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Am Freitag, den 19. Februar, dem ersten Jahrestag des rassistischen Anschlags von Hanau, wird es vom BĂŒndnis gegen Rechts Braunschweig eine Gedenkkundgebung am Platz der deutschen Einheit um 17 Uhr geben. Wie viele andere rufen wir ebenfalls dazu auf, sich zahlreich (und selbstverstĂ€ndlich unter Einhaltung der notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen wie Mund-und-Nasenschutz sowie Abstand) zu beteiligen!

Am 19.2.2020 ermordete ein fanatischer Rassist in Hanau 9 Menschen aus rassistischen Motiven sowie seine Mutter. In seiner „ErklĂ€rung“ nannte er viele rassistische, verschwörungsideologische und frauenverachtende VersatzstĂŒcke als „BegrĂŒndung“ fĂŒr die Morde. Vieles davon lĂ€sst sich so und Ă€hnlich in vielen anderen Teilen der Gesellschaft finden, wenigstens aber VerstĂ€ndnis fĂŒr derartige Positionen.

Die Hinterbliebenen, Angehörigen und ihre UnterstĂŒtzer*innen verlangen die AufklĂ€rung von HintergrĂŒnden fĂŒr diesen rassistischen Terroranschlag und kritisieren die Berichterstattung, die nicht ĂŒber die verharmlosende und entpolitisierende These eines „psychisch kranken EinzeltĂ€ters“ hinauskommt. Dabei hat sich der Mörder zum einen wohl sehr intensiv ĂŒber den Einfluss seines Vaters brutalisiert und wird von den Hinterbliebenen mittlerweile ebenso als tickende Zeitbombe definiert. Zum anderen hat sich der AttentĂ€ter ĂŒber Foren im Internet im Austausch mit anderen entsprechend politisiert, brutalisiert und den Entschluss zur Tat gefasst. Hinzu kommt, dass in der Zeit des Anschlags die rassistische aufgeladene Berichterstattung von Polizei, Politik und bĂŒrgerlichen Medien  ĂŒber Shisha-Bars als vermeintliche Treffpunkte von „Kriminellen“ einen vorlĂ€ufigen Höhepunkt erreicht hatte. Neben dem Mord an seiner Mutter im eigenen Elternhaus, suchte er seine Opfer vor allem in zwei Shisha-Bars und an einem Kios. Die „ErklĂ€rung“ des rassistischen Terroristen mag durchaus auf einen wahnhaften Verstand hinweisen aber ohne das Anreichern dieses Verstandes durch die rassistische Berichterstattung bĂŒrgerlicher Medien und durch Internetforen mit faschistischen Inhalten und VersatzstĂŒcken, wĂ€re eine AusprĂ€gung von Brutalisierung bis hin zum Entschluss, andere Menschen aufgrund von Hautfarbe und NationalitĂ€t zu ermorden, nicht vollzogen worden.

WĂ€hrend sich sowohl Medien als auch Politik ĂŒber tatsĂ€chliche und vermeintliche Motiviation und Verfasstheit des Mörders sehr intensiv Gedanken machten, wurden die Hinterbliebenen weitestgehend allein gelassen oder durch die Polizei sogar als GefĂ€hrder behandelt. DarĂŒber hinaus wurde mittlerweile bekannt, dass die NotausgĂ€nge einer Shisha-Bar durch den Betreiber auf Anweisung der Polizei verschlossen waren- man wollte bei Razzien gegen die GĂ€ste keine Fluchtmöglichkeiten lassen.

Es gibt noch viel aufzukĂ€ren, um diese sowie die Dimension anderer rassistischer und faschistischer AnschlĂ€ge zu verstehen und die Angehörigen werden nicht mĂŒde, wie sie in einer Mitteilung per Video zum Jahrestag bekrĂ€ftigen. Sie organisieren sich und erheben ihre Stimme. Seien wir gemeinsam der VerstĂ€rker fĂŒr die Hinterbliebenen, Angehörigen und Freund*innen!

Im Gedenken an

Gökhan GĂŒltekin,
Sedat GĂŒrbĂŒz,
Said Nesar Hashemi,
Mercedes Kierpacz,
Hamza Kurtović,
Vili Viorel Păun,
Fatih Saraçoğlu,
Ferhat Unvar,
Kaloyan Velkov
und alle Opfer rassistischer und faschistischer Gewalt.

Aus dem Gedenken an die Opfer von faschistischem und rassistischem Terror erwÀchst unsere Verpflichtung zum Widerstand und zur SolidaritÀt!

Initiative 19. Februar Hanau             Bildungsinitiative Ferhat Unvar

Interview bei Çira Report mit der Bildungsinitiative Ferhat Unvar:




Quelle: Fkfbs.noblogs.org