September 15, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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In Zeiten des 5G-Ausbaus ist der Kampf gegen diese Kontrollgesellschaft in vollem Gange. Die Angriffe auf die Telekommunikationsantennen oder die Unternehmen, die teil daran haben, auch: in Frankreich wurden seit MÀrz 2020 mehr als hundert Sabotagen gezÀhlt.
Genug, um bei der kapitalistischen Gesellschaft und dem Staat eine Stinkwut zu entfachen. Die Repressionswelle kennte keine Ruhe und die Cops verwenden alle technologischen Überwachungswerkzeuge, die ihnen zur VerfĂŒgung stehen um zu versuchen jede aufkeimende Revolte zu unterdrĂŒcken und zu ersticken.

Seit letztem Jahr wurden wegen der Sabotage an Funkmasten bei um die dreißig Personen Hausdurchsuchungen durchgefĂŒhrt, wurden diese angeklagt oder inhaftiert. Das ist auch der Fall von Boris, einem anarchistischen GefĂ€hrten, der im September 2020 in Nancy fĂŒr die Brandstiftung an zwei Funkmasten im Jura in den Knast gesteckt wurde, und der heute im Krankenhaus liegt, weil es in seiner Zelle gebrannt hat. In einem Brief, den er im Knast geschrieben hat, erwĂ€hnt er die Apparate, die die Cops verwendet haben um wĂ€hrend der Ermittlungen seinen Alltag auszuspĂ€hen: IMSI-Catcher-Koffer, Kameras vor einer Wohnung, GPS-Tracker unter den Autos ihm nahestehender Personen, direktes Abhören und Ortung, Zivis des GIGN [Groupe d’intervention de la Gendarmerie nationale, vergleichbar der GSG9] (aus Versailles) zu seiner Beschattung und Beobachtung, Antrag auf Anbringung einer Wanze in einer Wohnung und in einem MĂ€uerchen eines Parks, in dem er regelmĂ€ĂŸig Freunde traf, diskretes Aufsammeln von Kronkorken, die im öffentlichen Raum zurĂŒckgelassen wurden


In Besançon, einige Monate nach der Inhaftierung von Boris, wurden mindestens zwei Personen seit Anfang 2021 von den Cops angequatscht. WĂ€hrend man von der einen Person nichts weiß, wurde die zweite auf jeden Fall mehrere Male aufgesucht. Klassischer Move, eine Erpressung bezĂŒglich Papieren, wie oft kombiniert mit Isolation und Armut, eventuellem juristischem Dreck oder einfach der Umstand, dass diese Personen sich im Umfeld der militanten anarchistischen Kreise bewegen.

Alles beginnt mit einem ersten Treffen: man bietet ihm Arbeit an, Geld oder eine Wohnung im Austausch fĂŒr Informationen. Man stellt ihm eine schnellere Bearbeitung seiner AntrĂ€ge in Aussicht, und diese umgekehrt zu verzögern, sollte er sich weigern. Unter Druck gesetzt hat er zugestimmt sich zu regelmĂ€ĂŸigen Treffen mit Zivis in einem Park in der NĂ€he des Kommissariats zu begeben.

Seine Missionen sind die folgenden gewesen, solange das Ermittlungsverfahren gegen Boris noch nicht abgeschlossen war und er also noch wegen „krimineller Vereinigung“ angeklagt gewesen war:

  • An der Erfassung von Personen teilzunehmen, die als ihm nahestehend gelten, die Beziehungen zwischen ihnen auszuspĂ€hen und SchwĂ€chen/Druckmittel zu indentifizieren, zukĂŒnftige UnterstĂŒtzungs-/SolidaritĂ€tsaktionen herauszufinden
  • Sich an militante Orte zu begeben und an Veranstaltungen und Treffen teilzunehmen (Kampfplenum im Freien, KĂŒfAs) um die Anwesenheit gewisser bestimmter Anarchist.innen auszuspĂ€hen, die Beziehungen zwischen den Gruppen und den Individuen derselben Stadt zu verstehen, die politischen Verbindungen zwischen verschiedenen StĂ€dten zu identifizieren
  • gewisse Profile und Haltungen auszuspĂ€hen: potenzielle Saboteure, vehementere oder charismatischere Personen als andere (die Cops suchen gemĂ€ĂŸ ihrem eigenen Bild immer einen AnfĂŒhrer!).

Diese Art Situation sÀt Aufruhr und kann nicht schweigend hingenommen werden. Die Manipulation der Cops kennt keine Grenzen und der Einsatz von Spitzeln hat schon immer zu ihren Methoden gehört um die subversiven und anarchistischen Netzwerke zu kartographieren und zu versuchen sensible Informationen zusammenzutragen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: unnötig sich fĂŒr einen Doppelagenten zu halten, man wĂŒsste es, wenn das einem einen Nutzen bringen wĂŒrde. Mit den Cops zu labern bedeutet ihr Spiel mitzuspielen und sich neuen Unterdrucksetzungen auszuliefern. Mit ihnen zu labern bedeutet sie zu informieren, auch wenn es sich um UnverfĂ€nglichkeiten handelt, wenn man beispielsweise irgendwelche Details weitergibt, die es fĂŒr sie nicht sind. Mit ihnen zu labern bedeutet andere in Gefahr zu bringen.
Mit ihnen zu labern bedeutet zu kollaborieren.
Mit ihnen zu labern bedeutet diejenigen zu verraten, die einem nahestehen und die Vertrauensbasis zu anderen zu verlieren und das eigene militante Leben zu ruinieren.

Die Augen und Ohren des Staates werden nie damit aufhören sich in unser Privat- und politisches Leben einzumischen, mit der Technologie als auch mit menschlichen Informationen.
Angesichts dessen, lasst uns ĂŒberall und immer aufpassen, ohne der Paranoia zu verfallen, lasst uns Arten und Weisen finden, wie wir Beziehungen vertiefen, die auf Vertrauen und AffinitĂ€t basieren, wĂ€hrend wir gleichzeitig ganz allgemein lernen nicht leichtfertig zu reden, auch unter uns.

Anarchist.innen aus Besançon,
Septemer 2021

Quelle: Sans Nom




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org