November 25, 2020
Von SchwarzerPfeil
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„Lieber als Rebell sterben, denn als Sklave leben“

Bericht zur Situation in Guatemala

Allgemein: Guatemala ist der bevölkerungsreichste Staat Mittelamerikas.Die Bevölkerung ist ĂŒber die HĂ€lfte indigenisch und stammt von den Mayas ab. Diese wurden wĂ€hrend des 16.Jhrdts. von den Spaniern kolonisiert. Guatemala leidet bis heute am Erbe dieser Kolonialherrschaft. Der Großteil der Bevölkerung ist denn auch röm. katholisch.

Von 1960 bis 1996 gab es immer wieder einen BĂŒrgerkrieg zwischen Guerillatruppen und der Regierung, die meist aus sich abwechselnden rechten MilitĂ€rdiktaturen bestand. Ursache war ein von der CIA initiierter MilitĂ€rputsch im Jahr 1954, der zum Sturz des damals demokratisch gewĂ€hlten, bĂŒrgel.- konservativen PrĂ€sidenten Jacobo Àrbenz GuzmĂ n fĂŒhrte. Der BĂŒrgerkrieg forderte zwischen 150 000 und 250 000 Tote, mehrheitlich davon Angehörige der indigenen Bevölkerung. Sie wurden bei planmĂ€ĂŸigen Massakern der Armee und paramilitĂ€rischen Truppen ermordet. Die Zahl belĂ€uft sich auf mind. 100 000, allerdings ist die genaue Zahl nicht bekannt. Dieser Konflikt wird zu den „schmutzigen Kriegen “ gezĂ€hlt wegen der massiven Menschenrechtsverletzungen.

“ Parasidos Corrupta !“

Die Guatemalteken haben allen Grund, wĂŒtend zu sein und ihre Regierung loswerden zu wollen. Die Macht grĂŒndet sich auf eine kleine Gruppe Oligarchen, welche das Land und die Bevölkerung rĂŒcksichtslos ausbeuten. Es ist eine kriminelle Politik des „Rette sich , wer kann.“ Der so genannte Pakt der Korrupten umfasst ein BĂŒndniss acht oligarchischer Gruppen. Diese werden fĂŒr Angriffe auf Aktivisten, den Ombudsmann fĂŒr Menschenrechte, den Sonderbeauftragten der Straflosenhilfe und Richter, welche sich fĂŒr Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sowie gegen die Korruption einsetzen, in Verbindung gebracht.

Zwischen Januar und Juni 2020 gab es 677 Angriffe auf Aktivisten:innen und bis Mitte August 13 Morde. Februar, Juni und Mai waren die gewalttĂ€tigsten Monate. Nach dem jĂŒngsten Bericht von Global Witness gehört Guatemala zu den LĂ€ndern mit der höchsten absoluten Zahl , die 2019 bei der Verteidigung von Land – und Gemeingut ermordet wurden. Mit diesen Entwicklung wird 2020 zum Jahr mit der höchsten Gewaltrate gegen Aktivisten:innen. Die Bevölkerung leidet unter der Korruption, Gewalt und Misswirtschaft. Die Regierung nutzt die Coronapandemie zu massiven Demokratieabbau. Die Pandemie hat in Guatemala gravierende Auswirkungen. So beklagen die Menschen einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zwecks mangelnder Finanzierung bei gleichzeitigem Ausbau von Privilegien fĂŒr die oligarchen Strukturen. Guatemala hat die höchste Todesrate mit Covid19 in Mittelamerika und der Karibik. Mehr als 2600 FĂ€lle bei einer Sterblichkeit von 3,8% sind zu beklagen. Immer wieder verhĂ€ngt die Regierung den Ausnahmezustand , nicht nur wĂ€hrend der Pandemie. Der neue Haushalt der Regierung unter dem Staatschef Alejandro Giammattei und dem ParlamentsprĂ€sidenten Allan RodrĂŹguez sollte die Ausgaben bei dem schon desolaten Gesundheitssystem, bei der Bildung, den sozialen Einrichtungen so sie ĂŒberhaupt existieren und bei der Staatsanwaltschaft fĂŒr Menschenrechte noch mehr einsparen. Gleichzeitig wollte die Regierung Ministerien finanziell stĂ€rken, die bekannt fĂŒr ihre Korruption sind. Es geht dabei unter anderem um das Ministerium fĂŒr Infrastruktur und Wohnen, in dem Privatunternehmen großen Einfluss haben. Selbst UnternehmerverbĂ€nde widersprachen dem Haushaltsentwurf.

Das war dann auch der Grund, woran sich die Proteste der Bevölkerung entzĂŒndet haben.Eine Gruppe drang dabei in das ParlamentsgebĂ€ude ein, steckte einen Teil in Brand und forderte die rĂŒcknahme des Haushalts und den RĂŒcktritt des Staatschefs Giammattei. Die Proteste verhinderten erstmal die Verabschiedung dieses unsĂ€glichen Haushaltsplanes, der ParlamenstprĂ€sident begrĂŒndete den RĂŒckzug, damit den Frieden und die Regierbarkeit des Landes erhalten zu wollen. p.s. ;; Da hat wohl wer die Hosen voll.;;

Polizei steht Demonstanten gegenĂŒber

Ursache fĂŒr Hunger und Armut

Das Land hat eigentlich beste Voraussetzungen geologisch. Es hat einen fruchtbaren Boden und gutes Klima. Grund fĂŒr die schlimmen ZustĂ€nde ist außer der korrupten Regierung die ungleiche Verteilung, ein Erbe der Kolonialherrschaft. Große Haziendas (Farmen) produzieren ĂŒberwiegend fĂŒr den Export, wobei den kleinen Bauern, welche fĂŒr die lokale Bevölkerung produziert, die Existenz erschwert wird. Das Hauptlebensmittel Mais muss so sogar importiert werden, wobei die Preise seit der MĂ€rz um 10% gestiegen sind und so fĂŒr die arme Bevölkerung kaum noch zu bezahlen sind. In Guatemala waren 2019 nach Daten der FAO (ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorg. der UN) 16% von MangelernĂ€hrung betroffen. 45% der Bevölkerung sind von unsicherer oder schwerer Nahrungsmittellage betroffen. 46,7% der Kinder sind deshalb unterentwickelt. Es gibt in Guatemala Kinderarbeit, sogar in Minen. Diese Zahlen bedeuten, dass 6 Millionen außerhalb einer Krise hungern.

Auch die zunehmende Verschmutzung von FlĂŒssen und Seen durch Bergbau, Agrarwirtschaft und AbwĂ€sser stellt ein ernstes, gesundheitliches Problem dar. Durchfallerkrankungen zĂ€hlen zu den Haupttodesursachen, vor allem bei Kleinkindern. Das Menschenrecht auf sauberes Wasser in einem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung indigenisch ist, wird auch zum Gradmesser fĂŒr die Umsetzung derer Rechte und Selbstbestimmung.

Hungernde Menschen und MĂŒll

Die “ Olla Communitaria“

Basisbewegung und Selbstorganisation

Es gibt in Guatemala eine sehr aktive Bewegung und Aktivisten, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen, fĂŒr das Recht auf Wasser und den Schutz der Natur vor dem Raubbau und gegen Landraub einsetzen. Dabei wurde zuletzt der indigene Aktivist Baja California ermordet.

Die Basisbewegung geht auch mit der neu verschĂ€rften Hungerkrise durch Covid19 aktiv um. Die Olla Communitaria ist eine Basisbewegung, die unabhĂ€ngig von Kirche und grĂ¶ĂŸeren NGOs in Guatemala Stadt enstand. GegrĂŒndet vom Inhaber des Restaurants Rayuela breitete sie sich schnell in viele grĂ¶ĂŸere StĂ€dte und Gemeinden aus. Organisiert ist sie in unterschiedlichen Gruppen, von denen jede ihre Aufgabe hat. So wird gewĂ€hrleistet, dass sich die Arbeit verteilt und damit die Belastung aller verringert wird. TĂ€glich werden von der Olla Communitaria mehrere Tausend essen gekocht und verteilt. Sie ist damit ein leuchtendes Beispiel fĂŒr die erfolgreiche Selbstorganisation. Finanziert wird alles durch Spenden, was bei einer so armen Bevölkerung bemerkenswert ist. Sie erhalten dadurch ihre UnabhĂ€ngigkeit und entziehen sich institutionellen EinschrĂ€nkungen und Auflagen.

Die globale Krise hat auch in Guatemala die VerhĂ€ltnisse verschĂ€rft. Immer mehr Korruption, rĂŒcksichtslose Ausbeutung von Natur, Export, Landraub und Verarmung der Bevölkerung lassen den Widerstand wachsen.

WĂŒnschen wir der Bevölkerung Guatemalas, dass sie es schafft, ihre “ Parasidos Corrupta“ abzuschĂŒtteln und irgendwann hoffentlich auch die Folgen des kolonialen Erbes zu ĂŒberwinden.

Quellen: amerika21, Wiki, UN

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Quelle: Schwarzerpfeil.de