die bekanntesten und verweisen auf weitere Repression und Kriminalisierung. Dadurch geraten nicht nur die widerstĂ€ndigen Migrant*innen ins Visier, sondern auch die Idee und Praxis politischer transnationaler SolidaritĂ€t selbst. Jetzt, wo die Staaten des Balkans und Europas die Kontrolle ĂŒber ihre Grenzen in großen Maße zurĂŒckerlangt haben, kommen die weniger spektakulĂ€ren, aber dafĂŒr umso tödlicheren Mittel der Kriminalisierung und des Rassismus zum Einsatz, um Menschen an den Rand der Gesellschaft und dabei oft genug in die IllegalitĂ€t und die krasseste Ausbeutung zu drĂ€ngen. Wir erkennen es als Notwendigkeit an, den Zustand des gesellschaftlichen Ausschlusses, der den Migrant*innen und FlĂŒchtlingen aufgezwungen wird, aufzubrechen und das entmenschlichende europĂ€ische Grenz- und Lagersystem zu zerstören. Wir unterstĂŒtzen alle SolidaritĂ€tsaktionen gegen FlĂŒchtlingsheime, Lager, Hot Spots und gegen die Kriminalisierung der Migrant*innen.

Dieses Jahr fand im Rahmen der Buchmesse auch ein Treffen von basisgewerkschaftlichen Initiativen aus dem Balkan statt. So bekamen wir die Gelegenheit uns mit den Arbeiter*innenkĂ€mpfen der letzten Zeit vertraut zu machen: der Hafenarbeiter*innen in Pula und Rijeka in Kroatien, der Putzfrauen im Kosovo, der Arbeiter*innen aus SupermĂ€rkten und CafĂ©s in Griechenland, im Logistiksektor in Bulgarien usw. Angesichts der Gemeinsamkeiten dieser KĂ€mpfe und v.a. der Verflechtung des Kapitals im Balkan haben wir entschieden, die gegenseitige Hilfe und den Informationsaustausch zu stĂ€rken. So haben wir eine gemeinsame Informationsplattform eingerichtet und weitere Maßnahmen ergriffen, von denen wir uns erhoffen, dass sie die Arbeiter*innensolidaritĂ€t im ganzen Balkan befördern. Diese neuen KommunikationskanĂ€le bilden auch die Grundlage fĂŒr die Koordination von direkten Aktionen in der Region. Die anwesenden anarchosyndikalistischen und radikalen basisgewerkschaftlichen Organisationen bekrĂ€ftigten ihre Perspektive, sich auf ArbeitskĂ€mpfe zu konzentrieren, den Arbeiter*innen bei der Selbstorganisation zu helfen und dabei den internationalen Klassenkampf im Balkan zu propagieren.

Zuletzt haben wir beschlossen, uns nĂ€chstes Jahr zur 13. jĂ€hrlichen Anarchistischen Buchmesse des Balkans in Sofia zu treffen. Wir wollen dann als antiautoritĂ€re und anarchistische Bewegung wieder zusammenkommen, Raum fĂŒr die FortfĂŒhrung unserer KĂ€mpfe schaffen und außerdem das hundertste JubilĂ€um der GrĂŒndung der Föderation der Anarcho-Kommunisten in Bulgarien (FAKB) feiern.

Gegen Nationalismus und Kapitalismus! FĂŒr einen Balkan der KĂ€mpfe und der SolidaritĂ€t!

Keine Nation verbindet uns, keine Staatsgrenze trennt uns!

Teilnehmer*innen der 12. Anarchistischen Buchmesse des Balkans

Novi Sad, 30. September 2018




Quelle: Abcj.blackblogs.org