September 12, 2021
Von Indymedia
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Anfangs waren wir kaum sichtbar, aufgrund einer großen Kundgebung auf der Mittelinsel vor der US Botschaft. Doch durch Infostand, eine laute Anlage und vier Banner wurden wir dann auch wahrgenommen. Menschen blieben stehen und hörten den RedebeitrĂ€gen zu und fragten nach weiteren Informationen. Ein Redebeitrag folgt unter diesem Text.

Wir haben auch vom EU-ParlamentsprĂ€sidenten David Sassoli berichtet, der den us-amerikanischen PrĂ€sidenten Joe Biden aufforderte, Leonard Peltier freizulassen. Außerdem erzĂ€hlten wir von der Postkartenaktion ins ‘Weiße Haus’, von einer Unterschriftenaktion und riefen dazu auf auch an Leonard Peltier selbst zu schreiben. Dazu wurden Flyer und Postkarten verteilt.

Da Leonard Peltier nicht der einzige Gefangene ist, berichteten wir auch von weiteren Aktionen, die schon im August und auch heute stattfanden: Free Them All!

Dies beinhaltete die Kritik an der Masseninhaftierung in den USA, Ausbeutung im gefÀngnis-industriellen Komplex und die kurze Vorstellung einiger Langzeitgefangener, verbunden mit der Forderung ihrer sofortigen Freilassung.

Zum Abschluss wurde ein Abschnitt aus dem Buch ‘Ein Leben fĂŒr die Freiheit’ (M.Koch/M.Schiffmann, TraumfĂ€nger-Verlag, 2. Auflage 2017) vorgelesen, in dem Leonard Peltier sich an alle UnterstĂŒtzer*innen mit der Bitte wendet, den Kampf – auch nach seinem Tod – bitte niemals aufzugeben.

Und zum Ende des Berichts – die Bitte an Euch: Schreibt Leonard Peltier und den anderen Gefangenen.

Free Leonard Peltier- Free Them All!

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Redebeitrag:

Leonard Peltier Redebeitrag

Kundgebung So. 12. September 2021 – US Botschaft – 15:00 Uhr

Solidarische GrĂŒĂŸe aus Berlin

Wir stehen heute, am 12. September, vor der Berliner US-Botschaft um Gerechtigkeit und Freiheit fĂŒr Leonard Peltier zu fordern und senden viele solidarische GrĂŒĂŸe ihn, sowie an alle Menschen, die heute weltweit, Aktionen in SolidaritĂ€t zu ihm, veranstalten.

Heute wird der indigene Aktivist Leonard Peltier 77 Jahre alt – mehr als die HĂ€lfte seines Lebens hat er in KnĂ€sten der US Regierung verbracht. Um genauer zu sein lebt er schon 45. Jahre in Haft. Oder eigentlich sollte ich sagen er ĂŒberlebt seit 45 Jahren.

In einem manipulierten Verfahren wurde er ohne Beweise abgeurteilt. An den angeblichen Mord zweier FBI Beamten glauben nicht einmal seine ehemaligen AnklÀger oder ein ehemaliger US Justizminister. Peltier sitzt in Haft, weil er bis heute zu einer kÀmpfenden Community gehört, die versucht, mit und nicht gegen die Natur zu leben.

Er ist dort Bedrohungen, Angriffen und den Bedingungen der Isolationshaft ausgesetzt. Doch seine Stimme kann auch dadurch nicht zum Schweigen gebracht werden. Leonard Peltier kĂ€mpft, wie vor seiner Verhaftung als Mitglied des American Indian Movement, auch heute fĂŒr die Achtung, WĂŒrde, SouverĂ€nitĂ€t und Freiheit der Indigenen und damit aller Menschen.

In der rassistischen Gesellschaftsordnung der USA wird bis jetzt keine Verantwortung fĂŒr den Ethnozid an der indigenen Bevölkerung ĂŒbernommen. Projekte wie die Black Snake Ölpipeline machen deutlich, dass Menschenleben und Ökologie keine Bedeutung haben, wenn es um Rendite fĂŒr Konzerne geht. 2016 haben Tausende in Standing Rock ein deutliches Zeichen gegen die staatliche Gewalt und die kapitalistische Zerstörungswut gesetzt (#NODAPL), und die Freilassung des lebensgefĂ€hrlich erkrankten Aktivisten Leonard Peltier gefordert, der seit 1976 in Haft ist.

Er weiß, dass er nur noch wenig Zeit hat. Er will sie nicht bis zum letzten Augenblick im „Eisenhaus der Weißen“ verbringen.

Daher mĂŒssen wir uns immer wieder, in großer Zahl zusammen schließen um diesen Kampf, gegen Ungerechtigkeit und UnterdrĂŒckung auch hier zu unterstĂŒtzen.

Freiheit fĂŒr Leonard Peltier – FREE THEM ALL!

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Schreibt Leonard Peltier:

Wir bitten Euch alle Leonard in den kommenden Tagen Briefe in den Knast zu schreiben. Auch wenige Zeilen zeigen dem schwerkranken Peltier, dass Menschen aus aller Welt an ihn denken und weiterhin seine Freiheit fordern.

Und es zeigt den Justizbehörden, dass es ihnen nicht gelungen ist, Peltier weltweit vergessen zu machen.

Bei euren Briefen gilt es einiges zu beachten:

Ausreichend frankieren (zur Zeit 1,10 €) und Absender nicht vergessen. Achtet auf die aktuellen Postregeln fĂŒr USP-Coleman 1: Bitte nutzt nur weißes Papier (ohne Karos und Linien) und weiße UmschlĂ€ge. Adresse und Absender mĂŒssen handschriftlich angegeben werden, keine Aufkleber. Text mit Kuli oder FĂŒller schreiben, keine bunten Stifte. Und bei Briefen an Peltier bitte keine Fotos, handgemalten Bilder, Post-, Weihnachts-, Gruß-, Geburtstags- oder sonstige Motivkarten. Kein parfĂŒmiertes Papier.

Adresse:

LEONARD PELTIER

#89637-132

USP COLEMAN I

U.S. PENITENTIARY

P.O. BOX 1033

COLEMAN, FL 33521

USA

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weiterer Redebeitrag ĂŒber andere Langzeitgefangene in den USA:

Das Thema der Kundgebung heißt ‘Freiheit fĂŒr Leonard Peltier – Free them all!’
Wir wollen daher auch an dieser Stelle exemplarisch einige weitere Gefangene benennen. Mumia Abu-Jamal, den afro-amerikanischen Journalisten, der auch schon seit langem inhaftiert ist – seit beinahe 40 Jahren. Er ist im SCI Mahanoy GefĂ€ngnis derzeit
erneut im Corona Lockdown. D.h., dass er seine Zelle in den nÀchsten
zwei Wochen kaum verlassen kann. Die Haftbedingungen sind Àhnlich wie in
Isolationshaft. Alle Gefangenen leiden stark unter Bewegungsmangel. So durfte auch Mumia seit einem Jahr keinen lÀngeren Spaziergang mehr im GefÀngnishof machen. Seine gerichtlichen Anhörungen werden immer wieder mit fadenscheinigen Mitteln verzögert.

Anfang Juli 2021 gab es in den USA, Frankreich, Holland und Haiti erneut
Proteste fĂŒr die Freilassung von Mumia. Das Anarchist Black Cross Philadelphia bereitet fĂŒr heute, den 12. September, einen Massenlauf unter dem Titel “Running Down The Walls” vor, der dieses Jahr Mumias Freilassung als zentrale Forderung hat. Die ehemaligen
politischen Gefangenen Albert Woodfox und Robert King (von den Angola 3)
haben ihre Teilnahme zugesagt. Wir grĂŒĂŸen aus Berlin und wĂŒnschen Ihnen viel GlĂŒck fĂŒr die heutige Aktion.

In den letzten Wochen wurde wĂ€hrend des ‘Black August’ in den USA in SolidaritĂ€t mit Gefangenen, besonders der Widerstand der Gefangenen gegen die brutale UnterdrĂŒckung innerhalb es US-Strafvollzugs beleuchtet. Dieses Jahr haben Gefangene, Angehörige
und GefÀngnisabolitionist*innen den Schwerpunkt (erneut) auf Masseninhaftierung und die Ausbeutung im GefÀngnisindustriellen Komplex gelegt.

Es ging dabei aber auch kÀmpfende Langzeitgefangene, deren Beispiel
inspirierend fĂŒr viele andere Gefangene ist und deren sofortige Freiheit
gefordert wird: Dr. Mutulu Shakur- inhaftiert seit 1986, Rev. Joy Powell inhaftiert seit 2007. Ihre erste Ahörung soll erst 2045 stattfinden dĂŒrfen, Mumia Abu-Jamal- inhaftiert seit 1981,
Sundiata Acoli – inhaftiert seit 1973, Russell “Maroon” Shoatz- inhaftiert seit 1972 – Er leidet bereits im 4. Stadium an Krebs, Veronza Bowers inhaftiert seit 1973, Ruchell “Cinque” Magee – fast durchgĂ€ngig inhaftiert seit 1963 und viele andere Gefangene mehr.

Sie alle mĂŒssen freigelassen werden!

Free them all!




Quelle: De.indymedia.org