August 3, 2022
Von Indymedia
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„Ich bin in der unglĂŒcklichen Lage, mitteilen zu mĂŒssen, dass ich diesen schwierigen Kampf abbrechen muss, ohne etwas Wesentliches gewonnen zu haben.“ Mit diesen Worten setzte der griechische Anarchist Giannis Michailidis, der seit 68 Tagen im Hungerstreik war, seinen Protest am 28. Juli aus. Einen Tag zuvor hatten Richter einen Antrag auf seine bedingte Freilassung abgelehnt und der korrupte rechtskonservative Staat ließ am Abend eine weitere Demo im Zentrum Athens im TrĂ€nengasnebel ersticken. Die Entscheidung war eindeutig, eher solle Michailidis einen langsamen Tod durch Hungerstreik im Knast sterben, als den gesetzlichen Vorgaben folgend, nach 3/5 seiner Strafe entlassen zu werden. Giannis Michailidis betonte in seiner ErklĂ€rung, dass er weitermachen werde: „Der Kampf ist jedoch noch nicht vorbei, und ich habe nicht vor, ihn unvollendet zu lassen. Die Unterbrechung ist vorĂŒbergehend.“

Die aktuelle korrupte rechtskonservative Staatsjunta von Griechenland will einen totalen Rollback und will daher an Giannis Michailidis auch deswegen ein Exempel statuieren, weil er ein Beispiel einer KontinuitÀt von sozialen KÀmpfen in Griechenland darstellt, durch die verschiedene korrupte Regierungen in der Vergangenheit teilweise ins straucheln gerieten.

Zur Zeit sind in Athen Demonstrationen kaum möglich, weder gegen patriarchale Gewalt und Femizide, noch Gentrifizierung in Exarchia, schon gar nicht zur Situation der Gefangenen. Sie werden brutal niedergeknĂŒppelt oder teils verboten. Das alles auch wĂ€hrend der Tage, an dem die deutsche Außenministerin Baerbock in Athen weilte und Griechenland als den „wichtigsten Partner in der Region“ lobte. Gleichzeitig kauft der deutsche Immobilienspekulant Engel & Völkers ganze Stadtteile in Athen auf.

Das sog. Ministerium fĂŒr BĂŒrgerschutz hat den Ausnahmezustand bis Anfang Oktober mit anlasslosen Kontrollen und VideoĂŒberwachung in zahlreichen Stadtteilen der Hauptstadt Athen ausgerufen, weil die Protestaktionen und Demonstrationen sich stĂ€rker ausweiteten und breiter wurden. LĂ€ngst geht es der rechten Regierung von „Nea Dimokratia“ (mit der deutschen CDU verbĂŒndete rechtskonservative Partei) nicht nur darum, den Gefangenenwiderstand zu brechen, sondern darum mit voller Wucht des seit lĂ€ngerem dezidiert mit neuen Einsatztechniken aufgerĂŒsteten Polizeiapparats die gesamte antagonistische anarchistische Szene und darĂŒber hinaus jeglichen Protest auch von linken und autonomen ZusammenhĂ€ngen zu zerschlagen. Auch weil sie genau wissen, dass sich die sozialen KĂ€mpfe und Streiks in Griechenland angesichts des staatlichen Totalitarismus und der sich wieder stĂ€rker zuspitzenden Krise (Preissteigerungen, Gentrifizierung, etc.) in nĂ€chster Zeit mit Sicherheit wieder intensivieren werden.

Von Anfang an wurde der Kampf von Giannis Michailidis durch eine internationale Kampagne unterstĂŒtzt, die weit ĂŒber die Grenzen Griechenlands hinausging. Es hat viele Aktionen gegeben, von Demonstrationen ĂŒber Besetzungen bis hin zu militanten Aktionen.

Und gerade jetzt, wÀhrend es sich in Griechenland immer weiter zuspitzt, wird es daher wieder Zeit, den kÀmpfenden Genoss:innen gegen den rechtskonservativen korrupten griechischen Polizeistaat mit internationalistischen SolidaritÀtsaktionen zur Seite zu stehen.

Versammlung in SolidaritÀt mit Giannis Michailidis in Berlin, August 2022




Quelle: De.indymedia.org