Mai 15, 2022
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
157 ansichten

Bratach Dubh, Elephant Editions

Anarchist Pamphlet 4

 

Bewaffneter Kampf in Italien 1976-78

Eine Chronologie

Inhalt:

– EINLEITUNG ZUR ÜBERSETZUNG INS DEUTSCHE (Soligruppe fĂŒr Gefangene)
– EINLEITUNG ZUR ZWEITEN
EDITION
– EINLEITUNG
– VORWORT
– UNSERE ROLLE IM GEGENWÄRTIGEN KONFLIKT
– DIFFUSE STADTGUERILLA
– KNASTREVOLTEN
– KNÄSTE, GERICHTE UND DIE LEGALE HIERARCHIE
– EXPROP
RIATIONEN (ENTEIGNUNGEN)
– OPFER DER REPRESSION
–
DRECKSARBEIT
– POLITIKER UND PARTEIZENTRALEN
– GEWERKSCHAFTEN/
SYNDIKATE
– FABRIKEN UND DIE INDUSTRIELLE HIERARCHIE
–
STAATSÄMTER
– HEROIN DEALER
– ANGRIFFE AUF DIE POLIZEI
–
RESTRUKTURIERUNG DER REPRESSION
– ANTI-INSTITUTIONELLE BEWEGUNG, REVOLUTIONÄRE GEWALT, BEWAFFNETER KAMPF. EINIGE REFLEXIONEN.
– ZUR VERALLGEMEINERUNG DES BEWAFFNETEN KAMPFES
– ZUM PROBLEM DES BEWAFFNETEN KAMPFES
– VORWÄRTS GEFÄHRTEN!

EINLEITUNG ZUR ÜBERSETZUNG INS DEUTSCHE (Soligruppe fĂŒr Gefangene)

Einige von uns hatten vor vielen Jahren, also auch lang vor Existenz unserer Gruppe, diese BroschĂŒre gelesen und wollten seitdem diese ins Deutsche ĂŒbersetzen. Diese Tat ist nun vollbracht, was uns natĂŒrlich auch mit großer Freude erfasst, auch wenn vieles weitere noch vor uns steht und zu tun ist. Diese BroschĂŒre, die 1979 auf Englisch veröffentlicht wurde, ist weiterhin auf mehreren Ebenen interessant, wichtig und stellt Fragen auf, die seit der Kampfphase von 1969 bis Anfang der achtziger in Italien vor allem, aber genauso im restlichen Westeuropa, nicht beantwortet wurden. Wir meinen die Epoche, die historisch als der zweite Ansturm des Proletariats gegen die Klassengesellschaft benannt wird und die offiziell den Zeitraum von 1969 bis 1977 umfasst.

Diese interessanten Ebenen, die wir wichtig finden, umfassen einen historischen, einen analytischen und einen revolutionĂ€ren Aspekt. Als diese BroschĂŒre veröffentlicht wurde, waren diese nicht zu trennen und wir wollen nicht suggerieren, es wĂ€re anders zu betrachten, aber vierzig Jahre nach der Veröffentlichung haben sich viele Dinge geĂ€ndert.

GegenwĂ€rtig daher historisch, weil er durch die chronologische Auflistung den lesenden Personen einen Hauch des Niveaus des Konfliktes von 1976-1978 gibt, man bedenke natĂŒrlich, dass diese Auflistung nicht den Anspruch erhebt komplett zu sein, noch alles umfasst zu haben, genauso sich auf die Jahre 1976-1978 konzentriert, die als die intensivsten gelten und den anderen Schriften, die sich mit dieser Zeit befasst haben, einen anderen Blickwinkel verleihen. Angefangen damit, dass die Bewegung in Italien sehr groß war und die Angriffe gegen die herrschende Klasse von vielen ausgetragen wurde.

GegenwĂ€rtig auch analytisch, denn die Auseinandersetzung, die damals die BroschĂŒre fĂŒhrte, historisch war und obwohl vierzig Jahre vergangen sind, bleibt die Auseinandersetzung eine wichtige und daher auch aktuelle. Man darf nicht vergessen, als diese BroschĂŒre veröffentlicht wurde, war diese Kampfphase nicht vorbei und sie konnte den Ausgang, falls WidersprĂŒche nicht gelöst werden wĂŒrden, nicht voraussehen, aber dennoch erahnen.

Und zuletzt revolutionĂ€r, weil die Aufgabe aller RevolutionĂ€re, Anarchisten und Anarchistinnen ganz voran, wie wir schon sagten, innerhalb der Geschichte verstanden werden muss und wenn der Ă€ußerliche Kontext sich verĂ€ndert haben mag, hat er es aber im Kern nicht getan. Der Kampf gegen den kapitalistischen Staat und alle Formen der Herrschaft des Kapitals und der UnterdrĂŒckung, verstanden als deren Abschaffung und Zerstörung, ist nicht nur notwendig, sondern nichts geht um diesen herum, da die Herrschaft des Kapitals das Leben aller Spezies auf diesen Planeten zu vernichten bedroht.

Nicht zuletzt sehen wir diesen Text als eine ErgĂ€nzung fĂŒr die kommende Veröffentlichung von der Autobiografie von Claudio Lavazzas Buch und fĂŒr kommende Auseinandersetzungen, die mit Themen zu tun haben, die diesen Abschnitt der Geschichte betreffen, in Relation stehen, oder aus denen wir einen Bezug fĂŒr weitere historische Debatten schöpfen werden. Gemeint sind die Fragen um Amnestie, um Repression, um Exil, um Knast, der Umgang mit Niederlagen usw.

Ganz zum Schluss ein Übersetzungshinweis, wir haben die Begriffe auf Italienisch Nucleo/Nuclei nicht als Zelle, im Sinne einer Zelle einer bewaffneten Gruppe oder dergleichen, ĂŒbersetzt, sondern als ein Kern ĂŒbersetzt. Im Text, sowohl auf der englischen wie auf der italienischen Version, wird unter beiden Begriffen unterschieden. Uns ist der Begriff und die politische Tragweite der Nucleo/Nuclei bewusst, gehen darauf aber jetzt nicht ein und haben diese sinngemĂ€ĂŸ ĂŒbersetzt.

Soligruppe fĂŒr Gefangene, Berlin, Mai 2022

 

EINLEITUNG ZUR ZWEITEN EDITION

Die Jahre, auf die sich dieses Pamphlet bezieht, markieren eine wichtige Periode fĂŒr die gesamte Bewegung gegen das Kapital. Es war die Zeit, in der die antagonistische Bewegung in Italien endlich alle Tabus bezĂŒglich der Zerstörung, der Gewalt und des Einsatzes von Waffen gegen den Klassenfeind ablegte. Es wurde normal, auf die DemĂŒtigung und Tyrannei des Kapitalismus mit den Waffen zu antworten, die dafĂŒr als am effektivsten angesehen wurden, und auf die Gewalttaten der Bosse, der Polizei und der Faschisten gab es eine unmittelbare Antwort sowohl auf der Straße als auch in konkreten Vergeltungsaktionen gegen sie.

In dieser Zeit entstand eine große Anzahl von Gruppen und Kampforganisationen, die von der Notwendigkeit ĂŒberzeugt waren, den bewaffneten Kampf gegen das Kapital auszuweiten und zu verschĂ€rfen. Viele von ihnen kamen im Einklang mit ihren leninistischen Überzeugungen zu dem Schluss, dass die endgĂŒltige Krise des Kapitalismus gekommen war, dass der Sieg nahe war und dass es an der Zeit war, den Staat zu seinen eigenen Bedingungen zu bekĂ€mpfen, in geschlossenen militaristischen Organisationen (der bewaffneten FlĂŒgel des Proletariats), die darauf abzielten, zuerst den Kampf und dann den Staat zu ĂŒbernehmen und zu leiten. Ihr Ziel war es, GefĂ€hrten in ihre Organisationen zu rekrutieren – die einzigen, die ihrer Meinung nach berechtigt waren, diese historische Aufgabe zu erfĂŒllen – und das Niveau des Kampfes bis zum endgĂŒltigen Moment des Sieges zu steigern. Als sich ihre Analyse als falsch erwies (dass das Ende des Kapitalismus nicht unmittelbar bevorstand, sondern er eine schwierige Phase der Restrukturierung durchlief), begannen sie mit dem Feind zu verhandeln, um ihre Gefangenen freizubekommen, selbst um den Preis, sich vom Kampf und von der Revolution selbst zu disassoziieren1.

Aber es gab noch eine andere Dimension im Kampf Ende der 70er Jahre, eine, die aus autonomen Aktionen bestand, die von AffinitĂ€tsgruppen durchgefĂŒhrt wurden, die fĂŒr die Dauer der Aktion selbst gebildet wurden. Als wir diese Gegeninformation zum ersten Mal veröffentlichten, taten wir das, um die ganze Dimension des bewaffneten Kampfes bekannt zu machen und zu erweitern, und aus diesem Grund beschrĂ€nkten wir unsere Kritik auf die Formen, die dieser Kampf annahm. Indem wir sie erneut abdrucken, tun wir das mit einem anderen Ziel: um zur qualitativen Entwicklung des Kampfes beizutragen. Jetzt, da die Notwendigkeit eines bewaffneten Angriffs gegen das Kapital und den Staat unter den GefĂ€hrten weithin akzeptiert ist, ist es an der Zeit, daran zu arbeiten, den qualitativen Aspekt zu erweitern, der sich heute ausbreitet, indem wir Methoden wie Sabotage gegen die Strukturen des Kapitals anwenden. Diese Sabotage, die in der Regel von kleinen Gruppen von GefĂ€hrten durchgefĂŒhrt wird, die sich auf der Basis von AffinitĂ€t zusammengefunden haben, basiert auf einfachen Mitteln, die jedem zur VerfĂŒgung stehen, und sie enthĂ€lt ein starkes Element von KreativitĂ€t und Freude an dem Wissen, dass es einfach und effektiv ist, das anzugreifen, was uns direkt unterdrĂŒckt, und dass es dafĂŒr keine endlosen Dokumente ideologischer Rechtfertigung braucht. Das bedeutet nicht, dass Waffen im traditionellen Sinne des Wortes nicht mehr relevant sind oder als etwas betrachtet werden sollten, das irgendwann in ferner Zukunft eingesetzt wird. Es ist wichtig, ĂŒber all diese Probleme nachzudenken, um eine effektive und intelligente revolutionĂ€re Perspektive zu entwickeln und zu stĂ€rken.

 

EINLEITUNG

Der SchlĂŒssel zur Zukunft ist Rebellion. In dem Maße, in dem die multinationalen Konzerne ihre Macht ĂŒber die ganze Welt ausbreiten und ihre Gastgeber entsprechend den Anforderungen des (Gesamt-)Profits wechseln, erweisen sich die Gewerkschaften/Syndikate als Kampforganisationen als obsolet und tatsĂ€chlich als direkte Teilnehmer am Restrukturierungsplan des Kapitalismus. Der fortschrittliche demokratische Staat ist bereit, in jedem Bereich Untersuchungen zu unterstĂŒtzen: GefĂ€ngnisreform, ökologische Probleme, Debatten ĂŒber Abtreibung usw., um mit dem Dissens umzugehen und ihn zu einer handhabbaren Dynamik innerhalb des globalen Projekts der sozialen Kontrolle zu machen, und einige der modernen europĂ€ischen Staaten haben sich in dieser Voraussicht als schlauer erwiesen als andere.

Wir wĂŒrden sagen, dass Italien, obwohl es auf ökonomischer Ebene Großbritannien Ă€hnelt, ist sein Platz der des schwĂ€chsten der fortgeschrittenen IndustrielĂ€nder, verfĂŒgt ĂŒber weniger ausgefeilte Mittel, um die wachsenden Schichten derjenigen zu kontrollieren, die an den Rand des Produktionsprozesses gedrĂ€ngt werden. Mit anderen Worten, es ist nicht so, dass Italien ein Land ist, das sich in einer akuteren ökonomischen Krise befindet als Großbritannien, und auch nicht so, dass, weil wir hier in Großbritannien nicht tĂ€glich in unseren Zeitungen Berichte ĂŒber das Verbrennen von Autos von Fabrikmanagern oder das VerprĂŒgeln von Journalisten, die zu KrĂŒppeln gemacht wurden, lesen, dass eine Situation der Revolte auf Massenebene auch nicht existiert.

Es ist nicht die politisierte Minderheit, die die Revolte erzeugt, sondern die Existenz der Ausbeutung. Was wir sagen können, ist, dass es in Großbritannien keine eindeutig politisierte Minderheit gibt, die aus der Masse heraus versucht, ihr eine breitere Perspektive zu geben, nĂ€mlich die der verallgemeinerten Rebellion. In dieser Situation spielen unserer Meinung nach viele Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt der bereits erwĂ€hnte: die FĂ€higkeit des Staates, marginalisierte Gruppen zu rekuperieren und ihnen eine „sozial erfĂŒllende“ Aufgabe zu geben, wie z.B. die Beteiligung an ErlebnisspielplĂ€tzen, am kommunalen Wohnungsbau, an organisierten Hausbesetzungsprojekten usw., was ihnen eine gewisse Autonomie der Bewegung erlaubt und sehr wenig ĂŒberschĂŒssige Energie fĂŒr solche AktivitĂ€ten wie die Revolution ĂŒbrig lĂ€sst.

Aber wir können dem Staat nicht fĂŒr alles die Schuld geben. Wir haben das GefĂŒhl, dass es innerhalb der Bewegung in Großbritannien eine gewisse aristokratische Tendenz gibt, die die Bedeutung von illegalen Aktionen an der Basis leugnet und immer noch darauf beharrt, Rebellion im Sinne der Arbeiterbewegung zu sehen. Insofern empfinden wir die folgenden Informationen, so unvollstĂ€ndig sie auch sein mögen, als einen Beitrag zur Bildung einer realistischeren Vision davon, wo der Kampf heute liegt.

Die folgende Chronologie ist ein wichtiges Element der Gegeninformation ĂŒber die Situation des Kampfes in Italien. Wir erheben nicht den Anspruch, dass dies ein vollstĂ€ndig reprĂ€sentatives Bild ist. Viele Akte der Rebellion gelangen nie in die Presse, entweder weil sie verschwiegen werden oder weil sie fĂŒr sich genommen zu unbedeutend sind, wie z.B. im Fall von Absentismus2, individueller Sabotage und Selbstaneignung von Waren. Und gerade in diesen Bereichen finden die Gruppen, die in der Minderheit sind, immer mehr die Botschaft, dass eine Intensivierung des Kampfes notwendig ist. Wir hoffen jedoch, dass sich aus dieser umfangreichen Chronologie etwas herauskristallisiert: dass der bewaffnete Kampf in Italien heute nicht in den HĂ€nden einiger weniger professioneller Militanter liegt, sondern dass er fĂŒr Hunderttausende von Menschen eine Art des Seins, eine Art des alltĂ€glichen Lebens ist, und dass dieser Bereich sein Angriffsfeld immer weiter ausdehnt.

Die jungen Leute, die an die RĂ€nder des italienischen Kapitalismus gedrĂ€ngt wurden, schaffen mit ihren Aktionen ihre eigene Theorie. Sie haben nicht nur erkannt, dass es innerhalb der gegenwĂ€rtigen Struktur nichts fĂŒr sie gibt, sondern auch, dass sie nichts von ihr wollen. Sie wollen sie in jeder Form, in der sie sich prĂ€sentiert, zerstören, und das betrifft nicht nur die Institutionen, sondern auch die Menschen, die sie als solche funktionieren lassen. Ähnliche Haltungen tauchen auch unter den angestellten Arbeitern im Kontext der Fabrik wieder auf, nach einer Periode relativer Stagnation seit den KĂ€mpfen von 1973. Dies hat zu einer Situation der ideologischen Krise innerhalb der organisierten Linken gefĂŒhrt. Einerseits hat die massenhafte Verweigerung des Systems die retrograde3 Linke nicht aus ihrer radikalen Kritik herausgelassen; andererseits sehen sich dieselben Gruppen mit einer lebendigen Situation der Rebellion konfrontiert und lassen ihre abstrakten Theorien ĂŒber ökonomische KreislĂ€ufe im Regen stehen. Sie stehen vor der berechtigten Frage: Was werden wir tun? Leider ist die Antwort in vielen FĂ€llen eine, die in der Vergangenheit von Gruppen mit stalinistischem Charakter gefunden wurde: die polizeiliche Betreuung der spontanen Bewegung.

Aber es ist nicht möglich, eine einfache Demarkationslinie zu ziehen zwischen „autoritĂ€ren“ Gruppen, die sich so und so entwickeln, und „libertĂ€ren“ Gruppen, die automatisch die Wahrheit des Augenblicks im Kampf der Massen finden. Jede Gruppe oder Tendenz, die sich als „TrĂ€ger der Wahrheit“ betrachtet und versucht, der Situation ihre Ideologie aufzuzwingen, stellt sich automatisch auf die Seite der Konterrevolution, egal wie sĂŒĂŸ der Klang ihres Labels in unseren Ohren ist. Das soll nicht heißen, dass solche GefĂ€hrten in böser Absicht handeln. Es gibt einen fast schon traditionellen Mangel an Klarheit ĂŒber bestimmte Probleme innerhalb der anarchistischen Bewegung, der viele dazu verleitet, sich auf die (ideologische) Verteidigung von Tendenzen zu stĂŒrzen, die sie nur aus der historischen Lobrede kennen und in der RealitĂ€t, in der sie leben, nie in die Praxis umgesetzt haben.

Wenn die RealitĂ€t des Augenblicks die der Rebellion auf Massenebene ist, wird diese Ignoranz und das Festhalten an alten Modellen besonders gefĂ€hrlich, da es zu dem Versuch fĂŒhren kann, die reale Bewegung zu bremsen, und zu einer Verurteilung von GefĂ€hrten, die auf dem praktischen Feld der Klarstellung arbeiten.

Klarheit ĂŒber das Problem der bewaffneten Intervention im Klassenkampf ist daher von grĂ¶ĂŸter Bedeutung. Erstens, was genau verstehen wir unter dem Begriff „bewaffneter Kampf“? Zweitens, wann ist diese Form der Intervention gerechtfertigt? Drittens, welche organisatorische Form sollte diese Intervention annehmen?

All dies sind Fragen, denen sich die anarchistische Bewegung in Italien in den letzten Jahren stellen musste, einige Gruppen bereitwilliger als andere. Die theoretischen Artikel, die die folgende Chronologie begleiten, sind daher auch eine Frucht der gegenwĂ€rtigen historischen Situation und stellen einen Versuch dar, in eine Richtung zu gehen, von der wir das GefĂŒhl haben, dass sie eine Richtung ist, in der Anarchisten heute im Kampf prĂ€sent sein können.

Es ist klar, dass das, was wir in der folgenden Auswahl von Daten darstellen konnten, begrenzt und manchmal auch ungeordnet ist. Aber eines der Hauptelemente der Rebellion ist Unordnung. Lasst uns also beginnen, wachsam gegenĂŒber der Ordnung in unseren Reihen zu sein und auf die Unordnung um uns herum zu schauen.

Jean Weir
1979

 

VORWORT

1960 geht in Italien die gĂŒnstige/vorteilhafte ökonomische Periode zu Ende, und es kommt zu ZusammenstĂ¶ĂŸen auf den Straßen. Die Regierung, der der Christdemokrat Tambroni prĂ€sidiert, versucht, diese ZusammenstĂ¶ĂŸe zu unterdrĂŒcken, wird aber besiegt. Viele Demonstranten werden von der Polizei in Genua, Rom, Modena, Reggio Emilia und Catania getötet.

1963 kommen die Sozialisten an die Regierung. Die Repression wird wieder aufgenommen. Die Gewerkschaften/Syndikate beginnen, mit den Bossen zu verhandeln. Sie hören allmĂ€hlich auf, die Arbeiter zu vertreten. Im „Heißen Herbst“ 1969 beginnen sich die Arbeiter in den Fabriken autonom zu organisieren, in Form von wilden Streiks, Fabrikbesetzungen usw., und diese Situation hat, mit wechselnden Phasen von Höhen und Tiefen, bis zum heutigen Tag angehalten.

Eine Reihe von marxistisch-leninistischen Organisationen entstehen, zum Beispiel Servire il Popolo (A.d.Ü., dem Volke dienen). Die anarchistische Bewegung versucht, sich durch die FAI (Italienische Anarchistische Föderation) zu re-organisieren.

1968 kommt es zu einer allgemeinen Wiederbelebung der politischen Organisationen nach den MaikĂ€mpfen in Frankreich. In Italien sind es die Anarchisten, die die grĂ¶ĂŸte Entwicklung zeigen, aber die Bewegung ist voller WidersprĂŒche und desillusioniert die meisten, die sich ihren Organisationen nĂ€hern.

1969 wird Lotta Continua geboren, und gleich darauf Potere Operaio. Es ist das Jahr der Massaker auf der Piazza Fontana. Die Bewegung findet ihre Einheit in der Verteidigung der anarchistischen GefÀhrten, die verleumdet und verhaftet wurden.

1970 gibt es einen Aufstand/Insurrektion der Bevölkerung von Reggio Calabria, aber den Faschisten gelingt es, aufgrund der Ineffizienz der politischen Organisationen der GefĂ€hrten, den Kampf zu ĂŒbernehmen.

1969 beginnen die Revolten in den GefÀngnissen, die bis 1972 andauern. Sie tauchen 1973 wieder auf und bringen Leben in die Bewegung der inhaftierten Militanten.

Die ersten Organisationen, die zu einem Bezugspunkt fĂŒr den klandestinen Kampf werden, entstehen. Um 1970 werden in Genua die Gruppi di Azione Proletaria (GAP) gegrĂŒndet. Potere Operaio unterstĂŒtzt sie, aber Lotta Continua verurteilt sie. Hier beginnt die Degeneration der letzteren, die in einem verkommenen Linkstum4 endet, um kurz darauf als Bewegung völlig zu verschwinden und nur eine winzige Gruppe um ihre Tageszeitung zu hinterlassen.

Im gleichen Zeitraum entwickelte sich das Collettivo Metropolitano neben den ursprĂŒnglichen Brigate Rosse (Rote Brigaden, mit einer stalinistischen Matrix, gefĂ€rbt mit verschiedenen Schattierungen des Leninismus): NAP (Nuclei Armati Proletari) oder Bewaffnete Proletarische Zellen; Prima Linea oder Frontlinie; Azione Rivoluzionaria oder RevolutionĂ€re Aktion; Nuclei Combattenti Comunisti oder Kommunistische Kampfzellen5, usw. Diese Gruppen haben ihrerseits die interne Struktur der Roten Brigaden beeinflusst, die, soweit man ihr letztes strategisches Dokument verstehen kann, nun die des leninistischen demokratischen Zentralismus zu sein scheint, d.h. Gruppen, die getrennt arbeiten, aber im strategischen Sinne in Kontakt stehen. Jede Gruppe arbeitet ihre eigenen Analysen und AktionsplĂ€ne aus, legt sie dann dem strategischen Kommando vor, das sie studiert und mit entsprechenden Beobachtungen zurĂŒckschickt. Einzelne Gruppen können von dem strategischen Kommando abweichen und Analysen und Aktionen entwickeln, die möglicherweise nicht dessen Zustimmung finden. Es ist denkbar, dass die Intensivierung der Repression die Roten Brigaden zwingen wird, diese Struktur zu ĂŒberdenken und sich fĂŒr das geschlossene Modell des stalinistischen Typs (das von der alten Garde unterstĂŒtzt wird) oder das offenere Modell, das auf territorialen Auswertungen beruht, zu entscheiden.

Es ist das letztere Modell, das jetzt von anderen Gruppen angewandt wird, mit unterschiedlichem Grad an Überzeugung und Erfolg. Dieser Bruch mit dem starren Modell der Roten Brigaden zeigt sich in den Aktionen der NAP (und in ihren Dokumenten zu Theorie und Organisation) und in neueren Analysen der Kampforganisation Prima Linea. Hier ist der Leninismus mehr verwĂ€ssert und die Autonomie der einzelnen Gruppen (und damit die Sicherheit auf militĂ€rischer Ebene) scheint grĂ¶ĂŸer zu sein.

Die Kampforganisation Azione Rivoluzionaria hat versucht, Theorie und Organisation in eine libertÀre Richtung zu entwickeln, und hat oft explizit Bezug auf den Anarchismus genommen.

Neben dieser Organisation, die auf italienischem Territorium mehr oder weniger effizient und koordiniert arbeitet, gibt es eine Unzahl von kleinen Gruppen und individuellen Militanten, die, ohne sich auf eine spezifische Organisation zu beziehen und oft unter erfundenen Namen, ein PhĂ€nomen konstanter GuerillaaktivitĂ€ten entwickelt haben, das einen sehr interessanten Bezugspunkt fĂŒr die Entwicklung der bewaffneten Konfrontation in Italien ausmacht.

Die folgende Chronologie wurde aus der zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift Anarchismo ĂŒbersetzt und deckt den Zeitraum von MĂ€rz 1976 bis November 1978 ab.

 

UNSERE ROLLE IM GEGENWÄRTIGEN KONFLIKT

Wir sehen die gegenwĂ€rtige historische Situation als eine, die durch einen Zustand zunehmender IllegalitĂ€t charakterisiert ist, in dem sich breite Schichten der Gesellschaft wiederfinden. Millionen von arbeitslosen Jugendlichen und Menschen am Rande der Gesellschaft mĂŒssen mit allen greifbaren Mitteln ĂŒberleben: Tausende von Frauen sind gezwungen, in den Seitenstraßen abzutreiben; Arbeiter praktizieren individuelle Formen der Sabotage, des Absentismus und des Produktionsboykotts; es gibt diejenigen, die in den Konzentrationslagern des Systems (SondergefĂ€ngnisse, psychiatrische Kliniken etc. ) rebellieren; proletarische Hausbesetzer zahlen seit Jahren keine Miete; ethnische Gemeinschaften bekrĂ€ftigen/bestĂ€tigen ihre IdentitĂ€t; „Hooligans“ ĂŒberfĂŒllen Ghettos der GroßstĂ€dte; und viele andere.

Allein die Tatsache, dass all diese Ausgebeuteten sich als lebendige WidersprĂŒche inmitten des totalitĂ€ren Transformationsprozesses des Kapitalismus durchsetzen, stellt fĂŒr den Staat eine unzulĂ€ssige Form der IllegalitĂ€t dar. Die Antwort des Staates besteht darin, dies auf jede erdenkliche Weise zu beseitigen, wobei er ein ganzes Arsenal an brutalen Repressionsinstrumenten einsetzt, im Versuch dies zu erreichen.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, zu versuchen, diese massenhafte IllegalitĂ€t in eine Situation allgemeiner Rebellion zu verwandeln, die der Staat nicht mehr in die Dialektik der Forderung nach besseren Bedingungen/Reform/Kontrolle aufnehmen kann. Es gibt nur einen Weg, dies zu tun: mit Aktionen zu demonstrieren, dass jeder von uns einen Feind hat, der in genauen Strukturen und Personen identifizierbar ist, und dass dieser Feind nicht unverwundbar ist. Wir mĂŒssen durch Aktionen zeigen, dass die individuelle Revolte sich in einen kollektiven Aufstand/Insurrektion verwandeln kann und muss, der als einziger in der Lage ist, uns wirklich von der UnterdrĂŒckung zu befreien. Es scheint uns jetzt klar zu sein, dass dies bedeutet, ĂŒber die begrenzende Logik der Verteidigung gegen staatliche Gewalt hinauszugehen. Es ist instinktiv fĂŒr jeden, der einem Ausbeutungssystem unterworfen ist, das versucht, ihn seinem Willen zu beugen, sich zu verteidigen, und in der Tat versucht dies jeder auf die eine oder andere Weise. Es gibt diejenigen, die sich zu wissenden Kollaborateuren der Macht machen, oder die diese Verteidigung an andere, „fĂ€higere“, delegieren.

Wir, die wir uns als bewusste RevolutionĂ€re verstehen, können uns nicht darauf beschrĂ€nken. Wir mĂŒssen und werden den Staat angreifen. Und darĂŒber hinaus greifen wir ihn nicht an, um ihn seinerseits in Besitz zu nehmen, sondern um ihn in all seinen Formen und Realisierungen zu zerstören.

Das schöpferische Wesen des Anarchismus ist in diesem Werk der Zerstörung gegenwĂ€rtig: Indem wir die hierarchischen Mechanismen der Gesellschaft direkt angreifen und beseitigen, schaffen wir gleichzeitig die Voraussetzung fĂŒr die libertĂ€re Verwaltung der Gesellschaft. Wir schlagen kein vorgefertigtes Gesellschaftsmodell vor, von dessen Gerechtigkeit wir andere ĂŒberzeugen wollen, sondern wir wollen jeden Menschen in die Lage versetzen, seine eigenen Handlungen direkt zu verwalten, frei von den Auferlegungen der Macht und ihrer Diener.

Wir behaupten, dass einige Instrumente des Kampfes nicht nur und nicht so sehr von bestimmten Sektoren der revolutionĂ€ren Bewegung, sondern von der gesamten proletarischen Bewegung erworben wurden, die in keiner Weise auf eine oder mehrere Organisationen oder eine Reihe von Initialen reduziert werden kann. Wir denken, dass die Instrumente, die uns zur VerfĂŒgung stehen, an diese Situation des Kampfes gerichtet werden sollten.


An diesem Punkt sollte darauf geachtet werden, dass das Instrument nicht mit dem zu erreichenden Ziel vertauscht werden soll. Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass die bewaffnete und illegale Praxis im Kampf zum Selbstzweck wird und als solcher gilt, also unverĂ€nderlich, unfehlbar, selbstgenĂŒgsam und allmĂ€chtig ist. 
Die Praxis des gewaltsamen Angriffs gegen den Staat, die wir entwickeln wollen, ist nicht nur und nicht so sehr mit dem Schießen in die Beine notorischer Christdemokraten identifizierbar, sondern muss jeden Aspekt unseres Kampfes, jeden Bereich der Intervention durchdringen. Damit unser Angriff wirksam ist, mĂŒssen wir in der Lage sein, die Strukturen und ReprĂ€sentanten der Macht in jeder Stadt, in jeder Fabrik, in jeder Schule, in jedem Viertel, in jeder Kaserne, in jeder Institution, bis hin zu den Beziehungen, die unter uns bestehen, zu identifizieren und sie mit der ganzen Palette von Instrumenten und Waffen zu treffen, die unsere Phantasie vorschlĂ€gt.

Das sollte uns davor bewahren, in eine leninistische Mystifikation zu verfallen, wo sie, indem sie den Angriff auf ein mythisches „Herz des Staates“ richten, in Wirklichkeit die Eroberung dieses Herzens vorbereiten, um es zu ĂŒbernehmen, wobei sie alle alten Kapillaren intakt und ĂŒber das ganze Land verstreut lassen. Unsere Aufgabe ist es auch, die absurde (fĂŒr den Staat so bequeme) Gleichung „bewaffneter Kampf ist gleich KlandestinitĂ€t“ abzulehnen, die uns dazu verleiten wĂŒrde, die Rolle von „Profis“ des bewaffneten Kampfes zu akzeptieren und unsere AktivitĂ€t und unser Leben auf den rein militĂ€rischen Aspekt des Kampfes zu reduzieren.

Als Anarchisten sollten unsere BemĂŒhungen im Gegenteil darin bestehen, zu zeigen, dass es möglich ist, ĂŒber diese Rolleneinteilung hinauszugehen, gegen die Bildung einer Expertenelite und die falsche (nicht zufĂ€llig vom Staat gewĂŒnschte und geförderte) Alternative zwischen kreativen Menschen und Pistoleros6.

 

DIFFUSE STADTGUERILLA

1976

Februar

23. Mailand: Im Dom wird eine „Messe zur Verteidigung des Lebens“ gefeiert, an der Vertreter aller Schichten teilnehmen, die gegen die Abtreibung und die Ausbreitung des Kommunismus sind, von den Nazi-Faschisten bis zur schweigenden Mehrheit. Die Polizei greift eine Gruppe von GefĂ€hrten an, die versuchen, die Kathedrale zu erreichen. WĂ€hrend der Auseinandersetzungen werden acht Luxusautos und das BĂŒro einer iranischen Fluggesellschaft in Brand gesetzt.

MĂ€rz

12. Neapel: Der Prozess gegen die NAP-Mitglieder, die am 3. MĂ€rz im GefĂ€ngnis rebellierten, soll stattfinden. Hunderte von Proletariern gehen hin, um ihre SolidaritĂ€t mit den Rebellen zu zeigen. Es kommt zu gewalttĂ€tigen ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei. Es kommt zu drei Verhaftungen.

13. Rom: WĂ€hrend die GefĂ€hrten von Lotta Continua und Avanguardia Operaia vor einer Schule FlugblĂ€tter ĂŒber die Verwundung eines GefĂ€hrten von Lotta Continua durch ein MSI-Mitglied7 verteilen, werden sie von Polizisten in Zivil beschossen. Ein GefĂ€hrte wird verwundet, neun werden verhaftet.

13. Rozzano: In der Maschinenfabrik Knipping, die fĂŒr ihre arbeiterfeindlichen Repressalien und die Durchsetzung einer 60/70-Stunden-Woche bekannt ist, brechen etwa 60 Arbeiter durch die Tore ein, zerstören Rechenmaschinen, Schreibmaschinen, Fensterscheiben und Maschinen. Die Polizei rĂŒckt mit einem Großaufgebot an, und 13 Arbeiter werden festgenommen.

14. Rom: Etwa 20 GefĂ€hrten gehen auf die Straße, um gegen das Regime in Spanien zu protestieren, das kĂŒrzlich sieben Proletarier auf der Straße erschossen hat8. Sie werfen Molotows gegen die spanische Botschaft. Drei Polizisten schießen wahllos in die weglaufende Gruppe junger Leute, wobei einer von ihnen, Luigi De Angelis, getötet wird.

17. Turin: Nach Sabotageakten im FIAT-Werk in Turin wird die Produktion in ganz Italien blockiert. In Pomigliano blockieren die Arbeiter von Alfa Romeo und Aeritalia die Autobahn. In Pozzuoli legen die Arbeiter von Sofer, Olivetti und Icon die Gegend lahm. Ähnliche Aktionen finden in Mailand statt, wo Fabriken menschenleer sind, Straßen blockiert und RathĂ€user belagert werden. Auch in Pordenone, Genua, Bologna, Macerata, Bergamo und Ivrea kommt es zu Aktionen. Die Gewerkschaften/Syndikate kĂŒndigen die Vorbereitung eines kontrollierten Streiks an, um zu versuchen, die spontane Rebellion zu rekuperieren. Alles hĂ€ngt nun von der kritischen FĂ€higkeit der Arbeiter ab. Diejenigen, die die Gewerkschafts- SyndiaktsanfĂŒhrer beleidigt haben, indem sie ihre Vereinbarungen mit den Unternehmern verspotteten, und die sich weigern, sich „zum Wohle der Nation“ zu opfern, mĂŒssen entdecken, dass sie im Rahmen der bestehenden Gesellschaft nicht viel erreichen können, aber dass sie sich alles nehmen können, indem sie die Grundlagen selbst umgestalten. Die Bosse können nicht mehr zahlen, aber sie können verschwinden.

18. Padua: Die Polizei geht brutal gegen Studenten in der Mensa der UniversitĂ€t vor, wo sie ein Sit-in veranstalteten. Sie brechen ohne Vorwarnung ein und schießen TrĂ€nengas. SpĂ€ter am Tag schießt die Polizei in eine Menschenmenge außerhalb des UniversitĂ€tsgebĂ€udes und verwundet fĂŒnf Menschen.

25. Generalstreik. Turin, Pavia, Varese, Novara, Genua, Padua, Florenz, Neapel und Potenza – ZusammenstĂ¶ĂŸe vor den RathĂ€usern. Straßen- und Schienenblockaden in Trient, Massa, Bari und Treviso.

26. Mailand: Radikale Kritik wird in die Praxis umgesetzt. Ein von Sozialisten veranstaltetes Popkonzert im Paladino zeigt, dass die Warnungen, solche Veranstaltungen wĂŒrden nicht geduldet, ernst gemeint waren. Hunderte von GefĂ€hrten, die sich bewusst sind, dass der Kapitalismus nicht nur in den Fabriken, Regierungen und Polizeistationen ist, sondern in allen Situationen unseres tĂ€glichen Lebens, unserer gesamten sozialen Existenz, verwĂŒsten den Saal und brechen das Konzert ab.

30. Neapel: Arbeitslose Arbeiter, mĂŒde von Demonstrationen und gebrochenen Versprechen, beschließen, sich Gehör zu verschaffen. Sie greifen das Arbeitsamt und den Hauptbahnhof an, wo sie Waggons der ersten Klasse beschĂ€digen. Sie errichten Barrikaden im Stadtzentrum, ĂŒbernehmen Busse und Autos und widerstehen ĂŒber vier Stunden lang den Angriffen der Polizei. Ämter und GeschĂ€fte werden verwĂŒstet. Es kommt zu 29 Verhaftungen.

Mai

1. Rom: Ein von Autonomia Operaia organisierter Marsch wird von der Polizei angegriffen. Die GefÀhrten verteidigen sich mit Steinen und Molotowcocktails. Viele werden verwundet. 24 Verhaftungen.

27. Treviso: Bei einer MSI-Versammlung kommt es zu gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei. Sechs GefĂ€hrten werden verhaftet.

31. Florenz: Elf GefĂ€hrten werden bei ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei bei einem Treffen des MSI-FĂŒhrers Almirante verhaftet.

Juni

28. Rom: Es kommt zu gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen, als eine riesige Menschenmenge aus dem vom Proletariato Giovanile (proletarische Jugend) organisierte Festival im Parco Lambro ausbricht. Tausende von „Autonomen“ weigern sich, von den Gruppen der Politicos9 kontrolliert zu werden, die den Teilnehmern des Festivals ihre Vorherrschaft aufzwingen wollten, und es kommt zu gewalttĂ€tigen ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei. Diejenigen, die an die Idee der Revolution als allgemeiner Diskussionspunkt, der braven Revolution, gewöhnt sind, können nicht verstehen, dass die proletarische Revolution ungeordnet, wild, schĂ€ndlich ist.

Juli

15. Mailand: Die Richter dulden die Entlassung von vier Arbeitern wegen ihrer politischen Ideen bei ihrem Berufungsprozess. Die Carabinieri antworten auf die öffentliche Wutbekundung mit Angriffen auf sie, wobei viele verwundet werden.

29. Ravenna: Ein von der Federazione Giovanile Comunista Italiana organisiertes Fest wird aufgelöst. Viele GefĂ€hrten, irritiert ĂŒber die hohen Preise, das verkommene Spektakel, den Stacheldraht und die Durchsuchungen durch KP-Aktivisten, beginnen in der NĂ€he zu protestieren. Die Polizei schießt auf sie, ein GefĂ€hrte wird getötet. Gruppen von GefĂ€hrten errichten Barrikaden, reißen Straßenschilder um, plĂŒndern GeschĂ€fte und greifen das Rathaus und das PolizeiprĂ€sidium an.

September

13. Neapel: Eine Gruppe von arbeitslosen Arbeitern wird von der Polizei angegriffen, 30 Menschen werden verwundet und zahlreiche Verhaftungen werden durchgefĂŒhrt.

Oktober

8. Arese: Wilder Streik im Alfa-Romeo-Werk gegen die von der Regierung vorgeschlagenen Steuererhöhungen und die Verteuerung des Benzins. FIAT-OM-Arbeiter blockieren den Verkehr auf der Hauptstraße. Weitere spontane Aktionen finden in allen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten statt. Die Gewerkschafts- SyndikatsbĂŒrokraten sind gezwungen, einen Generalstreik auszurufen.

November

30. Turin: 23 GefÀhrten werden nach einem Angriff auf die RÀumlichkeiten der rechtsgerichteten katholischen Organisation Comunione e Liberazione verhaftet.

Dezember

7. Mailand: Die Stadt befindet sich seit den frĂŒhen Morgenstunden im Belagerungszustand, mit Tausenden von Polizisten und Carabinieri, da die GefĂ€hrten planen, die Premiere der Scala zu sabotieren. Im gesamten Stadtzentrum kommt es zu stundenlangen ZusammenstĂ¶ĂŸen. GeschĂ€fte werden verwĂŒstet, Busse und Autos in Brand gesetzt und Barrikaden errichtet. 33 Verhaftungen. Zwei GefĂ€hrten werden schwer verwundet.

20. Cagliari: Über tausend Menschen demonstrieren aus Protest gegen die Tötung des 17-jĂ€hrigen Wilson Spiga. Der Junge war ĂŒber eine rote Ampel gefahren und wurde von einem Polizisten in Zivil erschossen.

 

1977

Januar

14. Rom: Die Buchhandlung Maraldi wird wĂ€hrend einer Demonstration aus Protest gegen die faschistische Versammlung in der Stadt in Brand gesetzt. Außerdem werden Molotows gegen ein christdemokratisches Lokal geworfen.

30. Neapel: Die Polizei provoziert GefĂ€hrten, die ein Konzert verlassen. 37 Personen werden angegriffen, verprĂŒgelt und verhaftet, ohne einen anderen Grund als den, dass sie linke Militante sind.

Februar

2. Rom: Ein Protestmarsch gegen die Ermordung des GefÀhrten Bellachioma durch einen Faschisten wird mit Maschinengewehrfeuer angegriffen. Die ersten, die schossen, waren zwei Polizisten in Zivil; andere folgen ihrem Beispiel und verletzen zwei Menschen.

2. Turin: Die faschistische Buchhandlung Fogola und ein CafĂ©, Treffpunkt fĂŒr Faschisten und Heroindealer, werden in Brand gesetzt.

3. Pisa: Das GeschĂ€ft eines berĂŒchtigten Faschisten wird verwĂŒstet. Die Polizei greift ein und macht eine Verhaftung.

16. In ganz Italien: UniversitĂ€ten werden besetzt. Die Besetzungen, die im Zusammenhang mit der Malfatti-Reform stehen, entwickeln sich zu einer allgemeinen Kritik an allen Formen der Entfremdung. Sie werden zur Ablehnung von AutoritĂ€ten, BĂŒrokraten, Parteien und Gewerkschaften/Syndikaten.

18. Rom: Der Gewerkschafts- SyndikatsanfĂŒhrer (CGIL) Lama versucht, eine Versammlung in der besetzten UniversitĂ€t abzuhalten. Er und seine Gorillas werden von Tausenden von Studenten verjagt, die die Plattform, auf der er steht, zerstören. Die KP ruft zum Polizeieinsatz gegen Studenten auf, die die UniversitĂ€t verwĂŒsten, bevor sie sie den OrdnungskrĂ€ften ĂŒberlassen.

MĂ€rz

4. Rom: Nach der Verurteilung von Fabrizio Panzieri zu neun Jahren Haft wegen der Ereignisse, die zum Tod des faschistischen Mantakas gefĂŒhrt haben, werden Carabinieri in den GĂ€ngen des Obersten Gerichts von der Öffentlichkeit angegriffen. Viele GefĂ€hrten werden durch Schlagstöcke und TrĂ€nengas verwundet.

5. Rom: Zwanzigtausend versammeln sich aus Protest gegen Panzieris Urteil. Nach einem Moment der Verwirrung verteidigen sie sich und sind stundenlang der Polizei voraus. Autos und Busse werden als Barrikaden benutzt. Sieben GefÀhrten werden verhaftet.

8. Palermo: Die Polizei greift eine Gruppe von GefĂ€hrten an, die beschlossen haben, die Eintrittspreise bei einem Konzert zu senken. Es kommt zu schweren ZusammenstĂ¶ĂŸen, bei denen von der Polizei SchĂŒsse in die Menge abgegeben werden.

11. Bologna: Tausende von GefĂ€hrten gehen auf die Straße, nachdem der GefĂ€hrten von Lotta Continua, Franco Lo Russo, an der UniversitĂ€t ermordet wurde. Eine christdemokratische Buchhandlung wird in Brand gesetzt, GeschĂ€fte werden geplĂŒndert, das Rathaus wird angegriffen und der Bahnhof besetzt. Der BĂŒrgermeister der Kommunistischen Partei ruft die Armee herbei.

12. Rom, Bologna, Turin, Padua, Lecce, Messina usw.: Bewaffnete GefĂ€hrten stoßen mit der Polizei zusammen und greifen ParteigebĂ€ude und GeschĂ€fte an. Die Wut von Tausenden breitet sich auf den Straßen aus, angefacht durch die Ermordung von Franco Lo Russo und die Verurteilung Panzieris zu einer GefĂ€ngnisstrafe, durch die wachsende Emargination10 und die verkommenen Spiele der Macht. Waffenlager werden geplĂŒndert und Pistolen und Gewehre unter den Demonstranten in Rom und Bologna verteilt. Faschistische Treffpunkte, Autos, Busse, GeschĂ€fte, Restaurants und BĂŒros gehen in Flammen auf.

18. Mailand: Bewaffnete GefĂ€hrten brechen von einem Marsch aus und dringen in die Zentrale der Firma Marelli ein. Sie nehmen den Anwesenden die Brieftaschen mit den Personalausweisen usw. ab und setzen das GebĂ€ude in Brand. Zehn Minuten spĂ€ter werden weitere BĂŒros angegriffen. Um 12 Uhr nimmt ein Kommando Pistolen und Munition aus einem Waffenlager mit. Um 13 Uhr wird das BĂŒro einer Firma, die fĂŒr ihre Ausbeutung von Jugendlichen bekannt ist, mit Molotows angegriffen.

April

1. Venedig: Gewaltsame ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen der Polizei und Demonstranten, die versuchen, mit selbst ermĂ€ĂŸigten Eintrittskarten in das Melibran-Theater zu gelangen.

21. Rom: Schlacht an der UniversitĂ€t zwischen Hunderten von GefĂ€hrten und Polizeieinheiten. Die „Autonomen“ antworten mit Waffen. Ein Polizist wird getötet, ein weiterer verwundet.

Mai

14. Mailand: Bei einem Zusammenstoß zwischen „Autonomen“ und Polizei wĂ€hrend einer Demonstration wird einem Carabinieri-Sergeant in die Stirn geschossen und er stirbt einige Tage spĂ€ter.

19. Mestre: Eine Gruppe von GefĂ€hrten befreit zwei Feministinnen, die von der Polizei verhaftet wurden, nachdem sie die Scheibe eines Kinos eingeschlagen hatten, um ein Plakat fĂŒr eine Striptease-Show herunterzureißen.

19. Mehrere Orte: Obwohl die Regierung so weit gegangen ist, nicht nur Tausende von Polizisten, Sonderstaffeln und Carabinieri zu mobilisieren, sondern auch ParkwĂ€chter und ForstwĂ€chter bewaffnet hat, finden in vielen StĂ€dten weiterhin Demonstrationen statt. In Rom nehmen Tausende von Studenten an einer Versammlung an der UniversitĂ€t teil, die von der Armee umstellt wird. In Mailand explodieren zwei Bomben in einer U-Bahn-Station und verhindern den Zugverkehr. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von Prima Linea ĂŒbernommen, die schreiben: „die Sabotage in der U-Bahn an diesem Arbeitstag und somit Tag des Profits fĂŒr die Bosse, ist mit anderen Formen der MassenillegalitĂ€t verbunden“. In Padua ist die UniversitĂ€t voll mit GefĂ€hrten, die den OrdnungskrĂ€ften den Kampf ansagen. 15 Autos werden verbrannt, ein weiteres Dutzend wird umgeworfen und als Barrikade benutzt, und Panzer werden mit Molotows angegriffen. In Genua besetzen Hunderte von Jugendlichen die Straßen und Seitenstraßen des Stadtzentrums, liefern sich eine heftige Straßenschlacht mit der Polizei und ziehen sich dann in ihre „StĂŒtzpunkte“11 zurĂŒck.

Juni

10. Turin: WĂ€hrend die Diskussionen mit den Gewerkschaften/Syndikaten weitergehen, werden die Arbeiter bei FIAT-Mirafiori des Wartens mĂŒde und beschĂ€digen ein BĂŒrogebĂ€ude, halten eine Demonstration ab und gehen in kurzen, ungeordneten Streiks auf die Straße.

30. Syrakus: 25 Arbeiter werden angeklagt, weil sie im Februar nach der Vergiftung von 18 MĂ€nnern und Frauen vor den Toren der ISAB-Fabrik die Straße und den Bahnhof blockiert hatten.

Juli

5. Rom: Etwa hundert Barackenbewohner demonstrieren vor einem stÀdtischen GebÀude, in dem gerade eine Stadtratssitzung stattfindet, gegen ihre Lebensbedingungen. Sie werden von der Polizei angegriffen und zwei Demonstranten werden verhaftet.

10. Melilli: Ein paar Dutzend MÀnner, Frauen und Kinder besetzen das Rathaus. Sie wollen in ein Gebiet verlegt werden, das sicher vor den giftigen AbwÀssern der Industriebetriebe um Syrakus ist.

15. Rom: Nach einer Denunziation durch Mitglieder der Kommunistischen Partei und der Comunione e Liberazione fĂŒhren 400 Polizisten eine Razzia in einem Studentenwohnheim durch. Das ganze Haus wird in echter Gestapo-Manier durchsucht. Sieben Studenten landen im GefĂ€ngnis.

15. Rom: Proletarier blockieren den Zugang zu ihrem Viertel aus Protest gegen Polizeirazzien, bei denen die Polizei unter dem Vorwand, nach einem Maschinengewehr zu suchen, Frauen und Kinder misshandelt hatte. Diese Art von Erfahrung ist nicht neu in der Gegend. Unnötig zu erwÀhnen, dass kein Maschinengewehr gefunden wurde.

21. Mailand: Zweitausend von Entlassung bedrohte Arbeiter einer Papierfabrik errichten entschlossen Straßensperren auf dem Weg zum Flughafen. Sie versuchen auch, auf die Landebahnen vorzudringen, werden aber von der Polizei daran gehindert.

23. Cagliari: Der kommunistische BĂŒrgermeister und zwei FunktionĂ€re der Sozialistischen Partei werden von 150 Bergarbeitern und Sympathisanten im Rathaus eingeschlossen, weil sie seit 50 Monaten keine Sozialleistungen erhalten haben und weil sie seit einem Jahr vergeblich fĂŒr lebenswichtige Reparaturen in der Mine kĂ€mpfen, in der sie arbeiten.

24. Ravenna: Arbeiter der Maraldi-Gruppe, die seit Monaten nicht bezahlt werden, blockieren den Hafen mit einem stĂ€hlernen Schiffsrumpf. In Varese blockieren mehr als 300 Arbeiter der Siai Marchetti den Bahnhof. Zur gleichen Zeit blockieren weitere 400 Arbeiter die Sempione-Straße an zwei Stellen.

29. Neapel: 140 Hafenarbeiter, die seit zwei Monaten entlassen sind, stellen Lastwagen vor die Tore und blockieren so den Hafenbetrieb.

29. Reggio Calabria: Dort besetzen 450 Arbeiter der Firma Andreae Knitwear, die seit Monaten entlassen sind, fĂŒr einige Stunden den Bahnhof.

September

7. Neapel: Demonstrierende ESSO-Arbeiter klettern auf das Dach eines Lagerhauses und drohen damit, den Tank in Brand zu setzen. In Mailand besetzen etwa hundert Familien, die in einem Hausbesetzerkomitee organisiert sind, seit fĂŒnf Tagen die ersten neun Stockwerke des Wohnungsamtes.

23. Neapel: Etwa 80 Arbeiter der Strumpffabrik OMSA besetzen stundenlang die Bahngleise an einer Stelle, an der SchnellzĂŒge passieren mĂŒssen. Der Protest richtet sich gegen die geplante Schließung der Fabrik.

29. Bozen: Die Bewohner des Viertels S. Giacomo besetzen eine der Hauptstraßen der Stadt und halten sie 4 Stunden lang besetzt. Der Grund ist, dass die Straße fĂŒr Kinder gefĂ€hrlich ist und kĂŒrzlich vier verletzt wurden. In Florenz besetzen Studenten, Angestellte und Arbeitslose drei stillgelegte Hotels. Die Aktion richtet sich gegen hohe Mieten und dafĂŒr, „ein Haus zu haben, in dem man mit WĂŒrde leben kann“.

30. Mailand: In der Nacht erreicht die Nachricht ĂŒber die Ermordung von Walter Rossi Mailand. Die ganze Nacht hindurch finden große Demonstrationen statt, bei denen eine Reihe von Autos in der Stadt beschĂ€digt werden.

Oktober

1. Rom: Proteste gegen die Ermordung von Rossi. Eine große spontane Demonstration versammelt sich. Drei faschistische Treffpunkte werden niedergebrannt. Autos und Busse werden eingesetzt, um Straßen zu blockieren. Die Polizei geht wiederholt mit TrĂ€nengas gegen Demonstranten vor. In Bologna kommt es wĂ€hrend einer Demonstration zu ZwischenfĂ€llen. Eine Bar wird angezĂŒndet und viele Autos werden zerstört. In der Nacht wird ein Autohaus in Brand gesetzt. In Florenz erweitert sich die Hotelbesetzung um den Protest gegen das Rossi-Attentat. Einige GeschĂ€fte werden beschĂ€digt. In Catanzaro kommt es zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen GefĂ€hrten und Faschisten und mit der Polizei. In Brescia kommt es zu Demonstrationen mit Angriffen auf verschiedene Symbole der Macht. Ein GeschĂ€ft von Luisa Spagnola wird niedergebrannt. In Padua werden zwei Bars angezĂŒndet und eine Bank angegriffen. In Varese Demonstration mit Molotows gegen ausgewĂ€hlte Ziele. In Verona ZusammenstĂ¶ĂŸe mit der Polizei, Molotows gegen GeschĂ€fte. In Mailand große Demonstration, Molotows gegen eine Kirche und ein CafĂ©, das von Faschisten besucht wird.

3. Rom: Gewaltsame ZusammenstĂ¶ĂŸe mit der Polizei usw. WĂ€hrend der Beerdigung von Walter Rossi rebellieren die GefĂ€hrten gegen die AtmosphĂ€re der offiziellen Trauer in Anwesenheit von Vertretern der Stadtverwaltung, und an einem Punkt, an dem sich einer der faschistischen Treffpunkte befindet, wird die Beerdigung zu einer Demonstration. Es kommt sofort zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit den Carabinieri. Ein faschistischer Treffpunkt wird in Brand gesteckt, ebenso ein MSI-Parteilokal, ein Polizeiauto und ein Lastwagen.

7. Mailand: Protest gegen die Erhöhung der Busfahrpreise. Ein Bus wird von GefĂ€hrten ĂŒbernommen und mit Parolen beschmiert. Er wird dann als Spitze der Demo gegen die Fahrpreiserhöhung genutzt.

9. Mailand: Anarchistische GefĂ€hrten besetzen einen unterirdischen Bahnhof, verriegeln die Tore und lassen die FahrgĂ€ste frei hinein. Es werden Slogans an die WĂ€nde geschrieben und FlugblĂ€tter gegen Preiserhöhungen und fĂŒr einen kostenlosen Service verteilt.

14. Rom: WĂ€hrend einer antifaschistischen Demonstration bricht ein großer Teil des Marsches aus und greift mit Molotowcocktails einige der wichtigsten Punkte der Repression an. GeschĂ€fte werden geplĂŒndert und die RĂ€umlichkeiten der Christdemokraten angegriffen. Einige GefĂ€hrten, die von der Polizei festgenommen werden, werden von anderen befreit. Die Polizei findet 187 zurĂŒckgelassene Molotowcocktails.

17. Mailand: Die Polizei greift eine Demonstration gegen Fahrpreiserhöhungen an. Das Ergebnis: einige Verletzte, Hunderte von Millionen Lire Schaden am Eigentum der Verkehrsbetriebe (ATM), an Autos, Fahrkartenautomaten, Kontrolllinien, Signalen.

18. Rom: Nach den Massakern von Stammheim und Mogadischu zieht eine Demonstration in Richtung der Bonner Botschaft. Die Polizei blockiert die Straße, so dass die Demonstranten stattdessen zur amerikanischen Botschaft gehen. Die Polizei stĂŒrmt den Marsch, zwei GefĂ€hrten werden verwundet.

20. Rom: Die Proteste gegen Stammheim und Mogadischu gehen weiter. Eine geplante Demonstration zum deutschen Konsulat wird von allen KrĂ€ften der Macht in der Stadt abgewehrt. Es kommt zu gewalttĂ€tigen ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei. 20 GefĂ€hrten werden verhaftet, vier Polizisten werden verwundet.

21. Mailand: In der Stadt werden Barrikaden gegen die Polizei errichtet.

27. Palermo: GefĂ€hrten blockieren Straßen im Stadtzentrum. In Oristano wird das ganze Dorf Samugneo von seinen 4.000 Einwohnern blockiert, weil es an Kanalisation, Wasserversorgung, Straßen usw. fehlt.

29. Mailand: Im anhaltenden Kampf gegen Fahrpreiserhöhungen werden in verschiedenen U-Bahn-Stationen ZĂŒge (des Unternehmens ATM) und Kioske angegriffen.

November

7. Vercelli: Die Arbeiter von Montefibre besetzen und halten drei Stunden lang den Bahnhof, um gegen Entlassungen und die Schließung zahlreicher Unternehmen in der Gegend zu protestieren.

11. Bologna: Der deutsche Christdemokrat GĂŒnther MĂŒller und der englische Labour-Minister Thomas Urwin kommen, um Andreotti die Ehrenfahne des Europarates zu ĂŒberreichen, als Anerkennung fĂŒr die Entwicklung der europĂ€ischen Beziehungen. GefĂ€hrten besetzen die FakultĂ€t fĂŒr Architektur – sie wollen MĂŒller zu den Morden in Stammheim befragen; sie wollen, dass zwei im MĂ€rz in Bologna verhaftete GefĂ€hrten freigelassen werden. Patrouillen von GefĂ€hrten durchstreifen die Stadt. Es kommt zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei.

11. Mailand: ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen GefĂ€hrten und der Polizei im Stadtteil Sempione wĂ€hrend eines Protestmarsches gegen den Anschlag mit Molotows auf das Haus eines GefĂ€hrten in der Nacht zuvor. Die Polizei feuert PistolenschĂŒsse und TrĂ€nengas. Die GefĂ€hrten schlagen mit Molotows, SchraubenschlĂŒsseln, Steinen, Steinschleudern und allem anderen, was sie finden können, zurĂŒck.

12. Rom: Trotz des Demonstrationsverbots versammeln sich die GefĂ€hrten zum Protestmarsch gegen die Schließung der RĂ€umlichkeiten der autonomen Gruppen. Es kommt zu einer mehr als vierstĂŒndigen Schlacht mit der Polizei. Es kommt zu 20 Verhaftungen. In Mailand kommt es aus dem gleichen Grund zu ZusammenstĂ¶ĂŸen und eine große Gruppe bricht in das PolizeibĂŒro eines Bahnhofs ein.

12. Lecce: ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen GefĂ€hrten und der Polizei. Ein GefĂ€hrten wird schwer an den Beinen verletzt.

15. Nationaler Streik: In Padua, Turin, Trient, Bologna, Bari: ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen der Polizei, die von CGIL-Gorillas unterstĂŒtzt wird, und GefĂ€hrten, die die konservative und repressive Rolle der Gewerkschaften/Syndikate in jeder Hinsicht kritisieren. Die neue und alte Polizei greift die GefĂ€hrten an, die mit Steinen und Molotows antworten.

16. Genua: Die Bewohner der im Vorjahr von Überschwemmungen betroffenen Region im Landesinneren sind wĂŒtend ĂŒber die unterlassene Hilfeleistung der Regierung. Sie besetzen und blockieren die Autobahn Genua/Alessandria.

18. Mailand: Die Arbeiter von Unidal blockieren einen Hauptboulevard aus Protest gegen den Plan des Unternehmens, 5.000 Arbeiter zu entlassen.

29. Bari: Demonstrationen und ZusammenstĂ¶ĂŸe mit der Polizei aus Protest gegen die Ermordung des jungen GefĂ€hrten Petrone am Vortag. Das Cisnal-GelĂ€nde wird gestĂŒrmt und zerstört. Ein Fernsehkameramann filmt Polizisten, die wild um sich schießen und einen, der auf den Knien liegt und vorsichtig zielt. Weitere VorfĂ€lle in Bologna, Catania, L’Aquila und Mailand.

Dezember

8. Cagliari: Demonstration gegen die Krisensituation. ZusammenstĂ¶ĂŸe mit der Polizei. Molotows/TrĂ€nengas.

8. Alghero: Spontane Demonstration aus Protest gegen die Tötung eines 16-jĂ€hrigen Jungen durch die Polizei, der beim Stehlen von Schuhen erwischt wurde. ZusammenstĂ¶ĂŸe mit der Polizei. Viele Schaufenster werden eingeworfen.

12. Rom: Trotz Verbots findet eine Demonstration zum Gedenken an das Massaker auf der Piazza Fontana statt (eine von Faschisten und dem italienischen Geheimdienst in der Banca dell’Agricoltura in Mailand platzierte Bombe, die 1969 27 Menschen tötete und als Schlag gegen die anarchistische Bewegung verwendet wurde). Molotows gegen FIAT-Autohaus und die SIP. Viele Autos werden verbrannt, Scheiben und Ampeln eingeschlagen.

16. Genua: Bei ZusammenstĂ¶ĂŸen im Stadtzentrum zwischen Polizei und Demonstranten werden RĂ€umlichkeiten der Associazione Cattolica (A.d.Ü., katholischen Vereinigung) angegriffen.

17. Mailand: WÀhrend einer antifaschistischen Demonstration gelingt es vielen GefÀhrten, in die Zentrale der Italienischen Vereinigung der Monarchisten einzudringen und einen Schaden von mehr als 50 Millionen Lire zu verursachen.

 

1978

Januar

17. (A.d.Ü., Ort unbekannt): 3.000 Arbeiter, die von einer Vertragsfirma um Lohn und Urlaubsgeld betrogen wurden, organisieren eine Reihe von Straßenblockaden und gehen dann zum FirmengebĂ€ude, wo sie einen Schaden von ĂŒber 200 Millionen Lire verursachen.

30. Rom: Die Polizei verhindert eine Protestdemonstration gegen die Verlegung von GefĂ€hrten in GefĂ€ngnisse auf Inseln. Trotzdem gehen die GefĂ€hrten auf die Straße, und der Morgen wird mit dem Kampf gegen die Polizei verbracht. 79 Personen werden verhaftet und spĂ€ter wieder freigelassen. 7 Polizisten werden verwundet.

Februar

10. Rom: Es kommt zu gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen, als die Polizei versucht, eine Demonstration gegen die PlĂ€ne zur Abschiebung von GefĂ€hrten aufzulösen. Es kommt zu 14 Verhaftungen.

6. Cagliari: Schwere ZusammenstĂ¶ĂŸe bei der RAI (Fernsehsender) zwischen Polizei und Demonstranten, die gegen die Verhaftung von sechs GefĂ€hrten protestieren, die in der Gegend wohnen. Sie werden beschuldigt, einer bewaffneten Organisation anzugehören.

9. Cagliari: WÀhrend der Demonstration, zu der die Gewerkschaften/Syndikate gegen Entlassungen bei der Firma Ruminaca aufgerufen haben, zerschlagen Gruppen von Demonstranten Schaufenster und den RAI-Fernsehwagen, von dem aus die VorfÀlle gefilmt wurden.

18. Turin: Gruppen von „selbst-reduzierenden“ FahrgĂ€sten greifen 25 AMT-Waggons an und zerstören Fahrkartenautomaten.

19. Tivoli: Eine KP-Versammlung wird von Gruppen von GefÀhrten gestört, die gegen den Beschluss protestieren, revolutionÀre Militante abzuschieben.

25. Rom: WĂ€hrend einer Demonstration fĂŒr die „politische 6“ (Kampf in den Sekundarschulen gegen die PrĂŒfungen, bei denen die SchĂŒler den automatischen Übergang zum Gymnasium fordern, was normalerweise ein Bestehen von mindestens 60 Prozent erfordert) werden ein christdemokratisches und ein MSI-Lokal mit Molotows angegriffen. 32 GefĂ€hrten werden verhaftet. In der Nacht finden zahlreiche Angriffe auf christdemokratische Lokale und Polizeistationen statt.

MĂ€rz

7. Neapel: Eine Demonstration arbeitsloser Arbeiter legt den Ostteil der Stadt lahm. Am Abend gehen VerkĂ€ufer von Schmuggelware auf die Straße mit der Parole „wenn ihr den Schmuggel stoppen wollt, mĂŒsst ihr uns Arbeit geben“.

21. Cagliari: Arbeiter der Firma Selpa, die seit vier Jahren fĂŒr den Erhalt ihrer ArbeitsplĂ€tze kĂ€mpfen, besetzen vier Stunden lang die Villa von zwei SIR-Direktoren.

22. Mailand: WĂ€hrend der Beerdigung von Fausto und Lorenzo (siehe „Opfer der Repression“) versuchen anarchistische GefĂ€hrten, die RĂ€umlichkeiten der Gewerkschafts- Syndikatsdelegierten zu stĂŒrmen, und es kommt zu KĂ€mpfen mit den dort verbarrikadierten konföderalen AmtstrĂ€gern12.

April

18. Cosenza: Am Ende einer Gewerkschafts-Syndikatsversammlung zur Organisation eines Generalstreiks auf Provinzebene stĂŒrmt die Polizei Arbeiter, die versuchen, in die GebĂ€ude der Stadt einzubrechen. Die ZusammenstĂ¶ĂŸe breiten sich ĂŒber den gesamten Hauptplatz aus, wobei viele Menschen verletzt werden.

21. Bologna: ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen Polizei und Demonstranten. Drei GefĂ€hrten werden verhaftet.

Juni

5. Rom: Es kommt zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen der Polizei und Gruppen von GefĂ€hrten, die eine Versammlung der Democrazia Nazionale anfechten wollten. Ein Buchladen der Comunione e Liberazione wird mit Molotows angegriffen.

Juli

11. Rom: Eine Gruppe von Obdachlosen sprengt das BĂŒro des stĂ€dtischen Assessors/Gutachters in die Luft und widmet die Aktion dem KP-BĂŒrokraten.

August

16. Insel Capo Rizzuto: Eine Anti-Terror-Operation dringt in das Ferienlager La Comune ein und sucht nach gesuchten „Terroristen“. Es kommt zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Hunderten von jungen Campern und der Polizei. Nicht der Schatten eines Terroristen ist zu finden.

Oktober

20. Florenz: Demonstration von 10.000 Krankenhausarbeitern aus der ganzen Toskana, die selbstverwaltete Bewegung breitet sich auf alle anderen italienischen StÀdte aus. In einigen StÀdten wird die Armee hinzugezogen.

23. Rom: Die Polizei bricht in ein Krankenhaus ein und löst eine Versammlung von Krankenschwestern auf. Es kommt zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit Verletzten auf beiden Seiten, und es werden sechs Personen verhaftet.

30. Neapel: ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen der Polizei und arbeitslosen Arbeitern der Firma Hidropress, die Straßensperren in der Stadt errichtet hatten.

 

KNASTREVOLTEN

1976

MĂ€rz

5. Neapel: GefĂ€ngnis Poggioreale: 9 Gefangene, die alle der NAP (Nuclei Armati Proletari) angehören, versuchen zu fliehen. Sie werden entdeckt, nachdem sie einen Schließer als Geisel genommen haben, und verbarrikadieren sich im „Transit“-Trakt. Sie kommen erst heraus, nachdem ein KommuniquĂ© im Radio und Fernsehen verlesen wurde und ihnen Verlegungen in andere GefĂ€ngnisse versprochen werden.

Mai

6. Turin: Die GitterstÀbe des neuen GefÀngnisses werden durchgesÀgt und ein Fluchtversuch von drei Mitgliedern der Roten Brigaden und zwei weiteren Gefangenen wird vereitelt.

August

12. Catania: VorfĂ€lle im JugendgefĂ€ngnis. Wildes Abfeuern von Maschinengewehren gegen junge Gefangene, die gegen die Haftbedingungen und das Essen protestieren, eine Frau mit Kind auf der Straße draußen wird verwundet.

14. Turin: Im neuen GefĂ€ngnis weigern sich Gefangene, nach dem Sport in ihre Zellen zurĂŒckzukehren. Die Schließer eröffnen das Feuer, um sie einzuschĂŒchtern. Auch in Poggioreale protestieren Gefangene in SolidaritĂ€t und fordern die sofortige Umsetzung von GefĂ€ngnisreformen.

16. Nuoro: Rebellion im GefĂ€ngnis, wo Gefangene die Aussetzung einer an einem ihrer GefĂ€hrten verhĂ€ngten Strafe fordern. Möbel und EinrichtungsgegenstĂ€nde werden in Brand gesteckt. Das GefĂ€ngnis wird verwĂŒstet. Der Aufstand/Insurrektion wird nach stundenlangen KĂ€mpfen niedergeschlagen, bei denen 20 Gefangene verwundet werden.

18. Mailand, Rimini, Augusta, Salerno, Rom: Gefangene demonstrieren gegen das GefÀngnisregime. In Perugia weigern sich Gefangene gewaltsam, in andere GefÀngnisse verlegt zu werden.

20. Lecce: Massenausbruch aus dem GefĂ€ngnis, bei dem elf Gefangene die Schließer bewegungsunfĂ€hig machen und sie zwingen, die GefĂ€ngnistore zu öffnen. Vier werden wenige Stunden spĂ€ter gefangen genommen. Die anderen bleiben trotz massiver PolizeieinsĂ€tze in der Umgebung in Freiheit.

26. Bologna: Fluchtversuch von drei GefĂ€hrten wird vereitelt – drei BĂŒgelsĂ€gen werden beschlagnahmt.

30. S. Vittore: Ein GefĂ€hrten wird in Einzelhaft gesteckt und andere Insassen seines FlĂŒgels fordern seine Freilassung. Dies wird abgelehnt und es folgt ein Protest auf dem Dach, der erst endet, als er in seine Zelle zurĂŒckgebracht wird.

31. Turin: Alle Gefangenen gehen auf das Dach und fordern die Umsetzung der neuen GefĂ€ngnisreformen. Nach 50 Stunden schreitet die Polizei mit Gewalt ein. Die Gefangenen wehren sich mit allen zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln/Objekten, und außerhalb des GefĂ€ngnisses kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Gruppen von Sympathisanten und der Polizei.

September

15. Reggio Calabria: Die Polizei wird mit Hunden eingesetzt, um eine Revolte im GefÀngnis niederzuschlagen. Ein Gefangener, ein NAP-GefÀhrte, wird von einem der Hunde zerfleischt.

30. Campobasso: Nachdem ihr Fluchtversuch entdeckt wird, verbarrikadieren sich vier Gefangene und zwei Schließer in einer Zelle. Sie kommen erst 24 Stunden spĂ€ter nach einer Pressekonferenz heraus, auf der sie die unmenschlichen Bedingungen im GefĂ€ngnis preisgeben.

Oktober

6. Catania: Revolte im GefĂ€ngnis, die zur Zerstörung eines Drittels des GefĂ€ngnisses fĂŒhrt. Nachdem die Polizei die Kontrolle wiedererlangt hat, werden zwei Gefangene mit Messerstichen tot aufgefunden, zwei weitere werden verwundet.

8. Favignana: Ein Richter wird von einem Gefangenen als Geisel genommen, der erklĂ€rt, seine Aktion richte sich gegen die „brutale staatliche Repression, die auf die physische Beseitigung der KĂ€mpfer im GefĂ€ngnis abzielt“.

November

25. Mailand, S. Vittore: eine Dachdemonstration von 250 Gefangenen wird im Morgengrauen von der Polizei angegriffen. Ein ganzer Trakt wird verwĂŒstet.

Dezember

10. Palermo: Ucciardone-GefÀngnis: Ein Aufstand/Insurrektion bricht aus und dauert 22 Stunden lang an. Die Gefangenen fordern die Entlassung des Gouverneurs. Die Polizei setzt AutogenschneidgerÀte ein, um die Absperrungen zu durchschneiden. Es kommt zu heftigen NahkÀmpfen mit vielen Verwundeten auf beiden Seiten.

13. Florenz: 15 Gefangene im Murate-GefĂ€ngnis nehmen einen Offizier und sechs Schließer als Geiseln. Sie geben erst auf, nachdem sie in GefĂ€ngnisse ihrer Wahl verlegt wurden.

 

1977

Januar

1. Piacenza: Revolte im GefÀngnis. Die Polizei schreitet sofort mit Maschinengewehren ein. Ein Gefangener wird getötet, bevor die Revolte niedergeschlagen wird.

2. Treviso: 13 Gefangene entreißen den Schließern Maschinengewehre und fliehen.

3. Venedig: Gefangene in einem FlĂŒgel des S. Maggiore-GefĂ€ngnisses geraten mit Schließern und Polizei aneinander, was zur Zerstörung des gesamten FlĂŒgels fĂŒhrt.

5. Fossombrone: Sechs Gefangene versuchen zu fliehen, vier schaffen es, aber die anderen beiden werden am Tor gefasst. Beide werden von Schließern brutal zusammengeschlagen. Einer erleidet eine Hirnblutung und stirbt.

22. Possuoli: Maria Pia Vianali und Franca Salerno, die beschuldigt werden, Mitglieder der NAP zu sein, werden aus dem GefĂ€ngnis befreit. Die in Neapel vor Gericht stehenden NAP-Mitglieder bekennen sich im Gerichtssaal zur Verantwortung der Organisation (A.d.Ü., fĂŒr diese Aktion).

Februar

21. Saluzzo: Ein Fluchtversuch von drei GefĂ€hrten wird von Wachen entdeckt, die das Feuer eröffnen und sie verletzen. Zwei werden sofort wieder gefangen genommen, der andere flĂŒchtet in ein Haus, das dann von der Polizei umstellt wird. Um seine Sicherheit zu gewĂ€hrleisten, nehmen andere im GefĂ€ngnis einen Schließer und drei faschistische Gefangene als Geiseln. Sie werden erst freigelassen, als allen Beteiligten die Verlegung gewĂ€hrt wird.

23. Cuneo: 6 Gefangene entkommen ĂŒber DĂ€cher.

April

11. Perugia: Nach einem gescheiterten Fluchtversuch verbarrikadieren sich 14 Gefangene zusammen mit 4 Schließern in einer Zelle. Sie kommen heraus, nachdem ihnen eine sichere Verlegung in andere KnĂ€ste zugesichert wird.

17. Catania: 15 Gefangene halten eineinhalb Stunden lang einen Protest auf dem Dach ab. In Brescia veranstalten 200 Gefangene eine 16 Stunden dauernde Demonstration.

18. Viterbo: 4 Stunden Revolte. Gefangene verbarrikadieren sich in den GefĂ€ngnisbĂŒros, zerschlagen Fenster, TĂŒren und Schreibtische. Einigen GefĂ€hrten gelingt es, eine Wand einzureißen und VerstĂ€rkung aus einem anderen Trakt zu holen.

Mai

7. Mailand: 160 Gefangene in S. Vittore weigern sich, nach der Sportstunde in ihre Zellen zurĂŒckzukehren. Sie machen sich auf den Weg zum Dach und vier Kompanien der Bereitschaftspolizei werden herbeigeholt. Zwei Stunden lang schießen sie in die Luft und werfen TrĂ€nengaskanister.

8. Ravenna: 5 Gefangene entkommen. Pianosa (InselgefĂ€ngnis): 3 Gefangene entkommen. Zwei werden von der KĂŒstenwache gefasst, der andere entkommt in einem aufblasbaren Kanu.

Juni

2. Forli: Neun Gefangene feiern den Tag der Republik, indem sie aus dem GefÀngnis fliehen.

4. Insel Pianosa: FĂŒnf Gefangene entkommen aus dem InselgefĂ€ngnis in einem Schlauchboot.

9. Spoleto: Im GefĂ€ngnis bricht eine Revolte aus: Einige GefĂ€hrten der Roten Brigaden und der NAP sowie einige andere Gefangene nehmen wĂ€hrend der Sportstunde 12 Schließer als Geiseln.

Juli

5. Ort Unbekannt: FĂŒnf Kriegsdienstverweigerer in einem MilitĂ€rgefĂ€ngnis, wo sie ihren „Nationaldienst“ ableisten, beginnen einen Hungerstreik, um das Klima der Repression anzuzeigen, das die MilitĂ€rhierarchie in den letzten Monaten geschaffen hat.

27. Turin: Eine Revolte im JugendgefÀngnis Ferranti Aporti dauert drei Stunden lang an.

September

13. Rom: Familien und Freunde von Gefangenen in den Super-GefĂ€ngnissen Favignana, Cuneo, Trani, Asinara und Fossombrone reichen eine formelle Beschwerde an den Justizminister sowie an die GefĂ€ngnisdirektoren und Schließer wegen der unmenschlichen Behandlung in diesen Konzentrationslagern ein.

November

15. Turin: Eine Gruppe von Gefangenen im GefĂ€ngnis Le Nuove weigert sich, nach dem Ende der Sportstunde in ihre Zellen zurĂŒckzukehren. Der Protest richtet sich gegen das nicht funktionierende Abwassersystem in den Isolierzellen, in denen etwa 120 Gefangene inmitten von Scheiße leben.

Dezember

12. Turin: Seit drei Tagen befinden sich 300 Gefangene im Nuove-GefĂ€ngnis im Hungerstreik, um gegen die Super-GefĂ€ngnisse zu protestieren. Sie fordern die Entmilitarisierung der GefĂ€ngnisschließer und „humanere Strafen“.

16. Nuoro: Zwei Gefangene fliehen aus der Strafkolonie Mamone.

 

1978

Januar

20. Florenz: Einer Gruppe von fĂŒnf Personen gelingt es, in das GefĂ€ngnis Murate einzudringen, mit der Absicht, GefĂ€hrten zu befreien, die beschuldigt werden, der UnitĂ  Combattente Comuniste anzugehören. Die Aktion scheitert, als ein Passant den vor dem GefĂ€ngnis geparkten Lieferwagen als den am Vortag gestohlenen erkennt. Beim Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos der Polizei kommt es zu einem Kreuzfeuer, bei dem ein PS-Beamter13 getötet und ein weiterer verletzt wird.

Februar

5. Parma: Drei Gefangene versuchen zu fliehen. Als sie entdeckt werden, nehmen sie den GefĂ€ngnisdirektor und einige Schließer als Geiseln und lassen sie erst frei, nachdem ihnen eine sichere Verlegung in andere GefĂ€ngnisse zugesichert wird.

27. Arezzo: Gefangene im örtlichen GefÀngnis beginnen einen Hungerstreik in SolidaritÀt mit denen, die dasselbe in Padua tun.

MĂ€rz

26. Mailand: FĂŒnf Gefangene fliehen aus dem JugendgefĂ€ngnis Beccaria, nachdem sie zwei Schließer als Geiseln genommen haben.

Juli

(Datum unbekannt) Salerno: Vier Gefangene nehmen acht Schließer als Geiseln, um ihre Freiheit wiederzuerlangen. Am Ende mĂŒssen sie sich mit der Verlegung in andere GefĂ€ngnisse zufrieden stellen.

August

19. Asinara: Revolte im Super-GefĂ€ngnis. FĂŒnf Gefangene zerstören den Besuchsraum und verteilen FlugblĂ€tter an Gefangene. Gefangene auf ihrem Hofgang, bei dem sie Sport betreiben, werden von Schließern angegriffen, und es kommt zu schweren ZusammenstĂ¶ĂŸen. Viele Gefangene werden schwer verprĂŒgelt, und ein anarchistischer GefĂ€hrte, Horst Fantazzini14, der sich bei frĂŒheren Gelegenheiten auf wundersame Weise von Polizeikugeln erholt hat, wurde in einem halbkomatösen Zustand ins Krankenhaus gebracht.

23. Pavia: Drei Gefangene schlitzen sich die Pulsadern auf und verletzen sich an verschiedenen Körperteilen, um gegen die Weigerung des Richters zu protestieren, ihnen Besuche ihrer Familien zu gestatten.

29. Mailand: Drei achtzehnjĂ€hrige Gefangene fliehen aus dem JugendgefĂ€ngnis und nehmen einen Schließer mit, bis sie die Außentore erreichen. Zwei werden am nĂ€chsten Tag verhaftet.

September

9. Cuneo: Der GefĂ€hrte Giuliano Isa zerstört fĂŒnf Gegensprechanlagen in der Besuchshalle des örtlichen Super-GefĂ€ngnisses. Eine Ă€hnliche Aktion wird von fĂŒnf GefĂ€hrten im KZ von Favignana durchgefĂŒhrt.

12. Novara: Der Besuchsraum des Super-GefÀngnisses wird in der Nacht beschÀdigt.

15. Messina: Die Gefangenen des weiblichen Hochsicherheitstraktes zerstören die Sprechanlagen im Besuchsraum und ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr die Aktion in einem KommuniquĂ©, in dem sie Forderungen nach interner und externer Isolierung stellen.

20. Latina: Der mutmaßliche NAP-Militante Silvano Innocenti flieht mit einem Motorboot von der Insel Ponza, wo er einen erzwungenen Aufenthalt hatte (A.d.Ü., Hausarrest).

23. Asinara: Die Gefangenen des Fornelli-Trakts brechen wÀhrend einer Revolte, die organisiert wurde, um die Abschaffung der Super-GefÀngnisse zu fordern, die TrennwÀnde zwischen den Zellen ein. Der Trakt wird evakuiert und die Gefangenen in andere Teile der Insel verlegt.

24. Genua: Protest im Marassi-GefÀngnis, wo sich die Gefangenen weigern, nach dem Hofgang wieder in ihre Zellen zu gehen. Carabinieri und PS-Einheiten15 werden hinzugezogen, um zu intervenieren.

25. Nuoro: Ein Gefangener flieht aus der Strafkolonie Mamone.

Oktober

10. Cagliari: Ein Gefangener, der vier Jahre wegen Raubes verbĂŒĂŸt, bricht aus dem Gefangenenlager aus.

13. Ort unbekannt: Sechs junge Gefangene, die erst 1981 entlassen werden sollten, brechen aus der Erziehungsanstalt aus.

November

17. Favignana: ZwischenfÀlle im Super-GefÀngnis, wo sich sechs Gefangene gegen WÀrter auflehnen, die sie zwingen wollen, ihre Zellen wieder zu betreten.

 

KNÄSTE, GERICHTE UND DIE LEGALE HIERARCHIE

1976

Januar

28. Rom: Sechs PistolenschĂŒsse werden auf den Berufungsgerichtsberater Pietro Margariti abgefeuert. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der Kern Sergio Romeo ĂŒbernommen. Die NAP gibt ein Bulletin heraus: „Der Berater des Berufungsgerichts, Pietro Margariti, ist verantwortlich fĂŒr die Misshandlungen, Verfolgungen und Verlegungen, denen die gefangenen GefĂ€hrten unterworfen sind. Er ist verantwortlich fĂŒr das Massaker an den proletarischen Gefangenen in Rebibbia wĂ€hrend der Revolte im August 1975 und fĂŒr die Verlegungen in die widerlichsten GefĂ€ngnisse Italiens, sowie fĂŒr SchlĂ€ge, Provokationen usw.“

April

22. Mailand: Eine Zelle der Roten Brigaden/NAP dringt in die BĂŒros der regionalen GefĂ€ngnisinspektion ein und nimmt verschiedene Papiere mit. Ein Flugblatt wird hinterlassen: „GefĂ€ngnisse sind das letzte Glied in der Kette der antiproletarischen Repression
“

Mai

5. Rom: Vier PistolenschĂŒsse werden auf den stellvertretenden Staatsanwalt der Republik, Paolino dell’Anno, abgefeuert. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der NAP ĂŒbernommen.

Juni

8. Genua: Der Generalprokurator, Francesco Coco, und seine Eskorte von zwei Carabinieri werden getötet. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von den Roten Brigaden in einem Flugblatt und in einer ErklĂ€rung einiger ihrer Mitglieder vor dem Gericht in Turin ĂŒbernommen.

November

1. Florenz: Das Auto des stellvertretenden Prokurators der Republik und Staatsanwalts wird im Prozess gegen die NAP wird angezĂŒndet.

 

1977

Januar

28. Rom: Das Auto eines Richters des Obersten Gerichtshofs wird angezĂŒndet. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der NAP ĂŒbernommen.

Februar

13. Bergamo: FĂŒnf Sprengladungen explodieren und zerstören zwei im Bau befindliche GefĂ€ngnisgebĂ€ude.

MĂ€rz

14. Avellino: Brandvorrichtungen zerstören ein Auto und einen Transporter, die fĂŒr den Transport von Gefangenen benutzt wurden.

20. Augusta: Brandstiftung in einem Knastlagerhaus verursacht einen Millionenschaden.

30. Pisa: Alberto Mammoli, der GefĂ€ngnisarzt, der zusammen mit anderen fĂŒr den Tod des anarchistischen GefĂ€hrten Franco Serantini verantwortlich war, wird durch drei PistolenschĂŒsse schwer verletzt. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der Azione Rivoluzionaria ĂŒbernommen.

April

28. Turin: Eine Zelle der Roten Brigaden tötet den Rechtsanwalt Fulvio Croce, PrÀsident der Turiner Anwaltskammer. Die Aktion findet am Vorabend des Prozesses gegen die Roten Brigaden statt, mit dem Ziel, diesen zu verschieben.

Mai

4. Brescia: Das Haus des GefÀngnisarztes wird mit Brandbomben in Brand gesetzt.

16. Ercolano: Zwei SprengsĂ€tze gehen auf einer Villa hoch, die als AusbildungsstĂ€tte fĂŒr das GefĂ€ngnispersonal genutzt wird.

Mai

19. Bologna: Das Auto des stellvertretenden Prokurators der Republik brennt.

Juni

19. Turin: Bei einer Razzia im Atelier eines Architekten werden Dokumente ĂŒber den Bau des neuen GefĂ€ngnisses Valette entwendet. Der Inhalt der Dokumente soll von den GefĂ€hrten veröffentlicht werden.

30. Spoleto: Die Roten Brigaden lassen eine Bombe an den GefÀngnismauern explodieren.

Juli

17. Florenz: Eine Reihe von Explosionen verursacht erhebliche SchĂ€den am im Bau befindlichen neuen GefĂ€ngnis in Sollicciano. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von einer bewaffneten Kern der Azione Rivoluzionaria ĂŒbernommen.

17. Leghorn: Der Motor eines Krans und BauarbeiterhĂŒtten auf dem GelĂ€nde des im Bau befindlichen GefĂ€ngnisses in der Via Padula werden in die Luft gesprengt. Die Verantwortung dafĂŒr wird von der Azione Rivoluzionaria ĂŒbernommen.

Oktober

9. Como: Brandflaschen werden gegen die GefĂ€ngnistore geworfen und setzen diese in Brand. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der UnitĂ  Combattenti Comuniste ĂŒbernommen.

15. L’Aquila: GerichtsgebĂ€ude wird in Brand gesetzt. Großer Schaden. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der UnitĂ  di Lotta Armata per il Comunismo ĂŒbernommen.

November

19. Turin: Das regionale Aufsichtsbehörde/Kontrollgremium fĂŒr GefĂ€ngnisstrafen wird in die Luft gesprengt.

Dezember:

Datum unbekannt, Turin: Prima Linea ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr den mit 400 Stangen Sprengstoff ausgefĂŒhrten Bombenanschlag auf das im Bau befindliche neue GefĂ€ngnis. Um die Wachen auszutricksen, kommen die GefĂ€hrten als Polizisten verkleidet und setzen sie dann außer Gefecht.

Datum unbekannt, Sassari: FĂŒnf SprengsĂ€tze werden vor dem Haus des stellvertretenden Prokurators der Republik platziert, aber der ZĂŒnder erlischt aufgrund eines technischen Fehlers.

Januar

2. Palermo: Auto des örtlichen Richters des Obersten Gerichts verbrannt.

30. Spoleto: Acht TNT-Ladungen verursachen einen Schaden von einer halben Milliarde Lire am Fundament des neuen GefÀngnisses Maiano.

Februar

7. Vibo Valentia: PistolenschĂŒsse werden auf das Haus des GefĂ€ngnisdirektors abgefeuert.

14. Rom: Der am GefÀngnisbau beteiligte Richter, unter dessen Leitung die SpezialgefÀngnisse gebaut wurden, wird von den Roten Brigaden hingerichtet.

MĂ€rz

5. Turin: Bombenanschlag, zu dem sich die Roten Brigaden in einem Telefonanruf bekennen, auf das Haus des Anwalts Manni, PrĂ€sident der Anwaltskammer. Das Attentat findet drei Tage vor dem Beginn des Superprozesses gegen den „historischen Kern“ der Roten Brigaden statt.

27. Nuoro: Ein zum Transport von Gefangenen benutzter Lieferwagen wird von der Gruppe Barbagia Rossa in Brand gesetzt.

April

Datum unbekannt, Catania: Zwei vermummte MÀnner verletzen den obersten GefÀngniswÀrter an den Beinen.

11. Turin: Eine Zelle der Roten Brigaden ĂŒberfĂ€llt einen GefĂ€ngniswĂ€rter vor dessen Haus. Der WĂ€rter schlĂ€gt zurĂŒck, verwundet einen der GefĂ€hrten und wird dann von den anderen Mitgliedern der Zelle getötet.

19. Mailand: Der stellvertretende Gouverneur des GefÀngnisses San Vittore wird von der Walter-Alasia-Kolonne der Roten Brigaden getötet.

Mai

6. Novara: Der GefĂ€ngnisarzt wird durch zwei PistolenschĂŒsse einer Gruppe Proletari Armati per il Comunismo verwundet.

24. Rom: Bombenanschlag auf die BĂŒros des Justizministeriums.

24. Cagliari: Das Auto eines Schließers des GefĂ€ngnisses Buoncammino wird durch Feuer zerstört.

Juni

3. Nuoro: Bomben gegen Autos von zwei GefĂ€ngnisschließer.

6. Udine: Proletari Armati per il Comunismo erschießen den Oberschließer des örtlichen GefĂ€ngnisses.

Juli

17. Tivoli: Eine Bombe explodiert an der TĂŒr des JugendgefĂ€ngnisses Tommaseo.

August

14. Tropea: Eine Sprengladung wird vor dem örtlichen GefĂ€ngnis platziert und sprengt das Auto eines Schließers in die Luft.

19. Bergamo: PistolenschĂŒsse und Maschinengewehrfeuer aus einem Auto treffen einen GefĂ€ngnisschließer und ein vorbeifahrendes Polizeiauto.

24. Bergamo: In der Nacht werden SchĂŒsse auf einen GefĂ€ngnisschließer abgegeben.

24. Verona: Ein örtlicher GefĂ€ngnisschließer wird von Proletari Armati per il Comunismo zum KrĂŒppel gemacht.

Oktober

10. Rom: Richter Girolamo Tartaglione, der durch seine Stellung im Justizministerium fĂŒr die Verfolgung vieler GefĂ€hrten verantwortlich ist, wird selbst von einer Zelle der Roten Brigaden zur Rechenschaft gezogen.

11. Neapel: Alfredo Paolella, UniversitĂ€tsdozent und Kollaborateur am Plan zur Umstrukturierung der GefĂ€ngnisse sowie Leiter des Zentrums fĂŒr kriminologische Beobachtung im GefĂ€ngnis Poggioreale, wird von Prima Linea zur Rechenschaft gezogen.

November

3. Genua: Rote Brigaden verbrennen die Autos von zwei GefĂ€ngnisschließern, die fĂŒr das VerprĂŒgeln von Gefangenen bekannt sind.

8. Patrica: Ein Kommando der Formazione Comuniste Combattenti ĂŒberfĂ€llt den Oberstaatsanwalt von Frosinone, Calvosi, und seine Polizeieskorte. Einer der GefĂ€hrten, Roberto Capone, wird bei der Aktion getötet.

13. Mailand: Dem Gesundheitsinspektor des GefĂ€ngnisses San Vittore wird von Reparti Comunisti d‘Attacco in die Beine geschossen.

15. Florenz: Der GefĂ€ngnisarzt des Murate entkommt unverletzt, als sein Auto beim Drehen des ZĂŒndschlĂŒssels explodiert. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von den Roten Brigaden ĂŒbernommen.

17. Turin: Squadre Armate Proletarie brechen in das BĂŒro des Architekten ein, der fĂŒr die Umwandlung der Polizeistation La Marmora in einen Bunker fĂŒr die Inhaftierung von Mitgliedern der Roten Brigaden, die auf ihren Prozess warten, verantwortlich ist. Sie feuern vier SchĂŒsse in seine Arme und Beine.

28. Neapel: Der Direktor des GefÀngnisses S. Maria Caputa Vetere wird in die Schulter geschossen.

 

EXPROPRIATIONEN (ENTEIGNUNGEN)

1976

MĂ€rz

15. Mailand: Ein Milchlaster wird ĂŒberfallen und Milch umsonst verteilt.

28. Monte Cassino: Proletarisches Einkaufen im FIAT Cassino. Die KantinenlĂ€den werden unter dem Ruf „Arbeiter, helft euch selbst“ geplĂŒndert, wĂ€hrend Rechenmaschinen und Schreibmaschinen zerstört werden. Die Szenerie bewegt sich zu den BĂŒrogebĂ€uden, wo das Gleiche geschieht. WĂ€hrend Gewerkschafts- SyndikatsfunktionĂ€re und Werksleiter eine Untersuchung vor Ort durchfĂŒhren, werden die LĂ€den endgĂŒltig ausgerĂ€umt, wobei der Schaden auf ĂŒber 15 Millionen Lire geschĂ€tzt wird.

Mai

27. Turin: Rote Brigaden enteignen 60 Millionen Lire aus dem Polytechnikum.

31. Noale (Venedig): RaubĂŒberfall von den Roten Brigaden in einer Filiale einer Sparkasse.

Juni

14. Rom: Ein FleischgroßhĂ€ndler wird von der UnitĂ  Combattente Comuniste entfĂŒhrt und aufgefordert, große Mengen erstklassigen Fleisches an 71 Metzgereien in 23 Gebieten zu liefern, um es zum politischen Preis von 1.500 Lire (etwa 90 Pence) pro Kilo zu verkaufen. Leider wurde er von der Polizei gefunden, bevor die Forderungen erfĂŒllt waren.

15. Pegli: Die NAP ĂŒbernimmt in einem Telefonanruf die Verantwortung fĂŒr einen RaubĂŒberfall: „Heute Morgen haben wir im Namen des Proletariats 5 Millionen Lire von der Banca Popolare di Novara enteignet.“

27. Mailand: Im Parco Lambra plĂŒndern die GefĂ€hrten wĂ€hrend des Festes der Proletariato Giovanile eine Bar. Das Gleiche geschieht mit zwei Lastwagenladungen Lebensmittel. Das junge Proletariat ist nicht mehr bereit, Spekulanten zu mĂ€sten, egal wie sie sich tarnen.

Juli

27. Ravenna: Requisition in einem Supermarkt: Obst, Kleidung und Lebensmittel.

September

15. Brescia: Vier Personen rauben aus der Credito Agrario Bank 50 Millionen Lire. Beim Weggehen erklÀren sie, dass sie zu den Roten Brigaden gehören.

26. Mailand: Enteignung in der eleganten Konditorei Motta. Nahezu alle ausgestellten Waren werden mitgenommen.

Oktober

21. Mailand: Enteignung in einem der bekanntesten BuchlĂ€den der Stadt. Die GefĂ€hrten leeren die Kasse und nehmen BĂŒcher im Wert von einer halben Million Lire weg.

November

7. Mailand: Dreitausend GefÀhrten brechen in 5 Luxuskinos der Stadt ein und zwingen die Manager, die Eintrittskarten auf je 500 Lire zu reduzieren.

30. Venedig: Die Roten Brigaden ĂŒberfallen eine Bank in der Stadt und erbeuten 80 Millionen Lire.

Dezember

3. Mailand: Etwa hundert Personen plĂŒndern einen Supermarkt und erbeuten Waren im Wert von mehreren Millionen Lire.

 

1977

Februar

22. Neapel: Nach einer offenen Gewerkschafts- Syndikatsversammlung werden zahlreiche LuxusgeschĂ€fte geplĂŒndert.

MĂ€rz

13. Catanzaro: Proletarische Enteignung in einer örtlichen Bank, die 40 Millionen Lire einbringt.

28. Rom: Ein Brotwagen wird von bewaffneten Jugendlichen gekapert, die das Brot unter den Passanten verteilen.

April

3. Genua: Der 80 Tage zuvor von den Roten Brigaden entfĂŒhrte RĂŒstungsunternehmer Piero Costa wird gegen Zahlung von eineinhalb Milliarden Lire freigelassen.

Juni

8. Bologna: Prozessbeginn gegen 22 Studenten und eine 66-jĂ€hrige Frau, die beschuldigt werden, Servietten, TischtĂŒcher, Besteck, Lebensmittel usw. aus einem Restaurant gestohlen zu haben, das von der örtlichen Bourgeoisie frequentiert wurde und ein ĂŒblicher Treffpunkt der Kommunistischen Partei der fĂŒr 
 fĂŒr GeschĂ€ftsessen war.

September

25. Bologna: Enteignungen in vielen GeschÀften wÀhrend des dreitÀgigen Treffens zur Repression.

November

15. Mailand: Demonstration mit anschließender proletarischer Enteignung in einem GeschĂ€ft im Corso Italia.

 

1978

Februar

10. Prato: Bei einem Enteignungsversuch mĂŒssen drei GefĂ€hrten der Lotta Armata per il Comunismo einen Notar töten, dem das Geld offenbar wichtiger war als sein Leben.

19. Mailand: Aus der Garderobe eines Privatclubs werden 12 PelzmĂ€ntel gestohlen. Sie haben einen Gesamtwert von 60 Millionen Lire. An ihrer Stelle wird ein Zettel gefunden, der an die „gnĂ€dige Aufmerksamkeit der Bourgeoisie“ adressiert und mit Nucleo Anarchici Proletari unterzeichnet ist.

April

17. Bologna: GefĂ€hrten brechen in ein OptikergeschĂ€ft und ein GeschĂ€ft fĂŒr ElektrohaushaltsgerĂ€te ein und nehmen einen Großteil der Waren mit.

Mai

27. Bologna: Ronde Proletarie di Combattimento leeren die Kasse eines Schuhladens und setzen ihn dann in Brand, wobei sie an den WĂ€nden die Aufschrift hinterlassen: „Feuer an diejenigen, die die MSI finanzieren“.

Juli

20. Castiglione del Lago: Eine Gruppe junger Leute, die sich zu den Umbria-Jazzkonzerten versammelt hat, plĂŒndert einen Coop-Supermarkt.

Oktober

19. Padua: Nachdem die Essenspreise in der Mensa in der UniversitĂ€t immer weiter „selbst“-reduziert wurden, wurde die Mensa in Brand gesteckt.

 

OPFER DER REPRESSION

1976

MĂ€rz

14. Rom: Nach einem Molotow-Anschlag auf die spanische Botschaft aus Protest gegen die Erschießung von sieben Menschen in den Straßen Spaniens macht die Polizei Jagd auf eine Gruppe von etwa zwanzig GefĂ€hrten. An einem Punkt eröffnen drei Polizisten das Feuer auf eine Gruppe junger Leute, die sie in einem Teil der Stadt, weit entfernt von der Botschaft, rennen sehen. Sie sagen, sie hĂ€tten in die Luft geschossen, um sie einzuschĂŒchtern, aber die Leiche des GefĂ€hrten Luigi De Angelis, der durch einen Schuss in die Wade getötet wurde, erzĂ€hlt eine andere Geschichte.

April

7. Monticelli: Sechs Molotows werden gegen den Eingang des Justizministeriums geworfen, nachdem die Verurteilung des anarchistischen GefĂ€hrten Giovanni Marini zu neun Jahren Haft bestĂ€tigt wurde, weil er sich gegen einen Angriff von Faschisten verteidigt und einen von ihnen getötet hatte. Die Polizisten beginnen eine wilde Verfolgungsjagd, und mindestens 180 Meter vom Ministerium entfernt wird ein junger GefĂ€hrte in das Genick geschossen. Der ĂŒbliche Schrei der legitimen Verteidigung wird von den AttentĂ€tern dahingerotzt, aber es wurde keine Waffe in der Hand von Mario Salvi gefunden, und sie erschien auch auf keinem der Polizeifotos.

28. Mailand: Gaetano Amoroso, Luigi Spera und Carlo Palma, drei Mitglieder des Antifaschistischen Komitees, werden von einer Gruppe von Faschisten abgestochen. Die drei werden in schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht, und Gaetano Amoroso stirbt drei Tage spÀter.

Mai

28. Sezze Romano: Nach einem MSI-Treffen schießt eine faschistische Bande, angefĂŒhrt von dem ehrenwerten Saccucci und dem SID-Inspektor Troccia, wiederholt auf das ganze Dorf. Ein junges KP-Mitglied wird getötet und ein Militanter der Lotta Continua verletzt. Die Polizei hĂ€tte Saccucci zum Zeitpunkt der Schießerei festnehmen können, aber er darf das Land verlassen.

 

1977

Januar

12. Cagliari: Ein fĂŒnfzehnjĂ€hriger Junge wird von der Polizei getötet. Er hatte versucht, ein Auto zu stehlen und wurde durch eine Salve von Maschinengewehrfeuer ermordet – wie immer bei proletarischen Opfern geschah dies „aus Versehen“.

MĂ€rz

11. Bologna: Nach ZusammenstĂ¶ĂŸen an der UniversitĂ€t zwischen GefĂ€hrten und Mitgliedern der Comunione e Liberazione eröffnen Carabinieri das Feuer und töten Francesco Lo Russo, einen Militanten der Lotta Continua. Die Reaktion von Tausenden von Proletariern erfolgt sofort.

17. Turin: Der Student Bruno Cecchetti wird durch Maschinengewehrfeuer einer Carabinieri-Staffel getötet, als er nach Hause geht. Die Carabinieri behaupten, die Schießerei sei ein Unfall gewesen, nachdem ihre erste Behauptung, Cecchetti habe sie mit einer Pistole bedroht, nicht bewiesen werden konnte.

April

28. Agrigento: Ein 46-jĂ€hriger Mann, Vincenzio Ponzio, „im GefĂ€ngnis wegen Beleidigung eines Beamtens“, wird erhĂ€ngt in seiner Zelle aufgefunden.

Mai

12. Rom: Die Regierung verbietet die Demonstration der Radikalen in der Stadt und ruft die Polizei hinzu. Diese schießen in die Menge und töten eine 19-jĂ€hrige, Giorgiana Masi.

Juni

8. Mailand: Ein 27-jĂ€hriger Arbeiter, Orazio Gilardoni, fĂ€llt vom Dach eines BahnhofsgebĂ€udes und stirbt dadurch. Ein weiterer „Arbeitsunfall“.

16. Reggio Emilia: Ein weiterer Todesfall an der Ausbeutungsfront. Ein 68 Jahre alter Arbeiter, Aldo Tonelli, reinigte zusammen mit anderen Arbeitskollegen einen BewÀsserungskanal, als er von einem Erdrutsch begraben wurde und starb.

24. Mailand: Eine 39-jÀhrige Frau aus Kalabrien, verheiratet mit einem arbeitslosen Gastarbeiter, stirbt an UnterernÀhrung.

Juli

11. Cassino: Sieben Arbeiter werden bei einer Gasexplosion am Arbeitsplatz verletzt.

15. Latina: Ein Arbeiter stĂŒrzt bei der Kabelgesellschaft Fulgor Cavi von einer wackeligen Leiter in den Tod. Er bleibt stundenlang unbemerkt, bevor seine Leiche gefunden wird. Einer der Firmenleiter versucht die Tatsache zu vertuschen, dass die Leiter defekt war.

18. Alessandria: Der 53-jĂ€hrige Bauer Giuseppe Squarise war dabei, Zementrohre in ein 15 Fuß tiefes Loch zu verlegen, als er von herabfallender Erde niedergeschlagen und getötet wurde.

22. Milan: Die Prima Linea verteilt ein Flugblatt, in dem sie ĂŒber die Enteignung von Waffen, die von drei ihrer Mitglieder am 19. Mai durchgefĂŒhrt wurde, bekannt machen, bei der Aktion wurde ein GefĂ€hrte, Romano Tognini, „Valerio“, getötet.

22. Milan: Ein 32-jÀhriger Vater von drei Kindern stirbt nach 9 Stunden Todeskampf infolge einer Explosion in der SECI-Fabrik Quarto Oggiaro.

26. La Spezia: Ein 44-jÀhriger Arbeiter, Silvano Petacco, stirbt, nachdem er einige Tage zuvor beim Reinigen eines Abflusses von einer Ratte gebissen wurde.

30. Gela: Explosion in der Nacht in der ANIC-Fabrik, bei der ein Arbeiter im Alter von 28 Jahren getötet wird. Zwei weitere, 24 und 39 Jahre alt, sterben einige Tage spÀter.

August

3. Udine: Ennio Mian, 17 Jahre alt, bringt sich um, weil er keine Arbeit findet.

7. Neapel: Luigi Muioi, 25 Jahre alt und dreifacher Familienvater, stirbt an einem Stromschlag bei der Arbeit an einer Maschine in einer Gummifabrik.

8. Triest: Ein 37-jĂ€hriger Arbeiter, der bei der Wartung einer Verbrennungsanlage beschĂ€ftigt ist, stĂŒrzt, schlĂ€gt mit dem Kopf auf den Boden der Brennkammer des Ofens auf und ist sofort tot.

8. Terlano: Sergio Petri, 25 Jahre alt, stirbt nach einem Sturz von einem BaugerĂŒst.

8. Spinetta: Ein 15-jĂ€hriger Junge arbeitet mit seinem Vater bei Malerarbeiten fĂŒr Michelin, als er von einem GerĂŒst fĂ€llt und stirbt.

9. Nocera Inferiore: Ein 22-jĂ€hriger Arbeiter stirbt und sein Bruder wird schwer verletzt, als der Balkon, auf dem sie arbeiten, einstĂŒrzt.

9. Viccini: Ein 21-jĂ€hriger Arbeiter stĂŒrzt von einem GerĂŒst im dritten Stock eines GebĂ€udes, an dem er arbeitet, und ist sofort tot.

12. Ravenna: Edoardo Minguzzi, 54 Jahre alt, stirbt bei Arbeiten in einem Getreidespeicher unter Tonnen von Getreide begraben.

15. Porto Empedocle: Ein Arbeiter stirbt in einem der Montedison-Werke, er wird von einem Förderband zermalmt.

19. Turin: Giuseppe Ferrari, ein 59-jÀhriger Arbeiter, wird bei Arbeiten an einer elektrischen Verteilerdose durch einen Stromschlag getötet.

19. Moggio Udinese: Ein weiterer Arbeiter wird durch einen Stromschlag getötet, diesmal bei der Arbeit auf einer Baustelle. Er war 23 Jahre alt.

19. Ampezzo: Ein 33-jĂ€hriger Arbeiter stirbt nach einem Sturz von einem BaugerĂŒst.

28. Bozen: Ein Koch stirbt, nachdem er in der KĂŒche, in der er beschĂ€ftigt war, verbrannt ist.

31. Agrigento: Drei Arbeiter sterben, nachdem sie beim Bau eines Viadukts von einem Kran zermalmt wurden.

September

1. Turin: Ein Arbeiter wird in der Aluminiumfabrik Alcan von einer mechanischen SĂ€ge zermalmt und stirbt.

7. Brescia: Luciano Pitossi, 27 Jahre alt, wird durch Maschinengewehrfeuer aus einem Polizeistreifenwagen getötet. In der Vergangenheit hatte er ein Auto gestohlen, nun bezahlt er dafĂŒr mit seinem Leben.

13. Neapel: Der 23-jĂ€hrige Gerardo Fioravanti, der des bewaffneten RaubĂŒberfalls verdĂ€chtigt wird, wird von zwei Polizisten erschossen. Wie immer werden die Namen der Polizisten nicht bekannt gegeben.

13. Mailand: ein 46-jÀhriger Arbeiter gibt seinen Arm an die Bosse von SALCIM ab. Er wurde ihm von einer Lithographie-Maschine abgerissen, wÀhrend er an ihr arbeitete.

14. Nocera Inferiore: Anna Maria, 29 Jahre alt, kommt ins Krankenhaus, um behandelt zu werden, stirbt aber, und niemand weiß warum.

14. Neapel: Der KapitĂ€n der KĂŒstenwache gibt den Befehl, das Feuer auf ein griechisches Schiff zu eröffnen, weil es nicht am Zoll anhĂ€lt. Ergebnis: ein Toter, ein 25-jĂ€hriger Seemann. Grund fĂŒr die Schießerei? Verdacht auf Schmuggel.

14. Roviga: Die Lagerhalle einer Feuerwerksfabrik explodiert und tötet einen der Arbeiter.

17. Pescara: William Marinelli, 16 Jahre alt, wird von der Polizei erschossen. Er hatte ein Auto gestohlen.

19. Bergamo: Nachdem sie 15 Jahre lang gefoltert und von einer Anstalt in die andere transportiert wurde, wird Palmira Valle, 29 Jahre alt, tot an ein Bett gefesselt in einer psychiatrischen Klinik aufgefunden. Die Todesursache war Erstickung durch das Laken, mit dem sie gefesselt war.

21. Florenz: Ein weiterer Todesfall bei der Arbeit aufgrund eines Stromschlags. Diesmal war das Opfer 32 Jahre alt und arbeitete bei den Eisenbahnen.

22. Neapel: Sieben Direktoren der Montefibre-Fabrik werden bei einer Untersuchung wegen des Todes von drei Arbeitern angeklagt.

22. Cavarzere: Ein junger Soldat, der MilitÀrdienst leistet, wird beim Betreten der Kaserne von einem diensthabenden Wachmann erschossen, weil er das Passwort nicht angegeben hat.

23. Cagliari: Eine Krankenschwester erhÀngt sich aus Angst, entlassen zu werden. Sie war seit einigen Monaten krankgeschrieben und hatte einen Brief von der Krankenhausleitung erhalten, in dem ihr die Wahrscheinlichkeit einer Suspendierung von der Arbeit mitgeteilt wurde.

28. Caltanissetta: Die Zahl der TodesfÀlle durch Typhus unter der armen Bevölkerung des Dorfes erreicht 143.

28. Cuneo: Zwei Arbeiter werden getötet, als der Kessel, an dem sie arbeiten, explodiert.

30. Rom: Walter Rossi, ein Militanter von Lotta Continua, wird von Faschisten getötet, als er FlugblĂ€tter verteilte, die die Erschießung von Elena Paccinelli durch vier Faschisten am Donnerstag zuvor verurteilten. Ein Tankwart an einer nahegelegenen Tankstelle wird ebenfalls verwundet.

Oktober

4. Alghero: Ein 88-jĂ€hriger Mann stĂŒrzt sich von 45 Fuß Höhe von einem Felsen. Er hat sich umgebracht, weil er keine Töchter mehr hatte und seine Söhne ihn in ein staatlich gefĂŒhrtes Altersheim stecken wollten.

4. L’Aquila: Eine weitere Frau, die in der ACE-Fabrik beschĂ€ftigt war, stirbt an Krebs. Sie war 42 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern. Zwei andere, die kĂŒrzlich starben, waren 34 und 42 Jahre alt. Alle drei Arbeiterinnen waren mit giftigen Substanzen in BerĂŒhrung gekommen, die sich als krebserregend erwiesen hatten.

13. Neapel: Ein 32-jĂ€hriger Mann stirbt in der psychiatrischen Klinik Nocera Inferiore an einem gutartigen Gehirntumor. Obwohl er in den letzten zehn Jahren Symptome eines Hirntumors gezeigt hatte, hatten die Ärzte der Anstalt, in der er eingesperrt war, ihn mit Antiepileptika vollgepumpt und ihn erst ins Krankenhaus geschickt, als er bereits im Koma lag.

15. Chieti: Ein weiteres Opfer der Arbeit. Ein 44-jĂ€hriger Arbeiter stĂŒrzt aus dem siebten Stock eines GebĂ€udes, das er abreißen wollte. FĂŒnf weitere Kinder finden sich vaterlos wieder.

21. Trient: Ein Holzarbeiter stirbt, er wird von einem Baumstamm zermalmt. Ein weiterer Arbeiter stirbt, nachdem er von einem riesigen Telegrafenkabel aus Stahl getroffen wurde.

November

4. Ort Unbekannt: Drei weitere Arbeiter sterben fĂŒr die Bosse: In Ascoli Piceno wird ein 27-jĂ€hriger Arbeiter bei Elettro-Carbonium von einer riesigen Elektrode aus amorphem Kohlenstoff zermalmt. In Troina werden zwei Arbeiter, einer 32, der andere 14 Jahre alt, bei der Arbeit auf einer Baustelle von einem Aufzug zerfetzt. Der erste stirbt, der zweite wird schwer verletzt.

8. Rom: Ein junger Autodieb wird von der Stadtpolizei zum Tode verurteilt, die ihn verfolgt und daraufhin erschoss.

15. Porto Marghera, Venedig: Drei Arbeiter der Montedison-Fabrik werden Opfer eines Arbeitsunfalls. Sie erleiden schwere Verbrennungen durch Flammen aus einem Gastank.

15. Mailand: Ein mit Benzin gefĂŒllter Tank explodiert, tötet eine Person und hinterlĂ€sst zwei Schwerverletzte.

21. November: Ein unbekannter Mann erfriert. Er wurde tot aufgefunden, wegen der KĂ€lte in seinem Haus, in dem er lebte, die Straße.

24. Turin: Todesstrafe fĂŒr den 22-jĂ€hrigen Antonio Torchia. Er war wegen Diebstahls und Raubes vorbestraft und wurde schließlich von einer Carabinieri-Patrouille in den RĂŒcken geschossen.

28. Bari: Zwei junge Kommunisten, Benedetto Petrone und Francesco Intrano, werden von Faschisten ĂŒberfallen. Petrone wird getötet, Intrano schwer verwundet.

Dezember

4. Olgiate: Eine weitere Hinrichtung durch die HĂ€nde der Carabinieri. Ein junger Mann, der des Betrugs beschuldigt wurde, hielt nicht bei einem Haltesignal an, woraufhin der Henker ihm in den RĂŒcken und in das Genick schoss und ihn tötete.

8. Alghero: Ein 16-jĂ€hriger Junge wird vom Sicherheitsdienst beim Diebstahl eines Paares Schuhe in einer Boutique getötet. Eine sofortige Protestdemonstration wird von GefĂ€hrten organisiert, was zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei und dem Einschlagen von Schaufenstern fĂŒhrt.

8. Brindisi: Drei bei der Arbeit getötete und 52 verletzte Arbeiter in der Montedison-Fabrik.

8. Mailand: Clarice Anceschi, 93 Jahre alt, begeht Selbstmord, indem sie sich aus einem Fenster im vierten Stock stĂŒrzt. Sie war Internierte in einem Hospiz fĂŒr alte Menschen.

11. Catania: Ein privater Wachmann in einem Orangenhain tötet einen 30-jÀhrigen Mann, weil er eine Kiste Orangen gestohlen hat.

11. Lodi: Noch ein Leben fĂŒr die Bosse: Ein 20-jĂ€hriger Bauarbeiter stĂŒrzt durch ein Dach in den Tod.

25. Sassari: Ein 21-jÀhriger Gefangener stirbt. Die offizielle Version ist, dass er seinen Kopf gegen die Wand geschlagen hat, wÀhrend er mit seinen Zellengenossen herumspielte.

26. Mailand: Mauro Larghi, ein GefÀhrte der Autonomia Operaia, der vor 10 Tagen verhaftet wurde, weil er einen NachtwÀchter entwaffnet hatte, stirbt an den Folgen der SchlÀge, die er bei seiner Verhaftung erhalten hatte.

1978

Januar

5. Rom: Der 20-jÀhrige drogenabhÀngige Bruno Santini stirbt im medizinischen Bereich des GefÀngnisses, wÀhrend er auf seinen Prozess wartet.

6. Florenz: Ein 68-jĂ€hriger Gefangener bringt sich um, indem er sich aus einem Fenster im dritten Stock stĂŒrzt.

15. Ravenna: Ein 73-jÀhriger Mann, der wegen Diebstahls einer Tafel Schokolade verhaftet wurde, erhÀngt sich vier Stunden nach seiner Verhaftung in einer Isolationszelle.

17. Afragola: Eine Polizeistreife tötet den 20-jĂ€hrigen Giovanni D’Ambra mit Maschinengewehrfeuer, als er aus dem GefĂ€ngnis fliehen will.

25. Lucca: Zwei Arbeiter werden getötet und fĂŒnf verletzt, als die Maschine, die sie testen, explodiert.

Februar

21. Padua: Sergio Secchi, 26 Jahre alt und Gefangener im Castello-GefÀngnis, tötet sich mit einer Camping-Gasflasche.

MĂ€rz

7. Venedig: Ein dreiunddreißigjĂ€hriger Pförtner, der von der Polizei wegen Trunkenheit aufgegriffen wurde, erhĂ€ngt sich in einer Polizeizelle.

10. Rom: Ein 38-jÀhriger Gefangener, der wegen Diebstahls verurteilt wurde, erhÀngt sich in seiner Zelle. Ein Àhnlicher Vorfall ereignet sich im GefÀngnis von Vercelli, wo sich ein 56-jÀhriger Gefangener das Leben nimmt.

17. San Donato Milanese: Ein 17-jĂ€hriger Junge wird von der Polizei an einer Straßensperre in den RĂŒcken geschossen.

18. Mailand: Zwei junge anarchistische GefĂ€hrten, Lorenzo Ianucci und Fausto Tinelli, werden unter mysteriösen UmstĂ€nden erschossen. Die Polizei versucht, eine verworrene Drogengeschichte um den Fall herum zu konstruieren, aber die politischen Motive fĂŒr die Morde sind nur allzu offensichtlich.

April

7. Bozen: Ein Mann wird verhaftet, weil er beim Hören von Moros Tod gejubelt hat.

9. Imperia: Ein 17-jĂ€hriger Junge stirbt, als er gegen einen Lastwagen gequetscht wird, als er versucht, einer Straßensperre auszuweichen, weil er ein Auto ohne FĂŒhrerschein fuhr.

11. Neapel: Ein 22-jÀhriger Gefangener begeht Selbstmord, indem er sich an den GitterstÀben seiner Zelle erhÀngt.

11. Torreannunziata: Ein 14-jĂ€hriger Junge wird an einer Straßensperre durch Maschinengewehrfeuer von Carabinieri tödlich verwundet.

Mai

4. Bologna: Bei einer Schießerei mit der Polizei nach einem RaubĂŒberfall wird der 21-jĂ€hrige revolutionĂ€re Militante Roberto Rigobello durch Maschinengewehrfeuer getötet. Marco Tirabovi wird verhaftet.

9. Palermo: Der GefĂ€hrte der Democrazia Proletaria, Giuseppe Impastato, wird von der örtlichen Mafia ermordet, gegen die er einen mutigen Kampf gefĂŒhrt hatte. Sie sprengten eine Ladung TNT gegen ihn, so dass in Polizeiberichten von Selbstmord oder einem missglĂŒckten Bombenanschlag die Rede war.

12. Venedig: Nach einem bewaffneten RaubĂŒberfall tötet die Polizei Silvano Maestrello, der fĂŒr seine vielen AusbrĂŒche bekannt war. Er hatte es mindestens sieben Mal geschafft, seine Freiheit wiederzuerlangen.

20. Neapel: Ein 45-jÀhriger Gefangener, der auf seinen Prozess wartet, begeht im GefÀngnis Selbstmord.

Juni

1. Rom: Ein 25-jÀhriger Gefanger in Untersuchungshaft erhÀngt sich im GefÀngnis von Rebibbia.

3. Grosseto: Ein 33-jÀhriger Marokkaner wird unter ungeklÀrten UmstÀnden in der Carabinieri-Kaserne durch eine Salve aus Maschinengewehrfeuer getötet.

7. Cagliari: Ein Gefangener, der auf seine Verlegung aus einer Haftanstalt wartet, erhÀngt sich in seiner Zelle.

11. Venedig: Ein Polizist tötet einen 19-JÀhrigen, der in der NÀhe eines Autos herumlungerte.

29. Mailand: Ein 33-jÀhriger Gefangener erhÀngt sich in seiner Zelle.

Juli

31. Bergamo: Ein 21-jÀhriger junger Mann erhÀngt sich in einer Zelle der Carabinieri-Kaserne, nachdem er wegen versuchten Diebstahls festgenommen wurde.

August

(Datum unbekannt) Neapel: Ein 17-jÀhriger Gefangener, der auf seinen Prozess wegen Diebstahls von 50.000 Lire (ca. 25 Pfund) wartet, erhÀngt sich im Badezimmer des JugendgefÀngnisses, in dem er festgehalten wird.

31. Saluzzo: Ein 45-jÀhriger Gefangener, der am Vortag wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde, erhÀngt sich.

September

19. Genua: Eine giftige Schwefelwolke tötet in wenigen Sekunden drei Arbeiter in einer Gerberei, vergiftet viele andere und breitet sich ĂŒber das ganze Gebiet aus. Der Lkw-Fahrer, der beim Abladen seines Tanks einen Fehler gemacht hat, sitzt im GefĂ€ngnis; die Fabrikchefs laufen dagegen frei herum.

Oktober

6. Ravenna: Ein 20-jÀhriger HeroinabhÀngiger stirbt im GefÀngnis.

November

Florenz: Eine 22-jĂ€hrige Frau stirbt nach einer Abtreibung auf einer Seitenstraße.

 

DRECKSARBEIT16

1977

MĂ€rz

24. Mailand: Eine „Patrouille gegen Drecksarbeit“ bricht bei der Genossenschaft Dusmet ein. Bevor sie gehen, verwĂŒsten sie die RĂ€umlichkeiten und nehmen Geld und verschiedene GegenstĂ€nde mit.

April

2. Ort Unbekannt: Ein bewaffnetes Kommando von fĂŒnf Personen dringt in das BĂŒro der Firma Maros ein. Sie verwĂŒsten das BĂŒro und erbeuten zwei Millionen Lire.

29. Mailand: Ein bewaffneter Kern bricht in das Depot einer von TĂŒr zu TĂŒr arbeitenden Kosmetikfirma ein. Sie hinterlassen ein Flugblatt: „
Die Drecksarbeit der Arbeitskraft ist der Hauptweg, den der multinationale Kapitalismus heute wĂ€hlt, um seine beiden grundlegenden Ziele zu verwirklichen: die Erzielung höherer Profite durch die Umgestaltung der ProduktivitĂ€t und die Wiedererrichtung einer globalen Herrschaft ĂŒber das Proletariat durch die EinschrĂ€nkung der Lohnsklaverei“.

Mai

10. Mailand: Eine „bewaffnete Bande junger Proletarier“ bricht in das BĂŒro des Rizzoli-Verlages ein. Die Gesichter mit Sturmhauben vermummt und die Waffen in der Hand, sperren sie die Angestellten und Kunden in einem Raum ein und legen im BĂŒro des Herausgebers BrandsĂ€tze, die gleichzeitig explodieren. An den WĂ€nden: „Die Höhlen der Drecksarbeit werden durch Feuer geschlossen“.

Juni

30. Mailand: Zwei Bomben gegen JugendarbeitsÀmter. Ein Flugblatt wird von Nuclei Armati Rivoluzionari hinterlassen, das die Ausbeutung der jungen ArbeitskrÀfte anprangert.

Juli

4. Porto Marghera: In einer Fabrik, die optische Linsen herstellt, bricht ein Feuer aus, das 600 Millionen Lire Schaden verursacht. FĂŒr die Aktion machen sich die Roten Brigaden/NAP verantwortlich.

 

1978

Januar

26. Bologna: Nuclei combattenti comunisti verwĂŒsten den Drecksarbeits-Laden Mary Johns.

Februar

4. La Spezia: „Luisa Spagnoli zieht ihre Profite aus der Spekulation auf dem RĂŒcken von proletarischen Gefangenen. Deshalb wurde einer ihrer Schlupfwinkel geschlossen“. Dies ist ein Flugblatt, das von der Azione Rivoluzionaria am Ort des Angriffs auf einen der KleiderlĂ€den der Luisa-Spagnoli-Kette in Cagliari hinterlassen wurde: Lotta Femminista ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr einen Brand im Rinascente-Supermarkt.

10. Cagliari: Lotta Femminista ĂŒbernehmen die Verantwortung eines Brandanschlages auf einen Laden von Rinascente.

18. Vicenza: Organizzazione operaia per il comunismo ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr eine Aktion gegen eine Pförtnergenossenschaft und reiht es in den Kampf gegen die Drecksarbeit ein.

26. Rom: Ronde femministe di quartiere sprengen eine Babysitter-Agentur und bekennen sich in einem Flugblatt zu der Aktion: „Wir werden die Erpressung durch Drecksarbeit nicht lĂ€nger akzeptieren“.

MĂ€rz

12. Varese: Das neue Lager von Bassani Ticino, einer Firma, die sich durch die Ausbeutung von Gefangenen bereichert hat, wird bei einem Brand, zu dem sich die Unità Combattenti Comuniste bekennt, völlig zerstört.

Mai

12. Zane: Eine Gruppe von GefĂ€hrten der Autonomia Operaia verwĂŒstet die BĂŒrorĂ€ume einer Vertragsfirma, die Drecksarbeit ausbeutet.

November

21. Turin: Squadre Armate Combattente brechen in die BĂŒrorĂ€ume einer Agentur fĂŒr Hausarbeit ein, setzen die Angestellten und die verantwortlichen Frauen fest und hinterlassen an den WĂ€nden: „Greift die Höhlen der Drecksarbeit an“.

 

POLITIKER UND PARTEIZENTRALEN

1976

MĂ€rz

6. Mailand: Zwei bewaffnete Gruppen brechen in den Verlag Jaca Book und die RedaktionsrĂ€ume von Supermilano ein, beide verbunden mit Comunione e Liberazione. Beide Orte werden verwĂŒstet.

15. Mailand: WÀhrend einer Demonstration aus Protest gegen die Inhaftierung von vier GefÀhrten werden drei faschistische Treffpunkte in Brand gesteckt.

20. Mailand: Molotows werden gegen ein Lokal der christdemokratischen Partei und ein vor einer Kirche geparktes Auto geworfen.

27. Rom: Sieben Personen brechen in das von Christdemokraten und Comunione e Liberazione betriebene Kulturzentrum ein. Das Zentrum wird verwĂŒstet. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von Lotta Armata per il Comunismo ĂŒbernommen.

31. Mailand: Ein Kern von GefĂ€hrten stĂŒrmt eine Pizzeria, in der sich Hardcore-Faschisten der Gegend versammeln und wo einige der Aktionen der SchlĂ€ger koordiniert werden. Die Pizzeria wird völlig zerstört und einige ihrer Stammkunden werden verletzt.

April

4. Turin: Ein faschistischer Treffpunkt, die Bar Sergio, wird verwĂŒstet.

25. Salerno: GefĂ€hrten brechen in das Theater Augusto ein, wo die Kommunistische Partei und die Christdemokraten gemeinsam den Jahrestag des Widerstands feiern. Die Christdemokraten werden angegangen und ihre Fahne angezĂŒndet.

29. Mailand: Der MSI-Provinzabgeordnete Enrico Pedinovi wird mit fĂŒnf PistolenschĂŒssen zur Strecke gebracht.

30. Rom: Die Bibliothek der antiken spanischen Geschichte wird in Brand gesteckt. FĂŒr die Aktion ĂŒbernimmt ein Kern, der sich als „Internationale Brigade Paeredes Manot“ bezeichnet, die Verantwortung. Auf einem Flugblatt, das in einer nahegelegenen Telefonzelle hinterlassen wurde, steht: „Die franquistische Höhle Villalbani ist zerstört worden. Getarnt als spanische Bibliothek, verbarg dieser Ort viele VerbindungsaktivitĂ€ten zwischen den neofaschistischen Organisationen Mitteleuropas, ein Umschlagplatz fĂŒr die klandestinen AktivitĂ€ten der vielen italienischen Faschisten, die in den Borghese-Putsch17 verwickelt waren, und die BombenanschlĂ€ge der Avanguardia Nazionale“.

Juni

6. Rom: Das Kino Barberini wird vor einer faschistischen Versammlung in Brand gesteckt.

9. Padua: Kurz vor einem MSI-Treffen verwĂŒstet eine Gruppe von GefĂ€hrten einen faschistischen Treffpunkt und setzt ihn in Brand, um ihn vollstĂ€ndig zu zerstören.

17. Mailand: GefĂ€hrten beenden den Wahlkampf. Nach einem MSI-Treffen wird ein Lastwagen der Firma verbrannt, die die BĂŒhne aufgebaut hatte, auf der die Faschisten sprachen. Das Gleiche geschieht mit dem Treffpunkt Alternativa der Nazigruppe und den RĂ€umen der MSI im Corso Genova. Die Feierlichkeiten enden mit der Verbrennung einer Pizzeria, die der Treffpunkt der Faschisten in dieser Gegend war.

26. Ort unbekannt: Das Auto eines christdemokratischen Mitglieds wird verbrannt. Die Verantwortung dafĂŒr wird von Lotta armata per il comunismo ĂŒbernommen.

September

27. Padova: Drei Personen brechen in die RĂ€umlichkeiten von Mondo Libero, einer faschistischen Zeitung, ein. Die Anwesenden werden gefesselt, und die drei nehmen verschiedene Dokumente mit. Das Emblem der Roten Brigaden wird an die Wand gemalt.

Oktober

2. Mailand: Nachdem sie die Wand mit einer Spitzhacke eingeschlagen haben, brechen die GefĂ€hrten in das faschistische GebĂ€ude in der Viale Murillo ein. Sie zerstören die BĂŒros vollstĂ€ndig und verbrennen Möbel und Dokumente auf der Straße.

5. Candoglia: UnitĂ  Comuniste Combattente macht sich fĂŒr einen Angriff auf die RĂ€umlichkeiten der Christdemokraten verantwortlich.

13. Varese: Zwei Molotows und ein Kugelhagel gegen die RĂ€ume der Christdemokraten.

20. Carrara: Christdemokratische RĂ€ume verwĂŒstet und in Brand gesetzt.

30. Florenz: Christdemokratische RĂ€ume verbrannt. Weitere Angriffe auf eine Sparkasse und Carabinieri-Kasernen.

November

10. Ort unbekannt: UnitĂ  Combattente Comuniste dringen in die Wohnung des PSDI-Abgeordneten ein, fesseln ihn, durchsuchen das Haus und nehmen das gefundene Geld mit.

Dezember

1. Mailand: Eine Zelle der Roten Brigaden bricht in die BĂŒros der Democrazia Nuova ein. Die Anwesenden werden gefesselt und eine Million Lire enteignet.

14. Vicenza: In das Hauptquartier des Centro Cristiano Lavoratori (Zentrum fĂŒr christliche Arbeiter) wird eingebrochen und Dokumente werden entwendet. Lotta armata per il comunismo.

15. Taranto: Das Hauptquartier der PLI wird verwĂŒstet. In Neapel wird ein GebĂ€ude der Christdemokraten angezĂŒndet. In Rom wird das MSI-Hauptquartier durch eine Explosion beschĂ€digt, und die RĂ€umlichkeiten von Comunione e Liberazione werden angegriffen.

 

1977

Januar

10. Rom: Der EUR-Kongresspalast wird zum Ziel von Explosionen, die in der Eingangshalle hochgehen und die DurchfĂŒhrung einer MSI-Sitzung verhindern. FĂŒr die Aktion machen sich die „neuen Partisanen“ verantwortlich.

24. Turin: Drei Autos der Christdemokraten werden angezĂŒndet.

Februar

6. Rom: Die Gruppo Guerriglieri Maria Cagol verĂŒbt eine Reihe von AnschlĂ€gen, darunter die Zerstörung eines Autos, das einem berĂŒchtigten Faschisten gehört.

10. Bologna: Sieben Molotows werden gegen das Lokal von Comunione e Liberazione geworfen, weitere gegen ein christdemokratisches Lokal. SpÀter am Tag werden ein christdemokratischer und ein faschistischer Treffpunkt in Brand gesetzt.

13. Bari: MSI– und christdemokratische Lokale werden angezĂŒndet, ebenso das Auto eines faschistischen Gemeinderatsmitglieds.

22. Neapel: Faschistischer Treffpunkt Contro Corrente wird nach einem Gewerkschafts- Syndikatstreffen in Brand gesetzt.

24. Bologna: Zwei Autos von christdemokratischen StadtrĂ€ten werden angezĂŒndet.

MĂ€rz

3. Florenz: Reparti Comunisti di Combattimento machen sich fĂŒr drei Aktionen gegen örtliche Christdemokraten verantwortlich, alles BombenanschlĂ€ge auf RĂ€umlichkeiten.

7. Rom: Im PrivatbĂŒro von Innenminister Cossiga explodiert ein Sprengsatz. Lotta Armata per il Comunismo macht sich fĂŒr die Aktion verantwortlich.

19. Genua: Eine Zelle der Roten Brigaden verbrennt vier Autos: zwei von Industriellen und zwei von christdemokratischen StadtrÀten.

20. Turin: Zehn PistolenschĂŒsse werden von einem Kommando auf einen christdemokratischen Stadtrat abgefeuert, aber die SchĂŒsse verfehlen ihr Ziel.

21. Spoleto: MSI-RÀume werden durch ein mit Molotows verursachtes Feuer zerstört.

28. Mailand: Das Auto eines Regionalrats wird angezĂŒndet – eine Aktion, fĂŒr die sich die Roten Brigaden verantwortlich machen.

Mai

1. Verona: Molotows werden gegen christdemokratische RĂ€umlichkeiten geworfen.

4. San Benedetto del Trento: Eine Zelle der Roten Brigaden ĂŒbernimmt die Verantwortung, das Auto eines Regionalabgeordneten angezĂŒndet zu haben.

27. Mailand: Drei Autos von Comunione e Liberazione-Mitgliedern werden von „einer Gruppe von GefĂ€hrten“ verbrannt.

Juni

20. Cagliari: Eine Gruppe von GefĂ€hrten der „Autonomen“ verprĂŒgelt einige KP-ReaktionĂ€re vor der UniversitĂ€t.

30. Rom: Die HĂ€user von zwei Faschisten sind das Ziel von Mollis, die in der Nacht geworfen werden. Auch das Auto des Finanzministers geht in Flammen auf. Ein Flugblatt, das die Verantwortung fĂŒr diese Aktionen ĂŒbernimmt, ist von „jungen Proletariern“ unterzeichnet.

Juli

11. Genua: Eine der wichtigsten Figuren der örtlichen Christdemokraten wird von den Roten Brigaden in die Arme und Beine geschossen.

11. Rom: Marlo Perlini von Comunione e Liberazione erhĂ€lt von den Roten Brigaden drei PistolenschĂŒsse in die Beine.

13. Turin: Ein christdemokratisches Ratsmitglied wird von den Roten Brigaden in die Beine geschossen.

Oktober

5. Nuoro: In der Nacht wird in das Rathaus eingebrochen und ein Esel, der aus einem benachbarten Hof gestohlen wurde, an den Schreibtisch des BĂŒrgermeisters gebunden.

13. Rom: Eine Gruppe von GefÀhrten bricht in ein Lokal der christdemokratischen Partei ein und entwendet Akten und andere Papiere.

23. Mailand: Ein christdemokratischer Stadtrat wird von den Roten Brigaden zum KrĂŒppel gemacht. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird im Namen der RAF-GefĂ€hrten ĂŒbernommen.

24. Triest: Angriffe auf christdemokratische RĂ€ume und auf die Wohnung eines faschistischen Ratsmitglieds, fĂŒr die Aktion macht sich die Ronda Proletaria verantwortlich.

25. Turin: Ein weiterer christdemokratischer WĂŒrdentrĂ€ger wird von den Roten Brigaden zum KrĂŒppel gemacht.

26. Massa: Das Auto eines christdemokratischen FunktionÀrs wird verbrannt.

26. Rom: Autos von verschiedenen Christdemokraten in der Stadt verbrannt.

27. Genua: Weitere fĂŒnf Autos von Christdemokraten werden verbrannt.

November

2. Rom: Ein christdemokratischer Direktor und BefĂŒrworter der „eisernen Faust“ gegen den „Terrorismus“ wird durch dreizehn SchĂŒsse der Roten Brigaden getötet

12. Aquila: Die Unità Comunista schließt einen Treffpunkt der Christdemokraten durch Brand.

14. Rom: Molotow-Anschlag auf eine faschistische Treffpunkt im Appio-Viertel.

Dezember

6. Bergamo: Squadre Operaie Armate bekennen sich zu AnschlÀgen auf die Euroschool und ein christdemokratisches Lokal.

12. Rom: Eine Bombe verwĂŒstet einen Treffpunkt von Faschisten der Democrazia Nazionale.

12. Trient: Bombenanschlag gegen Tecnofin, Treffpunkt fĂŒr Mitglieder der Christdemokraten und der Kommunistischen Partei. FĂŒr die Aktion macht sich Prima Linea verantwortlich.

17. Reggio Emilia: Bombenanschlag auf RĂ€umlichkeiten der Christdemokraten. Die Polizei verhaftet ein Mitglied des Gymnasio Nihilista.

20. Rom: Nuclei Armate Territoriale zerstören das leistungsstarke Motorrad eines Mitglieds der KP-SchlÀgertrupps.

21. Rom: Die Autos von drei Mitgliedern der Christdemokraten gehen in Flammen auf, die Verantwortung wird von den Roten Brigaden per Telefonat ĂŒbernommen.

25. Como: Eine Bombe explodiert in der Nacht vor MSI-RĂ€umlichkeiten.

31. Bozen: Provinzhauptquartiere der Christdemokraten werden in Brand gesetzt.

1978

Januar

1. Trient: Ronde Proletarie machen sich fĂŒr den Bombenanschlag auf den Provinzverband der Kommunistischen Partei verantwortlich.

1. Lamezia Terme: Das Auto eines MSI-Provinzrats geht in Flammen auf. Mittels eines Flugblatts ĂŒbernehmen die Roten Brigaden mit einer Unterschrift die Verantwortung fĂŒr die Aktion.

3. Padova: Organizzazione Operaia per il Comunismo greifen sieben Lokale der Christdemokraten an, um gegen die Verurteilung von zwei GefÀhrten durch Gerichte in Padova zu protestieren.

5. Cagliari: Ein Molotow wird gegen ein christdemokratisches Lokal geworfen.

7. Rom: Viele GefĂ€hrten werden von Faschisten angegriffen und verwundet, die wie immer von der Polizei geschĂŒtzt werden. An diesem Abend bringt eine Gruppe von GefĂ€hrten zwei faschistische SchlĂ€ger zur Rechenschaft, die mit Waffen in der Hand ihren Treffpunkt verlassen wollten, um neue Angriffe zu starten. Ein dritter Faschist wird von Carabinieri im Kreuzfeuer vor demselben Treffpunkt getötet. Die Verantwortung fĂŒr die Hinrichtung der beiden Faschisten wird von Nuclei Armati per il Contropotere Territoriale ĂŒbernommen.

8. Bari: Versuche, zwei MSI-RĂ€umlichkeiten anzuzĂŒnden.

10. Luras: Das Auto des christdemokratischen BĂŒrgermeisters explodiert.

10. Trieste: Zwei Molotows fliegen gegen das Hauptquartier der Christdemokraten in der Provinz und zĂŒnden. Ein GefĂ€hrte wird verhaftet, aber andere schaffen es, ihn zu befreien.

12. Cagliari: Explosion vor dem christdemokratischen Hauptquartier – Ronda Proletaria.

12. Potenza: Das Hauptquartier des christdemokratischen Provinzkomitees wird geplĂŒndert und in Brand gesteckt.

12. Neapel: Eine selbstgebastelte Bombe explodiert vor dem MSI-GebÀude.

18. Genua: Eine Zelle der Roten Brigaden verwundet das Mitglied des KP-Provinzkomitees und Direktor einer Wirtschaftsschule, Professor Filippo Peschiera, an den Beinen.

28. Rom: Nuclei Combattenti Territoriali verbrennen das Auto eines KP-Anwalts, der fĂŒr seine Arbeit am Dossier der Partei gegen politische Gewalt bekannt ist.

30. Neapel: BombenanschlÀge auf drei Lokale der Christdemokraten.

Februar

12. Enna: Drei Molotows gehen am Tag nach dem Besuch von Almirante gegen das MSI-GebÀude hoch.

16. Portici: Das Auto des christdemokratischen Polizeichefs wird durch Molotows zerstört.

24. Rom: RĂ€umlichkeiten der Christdemokraten werden niedergebrannt.

26. Brescia: Rivoluzionari Anti-Imperialisti Comunisti greifen das GebĂ€ude an, in dem sich die BĂŒros eines christdemokratischen Senators und des ProvinzsekretĂ€rs der gleichen Partei befinden.

26. Ostia: Das Auto eines bekannten lokalen Faschisten geht in der Nacht in Flammen auf.

28. Bologna: In der Nacht werden fĂŒnf christdemokratische BezirksbĂŒros und eine Buchhandlung von Comunione e Liberazione angezĂŒndet.

MĂ€rz

3. Cerignola: Explosion in einer Villa, die von einem lokalen christdemokratischen ParteifunktionÀr gebaut wird.

5. Rom: Das Auto eines Magistrats und PrĂ€sidenten des Technischen Instituts wird angezĂŒndet.

5. Ribera: Bombenanschlag auf ein MSI-GebÀude.

6. Cinciello: Organizzazione Proletaria per il Comunismo greift den Sprecher von Comunione e Liberazione an.

7. Arluno: Haus und Auto eines Kinderarztes, einer der Protagonisten der berĂŒchtigten Anti-Abtreibungsbewegung, werden angezĂŒndet.

8. Cavarzere: Brandanschlag gegen das Hauptquartier der Christdemokraten.

10. Rom: Zwei Bomben in der Nacht – die erste in der Sporthalle der Italienischen Vereinigung, die andere in einem ParteibĂŒro der Christdemokraten.

10. Rom: Nucleo Comunista Armato – Francesco Lo Russo sprengt zwei christdemokratische Lokale und zwei Carabinieri-Kasernen in die Luft.

10. Ravenna: Gescheiterter Bombenanschlag auf ein ParteibĂŒro der Christdemokraten.

10. Messina: Ein Molotow wird gegen ein christdemokratisches Lokal geworfen.

14. Mailand: Brandanschlag auf das Kulturzentrum Don Minzoni.

14. San Benedetto del Trento: Eine Bar, die einem christdemokratischen Ratsmitglied gehört, wird in Brand gesetzt.

16. Rom: Um 9.30 Uhr greift eine Kolonne der Roten Brigaden in der Via Fani die Autoeskorte des christdemokratischen Parteichefs Aldo Moro an. Sie eliminieren fĂŒnf Polizisten und entfĂŒhren den christdemokratischen Parteichef. Am selben Morgen bildet das Parlament die erste Regierung mit Stimmen der Kommunistischen Partei.

April

7. Rom: In der Nacht finden TNT-Explosionen vor zwei christdemokratischen Lokalen statt.

7. Turin: Autos von zwei christdemokratischen Politikern werden angezĂŒndet – eine Aktion, zu der sich die Roten Brigaden bekennen.

14. Venedig: TNT gegen zwei christdemokratische ParteibĂŒros und PistolenschĂŒsse gegen die Wohnung eines christdemokratischen Provinzratsmitglied, zu der Aktion bekennen sich die Proletari Comunisti Organizzati.

15. Genua: Rote Brigaden bekennen sich zum Brand von drei Autos, die christdemokratischen Mitgliedern gehören.

22. Orani: Das Auto eines christdemokratischen Ratsmitglieds wird in die Luft gesprengt.

25. Rom: Ein fĂŒhrender christdemokratischer Stadtrat, der in Mafia-AffĂ€ren verwickelt ist, wird von den Roten Brigaden in die Beine geschossen.

25. Cormano: ParteirÀume der Christdemokraten werden durch eine Explosion fast vollstÀndig zerstört.

29. Cagliari: Bombenanschlag in der Nacht auf christdemokratische RĂ€ume.

Mai

1. Ostia: Autos von zwei lokalen Faschisten werden verbrannt.

1. Sassari: Bombenanschlag auf die Provinzzentrale der Liberalen Partei Italiens.

4. Rom: Formazioni Proletarie Armate plĂŒndern ein von Christdemokraten gefĂŒhrtes „Zentrum fĂŒr soziale Förderung“.

9. Rom: Um 13.30 Uhr wird wenige Meter von den BĂŒros der Christdemokraten und der Kommunistischen Partei in der Via Caetani die Leiche von Aldo Moro im Kofferraum eines Renault gefunden, nachdem dies ĂŒber ein Telefon mitgeteilt wurde. Auf ihn war elf Mal geschossen worden. Die Gewerkschaften/Syndikate rufen einen weiteren Generalstreik aus. Die Familie lehnt ein StaatsbegrĂ€bnis ab.

10. Santa Sofia: Nach einem Bombenanschlag auf ein BĂŒro der Christdemokraten wird ein GefĂ€hrte verhaftet.

10. Trapani: Die Wohnung des christdemokratischen Parteivorsitzenden fĂŒr öffentliche Arbeiten wird angezĂŒndet.

12. Mailand: Die Rote Brigaden – Walter Alasia Kolonne machen einen christdemokratischen Direktor zum KrĂŒppel.

12. Pisa: Eine Brandbombe explodiert unter dem Auto des christdemokratischen ProvinzsekretÀrs.

13. Ravenna: RÀumlichkeiten der Christdemokraten und ein katholischer Radiosender werden durch Feuer zerstört.

21. Asti: Formazioni Combattenti Comuniste – Prima Linea ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr einen Bombenanschlag gegen die Provinzzentrale der Christdemokraten.

21. Ostia: Bombenanschlag auf das örtliche ParteibĂŒro der MSI.

27. Rom: Explosion in einem Zentrum der Christdemokraten, die Verantwortung ĂŒbernimmt die Formazioni Armate Proletarie.

Juni

2. Rom: Bombenanschlag auf drei christdemokratische ParteibĂŒros.

3. Venedig: Proletari Comunisti Organizzati ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr die Sprengung der Wohnungen von drei Faschisten, Mitgliedern der Fronte della Gioventu.

8. Turin: Squadre Proletarie di Combattimento verwunden den Arzt Giacomo Ferrero mit PistolenschĂŒssen. Er ist ein bekannter Faschist, der in der Vergangenheit wegen Wucherei verurteilt worden ist.

16. Palermo: Bombe gegen das ACLI-Hauptquartier.

16. Bologna: Cellule Comuniste Combattenti zĂŒnden zwei Autos von Christdemokraten an.

18. Rozzano: Gescheiterter Brandanschlag auf ein GebÀude der Christdemokraten.

19. Aosta: Ein Kern fĂŒr direkte Angriffe der Azione Rivoluzionaria zĂŒndet eine Bombe in den regionalen BĂŒros der Christdemokraten.

25. Tempio Pausania: Anschlag mit Dynamit gegen das Haus des christdemokratischen BĂŒrgermeisters von Aglientu.

25. Triest: Bombenanschlag auf das Haus des christdemokratischen VizeprĂ€sidenten der Regionaljunta. Nuclei Comunisti per Contropotere ĂŒbernimmt die Verantwortung.

29. Mailand: Das Kino Fontana wird niedergebrannt. Es diente als Versammlungsort fĂŒr Comunione e Liberazione.

Juli

1. Venedig: Ein Brandanschlag verwĂŒstet das Hauptquartier von Acli di Mirano, einer Organisation, die sich fĂŒr den Abbau von ArbeitsplĂ€tzen in KrankenhĂ€usern einsetzt.

15. Turin: Das Rechenzentrum der Region Piemont wird von Prima Linea in Brand gesetzt, die Computer werden zerstört.

15. Padua: Ronde Armate Proletarie zerstören das Auto des UniversitÀtsdozenten Pietro Dlogu.

15. Treviso: Ronde Armate Proletarie brennen die TĂŒr des Hauses eines UniversitĂ€tsprofessors nieder.

19. Rom: Auto eines christdemokratischen Ratsmitglieds wird verbrannt.

28. Rom: Anschlag mit Dynamit auf ParteirÀume der Christdemokraten.

September

26. Rom: Anschlag auf zwei berĂŒchtigte faschistische Treffpunkte mit Bomben: das Restaurant Il Fungo und das Hotel Satellite in Ostia.

Oktober

7. Trient: Brandanschlag auf das BĂŒro eines christdemokratischen Abgeordneten und VizeprĂ€sidenten einer Parlamentskommission.

12. Rom: Auf drei MSI-ParteirĂ€ume werden BombenanschlĂ€ge verĂŒbt, ebenso auf das GeschĂ€ft eines bekannten Faschisten.

14. Lucca: Lotta Armata per il Comunismo ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr den Anschlag mit Dynamit auf die Villa eines christdemokratischen Abgeordneten.

14. Marano Vicentino: Molotows fliegen gegen die örtliche christdemokratische Zentrale.

20. Padova: Ein Stadtrat der Sozialistischen Partei und UniversitĂ€tsdirektor wird durch SchĂŒsse von zwei GefĂ€hrten der Fronte Combattente Comunista verwundet.

26. Bologna: Nuclei Sconvolti per la Sovversione Urbana zĂŒnden zwei Bomben beim Haus des BĂŒrgermeisters Zangheri.

27. Neapel: Eine Gruppe „organisierter Arbeitsloser“ besetzt das ParteibĂŒro der Kommunistischen Partei aus Protest gegen die Politik der linken Junta.

 

COMUNIONE E LIBERAZIONE ist eine katholisch-faschistische Organisation, die sich vorwiegend aus Studenten und jungen Katholiken zusammensetzt. Obwohl sie keine Partei ist, ist ihre Organisationsform die des straff zentralisierten stalinistischen Typs.

DEMOCRAZIA CRISTIANA (Christdemokraten) ist eine katholisch inspirierte Zentrumspartei. Sie hat bei den letzten Wahlen ihren Platz als grĂ¶ĂŸte Partei in Italien bestĂ€tigt.

PARTITO COMUNISTA (Kommunistische Partei) ist die grĂ¶ĂŸte kommunistische Partei in Westeuropa. Im MĂ€rz 1978 unterstĂŒtzte sie mit ihren Stimmen im Parlament die Christdemokraten in der Regierung, heute hat die Kommunistische Partei mit ihrer Repressionspolitik die Christdemokraten lĂ€ngst ĂŒberholt. Diese Partei ist ein wichtiges Instrument fĂŒr den Übergang des italienischen Kapitalismus zu einem sozialdemokratischen Modell. Allerdings hat sie bei den letzten Wahlen erhebliche Stimmenverluste hinnehmen mĂŒssen.

MSI – MOVIMENTO SOCIALE ITALIANO Rechtsgerichtete Partei, die weiterhin an die faschistische Tradition festhĂ€lt.

PLI – PARTITO LIBERALE ITALIANO Italienische Liberale Partei, gemĂ€ĂŸigte Rechtspartei.

ACLI – ASSOCIAZIONE CATTOLICA LAVORATORE ITALIANE Katholische Arbeitervereinigung.

PSDI – PARTITO SOCIALISTA DEMOCRATICA ITALIANO GemĂ€ĂŸigte Linkspartei, eine Abspaltung von der Sozialistischen Partei.

CGIL: CONFEDERAZIONE GENERALE ITALIANA DEL LAVORO (Allgemeine Italienische Konföderation der Arbeit), linke Gewerkschaft/Syndikat, dominiert von der Kommunistischen Partei, mit einer sozialistischen Minderheit.

CISL: CONFEDERAZIONE ITALIANA SINDACATI LAVORATORI (Italienische Konföderation der Arbeitersyndikate, -gewerkschaften), von den Christdemokraten dominiert.

UIL: UNIONE ITALIANA LAVORATORI (Italienische Arbeiterverenigung), kleinster der drei grĂ¶ĂŸten Gewerkschaften/Syndikate, dominiert von den Sozialisten.

CISNAL: Vierte Konföderation nach der CGIL, CISL und UIL. Hat eine öffentlich betonte AffinitÀt zur neofaschistischen nationalen Partei, der MSI.

 

GEWERKSCHAFTEN/SYNDIKATE

1976

MĂ€rz

17. Turin: Bei FIAT werden die Sabotageakte der Arbeiter in der Lackierabteilung (siehe Nr. 1) von den Gewerkschafts-, SyndikatsbĂŒrokraten als das Werk von „Provokateuren“ abgetan. Der GebietssekretĂ€r der CGIL muss sich 10.000 Arbeitern stellen, die ihm Beleidigungen zuschreien und zu direkten Aktionen aufrufen.

April

26. Cassino: Die FIAT-Arbeiter weigern sich, bis 1978 zu warten, um eine halbe Stunde Mittagspause zu haben, und nehmen sich diese direkt. Sie verkĂŒrzen den Arbeitstag selbst um eine halbe Stunde und „wenn der Busfahrer sich weigert zu fahren, werden wir seinen Platz einnehmen, wenn niemand in der Lage ist, den Bus zu fahren, werden wir ihn auseinandernehmen“.

28. Genua: Rote Brigaden brechen in die BĂŒros von Intersind (Syndikalistische-Gewerkschaftskonföderation) ein, ketten die Mitarbeiter an und nehmen Akten mit.

Mai

3. Turin: Zorn gegen den Vertrag der Gewerkschaften/Syndikate. Arbeiter in der FIAT-Lackiererei Rivalta und Mirafiori verlassen die Arbeit eine halbe Stunde frĂŒher.

5. Turin: Der Gewerkschafts-, SyndikatsbĂŒrokrat, der gekommen ist, um ĂŒber den bei Mirafiori und Trentin erzielten Vertrag zu sprechen, wird mit Orangen und Bolzen angegriffen. Nur 500-600 von 20.000 Arbeitern erscheinen zu der Versammlung.

Juni

4. Cassino: Nach der Verwundung eines FIAT-Managers wurde ein nicht unterschriebenes Flugblatt gefunden: „Mit der heutigen Warnung wollen wir diese Persönlichkeiten an einige Tatsachen erinnern, die die Arbeiter alle sorgfĂ€ltig zur Kenntnis genommen haben: Pettinotti (das Opfer) kontrolliert das Netzwerk der Faschisten der CISNAL, die immer aktiv sind, um die GefĂ€hrten auszuspionieren, die in der vordersten Linie des Kampfes stehen
“

November

16. Sassari: Zwei GefĂ€hrten werden verhaftet und beschuldigt, Molotows gegen die BĂŒros der CISNAL geworfen zu haben.

 

1977

Juni

30. Palermo: Intersind-BĂŒros werden von vier GefĂ€hrten aufgebrochen. Sie sperren die Angestellten in der Toilette ein und legen eine Bombe, die die BĂŒros zerstört. FĂŒr die Aktion machen sich die UnitĂ  Combattenti Comunisti verantwortlich.

Dezember

24. Sanremo: WĂ€hrend einer Anti-Weihnachtsdemonstration verwĂŒsten die GefĂ€hrten das Hauptquartier der CISNAL und werfen Möbel und Dokumente auf die Straße. 15 Personen werden verhaftet.

17. Oktober: Wilde Streiks in den italienischen KrankenhÀusern gegen die Verwaltung der VertrÀge durch die Gewerkschaften/Syndikate und zur Durchsetzung ihrer eigenen Forderungen. In Neapel, Florenz, Palermo und Mailand kÀmpfen die Krankenhausarbeiter seit Tagen. Im Polyclinico in Rom wird die Armee eingesetzt, um die Mahlzeiten der Patienten zu servieren.

November

30. Mailand: Eine Gruppe von Arbeitern des Comitato di lotta dell’Unidal (autonome Gruppe in der Kuchenfabrik Motta/Allemagna) platzt in ein Treffen zwischen Gewerkschafts-, SyndikatsanfĂŒhrern und Direktoren hinein, verprĂŒgelt einen CGIL-BĂŒrokraten und einen der Fabrikdirektoren. Die Polizei greift ein und die Arbeiter aller Abteilungen treten in den Streik.

 

FABRIKEN UND DIE INDUSTRIELLE HIERARCHIE

1976

MĂ€rz

11. Turin: Sabotage durch Arbeiter bei FIAT, wo sie die Lackfarben verwechseln und dadurch SchĂ€den und Zeitverluste verursachen. Versuche der Gewerkschafts-, SyndikatsbĂŒrokraten, dies als einfachen „Fehler“ abzutun, werden von den Arbeitern öffentlich angeprangert.

26. Bergamo: Drei Personen erschießen den Philco-Bosch-Manager vor der Fabrik und hinterlassen ein KommuniquĂ©, in dem sie seine Rolle bei der Umstrukturierung der Fabrik anprangern – sowie die Entlassung von Militanten und die Erhöhung der Ausbeutung. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von Lotta Armata per il Comunismo ĂŒbernommen.

26. Genua: Ein Lager des Supermarktes Standa wird nach telefonischer Warnung durch Feuer zerstört.

26. Rivalat: FIAT-Arbeiter blockieren Tore und verweigern den Zutritt fĂŒr Waren und Manager. Drei Autos der Vorarbeiter brennen in der Nacht.

27. Turin: Sabotage in der Polsterei bei FIAT Mirafiori. Material, das fĂŒr die FließbĂ€nder bereitsteht, ist verbrannt.

April

2. Crescenzago: Dem obersten Wachmann von Magneti Marelli wird in die Beine geschossen, weil er Arbeiter bespitzelt und denunziert hat. Ein Kommuniqué wird von einem bewaffneten kommunistischen Kommando hinterlassen.

3. Turin: Eine Werkstatt bei FIAT Mirafiori wird durch ein Feuer völlig zerstört. „Ein bewaffneter Kern hat einen Teil des Profits von Agnellis imperialistischem multinationalen Unternehmen zerstört. Das ist erst der Anfang“, heißt es in einem telefonischen KommuniquĂ© an die Nachrichtenagentur ANSA.

8. Mailand: Ein GebÀude der Kuchenfabrik Motta wird durch Feuer zerstört.

10. Turin: Zwei Standa-LagerhĂ€user und ein großes Lager fĂŒr Klamotten brennen.

11. Turin: FIAT Mirafiori – ein Auto wird im Tunnel, wo diese geschmiert werden, in Brand gesetzt, wodurch andere Autos und der Tunnel selbst beschĂ€digt werden.

13. Turin: Acht SchĂŒsse auf einen FIAT-Vorarbeiter werden von Roten Brigaden abgegeben, die auch die Autos von zwei anderen zerstören.

14. Rivalta: Feuer im FIAT-Reifendepot. Die Aktion wird von den Roten Brigaden kritisiert, die eine ErklÀrung herausgeben, dass sie gegen die Zerstörung von Waren sind.

14. Florenz: Zwei Texaco-BĂŒros brennen – die Verantwortung fĂŒr die Aktion ĂŒbernehmen die Formazione Comuniste Armate.

16. Porto Marghera: Rote Brigaden ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr die Zerstörung des Autos eines Montedison-Technikers.

16. Rom: Ein Standa-Depot wird angezĂŒndet, fĂŒr die Aktion ĂŒbernimmt die Squadra d’Azione Cagol die Verantwortung.

21. Rom: PrĂ€sident eines Öltankunternehmens wird von Formazione Comuniste Armate in die Beine geschossen.

21. Brescia: Rote Brigaden stĂŒrmen das Hauptquartier des Industrieverbands und nehmen Akten mit.

Mai

7. Turin: Ein FIAT-Warenhaus wird niedergebrannt.

10. Rom: Explosion vor einem deutschen ReisebĂŒro, die Aktion steht mit dem Mord an Ulrike Meinhof in ihrer GefĂ€ngniszelle in Verbindung.

Juli

20. Rom: Durch eine Explosion zerstörte BĂŒros einer syrischen Fluggesellschaft: Die Aktion steht in Verbindung zu den Massakern, die von dieser Regierung im Libanon verĂŒbt wurden.

September

11. Rom: Bombenanschlag auf brasilianische Fluggesellschaft. Molotows werden auf die amerikanischen Honeywell-BĂŒros und ein israelisches ReisebĂŒro geworfen.

11. Turin: Zwei Filialen der Banca Commerciale werden von Combattenti Armati per il Comunismo aus Protest gegen deren Verwicklung in das Pinochet-Regime angegriffen.

22. Rom: Zwei Explosionen: eine beschÀdigt das GeschÀft eines Iraners mit CIA-Verbindungen, die andere richtet sich gegen den amerikanischen Industriekonzern Westinghouse.

26. Rom: Zionistische und amerikanische Ziele werden vor und nach einer Demonstration in SolidaritÀt mit dem palÀstinensischen Widerstand im Libanon getroffen. Eine Explosion zerstört das Warendepot des israelischen Ex-Botschafters in Italien; Molotows gegen American Joint; zwei Filialen der Banks of America werden mit Molotows angegriffen und ein Warendepot der ITT-Tochterfirma Avis wird in die Luft gejagt.

Oktober

1. Mailand: Eine große Gruppe von GefĂ€hrten dringt in das sĂŒdafrikanische Konsulat ein und verwĂŒstet es.

6. Turin: Einbruch in Italian International Computers durch drei bewaffnete MĂ€nner und eine Frau. Sie setzen die BĂŒros in Brand, nachdem sie die Mitarbeiter dazu gebracht haben, das GebĂ€ude zu verlassen.

15. Mailand: Arbeiter der Motta-Kuchenfabrik, denen 2.800 Entlassungen bevorstehen, jagen den fĂŒr die Umstrukturierung verantwortlichen Direktor aus der Fabrik.

20. Mailand: Upim-Laden wird geplĂŒndert; das pharmazeutische Institut De Angeli wird angegriffen und viele Maschinen zerstört.

22. Turin: Vier Aufseher bei FIAT finden ihre Autos verbrannt auf der Straße.

25. Genua: Rote Brigaden ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr das AnzĂŒnden von Autos der Direktoren von Asgen, Intersider und Ansaldo.

27. Avellino: Zwei bewaffnete Zellen greifen die Zentrale der Unione Industriale Irpini an und zerstören sie.

November

8. Neapel: Das Auto des Vorarbeiters von Italsider wird verbrannt.

12. Mailand: Überfall auf den Firmensitz der Assofarma (Pharmazeutischer Industrieverband) durch die Unità Comuniste Combattente, die den Karteien-Index, Geld und die Brieftasche des Direktors mitnimmt.

16. Sesto San Giovanni: Eine Zelle der Roten Brigaden bricht in den Parkplatz der Direktoren ein, zerstört zwei Autos und beschÀdigt 15 weitere.

30. Turin: Ein Prima Linea – Kommando bricht in die BĂŒros der Direktoren der FIAT-Gruppe in Turin ein. Geheime Akten und Index von Karteien werden mitgenommen.

Dezember

3. Monzesi: Bei der Eröffnung des Sitzes der Industrievereinigung bricht ein Prima Linea – Kommando ein und legt ein Feuer, das drei BĂŒros zerstört.

15. Florenz: Sechs HausvermietungsbĂŒros werden durch Explosionen getroffen, zu denen sich die Reparti Comunisti di Combattimento bekennen.

19. Mailand: Formazione Combattente brechen in Montedison-BĂŒros ein, setzen Mitarbeiter außer Gefecht und beschĂ€digen elektronische GerĂ€te.

22. Rom: Elf zentrale Telefonleitungen in Wohngebieten brennen im Zusammenhang mit den jĂŒngsten GebĂŒhrenerhöhungen.

 

1977

Januar

20. Genua: Zwei Autos von örtlichen Industriellen werden durch Feuer zerstört, die Verantwortung fĂŒr die Aktionen wird von den Roten Brigaden ĂŒbernommen.

29. Mailand: Einbruch in eine Firma fĂŒr ElektrohaushaltsgerĂ€te und VerwĂŒstung durch Molotowcocktails. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von einer „Gruppe junger Proletarier“, die gegen die Ausbeutung der jungen Arbeiterschaft fĂŒr billige ArbeitskrĂ€fte protestiert, ĂŒbernommen.

Februar

1. Turin: Der im Bau befindliche Hauptsitz von Face Standard (ITT-Tochterfirma) wird durch Sprengstoff beschÀdigt.

4. Turin: Ein Kommando der Prima Linea stĂŒrmt die BĂŒros des Verbandes der Leichtindustrie und zĂŒndet sie anschließend an.

4. Mailand: Eine „bewaffnete Gruppe von Arbeitern“ bricht in die BĂŒrorĂ€ume von Pubblilabor (Arbeitsagentur) ein, setzt die Mitarbeiter fest und nimmt Akten und Geld mit.

8. Turin: Autos der Direktoren von Aeritalia (Fluggesellschaft) werden durch Feuer zerstört.

10. Rom: Electrolux und Standa-Lager geplĂŒndert.

Februar

18. Turin: Zwei FIAT-Manager werden von einem Kommando der Roten Brigaden in die Beine geschossen.

MĂ€rz

2. Turin: Dutzende Millionen Lire Schaden durch Feuer in der Mirafiori FIAT.

10. Reggio Calabria: Das Kommando der UnitĂ  Combattenti Comuniste bricht in die Zentrale des Industrieverbands von Reggio ein und entwendet Dokumente.

11. Bologna: Zelle der Roten Brigaden bricht in das BĂŒro der Agentur Gabetti (Baufirma) ein und entwendet Akten und Dokumente.

18. Mailand: Einbruch in die Marelli-Zentrale durch elf GefÀhrten, die sich von einem Demonstrationszug abgesetzt haben. Sie nehmen den Anwesenden die Brieftaschen ab und setzen das GebÀude in Brand.

24. Piedimonte S. Gennaro: Stromgenerator fĂŒr FIAT-Versorgung durch Bombe zerstört.

29. Rom: Generaldirektor des Poligrafico di Stato (Staatsdruckerei, druckt Banknoten) in die Beine geschossen.

April

15. Reggio Calabria: Ein Kommando bricht in eine FlĂŒssigchemiefabrik ein, setzt Wachen außer Gefecht, beschĂ€digt einen Computer und die Abteilung, die Bioproteine herstellt. Flugblatt der UnitĂ  Comuniste Combattente wird hinterlassen.

19. Genua: Eine Zelle der Roten Brigaden verbrennt vier Autos, die Industriellen und christdemokratischen Politikern gehören.

21. Mailand: Zerstörung eines Computers durch eine Zelle der Gruppo Combattente Comuniste in der UniversitĂ€t Bocconi. Die UniversitĂ€t ist eines der fortschrittlichsten Zentren in der Vorbereitung von Techniken/Maßnahmen gegen Arbeiter.

22. Turin: FIAT-Vorarbeiter wird von einem Kommando der Roten Brigaden in die Beine geschossen.

30. Turin: Um 2 Uhr explodiert eine Bombe in der Bekleidungsfabrik Facis, um 5 Uhr explodiert eine weitere vor Michelin, dann vor den ArbeitsĂ€mtern und der Telefonzentrale, und schließlich wird ein Brandsatz gegen die Heizungsanlage einer Fabrik geworfen, die berĂŒchtigt ist fĂŒr die Ausbeutung von Frauen und Kindern bei der Produktion von Kugelschreibern.

30. Padua: Die Fernsehgesellschaft RTR und Pinton Industrial Electror werden von Molotows getroffen und Autos in Brand gesetzt.

30. Genua: Die EntfĂŒhrer des PrĂ€sidenten von FIAT-France fordern 25 Milliarden Lire und die Freilassung politischer Gefangener.

Mai

16. Palermo: Dynamitanschlag auf die BĂŒros der SIP (Telefongesellschaft).

18. Bologna: Der VizeprÀsident des Industrieverbands findet sein Auto niedergebrannt vor.

18. Alcamo: Bei einem FIAT-Autohaus werden zwei Transporter und eine Reihe von Autos beschÀdigt.

18. Syrakus: Das Auto eines lokalen Industriellen wird verbrannt.

18. Palermo: Die Villa eines Bauunternehmers wird durch Dynamit teilweise zerstört.

18. Mailand: Einbruch in den Firmensitz der ISEO (Gesellschaft fĂŒr Managerausbildung) durch ein Kommando der Prima Linea.

19. Turin: Explosion im Firmensitz der Pia S. Paolo (Vatikan-Verlag).

19. Florenz: Ein Kern von vier GefĂ€hrten verwĂŒstet die BĂŒros der Unternehmensberatung Cicasc.

26. Florenz: Eine „proletarische kĂ€mpfende Zelle“ bricht in einen Elektrowarenladen ein und beschĂ€digt ihn.

Juni

8. Mailand: BMW-Autohaus wird mit Molotows angegriffen, die Gruppe Ulrike Meinhof ĂŒbernimmt die Verantwortung.

9. Mailand: Ein Vorarbeiter der RĂŒstungsfabrik Breda wird vom Kommando der Roten Brigaden „Walter Alasia“ in die Beine geschossen.

10. Rom: Drei MÀnner und eine Frau zerstören den Computer der FakultÀtskoordinierungsstelle der stÀdtischen UniversitÀt vollstÀndig.

13. Mailand: Ein Kommando der Prima Linea bricht in den Verband der Industrieverwaltung ein und entwendet dort Dokumente.

17. Genua: Ein Transporter der IMPA (eine Fabrik, die Verpackungsmaterial herstellt und gerade die HÀlfte ihrer Mitarbeiter entlassen hat) wird durch ein Feuer zerstört.

19. Mailand: Eine Zelle der Prima Linea bekennt sich zu AnschlÀgen gegen die multinationalen Unternehmen SIT Siemens und Magneti Marelli.

20. Prato: Etwa zwanzig zerstörte und ebenso viele beschÀdigte Autos durch Prima Linea.

21. Rom: Ein Kommando von drei Frauen erschießt den PrĂ€sidenten der FakultĂ€t fĂŒr Betriebswirtschaft. Die Roten Brigaden ĂŒbernehmen die Verantwortung.

22. Pistoia: Ein Breda-Manager wird von Prima Linea in die Beine geschossen.

27. Pomilliano: „KĂ€mpfende Arbeiter fĂŒr den Kommunismus“ schießen einem Vorarbeiter von Alfa Romeo in die Beine.

28. Genua: Die Roten Brigaden feuern vier SchĂŒsse in die Beine eines Ansaldo-Ingenieurs.

30. Turin: Ein FIAT-Manager wird in die Beine und in die Brust geschossen – eine Aktion, fĂŒr die die Roten Brigaden die Verantwortung ĂŒbernehmen.

30. Mailand: Ein Manager von OM (Transporteure) wird von den Roten Brigaden in die Beine geschossen.

30. Pordenone: Drei Eisenbahnwaggons mit Zanussi-HaushaltsgerĂ€ten werden gesprengt. Die Verantwortung fĂŒr diese Aktion ĂŒbernimmt Prima Linea. Die Gewerkschaften/Syndikate rufen einen Streik aus SolidaritĂ€t mit den Bossen auf.

30. Bologna: Eine nicht explodierte Bombe wird am Eingang zu den BĂŒros des Industrieverbands gefunden.

Juli

29. Mailand: Die BĂŒros der Swissair werden durch eine Explosion schwer beschĂ€digt. Es wird ein von Prima Linea unterzeichnetes Flugblatt hinterlassen, in dem die Gastfreundschaft dieses Landes gegenĂŒber den multinationalen Konzernen der Ausbeutung und des Todes sowie die Inhaftierung der GefĂ€hrtin Petra Krause angeprangert werden.

August

2. Turin: Die Farbstofffabrik Ipca, berĂŒchtigt fĂŒr die Anzahl ihrer Arbeiter, die an Blasenkrebs gestorben sind, wird durch zwei Bomben beschĂ€digt, die Verantwortung ĂŒbernimmt die „Bewaffneter Kern fĂŒr revolutionĂ€re Aktion“.

6. Mailand: Die BĂŒros der ANIC werden von einer Explosion getroffen, zu der sich „revolutionĂ€re proletarische Banden“ bekennen, nachdem zwei Arbeiter dort gestorben sind.

28. Neapel: Drei Bomben explodieren vor der Firma Roche Pharmaceuticals. FĂŒr die Aktion ĂŒbernehmen die UnitĂ  Comunista Territoriale die Verantwortung.

September

14. Novara: Ein 41-jĂ€hriger Arbeiter sticht seinem Chef in den RĂŒcken und verschwindet.

19. Taranto: Über 80 Milliarden Lire Schaden an einem Italsider-Ofen wird von Arbeitern verursacht.

19. Mailand: In einer Propagandaaktion gegen die steigenden Lebenshaltungskosten verteilt eine libertĂ€re Gruppe FlugblĂ€tter und zerschlĂ€gt Fahrkartenautomaten in 77 Bussen. Die FahrgĂ€ste unterstĂŒtzen die Aktion.

22. Turin: Brand bei FIAT Mirafiori, fĂŒr den die Arbeiterzelle Tonino Micciche die Verantwortung ĂŒbernimmt, ein GefĂ€hrte von Lotta Continua wurde dort vor einiger Zeit von einem NachtwĂ€chter getötet.

25. Bologna: Am letzten Abend eines massiven „Treffens gegen die Repression“, zu dem sich etwa 50.000 GefĂ€hrten aus ganz Italien versammelt haben, beschĂ€digt eine Explosion das Fenster eines Autohauses von Volkswagen. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der Azione Rivoluzionaria ĂŒbernommen.

29. Florenz: Super, Galardi und American Agency (alles Immobilienspekulanten) werden ĂŒberfallen und verbrannt. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion ĂŒbernimmt Squadre Proletari Combattenti.

Oktober

18. Turin: Prima Linea ĂŒberfallen den Verband der Industriedirektoren und nehmen Dokumente und Akten mit. Bevor sie gehen, lassen sie zwei Molotows hochgehen.

18. Florenz: Prima Linea bricht in die BĂŒros der Gewerkschaft/Syndikats der Region ein und erbeutet Akten ĂŒber die BeschĂ€ftigten.

20. An mehreren Orten: Aus Protest gegen die Morde in Stammheim und Mogadischu kommt es in vielen StÀdten zu BombenanschlÀgen auf deutsche AutohÀuser und TIR-LKWs.

21. Trient: An den WĂ€nden „10, 100, 1.000 Schleyers“; Barrikaden in Mailand gegen die Polizei; Molotowcocktails in Vicenza gegen deutsche AutohĂ€ndler. AnschlĂ€ge in verschiedenen anderen StĂ€dten.

22. Mailand, Diano Marina, Imperia, Bozen, Cagliari, Sassari, Reggio Emilia, Neapel: das sind einige der Orte, an denen die Aktionen gegen deutsche AutohÀuser und andere Einrichtungen weitergehen.

22. Mailand: Molotows gegen den Mercedes des Konsuls und gegen das Konsulat von Ecuador, um auf die Aberdutzenden von Arbeitern aufmerksam zu machen, die von der Armee dieses Landes ermordet wurden. ATM und TWA werden ebenfalls getroffen.

23. Brescia: Ein Polizist wird verwundet, als er versucht, einen Mercedes-HÀndler vor einem Angriff zu retten. Weitere Aktionen gegen deutsche Interessen gehen in anderen StÀdten weiter.

24. Palermo: Bei Protestdemonstrationen aufgrund der Morde in Stammheim und Mogadischu werden ein Volkswagen-Autohaus und ein sizilianisches Zementwerk in die Luft gesprengt.

25. An mehreren Orten: Ein weiterer Tag mit Aktionen gegen deutsche Interessen (Unternehmen) in vielen StÀdten.

26. Rom: Opel-, General Motors– und Siemens-Einrichtungen werden in der Nacht in die Luft gesprengt.

26. Pistoia: Bombenanschlag auf einen BMW-Autohaus.

29. Brescia: Ream und eine Filiale von AEG-Telefunken mit einer Bombe in die Luft gejagt.

30. Turin: „RevolutionĂ€re Gruppe Andreas Baader“ ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr einen Bombenanschlag auf ein Mercedes-Autohaus.

30. Mailand: Zwei Molotows fliegen gegen ein Mercedes-Autohaus.

November

4. Padua: Die Hausvermietungsagentur Stima wird durch einen Bombenanschlag zerstört.

8. Mailand: Ein Manager in der Montageabteilung von Alfa Romeo wird von den Roten Brigaden zum KrĂŒppel gemacht.

8. Florenz: Bombenanschlag auf das Pharmaunternehmen Hoechst Italia (Tochtergesellschaft eines deutschen Unternehmens).

8. Cagliari: Angriffe auf Volkswagen, Auto Union und Porsche.

10. Turin: Ein Angestellter in einem BĂŒro fĂŒr Arbeitsstudien wird von den Roten Brigaden zum KrĂŒppel gemacht.

12. Bologna, Cagliari und Turin: Weitere AnschlÀge gegen deutsche Unternehmen.

14. Genua: Ronda Proletaria ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr einen Bombenanschlag auf einen Opel-Firmensitz.

16. S. Benedetto del Trento: Lotta Armata per il Comunismo ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr einen Anschlag auf BMW.

17. Genua: Ein Ansaldo-Manager wird von sieben Kugeln getroffen, die Verantwortung wird von den Roten Brigaden ĂŒbernommen.

29. Genua: Autos von zwei Direktoren von Italsider werden angezĂŒndet, die Verantwortung fĂŒr die Aktion ĂŒbernehmen die Roten Brigaden.

Dezember

5. Turin: Eine „bewaffnete kommunistische Zelle“ sprengt die Polsterabteilung von FIAT Mirafiori.

5. Genua: Eine „bewaffnete kommunistische Zelle“ ĂŒbernimmt die Verantwortung einer Aktion gegen das deutsche Handelszentrum.

6. Bergamo: Squadre Armate Operaie ĂŒbernehmen die Verantwortung eines Anschlags auf die Euroschool.

12. Mailand: Prima Linea ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr einen nĂ€chtlichen Dynamitanschlag auf die Credito S. Paolo Bank (Bank des Vatikans).

17. Turin: Explosion im Autohaus von Alfa Romeo. Viele Autos werden beschÀdigt.

 

1978

Januar

4. Cassino: Der Chef der Privatpolizei bei FIAT wird von Operaie Armate per il Comunismo seiner gerechten Strafe zugefĂŒhrt: Ein weiterer Polizist von Agnelli wird zur gleichen Zeit verwundet. Die Gewerkschaften/Syndikate rufen den ĂŒblichen Streik gegen den Terrorismus aus – 2,35 Prozent gehen hin, d.h. 30 von 1.500 Arbeitern.

9. Taranto: Sabotage bei Italsider. In den Lastwagen, die das Zentrum mit dem Hafen verbinden, werden Spuren von explosivem Material gefunden.

10. Turin: UnitĂ  Comuniste Combattenti zĂŒndet eine Bombe vor dem Haus des zweiten Verantwortlichen fĂŒr den Sicherheitsdienst der FIAT-OM. Ein Kommando der Roten Brigaden verwundet einen Vorarbeiter von FIAT-Mirafiori an den Beinen und am Arm.

10. Zingonia: Squadre Operaie Armate zĂŒnden das Warenlager von Comet-HaushaltsgerĂ€ten „gegen politische Entlassungen und Umstrukturierungen bei Philco Ritalco“ an.

10. Imperia: 12 Molotows werden gegen die luxuriöse Villa eines örtlichen Industriellen geworfen.

13. Rom: Die Roten Brigaden schießen den Gebietsleiter der SIP in die Knie.

24. Mailand: Der Leiter der Gewerkschafts-, Syndikatsbeziehungen des SIT-Siemens wird von den Roten Brigaden verwundet.

24. Lambrate: Der Generaldirektor von Nuova Innocenti richtet eine Waffe auf eine Gruppe von Arbeitern, die in sein BĂŒro einbrechen. Die MĂ€nner entwaffnen ihn und erteilen ihm eine Lektion, obwohl Mitglieder des Betriebsrats versuchen, ihn zu schĂŒtzen.

28. Turin: Die Arbeiter, die die Accarini-Fabrik besetzen und zuvor von der Polizei vertrieben worden waren, gehen zu direkten Aktionen ĂŒber. In der Nacht ertönen PistolenschĂŒsse auf das Haus eines Vorarbeiters. Am nĂ€chsten Tag wird einer der Vorarbeiter eingekesselt und erst wieder freigelassen, nachdem ihm eine Lektion erteilt worden ist.

30. Turin: Brand in der CEAT (Reifenfabrik), der Millionen Lire Schaden verursacht.

31. Padua: Die Organizzazione Operaia per il Comunismo ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr zahlreiche Explosionen in der Region gegen Fabriken und HĂ€user von Industriellen.

31. Mailand: Squadre Armate Operaie schießen dem Besitzer einer Druckerei in die Beine. Er war fĂŒr die Erschießung eines Gewerkschafters/Syndikalisten 5 Jahre zuvor verantwortlich.

Februar

1. Bologna: Squadre Armate Operaie ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr einen Angriff auf das Haus eines Kleinindustriellen.

1. Sassari: Millionenschaden an einer FIAT-Tochtergesellschaft durch vier Molotowcocktails.

2. Cosenza: Eine Gruppe von Lotta Armata per il Comunismo bricht in das Computerzentrum der Sparkasse (Cassa di Risparmio) ein und zĂŒndet eine Sprengladung, die irreparable SchĂ€den an Maschinen und Bandarchiven verursacht.

16. Mailand: Reparti Operai Combattenti Comunisti verletzen einen Manager von Alfa Romeo an den Beinen. Er war zustĂ€ndig fĂŒr die BeschĂ€ftigung von Behinderten und Invaliden.

16. Rom: „Staatliche Einrichtungen angreifen heißt den Staat angreifen“ – schreiben Ronde Proletarie in einem Flugblatt, das die Verantwortung fĂŒr eine Explosion gegen das technische BĂŒro der SIP (Telefon) ĂŒbernimmt.

19. Turin: Anschlag mit Plastiksprengstoff auf einen FIAT-Vertreter.

21. Turin: Eine Bombe explodiert in der FIAT in Carmagnola.

24. Triest: Eine Gruppe von vier GefĂ€hrten ĂŒberfĂ€llt den Sitz des Industrieverbands und ein ImmobilienbĂŒro. „Die HĂ€user denen, die drin wohnen“.

27. Neapel: 10 Molotows werden gegen die BĂŒros der Iran Air geworfen.

MĂ€rz

1. Turin: Ein Stromkabel, das die FIAT Mirafiori versorgt, wird von zwei Sprengladungen getroffen.

1. Mailand: Das elektronische Zentrum von SPED wird von vier GefĂ€hrten außer Betrieb gesetzt, die die Maschinen mit SchwefelsĂ€ure ĂŒbergießen.

5. Modena: In den BĂŒros der SPE (Werbeagentur) explodiert eine Bombe.

7. Mailand: Brandbombe gegen die Nuova Innocenti, Nuclei Operai Armati ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr diese Aktion.

12. Siena: Gruppi Armati per il Comunismo ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr einen Anschlag auf die Unipol-Versicherung. Organizazzioni Operaie per il Comunismo greifen die Wohnungen des Direktors und einer FĂŒhrungskraft der Pelzfabrik Eurofur an.

22. Modena, Parma, Reggio Emilia: Verschiedene BombenanschlÀge, zu denen sich die Nuclei Armati delle Cellule Combattenti bekennen.

22. Mailand: Brandanschlag auf zwei SIP-Transporter.

22. Turin: Die Nuclei Proletari Comunisti zerstören das Auto des Direktors von Accarini. Das Unternehmen steht im Mittelpunkt eines harten Kampfes gegen Entlassungen.

April

6. Rom: Eine Reihe von BombenanschlÀgen auf ein BMW-Autohaus, ein Simca-Autohaus und eine Filiale der Banco di Roma.

7. Genua: Rote Brigaden schießen dem PrĂ€sidenten der örtlichen Industrie in die Beine.

11. Siena: Ein Nucleo Armato Comunista verursacht einen Schaden in Höhe von mehreren hundert Millionen Lire, indem er einen UPIM-Supermarkt in Brand setzt.

13. Rom: Neun Molotows werden gegen den Sitz des nationalen Verbandes der Bauunternehmer geworfen.

19. Turin: Brand in der Polsterabteilung von FIAT Mirafiori, der einen Schaden von mehreren Millionen Lire verursacht.

21. Mailand: Prima Linea ĂŒberfĂ€llt die Agentur eines Unternehmensberaters.

22. Padua: Ein UniversitÀtsdozent, der auch PrÀsident des Verlags Gazzetino und Direktor einer Bank ist, wird von Nucleo Combattenti per il Comunismo in die Beine geschossen.

23. Mailand: Proletari Comunisti per il Contropotere reagieren auf die EinfĂŒhrung der Samstagsarbeit bei Alfa Romeo mit der Sprengung von 5 AutohĂ€usern, es werden zahlreiche Autos beschĂ€digt.

27. Turin: Einer der Manager von FIAT Mirafiori wird von einem Kern der Roten Brigaden zum KrĂŒppel gemacht.

29. Arezzo: In einer Abteilung des Standa-GeschÀfts wird ein Feuer gelegt.

29. Rom: Zwei Brandbomben gehen in den BĂŒros der Firma Sarom (Öl-Unternehmen) und in der Kantine des Feder-Konsortiums hoch.

30. An mehreren Orten: Als Antwort auf die Überstunden am Samstag bei Alfa Romeo finden folgende Aktionen statt, Rom: Squadre Armate Operaie sprengen die Fenster (A.d.Ü., wahrscheinlich die Fassade der GebĂ€ude gemeint) von vier AutohĂ€user in die Luft; Neapel: UnitĂ  Comuniste Armate setzen mehrere Autos bei Alfa Romeo in Brand; Turin: Nuclei Operai Comunisti greifen drei AutohĂ€user an; Padua: Brandschaden in der Ersatzteilabteilung von Alfa Romeo durch Proletari Comunisti Organizzati.

Mai

1. Padova: Gruppo Comunista Organizzato ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr drei BombenanschlĂ€ge in der Provinz, einen auf das Auto eines Industriellen, einen auf ein Warenlager und einen auf die Wohnung eines Faschisten.

3. Padua: Squadre Comuniste per il Contropotere verbrennen das Auto des PrÀsidenten des ITI Gramsci und eines FunktionÀrs der Kommunistischen Partei.

3. Florenz: Prima Linea zerstört eine große Anzahl von Computern in der Datenverwaltung.

4. Mailand: Squadre Armate Operaie ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr eine schwere Explosion, die einen Alfa-Transporter und 35 Autos zerstört. Ein Auto des Managers wird ebenfalls zerstört. Die Roten Brigaden verwunden einen der SIT-Siemens-Manager mit 9 PistolenschĂŒssen.

4. Genua: Die Roten Brigaden machen einen Personalchef von Italsider zum KrĂŒppel.

6. Varese: Mit Molotows wird das Autohaus von Alfa Romeo in Brand gesetzt.

7. Trient: Ein Hubschrauber, der fĂŒr die Suche nach Uran eingesetzt wird, wird sabotiert.

8. Mailand: Rote Brigaden zerstören ein Auto der Gewerkschaft/Syndikats und der Kommunistischen Partei bei SIT Siemens.

10. Mailand: FĂŒr drei PistolenschĂŒsse in die Beine eines Montedison-Beamten ĂŒbernimmt Prima Linea die Verantwortung.

11. Mailand: Ein Direktor der Chemical Bank wird von Prima Linea an den Beinen verwundet.

11. Bologna: Bombenanschlag auf das Autohaus von Alfa Romeo.

12. Segnate: Formazione Comuniste Combattenti und Prima Linea zĂŒndet ein Lager fĂŒr Computerteile des multinationalen Unternehmens Honeywell an – zwei Milliarden Lire Schaden.

13. Mailand: Proletari Comuniste per il Contropotere sprengen ein Stromkabel das Alfa Romeo versorgt.

13. Rho (Lombardei): Bombenanschlag in einem Autohaus von Alfa Romeo.

14. Avellino: Bombenanschlag auf eine Firma, die Ersatzteile fĂŒr Alfa Romeo liefert.

15. Bologna: Der Leiter der Personalabteilung von Menarini wird an verschiedenen Stellen des Körpers verwundet. Die Verantwortung wird von Prima Linea ĂŒbernommen.

18. Marghera: Organizzazione Operaia per il Comunismo und Proletari Comunisti Organizzati ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr den Bombenanschlag auf ein Alfa Romeo Autohaus.

19. Trient: PistolenschĂŒsse gegen ein Alfa Romeo Autohaus werden abgefeuert.

19. Turin: Anschlag auf ein FIAT-Autohaus.

20. Mailand: Vier GefĂ€hrten brechen in ein Autohaus von Alfa Romeo ein, setzen den Wachmann außer Gefecht und lassen eine große Menge an Molotowcocktails hochgehen. Weitere AnschlĂ€ge auf Alfa-AutohĂ€user in Rom und Bassano Del Grappa.

22. Florenz: Linea d‘Azione Comuniste brechen in eine Wohnungsvermietungsagentur ein und erbeuten Dokumente.

25. Padua: Ein Molotow wird von einem Motorrad aus gegen eine Regionalbankfiliale geworfen.

30. Mestre: Eine Bombe beschÀdigt ausgestellte Autos in einem FIAT-Autohaus.

Juni

2. Varese: Das Stromkabel, das Alfa Romeo versorgt, wird gekappt. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von Proletari per il Contropotere ĂŒbernommen.

3. Rom: Zwei AnschlÀge in der Nacht: einer zerstört das Auto des PrÀsidenten von ITI Fremi, der andere beschÀdigt das Verlagshaus Rizzoli.

10. Bologna: Bombenanschlag in der Nacht auf die Banca del Monte.

13. Carbonia: Ein Molotow wird in einen Standort von ITI Anioy geworfen.

15. Saronno: Das Auto des Direktors von Motori Breda wird von der Squadre Combattenti Comuniste in Brand gesetzt.

22. Pomigliano: Squadre Operaie macht einen Alfa Romeo Vorarbeiter zum KrĂŒppel.

23. Pomigliano: Sabotage in der Lackiererei von Alfa Romeo.

26. Florenz: Squadre Proletarie ĂŒberfallen und zĂŒnden die Geldverleihfirma CEVA an.

27. Cassino: Squadra Armata Operaia sprengen Stromleitungen zur FIAT und blockieren damit die Produktion.

28. Mailand: Molotows werden auf ein Alfa Romeo Autohaus geworfen.

30. Orbassano: Ein Nucleo Operai Comunisti zĂŒndet ein Lager von FIAT-Transportern an.

30. Monza: Brandanschlag auf ein Alfa Romeo-Autohaus.

Juli

3. Turin: Prima Linea bricht in die FinanzbĂŒros der Regionalverwaltung ein und setzt sie in Brand.

8. Varese: Kappung der Stromzufuhr.

11. Ort unbekannt: Bombenanschlag auf vier FIAT-AutohÀuser: Nulcei Operai Comunisti.

12. Mailand: Proletari Comunisti per il Contropotere sprengen zwei FIAT-AutohÀuser.

18. Turin: Nuclei Operai Comunisti setzen einen Zug18 in Brand, der fĂŒr den Transport von Autos innerhalb des FIAT-Unternehmen per Schiff verwendet wird.

19. Grugliasco: Ein Kern der Prima Linea bricht in ein VersicherungsbĂŒro ein und verwundet eine FĂŒhrungsperson an den Beinen.

20. Mailand: Ein Jahr nach dem Tod einer ihrer Militanten, Romano Tognini, der bei einer Waffenenteignung getötet wurde, sprengt Prima Linea 8 kg TNT in der Gewerkschaft/Syndikat der HÀndler.

22. Trient: Die Brigate Comuniste zerstören ein Auto der Gewerkschaft/Syndikat der HÀndler.

27. Trient: Die Brigade Ulrike Meinhof der Nuclei Comunisti Combattenti zĂŒndet ein Holzlager an, das dem Vorsitzenden der Gewerkschaft/Syndikat der HĂ€ndler gehört.

August

27. Tarent: Die Nuclei Comunisti Combattenti ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr die Sabotage bei Italsider, wo die Schalttafel eines Hochofens in Brand gesetzt wird, wodurch ein Schaden von 2 Milliarden Lire entsteht. 15 Tage zuvor waren im selben GebĂ€ude drei Arbeiter ums Leben gekommen.

September

8. Rom: Die Ronde Comuniste di Contropotere sprengen den Sitz dreier Wohnungsbaugesellschaften in die Luft, die fĂŒr die desolate Wohnsituation in der Stadt verantwortlich sind.

28. Turin: Der Produktionsleiter der Lackierabteilung von Lancia wird von einer Kolonne der Roten Brigaden getötet.

28. Mailand: Azione Rivoluzionari sprengen eine Straßenbahnlinie und ein ENEL-Stromkabel, das das Straßenbahnnetz versorgt, in die Luft, um „den Lohnsklaven, die jeden Morgen aufstehen, um zu ihren AusbeutungsstĂ€tten zu gehen“, einen zusĂ€tzlichen Urlaubstag zu gewĂ€hren.

29. Mailand: Der Direktor von Alfa Romeo wird von einem Kommando der Roten Brigaden ĂŒberrumpelt. Sie fesseln ihn im Inneren seiner Garage, fotografieren ihn und schießen vier Mal in seine Beine.

Oktober

23. Mailand: Durch Sabotage an den Telefonleitungen mittels Ă€tzender SĂ€ure werden mehr als 2.000 TelefonanschlĂŒsse im Wohngebiet Rogoredo stillgelegt.

25. Rom: Auf ein Opel-Autohaus wird ein Bombenanschlag verĂŒbt.

26. Rom: Explosionen gegen ein Volkswagen-Autohaus und ein Stromkabel.

27. Padua: Proletari Comunisti Organizzati ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr acht Explosionen: gegen das staatliche Wohnungsamt, die SIP-Telefonzentrale, den Sitz der Versicherungsgesellschaft Alleanza, das Rathaus, die Wohnung des UniversitĂ€tsprĂ€sidenten, die eines SIP-Direktors und des stellvertretenden christdemokratischen BĂŒrgermeisters. Zugleich werden 2.000 Telefone stilgelegt.

28. Mailand: Nuclei Armati Antisfratto ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr eine Explosion gegen die BĂŒros der RAS-Versicherung, die Dutzende von Wohnungen besitzt.

November

1. Bergamo: Proletarie Combattenti per il Comunismo ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr Explosionen gegen zwei Boutiquen in der Stadt.

14. Mailand: Eine nicht explodierte Bombe wird auf dem Parkplatz der SIP gefunden.

16. Genua: Die Roten Brigaden zĂŒnden die Autos von drei Managern von Italsider und Ansaldo an.

21. Bologna: Doppelaktion gegen Visplant, einen Hersteller von Insektiziden, der bereits von Anwohnern angefeindet wird. Die VerwaltungsbĂŒros werden gestĂŒrmt und das Stromkabel, das die Fabrik versorgt, wird gesprengt. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird von der UnitĂ  Territoriale Comuniste ĂŒbernommen.

30. Bologna: Squadre Proletarie Combattenti sprengen mit einem halben Kilo TNT die IBM-Zentrale in die Luft.

 

STAATSBÜROS

1976

MĂ€rz

25. Mailand: Das BĂŒro des Steuereintreibers wird niedergebrannt.

26. Bergamo: GewalttĂ€tige ZusammenstĂ¶ĂŸe vor dem Rathaus, das anschließend verwĂŒstet und niedergebrannt wird. Dies ist der Tag des von den Gewerkschaften/Syndikaten ausgerufenen Generalstreiks.

Juli

13. Mailand: Eine Gruppe von GefĂ€hrten bricht in die BĂŒros der Ärztekammer ein. Angestellte und Ärzte werden gefesselt und verschiedene Dokumente und GoldmĂŒnzen entwendet. Die Verantwortung wird von Volante Rossa ĂŒbernommen.

September

11. Rom: Die Internationalistische Brigade Che Guevera ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr drei Aktionen in Erinnerung an den chilenischen Staatsstreich: Explosion in der chilenischen Botschaft, in der Amerikanischen Bibliothek und in der brasilianischen Fluggesellschaft Varig.

Oktober

14. Ancona: Die Roten Brigaden erstatten dem Verband der Leichtindustrie einen Besuch ab. FĂŒnf bewaffnete Personen fesseln die Anwesenden und nehmen ihnen Dokumente ab.

November

11. Florenz: Studenten verwĂŒsten das UniversitĂ€tsbĂŒro, das fĂŒr die schlechten Bedingungen in der Mensa verantwortlich ist. Vier GefĂ€hrten werden verhaftet, nachdem sie von Mitgliedern der „kommunistischen“ Partei festgehalten wurden.

Dezember

6. Mailand: Prima Linea stĂŒrmt die Krankenkassenvereinigung und nimmt Geld und Akten mit.

 

1977

Januar

6. Rom: Um Mitternacht werden zehn Brandbomben auf den Parkplatz des Innenministeriums geworfen.

MĂ€rz

29. Rom: Dem Generaldirektor des Poligrafico di Stato (Staatliches Druckereiamt) wird in die Beine geschossen.

Mai

18. Genua: Ein Sprengsatz wird im Auto des leitenden GynÀkologen des Krankenhauses San Martino gefunden.

19. Seveso: Drei junge Leute brechen in das BĂŒro des Gesundheitsinspektors ein. Sie durchsuchen die RĂ€umlichkeiten und schießen dann dem zustĂ€ndigen Arzt in die Beine. Ihm wird, sogar von den Gewerkschaften/Syndikaten, vorgeworfen, im Fall der industriellen Vergiftungen in der Region zu nachlĂ€ssig zu sein.

19. Bologna: Das Arbeitsamt wird von Jugendlichen gestĂŒrmt, die die WĂ€nde mit Parolen gegen Drecksarbeit beschriften.

Juni

2. Turin: Prima Linea versucht, den Verkehr in der Provinz mit Aktionen gegen einen Busbahnhof und wichtige Punkte des stÀdtischen Netzes lahm zu legen, um die Menschen daran zu hindern, an einem abgeschafften Feiertag zur Arbeit zu fahren.

6. Rom: Rote Brigaden verbrennen Register und Dossiers in der Schule Duca d’Aosta.

24. Mailand: Eine bewaffnete Zelle der Prima Linea erschießt den Arzt Roberto Anzalone, als er seine PraxisrĂ€ume verlĂ€sst. In einem Flugblatt erklĂ€ren sie, dass er in seiner Funktion als PrĂ€sident der Ärztevereinigung des Gesundheitswesens und als SekretĂ€r der Ärztekammer fĂŒr Angriffe auf die Arbeiter verantwortlich sei.

Juli

13. Rom: Eine Brandbombe zerstört fast die FakultĂ€t fĂŒr Architektur. Die Verantwortung wird von Studenti Proletari Comunisti ĂŒbernommen.

13. Triest: Etwa 100 feministische GefÀhrtinnen besetzen das regionale Gesundheitsamt, um gegen die Art und Weise der Anwendung des Abtreibungsgesetzes zu protestieren.

20. Rom: Zwei Kilo Sprengstoff sprengen die TĂŒr des Rathauses in die Luft.

21. Rom: Eine „kommunistische Studentengruppe zur Begleichung offener Rechnungen“ versucht, den Rektor der UniversitĂ€t zu verletzen, indem sie auf ihn schießt, verfehlt aber ihr Ziel.

22. Turin: Squadre di Donne Comuniste (eine feministische Zelle) zĂŒnden das Auto eines GynĂ€kologen, der sich weigert, Abtreibungen vorzunehmen, an und zerstören es.

27. Montano: Squadre Armate Proletarie brechen in das Rathaus ein. Sie fesseln die Angestellten, erbeuten 300.000 Lire und werfen einen Molotow in die RĂ€umlichkeiten.

August

7. Rimini: Eine Gruppe von „jungen organisierten Proletariern“ wirft zwei Molotows gegen ein Franziskanerkloster.

September

1. Turin: Eine Gruppe „kommunistischer Studenten“ zĂŒndet den Eingang der Volta-Schule an, um gegen die Leistungsgruppen zu protestieren.

Oktober

27. Venedig: Bombenanschlag auf die BĂŒros des Wohnungsamtes und vier weitere staatliche Einrichtungen in der Stadt. Proletari Comunisti Organizzati.

27. Rovigo: PistolenschĂŒsse und Molotows gegen das Haus des Leiters der stĂ€dtischen Verkehrsgesellschaft und des Direktors des örtlichen Wohnungsamtes.

November

5. Rom: Zwei Frauen werfen Molotows gegen das Arbeitszimmer eines GynÀkologen.

14. Florenz: Mehrere BombenanschlĂ€ge in der Nacht – gegen das Finanzamt, das Wohnungsamt, das Stadtplanungsamt, den Studiendirektor und weitere Ă€hnliche AnschlĂ€ge in Pisa und Prato. Die Verantwortung wird in einem Telefonanruf von den Squadre Proletarie di Combattimento ĂŒbernommen.

26. Bergamo: Nucleo Armato Proletario per il Comunismo ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr eine Bombe gegen das Wohnungsamt.

 

1978

Januar

23. Bologna: Eine Gruppe GefĂ€hrten bricht in die Handelskammer, das BĂŒro des Rektors der UniversitĂ€t und den Sitz der RAI (Radio- und Fernsehgesellschaft) ein, als Teil der Kampagne in Bezug auf den Prozess wegen der Ereignisse vom MĂ€rz.

29. Rom: Eine Bombe explodiert am GebĂ€ude der Ärztekammer.

Februar

7. Venedig: Nuclei Armati Comunisti stĂŒrmen das Arbeitszimmer des Verwaltungsdirektors der UniversitĂ€t und setzen es in Brand.

Datum unbekannt, Mailand: Die Tore des stĂ€dtischen Straßenbahndepots werden im Rahmen des Kampfes gegen die Erhöhung der Fahrpreise im vorherigen Monat gesprengt.

MĂ€rz

3. Turin: Brandanschlag auf das Hauptquartier des Geographischen Instituts (ein BĂŒro der Armee, das Karten zusammenstellt).

4. Turin: Bombenanschlag auf das Haus von Manni, Rechtsanwalt und PrĂ€sident der Anwaltskammer. Die Verantwortung ĂŒbernehmen die Roten Brigaden drei Tage vor der Eröffnung des Prozesses gegen ihren „historischen Kern“ (Curcio, Franceschini, etc.)

8. Bologna: Ein bewaffneter feministischer Kern platziert eine Bombe in einem Standesamt.

13. Rom: Lotta Armata per il Potere Proletario verursacht eine Explosion am Sitz der Ärztekammer, die einen Schaden von mehreren Millionen Lire verursacht.

17. Florenz: Vier GefĂ€hrten stĂŒrmen die BĂŒros des Wohnungsamtes. Die Verantwortung ĂŒbernimmt Azione Proletaria. Zwei Molotows werden gegen das GerichtsgebĂ€ude geworfen.

April

10. Turin: Squadre Proletarie di Combattimento dringen in das Sprechzimmer eines GynĂ€kologen ein, der von der Frauenbewegung beschuldigt wird, fĂŒr den Tod einer seiner Patientinnen verantwortlich zu sein, ketten ihn an den Heizkörper und schießen ihm in die Beine.

19. Florenz: Einbruch in den Hauptsitz der Gewerkschaft/Syndikat der HÀndler durch Prima Linea, die das GebÀude in Brand setzen.

25. Trient: Volante Rossa zĂŒnden das Auto des leitenden GynĂ€kologen des Krankenhauses Santa Chiara an.

Mai

8. Mailand: Dem Àrztlichen Direktor der INAM (Krankenkassenverband) wird von Proletari Armati per il Comunismo in die Beine geschossen.

19. Pavia: Bombenanschlag auf das Rathaus.

19. Bologna: Bombenanschlag auf eine Schule.

23. Rom: Ronde Comuniste per il Contropotere Territoriale beschÀdigen das italienische Kulturzentrum mit einer Bombe.

Juni

17. Trient: Anschlag auf den Bildungsdirektor mit einer Bombe, die aus einem CampinggasbehÀlter hergestellt wurde.

Juli

1. Rom: Die Polizei rĂ€umt einen Teil eines Krankenhauses, das von einer Gruppe von GefĂ€hrten besetzt ist, die legale Abtreibungen durchfĂŒhren, die in allen anderen römischen KrankenhĂ€usern wegen der „Barone“ unmöglich sind. (In Italien steht jede Krankenhausabteilung unter der Leitung eines UniversitĂ€tsprofessors auf eben jenem Gebiet. Dies hat zu einer fast feudalen Situation gefĂŒhrt, daher der Begriff baroni).

2. Bologna: „Ökologische Aktion Kern Robin Hood“ befreit die Vögel, die in den KĂ€figen des Parks Villa Chigi gefangen sind.

3. Imperia: Das Arbeitszimmer des PrĂ€sidenten der Ärztekammer wird in Brand gesteckt.

9. Padua: Proletari Comunisti ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr eine Bombe gegen die FakultĂ€t fĂŒr Politikwissenschaft, die vom PrĂ€sidenten als Antwort auf den Kampf gegen die Selektionsmaßnahmen19 geschlossen wurde.

9. Pisa: Talpe Rosse Organizzate (organisierte rote MaulwĂŒrfe) ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr einen Anschlag auf die staatliche Einrichtung, die fĂŒr die Studentenwohnheime und Mensen zustĂ€ndig ist.

 

HEROIN DEALER

1978

Juni

18. Rom: Ein berĂŒchtigter Faschist, der der berĂŒchtigten Di Luia-Bande angehört und Chef des Heroinhandels ist, wird mit drei PistolenschĂŒssen getötet. Die Verantwortung fĂŒr die Aktion wird in einem Telefonanruf an Lotta Continua vom Movimento Proletaria di Resistenza Offensivo Nucleo Antieroina ĂŒbernommen.

November

1. Mailand: Die Proletari Armati ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr die Ermordung von Giampiero Grandi, Ladenbesitzer, der einer Organisation angehört, die den Heroinhandel und die Ausbeutung von Prostituierten kontrolliert. Bombenanschlag auf das Zentrum fĂŒr seelische Hygiene in der Via Pancrazi und auf eine Bar in der Via Degli Apuli.

6. Mailand: Bombe in einer Bar in der Via Arsia, dem Zentrum des Heroinhandels in dieser Gegend.

27. Rom: Guerriglia Comunista ĂŒberfallen zwei Heroindealer; einer wird getötet, der andere verwundet.

WIR ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr die Hinrichtung des HeroinhĂ€ndlers und Mafioso Grandi Giampiero und die BombenanschlĂ€ge auf das Zentrum fĂŒr seelische Hygiene in der Via Pancrazi, den Unterschlupf der Dealer in der Via Degli Apuli am 01.11.78 und die Bar in der Via Arsia, Zentrum des Heroinhandels im Viertel Quarto Oggiaro, am 06.11.78.

Die Kommunisten sind nicht generell gegen die „DrogenabhĂ€ngigen“ wie die Bourgeoisie und die RepressionskrĂ€fte, sondern gegen diejenigen, die mit deren Haut spekulieren. Wir wissen, dass Heroin eine, wenn auch illusorische und ekelhafte, Antwort auf ein reales BedĂŒrfnis nach VerĂ€nderung der LebensqualitĂ€t ist. Heroin ist das schönste der falschen Konsumprodukte, die das Kapital erfunden hat, um die RealitĂ€t der proletarischen BedĂŒrfnisse zu verschleiern. Der Kampf gegen die Heroindealer ist fĂŒr jeden HeroinsĂŒchtigen der Kampf gegen diejenigen, die ihm die einzige Möglichkeit zum Leben und Überleben zu geben scheinen.

Es wĂŒrde nicht zur Gewohnheit werden, wenn das tĂ€gliche Leben nicht beschissen wĂ€re. Staat und Gott, Arbeit und Familie sind abweichende Ideologien, die dazu dienen, eine unnatĂŒrliche, lausige, kriminelle Gesellschaftsordnung aufrechtzuerhalten und zu verbergen, die in all ihren Beziehungen die LegitimitĂ€t der natĂŒrlichen BedĂŒrfnisse des Menschen leugnet und sein VerhĂ€ltnis zur RealitĂ€t stört. Zerstörung der Natur (Seveso ist nur ein kleines Beispiel fĂŒr kapitalistische KriminalitĂ€t), Zerstörung des Menschen als natĂŒrliches Wesen.

Was das Kapital nicht ausbeuten kann, zerstört es.

Mit der Verbreitung von Heroin und anderen Drogen (psychosomatische), welche psychische Prozesse beeinflussen, planen sie die Zerstörung ganzer Generationen. Sie zerstören im Sinne des Profits als einzige Möglichkeit der EinschĂ€tzung den Wunsch zu leben, gesund zu sein, die KreativitĂ€t auszudrĂŒcken, deren TrĂ€ger die jungen Proletarier sind.

Anstelle der erzwungenen Selbstmorde des chilenischen Typs bringt das Kapital den freiwilligen Selbstmord zum allgemeinen Gebrauch auf den Markt.

Das Heroin an sich ist ein falsches Problem: Es ist ein Konsumprodukt, das erfunden wurde, um das wirkliche BedĂŒrfnis nach einer VerĂ€nderung der LebensqualitĂ€t zu ersticken; das wirkliche Problem ist die Existenz der kapitalistischen Gesellschaftsorganisation, weil sie sich dem Tod und der Zerstörung alles Menschlichen zuneigt. Der DrogenabhĂ€ngige wird an der Menge des konsumierten Heroins oder an der Zahl der DiebstĂ€hle gemessen, die er begeht, und nicht daran, dass er ein Mensch ist, der wie andere versucht, sein Recht auf Existenz zu behaupten. Es ist sinnlos, von Heroin zu sprechen, wenn man nicht gleichzeitig damit beginnt, die proletarische Kraft zu organisieren, um den gegenwĂ€rtigen Zustand zu zerstören. Die proletarische Revolution, die Überwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung, ist kein abstrakt zu definierendes Projekt, sondern beginnt in der Praxis mit der Zerstörung der kapitalistischen Gesellschaft.

All diejenigen, die die Liberalisierung des Heroinmarktes unterstĂŒtzen, ohne sich die Frage zu stellen, wie die RealitĂ€t des proletarischen Lebens in den kapitalistischen Metropolen verĂ€ndert werden kann, sind dumme Opportunisten.

Die bewaffnete Kraft des Proletariats muss darauf abzielen, sich als konkretes Element durchzusetzen, das in der Lage ist, die gesellschaftliche RealitÀt in ihrer KomplexitÀt selbst zu bestimmen.

Die Einheit des Proletariats im Kampf aufbauen, die politische LegitimitĂ€t der RevolutionĂ€re im Proletariat herstellen und entwickeln, den Raum fĂŒr den Aufbau der realen Macht des bewaffneten Proletariats erweitern.

Die bewaffnete Kraft des Proletariats im Kampf ist das einzige praktische Instrument der Befreiung von der kapitalistischen Herrschaft.

Das Dealen mit Heroin, die Ausbeutung der Prostitution, die Hehlerei bei kleinen DiebstÀhlen sind AktivitÀten, die nur dem Gesetz der kapitalistischen Akkumulation entsprechen. Kommunisten sind nicht gegen illegale AktivitÀten, die den bourgeoisen Schichten schaden: Sie sind gegen alle diese abscheulichen AktivitÀten der proletarischen Ausbeutung. Es ist richtig, Banken auszurauben, die bourgeoise Schicht zu erpressen, aber genug Opportunismus! Wer sich durch die SchÀdigung anderer Proletarier bereichert, gilt als schÀndlicher VerrÀter!

NiedertrĂ€chtig ist der Dealer, der seinen Lebensunterhalt durch den Tod anderer verdient. NiedertrĂ€chtig ist der ZuhĂ€lter, der den Körper der Frauen als Instrument fĂŒr seinen eigenen Profit benutzt. NiedertrĂ€chtig ist der Hehler, der die Drecksarbeit junger Proletarier ausnutzt, wenn sie gezwungen sind, eine Stereoanlage oder Ersatzreifen zu stehlen. All diese, vor allem auf großer Ebene, sind Freunde der Polizei und der Carabinieri und Feinde des Proletariats. Sie erkaufen sich die Freiheit, ihre abscheulichen AktivitĂ€ten fortzusetzen, im Austausch gegen Hinweise und GefĂ€ngnis fĂŒr andere Proletarier. Die Carabinieri benutzen sie als Informanten, und sie benutzen die Carabinieri, um diejenigen loszuwerden, die ihnen im Weg stehen. Die Operationen der Drogenfahndung gegen die Dealer sind also letztlich nichts anderes als Operationen zur Kontrolle des Marktes zugunsten derer, die den Heroinhandel wirklich zentralisieren.

Wer die Einheit des Proletariats bricht, wer das Proletariat selbst ausbeutet und beraubt, muss als Feind und VerrĂ€ter betrachtet werden: keine SolidaritĂ€t in der Aufteilung der subversiven Arbeit unter allen Proletariern, fĂŒr die Zerstörung der kapitalistischen Gesellschaft.

Vertreibt die Feinde des Proletariats, die Spione und VerrÀter, ob sie nun Heroindealer oder Gewerkschafts-, Syndikatsbosse sind, um die Einheit des Proletariats im Kampf aufzubauen.

Heroin ist ein Instrument der sozialen Kontrolle, das der Macht passt. Neben den Dealern und den RepressionskrĂ€ften gibt es eine weitere Hierarchie der Kontrolle ĂŒber das Proletariat: die medizinisch-psychiatrische. Die Dezentralisierung des Gesundheitswesens, die Eröffnung von Zentren fĂŒr die seelische und psychische Gesundheit in allen Bereichen sind die neuen Instrumente, die das Kapital einsetzt, um die WidersprĂŒche der kapitalistischen Metropole unter Kontrolle zu halten, um die KrĂ€fte der proletarischen Revolution zu verdummen und zu betĂ€uben. Wer ĂŒber die Herrschaft des Staates, der Arbeit, der Familie hinausgeht, ist „verrĂŒckt“, kann von Kindesbeinen an als abweichend abgestempelt werden. Als solcher weist ihm das Kapital ein Ghetto zu, gibt ihm mehr Heroin kostenlos, stopft ihn von Anfang an mit Drogen (psychosomatische) voll, damit er das regulĂ€re Funktionieren der Gesellschaftsordnung nicht stört.

Ärzte und Psychiater, die solchen Mist verabreichen, vor allem an Jugendliche und Frauen, sind wahnsinnige Kriminelle, die Antagonismus und proletarische Rebellion als „soziale Abweichung“ abstempeln. Neurotische und psychopathische Subjekte nur deshalb, weil sie die WiderwĂ€rtigkeit der kapitalistischen Gesellschaft nicht ertragen können. Was weiß ein Psychiater, der studieren konnte, ohne einen Finger zu rĂŒhren, bis er seinen Abschluss hat, vom proletarischen Leben in den Ghettos?

Worum wir kĂ€mpfen, ist das grundlegende Selbstbestimmungsrecht des Proletariats. Das Proletariat muss selbst entscheiden, wie, wo und warum es leben will. Die Psychiater, die Kriminologen, die Priester, die Gewerkschafts-, Syndikatsbosse in ihrer Position als soziale Kontrolleure des Proletariats sind Feinde und mĂŒssen als solche niedergeschlagen werden.

Greift die KrĂ€fte der UnterdrĂŒckung, die Carabinieri und die Polizei an. Vertreibt und schlagt ihre Freunde, die VerrĂ€ter, die Spitzel, die Spione, aus den Fabriken, aus den proletarischen Gebieten.

Greift die Hierarchie der medizinisch-psychiatrischen Kontrolle an.

Zerschlagt die interne Hierarchie der Kontrolle innerhalb des Proletariats, die Dealer und die Dreckshehler.

Baut die Macht des bewaffneten Proletariats auf.

(Nov. ’78)

 

ANGRIFFE GEGEN DIE POLIZEI

1976

Februar

9. Rom: Die NAP ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr eine Aktion, bei der ein Unteroffizier der Anti-Terror-Brigade verletzt wird, der fĂŒr die Ermordung von Anna Maria Mantini verantwortlich ist.

MĂ€rz

2. Genua, Neapel, Mailand, Rho, Pisa, Florenz: Die NAP und die Roten Brigaden bekennen sich gemeinsam zu sechs BombenanschlÀgen auf Carabinieri-Kasernen in der Nacht.

16. Bologna: Zwei BombenanschlÀge auf Carabinieri-Kasernen.

Mai

10. Genua: Die Roten Brigaden setzen das Auto eines Carabinieri-Hauptmanns in Brand.

September

1. Biella: Der Polizeichef wird von den Roten Brigaden erschossen.

9. Turin: Molotows und Maschinengewehrfeuer gegen Carabinieri-Kaserne Nucleo Armato Comunista.

Oktober

25. Bologna: Ein Fiat 500 explodiert vor einem Kommandoposten der Carabinieri. Nucleo Armato Bruno Valli.

Dezember

6. Rom: Ein NAP-Kommando versucht, den Chef des italienischen Geheimdienstes SDS, Alfonso Noce, zu töten, der auch fĂŒr die Koordinierung der Polizeiaktion verantwortlich ist, die zur Ermordung der GefĂ€hrtin Anna Maria Mantini fĂŒhrte. Anna Maria, eine Militante der NAP, wird von der Polizei erschossen, als sie die TĂŒr ihrer Wohnung öffnet.

15. Mailand: Um 5.30 Uhr morgens brechen drei Mitglieder des SDS in die Wohnung des 20-jĂ€hrigen Walter Alasia ein, der verdĂ€chtigt wird, den Roten Brigaden anzugehören. Alasia versucht zu fliehen, und bei der anschließenden Schießerei werden ein Polizeikommissar und ein Polizei-Sergeant getötet. Alasia wird verwundet und dann aus nĂ€chster NĂ€he erschossen.

 

1977

Februar

21. Ort unbekannt: Zwei GefÀhrten werden von einer Polizeistreife zum Anhalten aufgefordert. Einer von ihnen versucht zu fliehen und erwidert das Feuer, tötet einen Polizisten und verwundet einen weiteren.

MĂ€rz

2. Florenz: Ein Sprengsatz wird gegen die Kaserne der Carabinieri geworfen.

12. Turin: Ein Sergeant der politischen Polizei wird von einem Kommando der Brigate Combattente getötet.

19. Bari, Lucca: In beiden StÀdten werden Carabinieri-Kasernen mit Bomben angegriffen.

22. Rom: Maria Pia Vianale von der NAP wird von einem Polizisten in einem Bus erkannt. Bei dem Versuch, sie und die begleitende Person festzunehmen, wird er erschossen. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd wird ein bewaffneter ParkwĂ€chter, der den Helden spielen wollte, von der Polizei mit einem anderen NAP-Mitglied verwechselt und erschossen.

April

1. Turin, Mailand, Florenz: BombenanschlÀge auf Kasernen der Carabinieri in diesen StÀdten, zu denen sich die Prima Linea bekennt.

14. Perugia: UnitĂ  Comuniste Combattenti ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr eine Explosion gegen das PolizeiprĂ€sidium der Stadt.

30. Florenz: Starke Explosion in einer PS-Kaserne20. Prima Linea.

30. Genua: Ein mit TNT gefĂŒllter Druckkochtopf wird vor dem Parkplatz fĂŒr die Streifenwagen der Carabinieri abgestellt, bleibt aber explodiert nicht.

Mai

15. Genua: BrandsĂ€tze gegen ein PolizeibĂŒro.

19. Cantu: Bombenanschlag auf Carabinieri-Kaserne.

Juni

30. Catania: PistolenschĂŒsse auf die Carabinieri-Kaserne, die NAP ĂŒbernimmt die Verantwortung.

30. Bologna: Eine Bombe explodiert am Eingang eines PolizeibĂŒros.

Juli

6. Leghorn: Bombenanschlag auf die Carabinieri-Kaserne im Zusammenhang mit der Hinrichtung des GefÀhrten Franco Lo Muscio in Rom. Gruppo Combattenti Comunisti.

8. Rom: Combattenti Comunisti ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr eine Aktion, die auf die Ermordung eines Polizisten abzielt, der wegen der Ermordung des GefĂ€hrten Mario Salvi freigesprochen wurde. Der Versuch, ihn seiner gerechten Strafe zuzufĂŒhren, fand in einem Restaurant statt, in dem er den Ausgang seines Prozesses feierte. Die GefĂ€hrten verfehlten ihr Ziel und töteten stattdessen einen seiner GĂ€ste.

Dezember

18. Neapel: Eine Bombe explodiert vor der Polizeistation von Monte Calvario. Vier GefÀhrten der Prima Linea werden kurz darauf verhaftet, weil sie einen Àhnlichen Anschlag vorbereitet haben sollen.

20. Turin: Rote Brigaden greifen Kasernen mit SchĂŒssen an und lassen Bomben an den Toren explodieren.

21. Turin: In einer Àhnlichen Taktik wie in der Nacht zuvor greifen die Prima Linea eine weitere Carabinieri-Kaserne an.

31. Nuoro: Der stellvertretende PolizeiprĂ€sident und ein Inspektor werden beim Verlassen des GefĂ€ngnisses angegriffen, nachdem sie den WĂ€rtern ihre NeujahrsgrĂŒĂŸe ĂŒbermittelt haben. Die GefĂ€hrten einer Zelle der Nuclei Armati Combattenti per il Comunismo begrĂŒĂŸen sie im Namen der Gefangenen mit einem Kugelhagel.

 

1978

Januar

3. Padua: 3 Carabinieri-Kasernen werden in der Nacht von der Organizzazione Operaia per il Comunismo gesprengt, um gegen die hohen Strafen zu protestieren, die gegen zwei GefÀhrten verhÀngt wurden.

8. Nuoro: Auto eines Inspektors der Spezialeinheit wird angezĂŒndet.

18. Novara: Ein Nucleo delle Formazione Combattenti Comuniste schießt in der NĂ€he eines SpezialgefĂ€ngnisses auf wachhabende Carabinieri.

26. Mailand: Nuclei Armati Comunisti ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr eine Explosion, die die HĂ€lfte der Fassade der Polizeikaserne zerstört.

29. Rom: Bombenanschlag auf eine Kaserne der Carabinieri.

Februar

Nuoro: Brandsatz gegen die Carabinieri-Kaserne in Olliena.

17. Florenz: Zwei Autos der Kriminalpolizei brennen. Squadre Proletari di Combattimento.

24. Rom: Lotta Armata per il Comunismo zerstört einen Bus der Carabinieri und ein Polizeifahrzeug.

25. Mailand: Squadre Operaie Armate zerstören ein Polizeiauto und zwei MotorrÀder.

MĂ€rz

10. Turin: Die Rote Brigade tötet einen Anti-Terror-Inspektor, der an der Verhaftung zahlreicher GefÀhrten der Roten Brigaden und der NAP beteiligt war.

10. Mailand: Eine Bombe explodiert im Hof einer Polizeistation, zerstört einen Lieferwagen und beschÀdigt weitere Fahrzeuge.

10. Florenz: Der Haupteingang der stĂ€dtischen Polizeistation wird angezĂŒndet.

13. Rom: Eine Carabinieri-Kaserne wird in der Nacht gesprengt.

13. Nuoro: Eine rudimentÀre Bombe explodiert in einer Carabinieri-Kaserne.

15. Florenz: Squadre Proletarie di Combattimento zĂŒnden eine Bombe vor einer Polizeistation.

19. Mailand: Ein Polizist wird wÀhrend einer Demonstration umzingelt und entwaffnet.

April

7. Bologna: Ein Nucleo Comunista Armato ĂŒberfĂ€llt einen Polizeiposten und erbeutet eine Pistole und andere GegenstĂ€nde.

7. Rom: TNT gegen Carabinieri-Kaserne. Das Auto eines Polizeisergeanten wird verbrannt. Rote Brigaden.

10. Salerno: Bombe explodiert vor einer Carabinieri-Kaserne.

12. Tarent: Explosion in einer Carabinieri-Kaserne. Die Verantwortung ĂŒbernehmen die Gruppo Combattente.

14. Padua: Autos von zwei Zeugen der Anklage im Prozess gegen die „Autonomen“ und das des DIGOS-Chefs werden von Comunisti Organizzati und Organizzazione Operaia per il Comunismo verbrannt.

17. Triest: Molotows gegen das PolizeiprĂ€sidium, die Verantwortung ĂŒbernehmen die Nuclei Proletari Organizzati.

19. Rom: Die Roten Brigaden greifen Carabinieri-Kasernen mit Handgranaten und Maschinengewehren an. Die Kaserne beherbergt den berĂŒchtigten General Dalla Chiesa, verantwortlich fĂŒr die SupergefĂ€ngnisse und die Blitzaktionen gegen die GefĂ€hrten in ganz Italien.

21. Ostia: Das Auto eines Polizeibeamten wird verbrannt.

24. Venedig: In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur ANSA ĂŒbernehmen GefĂ€hrten die Verantwortung dafĂŒr, dass ein Carabinieri-Offizier und ein Freund von ihm bei einer Explosion ums Leben gekommen sind.

29. Bologna: Squadre Armate Proletarie verĂŒben einen Anschlag auf ein PolizeibĂŒro.

Mai

1. Rom: „Heute hat eine bewaffnete proletarische Formation die Kaserne der Carabinieri angegriffen. Dies ist zweifellos die beste Art und Weise, den 1. Mai zu feiern. Schafft, organisiert eine bewaffnete Gegenmacht. Freiheit fĂŒr alle kommunistischen Gefangenen“.

1. Insel Caporizzuto: Explosion unter dem Fenster der örtlichen Carabinieri-Kaserne.

2. Turin: Die im Bau befindliche neue Carabinieri-Kaserne wird gesprengt.

3. Turin: Zwei patrouillierende Carabinieri fordern ein Auto zum Anhalten auf. Zwei junge MĂ€nner steigen aus, halten die beiden verunsicherten Polizisten fest, legen ihnen Handschellen an und erleichtern sie um ihre Pistolen.

4. Mailand: Squadre Armate Proletarie entwaffnen zwei Polizisten und setzen den Streifenwagen in Brand.

11. Turin: PistolenschĂŒsse und Explosion in der Kaserne der Carabinieri.

15. Rom: Das Hauptquartier der Stadtpolizei wird von Formazioni Proletari Armate gesprengt.

22. Mailand: Im Laufe des Nachmittags werden fĂŒnf Sicherheitsbeamte vor den Banken, in denen sie Dienst tun, entwaffnet.

23. Rom: Brandanschlag auf die Firma Carabelli, die AusrĂŒstung fĂŒr die Carabinieri herstellt.

24. Cagliari: Das Auto eines GefÀngniswÀrters wird durch Flammen zerstört.

27. Mailand: Brandanschlag auf einen Parkplatz der Stadtpolizei, zu dem sich die Guardie Proletarie Territoriali bekennen.

27. Rom: Auto eines Polizeibeamten verbrannt.

28. Quartu S. Elena: Drei Autos von deutschen Soldaten auf dem örtlichen ArmeestĂŒtzpunkt brennen.

Juni

2. Rom: Brandanschlag auf das Auto eines diensthabenden PS-Inspektors des Innenministeriums.

3. Bergamo: Squadre Armate Operaia ĂŒberfallen eine Polizeistation, setzen die Anwesenden außer Gefecht, entwaffnen sie und zerstören die RĂ€umlichkeiten durch Feuer.

3. Rom: Azione Rivoluzionaria ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr einen Angriff auf eine Carabinieri-Kaserne.

9. Bologna: Eine Gruppo Comunista del Movimento ĂŒbernimmt die Verantwortung fĂŒr eine Explosion in den BĂŒros eines privaten Sicherheitsdienstes namens La Patria.

15. Saronno: Sprengladung beschÀdigt örtliche Carabinieri-Station.

21. Uzulei: PistolenschĂŒsse gegen das Haus des örtlichen Carabinieri-Hauptmanns, der mit zwölf PistolenschĂŒssen zur Rechenschaft gezogen wird, wĂ€hrend er in einem Bus auf dem Weg zur „Arbeit“ ist.

21. Turin: Rote Brigaden greifen eine Polizeistation mit Molotowcocktails und PistolenschĂŒssen an.

22. Laveno: Die Gruppo Contropotere Territoriale zerstört sieben Boote, darunter eine motorisierte Barkasse, die den Carabinieri gehört.

26. Mailand: Zwei PistolenschĂŒsse verfehlen einen Sicherheitsbeamten, der vor einer Bank Dienst hat.

27. Avellino: Eine Bombe explodiert vor einer Kaserne der Armee.

28. Florenz: Reparti Comunisti Combattenti brechen in eine Polizeistation ein, legen den beiden anwesenden Polizisten Handschellen an und erbeuten Geld und Pistolen.

Juli

1. Rom: Dynamitanschlag auf das PolizeiprÀsidium.

10. Caglari: Ein in Decimomannu stationierter deutscher Offizier findet sein Auto verbrannt vor.

12. Padua: Organizzazione Operaia per il Comunismo und Proletari Armati per il Comunismo bekennen sich zu den nĂ€chtlichen BombenanschlĂ€gen auf Carabinieri und Polizeikasernen sowie auf den Knast und die Schließer.

15. Rom: Prima Linea stĂŒrmt eine Polizeistation, fesselt und entwaffnet die anwesenden Polizisten.

26. Mailand: Squadre Armate rufen die Polizei am frĂŒhen Morgen mit einer Bombe an.

27. Monza: TNT-Anschlag auf eine im Bau befindliche Kaserne der Carabinieri.

28. Bologna: Anschlag auf das PolizeiprĂ€sidium, die Verantwortung ĂŒbernimmt die Squadro Armate Proleltarie.

August

2. Bologna: Drei GefÀhrten der Squadre Armate Proletarie brechen in eine Polizeistation ein und entwaffnen drei Polizisten.

9. Bergamo: Squadre Operaia Armate und Proletari Armati per il Comunismo ĂŒbernehmen gemeinsam die Verantwortung fĂŒr Angriffe auf drei Carabinieri-Kasernen in der Stadt.

September

7. Turin: Ein Auto eines Carabinieri-Obersts wird angezĂŒndet.

26. Saronno: Eine Bombe explodiert vor einer Carabinieri-Kaserne.

26. Venedig: Anschlag auf einen Polizeiposten.

29. Varese: Squadre Armate Combattente Comuniste bekennen sich zu einem Angriff auf eine Carabinieri-Kaserne.

Oktober

4. Bologna: PistolenschĂŒsse und Molotowcocktails gegen eine Polizeistation.

22. Mailand: Proletari Armati per il Comunismo ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr eine starke Explosion in einer Polizeistation.

24. Rom: Eine Kolonne der Roten Brigaden ĂŒberfĂ€llt eine Polizeistreife, wirft Molotows auf das Auto und verwundet einen Polizisten mit Maschinengewehrfeuer.

29. Rom: Dynamitanschlag auf eine Kaserne der Carabinieri.

31. Padua: Drei Autos des Leiters der Spezialeinheit der Polizei und zweier weiterer Beamter werden angezĂŒndet.

November

2. Turin: Squadre Armate Proletarie ĂŒberfallen eine Spezialeinheit der Polizei und versuchen, sie in eine Falle zu locken, die mit einem Brandsatz verkabelt ist. Einer der Offiziere bemerkt den Hinterhalt und kann die Explosion abwenden.

3. Oristano: Drei GefÀhrten der Barbagia Rossa brechen in eine Kaserne der Armee ein, entwaffnen die Wachen und erbeuten vier Garand-Gewehre, Munition und eine Handgranate.

3. Genua: Rote Brigaden zĂŒnden die Autos von zwei Schließern an, die fĂŒr das VerprĂŒgeln von Gefangenen bekannt sind, sowie das eines Carabinieri-Sergeants.

5. Rom: Rote Brigaden ĂŒbernehmen die Verantwortung fĂŒr das Legen eines Feuers, das das Auto eines Polizisten zerstört hat.

19. Oristano: Das zentrale FunkgerĂ€t der USAFE, eines amerikanischen MilitĂ€runternehmens, wird nach Protesten der Einwohner gegen seine Installation angegriffen und verwĂŒstet.

22. Rom: Zwei GefĂ€hrten der Roten Brigaden ĂŒberraschen und entwaffnen einen Polizisten und fesseln ihn dann mit Handschellen an das GelĂ€nder seines Hauses.

25. Nuoro: Eine Dynamitladung zerstört ein Auto der Carabinieri.

 

RESTRUKTURIERUNG DER REPRESSION

1) Vigili Urbani (Stadtpolizei), Guardia di Finanza (Zollbeamte), Guardia Forestale (Försterbullen): abgesehen von der Stadtpolizei, die seit den ersten KĂ€mpfen der Bewegung 1977 im Dienst der öffentlichen Ordnung eingesetzt wurde (in Rom schossen mit Maschinengewehren bewaffnete Stadtpolizisten in eine Demonstration), hat diese Einheit mit der Moro-EntfĂŒhrung zunehmend die Merkmale einer Sonderpolizei angenommen und Funktionen öffentlichen Ursprungs entwickelt. Die Zollbeamten waren wĂ€hrend der gesamten Moro-Operation an Straßensperren prĂ€sent, und in drei italienischen Zentren (Mailand, Rom, Ancona) wurden ebenso viele Anti-Guerilla-Zentren direkt vom Zoll eingerichtet. Die Försterbullen hingegen sind seit dem Fall Moro auf den PlĂ€tzen der StĂ€dte zu sehen und wurden mit dem Schutz der NATO-Einrichtungen beauftragt. Der Minister Marcora hat eine bewaffnete Eskorte von einem Dutzend Försterbullen, die in Castro Pretoria ausgebildet wurden.

2) Guardie Giurate (Privatpolizei, privater Sicherheitsdienst): sie sind die wahren Wachhunde der Bourgeoisie. Sie haben in letzter Zeit stark zugenommen, sie arbeiten oft in „Service“-Kooperativen fĂŒr Banken und Handelsunternehmen, aber es scheint, dass sie sich amĂŒsieren, indem sie GefĂ€hrten jagen, die FlugblĂ€tter verteilen oder auf Demonstrationen schießen. Insgesamt waren nach der letzten VolkszĂ€hlung 21.675 Personen in 520 Überwachungsinstituten tĂ€tig; 3.042 gehörten EigentĂŒmerverbĂ€nden an, 56.359 waren in Fabriken oder öffentlichen Einrichtungen beschĂ€ftigt, und dazu kamen noch 1.385 Privatdetektive. Insgesamt ergibt dies eine echte Armee mit 82.000 bewaffneten Personen, so groß wie die PS selbst (Quelle: Quale Difesa, Nr. 4, Jahr 1977).

3) Carabinieri (CC) und Pubblica Sicurezza (PS): Die Carabinieri sind seit jeher die Spezialeinheit im Dienste des Kapitals. Durch Dalla Chiesa sind sie in der Praxis vom PrĂ€sidenten des Staatsrates, Andreotti, abhĂ€ngig. Eine ihrer Hauptaufgaben ist, neben der DurchfĂŒhrung von geheimdienstlichen Aktionen, die direkte Überwachung der SondergefĂ€ngnisse.

Es ist geplant, in den nÀchsten drei Jahren weitere 6.000 Personen zu rekrutieren.

GegenwĂ€rtig verfĂŒgen die Carabinieri ĂŒber etwa 90.000 Mann, die ĂŒber das gesamte Staatsgebiet verteilt sind, mit drei Divisionen, die jeweils nach geografischen Gebieten gegliedert sind, 9 Brigaden, die in den großen StĂ€dten stationiert sind, und 24 Legionen in den wichtigsten Provinzen. Die kapillare Kontrolle wird von ĂŒber 5.000 Carabinieri-Kasernen durchgefĂŒhrt, selbst in den abgelegensten StĂ€dten.

 

ANTI-INSTITUTIONELLE BEWEGUNG, REVOLUTIONÄRE GEWALT, BEWAFFNETER KAMPF. EINIGE REFLEXIONEN.

Um jegliche Unklarheit zu beseitigen, die entstehen könnte, möchte ich klarstellen, dass ich mich, wenn ich von bewaffnetem Kampf spreche, nicht auf kĂŒnstliche Unterscheidungen stĂŒtze, die von bourgeoisen Gesetzen auferlegt werden, wo das Werfen von Dutzenden von Molotowcocktails das Risiko birgt, von einigen GefĂ€hrten nicht als Situation des bewaffneten Kampfes angesehen zu werden.

Es ist nicht das technische Instrument, das wir verwenden, das eine Aktion als gewalttĂ€tig oder nicht qualifiziert, sondern vielmehr ihre Perspektive in der Konfrontation mit dem Klassenfeind. Die Anwendung des bewaffneten Kampfes bedeutet im Wesentlichen, bereit zu sein, die staatliche Gewalt und Ausbeutung auf jeder Ebene auf jeder Art zu beantworten. Es bedeutet, von der reinen Verteidigungsphase in eine Angriffsphase ĂŒberzugehen, um die Zentren der Organisation und der Repression des Feindes zu treffen. Gleichzeitig muss sie in der Lage sein, allen Ausgebeuteten zu zeigen, wo sich der wahre Feind verbirgt, und dass es möglich ist, ihn zu treffen, dass er wahrnehmbar und verwundbar ist. Letzteres ist in einer fortgeschrittenen Phase der Sozialdemokratie um so wichtiger. Hier versucht der Staat, das Proletariat in seine eigene Logik hineinzuziehen, um es durch den Mechanismus des Konsenses und der Mit-Verwaltung der Ausbeutung dazu zu bringen, sich mit dem Gegner zu identifizieren, und gleichzeitig Terror einzusetzen, indem er einen starken Kriminalisierungs- und Repressionsapparat aufbaut. Diese Situation ist heute nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in Italien und allen anderen Gebieten des fortgeschrittenen Kapitalismus zu beobachten.

Innerhalb des revolutionĂ€ren Kampfes kann es natĂŒrlich verschiedene Methoden und Entscheidungen geben, die nicht alle von einem anarchistischen Standpunkt aus geteilt werden können, aber darauf werde ich spĂ€ter eingehen.

Ich hoffe auch, die Zweideutigkeit bestimmter Positionen zu vermeiden, die, nachdem sie behauptet haben, dass sie die Frage des bewaffneten Kampfes an sich nicht ablehnen, die Frage mit Aussagen wie: „Die gegenwĂ€rtige Situation (
) erzwingt nicht die Notwendigkeit eines klandestinen bewaffneten Kampfes, der unweigerlich dazu fĂŒhrt, dass alle Energien der beteiligten Militanten beansprucht werden.“ verwirren. (Rivista Anarchica, MĂ€rz, 1977, S. 12)

Ich möchte vor allem noch einmal darauf hinweisen, wie die ganze Frage durch solche Überlegungen abstrakt wird. Der bewaffnete Kampf wird als etwas vom Rest der revolutionĂ€ren AktivitĂ€t Abgeschnittenes gesehen, als eine separate, rein „technische“ und militĂ€rische Phase, die Zeit und Energie rauben wĂŒrde von
 man weiß nicht, was der Rest ist. Außerdem scheint mir, dass solche Argumente das Problem verzerren, indem sie den bewaffneten Kampf mit dem Adjektiv „klandestin“ in einer Weise qualifizieren, die unvermeidlich, negativ und degenerierend erscheint. In Anbetracht der Tatsache, dass der bewaffnete Kampf an sich immer illegal ist, scheint es mir nicht so, dass die KlandestinitĂ€t ausschließlich mit der eigenen Entscheidung ĂŒbereinstimmen kann, sondern dass sie eine Möglichkeit ist, die man in Betracht ziehen muss und die nicht fatalerweise die Schaffung eines VerhĂ€ltnisses zwischen Avantgarde und Masse im leninistischen Sinne impliziert. Andererseits, um auf die gegenwĂ€rtige Situation zurĂŒckzukommen, wer kann sagen, dass die GefĂ€hrten, die eine bestimmte Art von Aktion durchfĂŒhren (z.B. der Hinterhalt in Pisa auf den Arzt, der fĂŒr die Ermordung des GefĂ€hrten Serantini verantwortlich ist), die sicherlich als klandestin definiert werden kann, selbst „klandestin“ sind und im Gegenteil nicht eine normale offene Praxis der Militanz ausĂŒben?

Warum Gewalt?

Die große Mehrheit der GefĂ€hrten scheint sich ĂŒber einige grundlegende Probleme einig zu sein: dass die Gewalt nicht der spontane Ausdruck unseres freien Willens ist, sondern die wissenschaftlich organisierte Gewalt der UnterdrĂŒckung und Ausbeutung durch den Staat, die uns als RevolutionĂ€re dazu zwingt, mit einer entgegengesetzten, befreienden Gewalt zu antworten, wenn wir uns nicht den SchlĂ€gen unserer Arbeitgeber beugen wollen. Die unsere ist also immer eine defensive Gewalt, was nicht bedeutet, dass sie sich darauf beschrĂ€nkt, die SchlĂ€ge des Feindes abzuwehren.

Wenn das, was ich soeben gesagt habe, wahr ist, dann scheint mir klar zu sein, dass das Problem, wann eine bewaffnete Antwort gerechtfertigt oder unvermeidlich ist, in Wirklichkeit nicht existiert. Wir wĂ€ren kurzsichtig oder opportunistisch, wenn wir nicht hinter die mehr oder weniger demokratische und freizĂŒgige Fassade blicken könnten, mit der die Macht ihr mörderisches Wesen verdeckt. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, in welcher Form auch immer, verdient immer eine Antwort in der Perspektive ihrer gewaltsamen Zerstörung. Es geht nicht darum, zu entscheiden, wer „zuerst geschossen“ hat, um zu wissen, ob unsere Verteidigung „legitim“ ist oder nicht: Seit Jahrhunderten hat der Staat „zuerst geschossen“, und unser Tod findet nicht nur auf den Straßen unter den Kugeln der Polizei statt, sondern auch in den Fabriken, den GefĂ€ngnissen, den IrrenhĂ€usern, den Ghettos, den Elendsvierteln, den klandestinen Abtreibungskliniken und den Bergwerken in aller Welt. Wenn es sich um ein moralisches Problem handeln wĂŒrde, brĂ€uchte man angesichts der Hunderte von GefĂ€hrten, von Ausgebeuteten, die tĂ€glich ermordet werden und deren Blut unser Gewissen zur Rache aufruft, nicht einmal eine Minute zu diskutieren.

Aber das Problem ist nicht nur ein moralisches. Unsere Wut, unser revolutionĂ€rer Wille muss immer von einer klaren Argumentation begleitet sein, die es uns erlaubt, den Kampf so konsequent und wirksam wie möglich zu fĂŒhren. Das heißt nicht, dass es der revolutionĂ€ren Sache dienlich ist, sich auf dem Altar des MĂ€rtyrers abschlachten zu lassen. Der revolutionĂ€re Akt ist, wie wir alle wissen, ein kollektiver Akt, der ein hohes Maß an Verallgemeinerung des Bewusstseins und den Willen zur radikalen VerĂ€nderung der gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse in eine kommunistische Richtung voraussetzt. Und genau darauf zielen die meisten Kritiken der GefĂ€hrten gegen die Praxis des bewaffneten Kampfes heute ab. Sie sagen: wir leben nicht in einer prĂ€-insurrektionellen Situation; die Massen werden von den Reformisten kontrolliert und bestimmte Aktionen werden nicht verstanden.

Auf diesen Einwand könnte man erwidern, dass sich die revolutionĂ€re Bewegung nicht immer darauf beschrĂ€nken sollte, den „populĂ€ren Willen“ zu verwirklichen, der oft Gefahr lĂ€uft, sich in etwas nicht greifbares oder eine zweifelhafte Interpretation zu verwandeln. Neben der „kulturellen“ Arbeit der Propaganda und der Verbreitung der revolutionĂ€ren Perspektive sollte die antistaatliche Bewegung auch wissen, wie sie ihre Affirmationen in die Praxis umsetzen kann, insbesondere in einer Situation, in der die ideologische Hegemonie der reformistischen KrĂ€fte das Bewusstsein und den Willen des populĂ€ren Kampfes eingelullt hat oder in der sie durch staatliche Repression erstickt wurden. Ideologische Dissertationen und theoretische Propaganda reichen nicht aus, um die real existierenden MachtverhĂ€ltnisse zu verĂ€ndern. Sie mĂŒssen sich in Aktionen ausdrĂŒcken, in denen immer breitere Schichten der Klasse der UnterdrĂŒckten ihre eigenen realen BedĂŒrfnisse erkennen können.

Diese Perspektive könnte bis an die Grenze mit der so genannten exemplarischen Tat identifiziert werden, die sicherlich ein sorgfĂ€ltiges Nachdenken ĂŒber das VerhĂ€ltnis zwischen aktiver Minderheit und sozialer Situation sowie ĂŒber die Wahl des Ziels erfordert. Aber dies, so scheint mir, kann nicht darauf reduziert werden, sich auf eine „glorreiche“ historische Vergangenheit zu berufen, zu der wir beitragen wollen.

Angesichts der gegenwĂ€rtigen Situation scheint mir das Argument der beispielhaften Tat einschrĂ€nkend und unzureichend zu sein. Es scheint mir, dass wir vor etwas qualitativ anderem stehen. Bestimmte Aktionen werden heute von mehr oder weniger spezialisierten und entsprechend organisierten Minderheiten durchgefĂŒhrt, aber sie sind Ausdruck einer Bewegung, die man nicht einfach als minoritĂ€r abtun kann, wenn man sie nur mathematisch berechnet. Damit meinen wir nicht nur Situationen wie die vom 11. und 12. MĂ€rz in Bologna und Rom, wo es zu bewaffneten Aktionen kam, gewisse „klandestine“ Aktionen, die von Organisationen durchgefĂŒhrt wurden und die auch jene Organisationen fĂŒr sich beansprucht haben, die sich erklĂ€rtermaßen fĂŒr den bewaffneten Kampf entschieden haben, wie z.B. die Roten Brigaden, die NAP oder die vielen neuen Namen, die jeden Tag auftauchen.

Die anti-institutionelle Bewegung und die Gewalt

In der heutigen Situation ist es nicht mehr möglich zu sagen, dass Aktionen wie bewaffnete ZusammenstĂ¶ĂŸe mit der Polizei, Angriffe auf die Zentren der Ausbeutung oder der Angriff auf die physischen Personen einiger der bekanntesten Verfolger der revolutionĂ€ren Militanten nur der Wille und die Frucht der sorgfĂ€ltigen BemĂŒhungen einer Handvoll Theoretiker der Profis der KlandestinitĂ€t, getrennt von der Masse, sind.

Wenn heute die Elektronikfabrik Montedison oder die GeschĂ€fte von Luisa Spagnoli oder der Arzt, der die Ermordung von Serantini gebilligt hat, getroffen werden, dann erhöht dies nur die Forderungen und das Bewusstsein einer Bewegung, die mehr ist als eine einfache Ansammlung von Gruppen, Kollektiven oder kleinen Parteien. Es handelt sich um eine Bewegung, die große Teile der an den Rand der Gesellschaft Marginalisierten einschließt, „nicht abgesicherte“ Studenten, Frauen, Menschen in unsicheren ArbeitsverhĂ€ltnissen und weniger zahlreich, aber nicht weniger wichtig, Sektoren/Bereiche von Industriearbeitern, Dienstleistungsarbeitern und Technikern, usw. Eine Bewegung, die, vielleicht instinktiv, vielleicht nicht klar in ihrer KomplexitĂ€t, aber auf jeden Fall prĂ€zise, den Feind ausgemacht hat, der nicht nur im Repressionsapparat des Staates und in den Herrschenden/Regierende, die am deutlichsten in Erscheinung treten, sondern auch in den neuen reformistischen Bossen der Gewerkschaften/Syndikate zu finden ist.

Die Linie der Verweigerung und des Widerstands gegen den Kapitalismus und die reformistische LĂŒge wird durch bestimmte Aktionen, die das Erbe der Bewegung sind, konkret. Sie geht aus KĂ€mpfen hervor, die zwar nicht von der Mehrheit ausgetragen werden, aber sicherlich nicht von der Masse zu trennen sind.

Viele von uns, die seit Jahren daran gewöhnt sind, in einer Bewegung, die versucht, ĂŒber die Ebene der „Meinung“ hinauszugehen, mit einer Praxis der Ohnmacht rechnen zu mĂŒssen, die fĂŒr eine bewusste Minderheit typisch ist, die mehr oder weniger von der realen Bewegung isoliert ist, fĂŒhlen sich in dieser Situation unwohl. Das erklĂ€rt die offensichtliche Schwierigkeit, sich auf die wirklichen Probleme zu konzentrieren, und die Tendenz, sich in ziemlich nebensĂ€chlichen Forschungen zu verlieren, die bereits von der realen Ebene des Kampfes ĂŒberholt worden sind.

Zum Beispiel die Schwierigkeit, die durch die Wiederholung der offensichtlichen, aber nutzlosen ideologischen „Unterscheidung“ auftritt, die auf dem klassischen Argument beruht: die Roten Brigaden sind marxistisch-leninistisch und wir sind Anarchisten, deshalb gibt es unĂŒberwindbare Unterschiede zwischen uns. Diese Frage könnte sogar zum Kern des Problems vordringen, wenn sie nicht in der abstrakten Anfechtung der beiden als statisch und dogmatisch angesehenen Tendenzen verharren wĂŒrde, anstatt das konkrete Problem der Umsetzung dieser theoretischen Entscheidungen in die Praxis zu analysieren.

Und hier könnten wir das Problem betrachten, wie sich die marxistisch-leninistische (aber vielleicht eher castroistische21 als leninistische) Konzeption der bewaffneten Partei in eine Praxis von im Voraus ausgewĂ€hlten Profis der KlandestinitĂ€t ĂŒbersetzt, was die Hauptkritik ist, die ich an den Roten Brigaden ĂŒben muss.

Die Entscheidung, dass bestimmte GefĂ€hrten den bewaffneten FlĂŒgel der Klasse bilden sollen, schafft wieder eine Situation der Trennung, die zur Hauptursache fĂŒr die FehleinschĂ€tzungen derjenigen GefĂ€hrten werden kann, die in der Logik der spezialisierten Minderheit verhaftet sind und denen es oft schwer fĂ€llt, ihre eigenen Aktionen mit der politischen Ebene und den BedĂŒrfnissen der Bewegung zu verbinden. Es ist eine Sache, wenn ein Kern von Arbeitern die Bestrafung eines Vorarbeiters, eines Faschisten oder die Sabotage eines Werks beschließt und die AusfĂŒhrung einer begrenzten Anzahl von GefĂ€hrten anvertraut (aus offensichtlichen GrĂŒnden der Sicherheit, Effizienz usw.). Etwas völlig anderes ist es, wenn eine begrenzte Anzahl von GefĂ€hrten, die nicht in der Situation sind und wenig oder gar keine Verbindung zu ihr haben, beschließt, dieselbe Aktion durchzufĂŒhren.

Außerdem bilden sich solche bewaffneten Gruppen in der Logik der letzteren nicht auf der Grundlage eines natĂŒrlichen Prozesses der „Destillation“, bei dem die politisch reiferen und aktionsfĂ€higeren Personen in die fortgeschritteneren KĂ€mpfe einbezogen werden. Stattdessen beruht dies auf einer ganz persönlichen idealistischen Wahl, eine Methode, die mir nicht richtig erscheint, selbst innerhalb einer avantgardistischen Logik, die ich im Übrigen nicht teile.

Der richtige Weg ist daher meiner Meinung nach nicht die bewaffnete Partei der MilitĂ€rspezialisten22, sondern sollte vielmehr der sein, das Gebiet des revolutionĂ€ren Kampfes gegen den Staat zu erweitern. Dies ist so, nicht weil es von einer Handvoll Intellektueller beschlossen wurde, sondern weil sich die entstandene anti-institutionelle Bewegung nicht zurĂŒckziehen oder auf bereits eroberten Positionen ausharren kann, um auf bessere Zeiten zu warten, sondern versuchen muss, voranzugehen. Die Erfahrung zeigt, dass der faschistische sozialdemokratische Staat nicht bereit ist, das Minimum an Raum zuzugestehen, das ihm nicht mit Gewalt entrissen wird.

Warum die Bewegung vorwÀrts geht

An diesem Punkt besteht das Problem nicht so sehr darin, die Aktionen des bewaffneten Kampfes fĂŒr die Bewegung „verstĂ€ndlich“ zu machen, sondern vielmehr in der Beziehung zwischen der revolutionĂ€ren Bewegung, die ĂŒberall im Lande zu entstehen beginnt (und die, gerade weil sie revolutionĂ€r ist, WidersprĂŒche enthĂ€lt, denen man sich ungehindert stellen muss), und dem Rest der proletarischen Bewegung, in der es den Reformisten noch gelingt, ihre eigene Hegemonie auszuĂŒben. Es geht vor allem um die Arbeiter, denen die KĂ€mpfe von 1968 usw. ein relatives Wohlergehen garantiert haben, das durch ihre Einbindung in die Logik der Arbeit, der Ausbeutung und des Staates bezahlt wurde, und die jetzt eine kritische Zeit durchleben.

Die kapitalistische Krise, auf Weltebene, hat einerseits die Rekuperation des Systems eliminiert und die Gewerkschaften/Syndikate daran gehindert, die Rolle der EindĂ€mmung und des Wiederaufsaugens von KĂ€mpfen zu spielen, wie es ihnen in den Jahren ’68/’69 zugedacht war. Damals manifestierten sich die revolutionĂ€ren Tendenzen in einer Periode, die noch von Expansion geprĂ€gt war und in der das Kapital noch VerhandlungsspielrĂ€ume hatte. Heute hat das System den LohnabhĂ€ngigen im Gegenzug fĂŒr ihre Beteiligung am Prozess der Faschisierung der Gesellschaft nur noch wenig zuzugestehen.

In der reformistisch kontrollierten Arbeiterbewegung haben sich Risse aufgetan. Eine gewisse Orientierungslosigkeit hat sich breit gemacht, eine allgemeine Unzufriedenheit, der es jedoch schwer fĂ€llt, sich in den Willen zum sozialen Wandel zu verwandeln oder den Feind klar zu identifizieren. Es hat sich ein prekĂ€res Gleichgewicht zwischen den Arbeitern und ihren Managern eingestellt, wo der Versuch gemacht werden muss, es zu durchbrechen. Wir wissen, dass die Marginalisierten und die „Garantierten“ in Wirklichkeit einen gemeinsamen Feind haben, aber den Letzteren fehlt es an Bewusstsein um zu wissen, wer dieser Feind ist.

Die Bewegung muss voranschreiten, um das reformistische Gleichgewicht zu zerbrechen. Sie muss mit ihren KĂ€mpfen zeigen, dass es einen Pol der antikapitalistischen und staatsfeindlichen Ansammlung gibt, der zu einem Bezugspunkt werden kann auch fĂŒr jene, denen nichts garantiert ist, außer der Ausbeutung.

Übersetzt aus „Anarchismo“

 

ZUR VERALLGEMEINERUNG DES BEWAFFNETEN KAMPFES

Die allgemeinen Lebensbedingungen in diesem Land sind besonders verzweifelt. Eine engmaschige Kampagne der Kollaboration mit den RegierungskrĂ€ften ermöglicht es den Medien, weiterhin ein ertrĂ€gliches/tolerierbares Bild zu vermitteln. Jedes Anzeichen von Unzufriedenheit/Unduldsamkeit in der Masse wird sofort mit grĂ¶ĂŸter Aufmerksamkeit umschrieben. Die Weigerung der Arbeiter in Turin, als Antwort auf die Ermordung eines Journalisten zu streiken, löste eine Flut von Interpretationen und Untersuchungen aus. BerĂŒhmte Soziologen kamen zusammen, um die Analysen zu liefern, die der Staat in seinen brutalsten Zwangsformen (Polizei, Justiz, GefĂ€ngnisse) braucht. Gleichzeitig fabrizieren sie Beschönigungsmittel wie das Arbeitslosengesetz, die Mietgesetze, die Steuerreformen – alles lĂ€cherliche Versuche, eine Lawine mit einem StĂŒck Papier aufzuhalten.

Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, die privaten Investitionen gehen zurĂŒck (die Kapitalisten ziehen es vor, ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen), die Arbeitslage muss mit dem geringsten Schaden fĂŒr den Staat behoben werden, indem man auf das öffentliche Defizit zurĂŒckgreift. Dies beeintrĂ€chtigt unsere internationale ökonomische GlaubwĂŒrdigkeit, die wir durch politische GlaubwĂŒrdigkeit ersetzen mĂŒssen. Mit anderen Worten: Wenn wir deutsches und amerikanisches Geld wollen, mĂŒssen wir ihnen unsere Bereitschaft zeigen, jede Form von revolutionĂ€rem Dissens, der sich in unserem Land entwickeln könnte, zu unterdrĂŒcken. Wir mĂŒssen zeigen, dass es diese Formen nicht mehr geben wird, sobald die Dinge endgĂŒltig organisiert sind, mit dem Groschen der imperialistischen Giganten und dem EinverstĂ€ndnis der Kommunistischen Partei.

Die reaktionĂ€re Garantie dieser Partei ist aus verschiedenen GrĂŒnden notwendig. ZunĂ€chst einmal sind ihre ideologische Vergangenheit, die FĂ€higkeit, die Ausgebeuteten zu verwirren, die fortschrittliche Fassade, nichts anderes als der Versuch eines „ruhigen“ Übergangs zu einem sozialdemokratischen Kapitalismus mit breiter staatlicher Beteiligung.

Diese Garantie wĂ€re in einer anderen internationalen Perspektive, in der die UdSSR in einem realeren Kontrast zu den Interessen der Vereinigten Staaten steht, unmöglich gewesen. Ein italienischer oder europĂ€ischer Weg zum Sozialismus ist absurd. Die Kommunistische Partei Italiens steht nur deshalb fĂŒr GesprĂ€che mit allen reaktionĂ€ren KrĂ€ften zur VerfĂŒgung, weil die UdSSR seit einiger Zeit so gesonnen war.

All dies sollte uns helfen zu verstehen, dass die Identifizierung der Klassenfront nicht mehr durch ideologische Faktoren erfolgen kann, sondern durch die produktive Situation zustande kommen muss. Die Arbeiter sind bereit, die KrĂ€fte der Ausbeutung am Ort der Ausbeutung selbst anzugreifen, sobald die ideologischen DeckmĂ€ntel, die so lange ein Hindernis fĂŒr ihr VerstĂ€ndnis waren, zerbrochen sind. Diese Bereitschaft wird noch deutlicher und akuter in einer Situation, die durch den Mangel an Arbeit verschĂ€rft wird. In der letzten Analyse sind die arbeitslosen Arbeiter noch ausgebeuteter und elender als die beschĂ€ftigten Arbeiter.

Die Kampfbereitschaft der Ausgebeuteten ist nicht nur proportional zur Ausbeutung, sondern auch von der Wirksamkeit der ideologischen Instrumente. Je klarer und durchschaubarer diese zu sein scheinen, desto mehr werden sie zu großen KreuzzĂŒgen gegen das Nichts, und die Ausbeutung bleibt intakt. Je schwĂ€cher sie sind, desto weniger sind sie in der Lage, die Massen „anzufĂŒhren“, die den Weg des Kampfes, des Klassenzusammenhalts und der Ziele des Konflikts selbst finden.

Das Niveau des Konflikts

Dies kann als die Gesamtheit der Bedingungen definiert werden, die den Klassenkonflikt charakterisieren. Diese Bedingungen zu kennen ist sehr wichtig, weil man oft aus verschiedenen GrĂŒnden dazu gebracht wird, einige fĂŒr wichtiger zu halten als andere, mit der offensichtlichen Schlussfolgerung, dass diejenigen, die dieselben Bedingungen nicht akzeptieren, als konterrevolutionĂ€r bezeichnet werden.

Es ist nicht möglich, eine Verdienstskala fĂŒr die Bedingungen festzulegen, die das Niveau des Kampfes bestimmen. Es wĂ€re in der Tat unangebracht, die ökonomischen Bedingungen zu ĂŒberschĂ€tzen und z.B. die ideologischen Bedingungen zu unterschĂ€tzen, die, gerade weil sie zusammenbrechen, bestimmte Folgen haben und andere nicht.

VerschÀrfung des Konfliktniveaus

Jeder historische Moment hat sein eigenes Konfliktniveau. In gewissem Sinne ist die Geschichte Geschichte, weil sie es schafft, diese Niveaus nachzuzeichnen und ĂŒber die Bedingungen zu berichten, die sie verursacht haben.

VerĂ€nderungen des Konfliktniveaus sind normale Ereignisse, die oft in „Wellen“ auftreten, die sich um eine Achse bewegen, die auch bei stĂ€ndigem Wandel stabil zu bleiben scheint. Dieses Etwas ist die ideologische Struktur der Macht oder, wenn wir es vorziehen, die ideologische Struktur selbst, da die Revolution keine ideologische Struktur hat, bis sie die konkrete Form der Konterrevolution annimmt.

Den Konflikt auf die fiktive Ebene der Ideologie zu verlagern, bedeutet oft, den konkreten Boden des Kampfes zu verlieren, den einzigen Boden, auf dem jede theoretische Überlegung gĂŒltig ist.

Es besteht kein Zweifel daran, dass RevolutionĂ€re ein Interesse daran haben, das Bewusstseinsniveau zu heben, aber es besteht auch kein Zweifel daran, dass es kein Interesse daran geben kann, eine ideologische Perfektion zu erreichen, da diese frĂŒher oder spĂ€ter nur fĂŒr die Wieder-Herstellung der Macht funktional werden wĂŒrde. Im konkreten Fall der Ideologie der Gewalt, die heute in Italien diskutiert wird, wird diese fĂŒr den Staat funktional, indem sie die Schwankungen zulĂ€sst, die es ihm erlauben, in einem Moment paternalistisch offen fĂŒr Diskussionen zu sein (siehe das Treffen in Bologna, das von sechstausend Polizisten umgeben war), um im nĂ€chsten Moment rigide zu starken Mitteln wie SondergefĂ€ngnissen, polizeilicher EinschĂŒchterung, Sondergesetzen und Tribunalen zu greifen.

Es sind nicht die Diskussionen ĂŒber Gewalt, die das Konfliktniveau anheben, noch die Debatte darĂŒber, welche Art von Gewalt akzeptabel ist und welche abgelehnt werden sollte, die die Ausgebeuteten zu ihrer Befreiung drĂ€ngen. Niemand kann denjenigen, die seit Jahrhunderten unter jeder Art von UnterdrĂŒckung leiden, mit diesem Argument etwas beibringen. Der ideologische Vorhang fĂ€llt, und die BĂŒhne bleibt in ihrer nackten RealitĂ€t, der des Klassenkampfes, mit den Ausgebeuteten auf der einen Seite und den Dienern der Ausbeuter auf der anderen Seite, die ihren Chefs auf den Fersen sind.

Wenn wir von der Notwendigkeit von Gewalt sprechen, dann tun wir das sicher nicht, um die Ausgebeuteten zu ĂŒberzeugen. Sie wissen das selbst sehr gut und setzen es bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit allen ihnen zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln in die Tat um. Wir sprechen von der Notwendigkeit der Gewalt, um den Feind deutlicher zu machen, einen Feind, der sich selbst in der Gestalt des Bruders/ der Schwester oder des GefĂ€hrten zu verbergen versucht.

Die Diskussion ĂŒber die Gewalt ist auch ein sehr wichtiges Element, um all jene zu erkennen, die in der Zeit der Worte so geschickt waren, Haare zu spalten und den Massen Modelle der „richtigen Art von Gewalt“ vorzuschlagen, die auf ihren ideologischen Urteilen basieren. Wenn sich das Niveau des Konflikts aus den von uns genannten GrĂŒnden verschĂ€rft, werden alle diese Diskurse nutzlos und bestimmend. Sie sind nutzlos, weil die reale Konfrontation sie veraltet und sinnlos macht; sie sind bestimmend, weil sie die letzten Illusionen wegfegen und die unfruchtbaren Versuche der Rekuperation anprangern.

Als Anarchisten sind wir fĂŒr die soziale Revolution, das heißt, wir sind fĂŒr den sofortigen und endgĂŒltigen Sturz des Staates. Wir sind fĂŒr die revolutionĂ€re Logik, die vor allem eine zerstörerische Logik ist.

Wir sind fĂŒr die Zerstörung des Staates, das heißt, wir sind fĂŒr die physische (nicht verbale) Zerstörung der Institutionen und Personen, die den Staat reprĂ€sentieren und herbeifĂŒhren. Wir sind gegen die Polizei, die Richter, die BĂŒrokraten, die Gewerkschafts-, SyndikatsanfĂŒhrer und die Bosse. Nicht nur gegen die Polizeikontrolle, die bourgeoise Justiz, die Techno-BĂŒrokratie, Syndikalismus (Trade-Unionismus) und den Kapitalismus; wir sind konkret gegen die Menschen, die diese ideologischen Formen im Alltag umsetzen und sie zu Instrumenten der Repression machen. Und dieses Dagegensein muss sich in konkreten Angriffsaktionen niederschlagen. Wenn wir gegen die Polizei sind, dĂŒrfen wir nicht in die ideologische Falle derjenigen tappen, die im Namen eines falsch verstandenen Pluralismus oder einer rĂŒckwĂ€rtsgewandten AufklĂ€rung dem Feind Raum und Machbarkeit geben und behaupten, dass jeder das Recht hat, sich zu Ă€ußern, also auch die Polizei – die, wenn sie sich Ă€ußert, dies mit Schlagstöcken tut. Wenn wir gegen alle Richter und BĂŒrokraten, alle Bosse und die Gewerkschaften/Syndikate in ihrem Dienst sind, dĂŒrfen wir nicht darauf warten, dass uns jemand sagt: „Dieser Chef hat ein bestimmtes Unrecht begangen oder dieser Gewerkschafts-, SyndikatsanfĂŒhrer ist schuldig an diesem und jenem, dieser Richter ist besonders reaktionĂ€r“. Nein! Alle, ohne ideologische Unterscheidung, alle Polizisten, alle Richter, alle BĂŒrokraten und alle Gewerkschafts-, SyndikatsanfĂŒhrer, alle Bosse und alle, die in ihren Diensten stehen, sind schuldig und mĂŒssen mit allen möglichen Mitteln, zu jedem Zeitpunkt und um jeden Preis angegriffen werden.

Die moralische Rechtfertigung ist in der Tatsache der Ausbeutung selbst zu finden. Wer jahrhundertelang dem monströsen Druck der Arbeit ausgesetzt war, wer am Aufbau der Welt mitgewirkt hat, wohl wissend, dass er oder sie nie etwas davon genießen kann, braucht nicht auf ein besonderes Zeichen der Bosheit der anderen Seite zu warten. Er oder sie ist autorisiert, anzugreifen, zuzuschlagen und zu töten, so wie die Bosse und ihre Diener jederzeit angreifen, zuschlagen und töten können, wenn sie wollen.

Das Problem der Strategie

Die Tatsache, dass es möglich ist, ĂŒber die Methoden und die besten Formen der DurchfĂŒhrung dieses Angriffs zu diskutieren, ist ein Problem, das nichts mit der moralischen Grundlage zu tun hat, die den Angriff selbst rechtfertigt.

Eine solche Diskussion muss daher eine Diskussion ĂŒber Strategie, ĂŒber die Bewertung der Mittel und die Erreichung der Ziele werden. Man kann zum Beispiel nicht sagen: „Anarchisten tun bestimmte Dinge nicht, weil
“. Dieses Argument ergibt keinen Sinn. Was Anarchisten als solche tun, muss in der RealitĂ€t bewertet werden, nicht in der Abstraktion der Theorie, sonst wĂŒrde der Anarchismus keinen Sinn ergeben und zu einer mystifizierenden Ideologie wie jede andere werden.

Sicherlich sind die strategischen Entscheidungen nicht von der grundlegenden anarchistischen Analyse zu trennen, die, wenn sie in die RealitĂ€t umgesetzt wird, zu einem unverzichtbaren Bestandteil der revolutionĂ€ren Intervention wird. Aber wenn dieselbe Analyse von der RealitĂ€t des Kampfes abgekoppelt und zum Produkt eines erleuchteten Geistes wird und sich in einen Katechismus der Militanten verwandelt, wĂŒrde sie einfach in den Bereich der Ideologie ĂŒbergehen und fĂŒr die Macht, die sie anzugreifen vorgibt, funktional werden.

Wenn Anarchisten die angebliche revolutionĂ€re Rolle der bewaffneten militĂ€rischen Parteien wie der Roten Brigaden, der NAP oder anderer neuerer Formationen kritisieren und angreifen, tun sie dies deshalb ausgehend von einer anarchistischen Analyse, die jedoch die realen Bedingungen des heutigen Klassenkonflikts in Italien berĂŒcksichtigt. Es handelt sich nicht um eine anarchistische Analyse, die in den vagen Gefilden der Ideologie angesiedelt ist und sich verpflichtet fĂŒhlt, ĂŒber Dinge zu urteilen, die ihr nicht nur fremd, sondern auch feindlich gesinnt sind. Es reicht nicht aus, Anarchist zu sein, um zu sagen, was in Bezug auf den Kampf, der sich gerade entwickelt, richtig ist. Es ist notwendig, sich in einer konkreten Perspektive zu befinden, um fĂŒr die revolutionĂ€re Konfrontation zur VerfĂŒgung zu stehen, um gut bewertet zu haben, was all das fĂŒr jeden von uns auf persönlicher Ebene und auf globaler Ebene fĂŒr die gesamte anarchistische Bewegung bedeutet.

Wir haben oft die Dokumente der Organisationen des bewaffneten Kampfes, die in unserem Land tĂ€tig sind, veröffentlicht. Manchmal haben wir auf diesen Seiten auch die wesentlichen Linien einer Kritik an der geschlossenen militĂ€rischen Partei nachgezeichnet. Aber wir haben nicht dies beansprucht, als diese GefĂ€hrten verfolgt und verjagt wurden, um die Distanz zu messen, die sie von uns trennt. Der Grund dafĂŒr ist, dass die Distanz, die zweifellos vorhanden und bedeutsam war, nur auf dem Papier hĂ€tte festgehalten werden können und somit zu einer banalen ideologischen Frage gefĂŒhrt hĂ€tte. Dies hat zu einem gewissen MissverstĂ€ndnis anderer GefĂ€hrten in Bezug auf unsere Position gefĂŒhrt und ein kĂŒnstliches Argument angeheizt, das keinen Grund gehabt hĂ€tte, zu existieren, wenn diese GefĂ€hrten es fĂŒr zweckmĂ€ĂŸiger gehalten hĂ€tten, sich in der ersten Person zu engagieren, um diese Unterschiede zu unterstreichen, die sie nur auf einer ideologischen Ebene identifiziert haben.

Nun aber haben sich die Dinge geĂ€ndert, und es ist an der Zeit, unsere Stimmen laut und deutlich zu erheben, damit auch die Gehörlosen/Tauben uns hören können und diejenigen, die vorgeben, taub zu sein, sich vor den ernsthaften GefĂ€hrten wiederfinden, die wirklich fĂŒr die Befreiung aller Ausgebeuteten und fĂŒr die Anarchie kĂ€mpfen wollen.

Der Grund, warum wir dem PhĂ€nomen des bewaffneten Kampfes in den letzten Jahren Raum gegeben und die Notwendigkeit unterstĂŒtzt haben, diese Punkte zu verteidigen, wie widersprĂŒchlich und gefĂ€hrlich sie auch sein mögen, war, dass wir den eingeschlagenen Weg fĂŒr wichtig hielten. Wir waren der Meinung, dass dieser Weg in eine andere Richtung fĂŒhren könnte – was ja auch geschehen ist -, nĂ€mlich in den bewaffneten Kampf der Massen, in eine allgemeine IllegalitĂ€t, die die Bedingungen des ursprĂŒnglichen klandestinen Kampfes, der sich auf die geschlossene militĂ€rischen Partei stĂŒtzte, leugnen und schließlich beseitigen könnte. Sich von Anfang an gegen dieses Verhalten zu stellen, wie es so viele getan haben, wĂ€re ein Beitrag zur staatlichen Repression gegen sie gewesen und hĂ€tte jede Entwicklung in eine libertĂ€re Richtung verhindert, die wir von Anfang an fĂŒr möglich hielten. Damit meinen wir nicht eine libertĂ€re Entwicklung in geschlossenen militĂ€rischen Parteien, sondern die Entwicklung des bewaffneten Kampfes im Allgemeinen und aller GefĂ€hrten, die in dieser Richtung arbeiten.

Die EnttĂ€uschung treibt viele Menschen zu einer Praxis der allgemeinen IllegalitĂ€t. Dieses Verhalten zeigt sich entweder am Arbeitsplatz oder im Bereich der Arbeitslosigkeit und Kriminalisierung. Dieses PhĂ€nomen geht weit ĂŒber die strategischen Perspektiven einer geschlossenen militĂ€rischen Partei hinaus, ganz gleich wie groß und effektiv sie auch sein mag. Die Roten Brigaden, NAP, Prima Linea und viele andere Organisationen haben außer ihrer eigenen Selbstkritik nichts mehr zu sagen. Entweder sie integrieren ihre Aktionen in den Plan des allgemeinen bewaffneten Konflikts, was langsam geschieht, oder sie werden zum Aussterben verurteilt sein.

Das ist auch unsere Aufgabe. So wie wir dazu beigetragen haben, die dummen und böswilligen Kritiken einzudĂ€mmen und die vom Staat erhoffte globale Repressionstaktik zu verhindern, mĂŒssen wir heute als Anarchisten weiterhin unseren Beitrag zur KlĂ€rung dieses Prozesses des allgemeinen bewaffneten Konflikts leisten, indem wir jeden Versuch – egal woher er kommt – herausgreifen, kritisieren und angreifen, strategische und politische Modelle durchzusetzen, die die tĂ€gliche Kampfpraxis fĂŒr ĂŒberholt erklĂ€rt hat.

Insurrektion/Aufstand

In der Perspektive der Verallgemeinerung des bewaffneten Kampfes der Massen erhĂ€lt der Aufstand/die Insurrektion eine libertĂ€re Bedeutung und stellt die endgĂŒltige Kritik an jedem „geschlossenen“ Versuch dar, der Verwaltung des Klassenkonflikts zu organisieren.

Die Verallgemeinerung des bewaffneten Kampfes ist die natĂŒrliche Folge einer Situation, die sich von Tag zu Tag verschlimmert. Die Ausgebeuteten beginnen, diese Notwendigkeit in einer Reihe von anti-institutionellen Aktionen, die sich immer weiter ausbreiten, deutlich zu machen. Die vereinzelten Strafmaßnahmen, die von klandestinen Gruppen, die in der Minderheit sind, gegen einige der fĂŒr die Ausbeutung Verantwortlichen durchgefĂŒhrt werden, werden von der Masse mit Genugtuung aufgenommen und gebilligt. Die Versuche der Gewerkschaften/Syndikate, Proteststreiks gegen solche Aktionen zu organisieren, hatten, wie z.B. bei der FIAT, eine sehr geringe Teilnehmerzahl.

Es besteht kein Zweifel, dass die Bewegung der Ausgebeuteten in ihren verschiedenen Formen und all ihren WidersprĂŒchen heute in der Lage ist, das Kapital und die staatlichen Strukturen, die es verteidigen, anzugreifen. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Angriff tatsĂ€chlich stattfindet. Das einzige, was uns seltsam erscheint, ist, dass an diesem Punkt des Kampfes RĂŒckschritte gemacht werden, die sich in der Beharrlichkeit zeigen, Instrumente (wie die bewaffnete Partei) zu benutzen, die zwar gestern in gewisser Weise wirksam waren, heute aber anachronistisch sind und drohen, nach innen gerichtet zu werden.

Als anarchistische RevolutionÀre wissen wir sehr gut, dass in dieser Phase der Klassenkonfrontation klandestine Formen des Widerstands weiterhin notwendig sind. Wir wissen aber auch, dass dies gleichzeitig negative Aspekte mit sich bringt, d.h. dass sie Gefahr laufen, autoritÀr zu werden.

Es ist unsere Aufgabe, darauf zu achten, diese Entwicklung zu stoppen, dafĂŒr zu kĂ€mpfen, dass die Konfrontation in ihrer aufstĂ€ndischen/insurrektionalistischen Form verallgemeinert wird, was sie nicht nur als anarchistische Strategie, sondern auch als libertĂ€re Perspektive garantiert.

Wenn von AufstĂ€nden/Insurrektionen in der Vergangenheit die Rede ist, bringen viele GefĂ€hrten sofort historische Beispiele: die Matese-Bande, die Pontelungo-Verschwörung und andere derartige Ereignisse und werfen uns „revolutionĂ€re Romantik“ oder „Idealisten“ oder „objektiv gefĂ€hrlich“ vor. FĂŒr uns ist das alles lĂ€cherlich.

Aufstand/Insurrektion ist der Versuch, der mit Blick auf die Revolution unternommen wird. Als Anarchisten bleibt der Aufstand/Insurrektion unser privilegiertes Element, aber dieser Aufstand/Insurrektion muss verallgemeinert werden, zumindest auf die Ebene einer möglichst breiten Praxis illegalen Verhaltens. Das ist es, was tatsĂ€chlich geschieht. WorĂŒber sollten wir uns schuldig fĂŒhlen? Vielleicht sollten wir uns darĂŒber beklagen, dass die WidersprĂŒche des Kapitals und die revolutionĂ€ren Forderungen der Ausgebeuteten uns daran hindern, unsere sĂŒĂŸen TrĂ€ume zu verwirklichen?

Lasst uns Mut fassen. Wenn uns harte Zeiten bevorstehen, wissen wir, wie wir ihnen begegnen werden. Gerade in diesen Zeiten werfen die Schafe den Wolfspelz ab, und es ist an der Zeit, das Gerede beiseite zu legen und zu kĂ€mpfen. Fassen wir Mut und gehen wir voran. Und da die beste Verteidigung immer der Angriff ist, sollten wir zuerst angreifen. An Zielen mangelt es nicht. Mögen die Bosse und ihre Diener spĂŒren, wie schwer es werden kann, ihre Arbeit als Ausbeuter fortzusetzen.

Anarchismo

 

ZUM PROBLEM DES BEWAFFNETEN KAMPFES

Ein wichtiges Element, das in den Analysen der Anarchisten zum bewaffneten Kampf immer wieder auftaucht, ist das folgende: Da der bewaffnete Kampf der Höhepunkt der Revolution ist, mĂŒssen wir, bevor wir ihn fĂŒhren, sicher sein, dass die Phase, die wir durchlaufen, zumindest eine prĂ€-revolutionĂ€re ist. Im gegenteiligen Fall wĂŒrden wir von der Repression und allem anderen zerschlagen werden, und die politische Arbeit, die die Bewegung immer geleistet hat, wie Gegeninformation und Propaganda, wĂŒrde zerstört werden.

Wir halten es fĂŒr wichtig, diesen Standpunkt zu verdeutlichen und dabei einige Punkte hervorzuheben:

a) Die Analysen beruhen auf den persönlichen Positionen der GefÀhrten, die sie ausarbeiten, und das könnte auch anders sein;

b) die Positionen der Organisationen, denen diese GefÀhrten angehören, wirken sich auf die Analysen selbst aus, auch wenn dies nicht offiziell erscheint;

c) es ist ein logischer Fehler, zu behaupten, dass der bewaffnete Kampf die prÀ-revolutionÀre Phase abwarten muss, da er auch eine Rolle bei der Schaffung dieser Phase spielt;

d) es kann keine einheitliche/einzige Definition der prÀ-revolutionÀren Phase geben.


Die ersten beiden Punkte sind zu bedenken, da viele der heute vorgetragenen Analysen von Ă€lteren GefĂ€hrten stammen, deren politisches Bewusstsein aus einer anderen Phase des Klassenkampfes stammt. JĂŒngere GefĂ€hrten, deren Alltag oft antiautoritĂ€rer ist als der derjenigen, die die Analysen verfassen, weigern sich oft, diese Art von Arbeit zu leisten, oder sie finden, dass ihnen aufgrund der Liberalisierung der Schulbildung die Instrumente dazu fehlen. Die Analysen, die diese GefĂ€hrten vorlegen, sind also ihr eigenes Handeln, und ihr Verhalten hat viele Organisationsstrukturen in die Krise gebracht.

Es ist nicht mehr in Mode, im Namen einer Organisation zu sprechen, aber das bedeutet nicht, dass Analysen die Ideen des einzelnen GefĂ€hrten widerspiegeln, der sie geschrieben hat. Sie können die strategischen Positionen von Organisationen widerspiegeln, auf die sich diese GefĂ€hrten in der Theorie oder in der Praxis stĂ€ndig beziehen. Je lĂ€nger die Organisation zögert, desto weiter ist die „prĂ€-revolutionĂ€re Phase“ entfernt.

Wir kommen zum dritten Punkt: die Aussage, dass der bewaffnete Kampf eine prĂ€-revolutionĂ€re Phase voraussetzt, enthĂ€lt einen logischen Widerspruch. Diese Aussage impliziert eine Überbewertung der Organisation des militĂ€rischen Typs im Vergleich zu anderen Formen der bewaffneten Intervention gegen die Repression. Angesichts des gegenwĂ€rtigen Konfliktniveaus liegt es im Interesse der Repression, die Ausbreitung bewaffneter Aktionen einzuschrĂ€nken und gleichzeitig auf eine bestimmte Organisation verweisen zu können, die das PhĂ€nomen in seiner Gesamtheit reprĂ€sentiert. Dies kann dann auf spektakulĂ€rer Ebene zur Rechtfertigung von Repressionen herangezogen werden.

Im Grunde genommen gibt es keinen Grund, diese von der politischen Polizei vertretene Interpretation zu akzeptieren. Die Aktionen der so genannten historischen bewaffneten Organisationen sind nur ein minimaler Teil des PhĂ€nomens des bewaffneten Kampfes, auch wenn sie es schaffen, die spektakulĂ€rste Aktion zu sein. In Wirklichkeit besteht dieses PhĂ€nomen aus einem weiten Bogen illegalen und antiautoritĂ€ren Verhaltens, das sich unkontrolliert auszubreiten droht. Der Staat weiß das sehr gut, ebenso wie die politischen und pseudorevolutionĂ€ren (aber im Grunde konterrevolutionĂ€ren) Gruppen, die versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Das Problem des bewaffneten Kampfes in Italien heute auf das zu reduzieren, was von Gruppen wie den Roten Brigaden getan wird, wĂ€re absurd. Das hieße, mit dem ganzen Gewicht der revolutionĂ€ren Analyse die Argumentationsschemata zu wiederholen, die dem Kapitalismus so nĂŒtzlich sind. Es ist dieses antiautoritĂ€re, illegale Verhalten, das das signalisiert, was die prĂ€-revolutionĂ€re Phase definiert, und nicht, wie manche behaupten, dass es diese Phase ist, die ein solches Verhalten rational macht.

Es sollte auch etwas zu dem Problem gesagt werden, dass eine einzige Definition der prĂ€-revolutionĂ€ren Phase nicht möglich ist. Einige GefĂ€hrten sind der Meinung, dass sie immer den Bedingungen des Sturms auf den Winterpalast Ă€hneln muss, und alles andere kann nur aus einer sich verschĂ€rfenden Krise der kapitalistischen Verwaltung der Ökonomie entstehen. Andere meinen, dass sich zuerst ein Ungleichgewicht auf internationaler Ebene entwickeln muss oder dass es eine VerĂ€nderung der Interessen in den Gebieten geben muss, in die die Welt aufgeteilt ist. All diese Punkte haben ihre Berechtigung, aber fĂŒr sich genommen können sie nicht die Tatsache in Frage stellen, dass unsere revolutionĂ€re Aufgabe darin besteht, die Ausgebeuteten zur Rebellion und zum Kampf gegen die Ausbeuter zu drĂ€ngen, und nicht darin, von der Möglichkeit des Sieges unserer Organisationen im Falle eines Konfliktes zu tagtrĂ€umen. Möglicherweise hat man noch nicht verstanden, worin die revolutionĂ€re Aufgabe der Anarchisten bestehen soll. Wie kommt es, dass einige immer noch in Begriffen des Namens, der Organisation denken, wobei die Azione Rivoluzionaria, allein durch die Tatsache, dass sie einen schönen Satz von Durruti an den Anfang ihres wichtigsten Dokuments gestellt hat, sich als die einzig mögliche Alternative zu den Roten Brigaden betrachten sollte? Vielleicht hat man nicht verstanden, dass die einzige Alternative der verallgemeinerte bewaffnete Kampf ist, der auf ein aufstĂ€ndisches/insurrektionalistisches Niveau getrieben wird, etwas, das weitaus bedeutungsvoller ist als die grĂ¶ĂŸten Taten der historischen Organisationen.

 

VORWÄRTS, GEFÄHRTEN!

Die Revolte ist eine Tatsache, die Individuen und Organisationen betrifft. Sie ist nicht die Revolution, sondern macht die Revolution erst möglich. Ohne die stĂ€ndige Revolte bewusster Individuen wird es nichts geben als die verrĂ€terische Revolution der Neo-Bosse, die sich der Organe des Klassenkampfes bedienen. Und die Revolte ist das Bewusstsein ĂŒber sich selbst, die eigene Beteiligung, die Opfer, zu denen man fĂ€hig sein muss, die Hoffnungen, die Freuden, die Fortschritte und die möglichen Gefahren. Die Revolte ist das, was das Leben eines jeden von uns kennzeichnet.

In Momenten großer sozialer Spannungen, wenn die WidersprĂŒche der kapitalistischen Struktur explodieren, zeigen sich die Folgen der kleinen Kompromisse und SchwĂ€chen, die wir in der Zeit, in der nichts passierte, akzeptiert haben. Es ist der Opportunismus, der sich seinen Weg unter uns gebahnt hat, der Opportunismus, der listige Worte findet, um sich zu tarnen, um sich als raffinierte revolutionĂ€re Taktik einzuschmuggeln.

VorwÀrts, GefÀhrten! Lasst uns beginnen, das aufzurufen, was in uns steckt, in unseren Beziehungen zu den uns nahestehenden GefÀhrten, in unseren Beziehungen zu den Organisationen, denen wir angehören.

Das ist gar nicht so schwer. Der Feind, der uns gegenĂŒbersteht, tut dies mit einer solchen HĂ€rte, dass es nicht schwer ist, ihn zu erkennen, und wenn wir ihn erkennen, mĂŒssen wir zuschlagen, und wenn wir zuschlagen, mĂŒssen wir bereit sein, die Konsequenzen unseres Handelns zu tragen. Das sind die Aufgaben, die auf uns warten.

Mögen unsere Diskurse Aktion sein, und mögen andere GefĂ€hrten lernen, uns fĂŒr das zu schĂ€tzen, was wir tun, und nicht fĂŒr das, was wir als Tradition reprĂ€sentieren, und möge der Staat wieder lernen, Anarchisten zu fĂŒrchten, nicht als Erben von Ravachol oder Henry, Durruti oder Makhno, sondern weil sie in der Lage sind, Organisationen des Angriffs mit Leben zu erfĂŒllen, und nicht nur Gruppen von Sozialwissenschaftlern sind, die brillante Analysen ĂŒber die Probleme des Augenblicks produzieren.

Heute haben wir einige Möglichkeiten an der vordersten Front der revolutionĂ€ren Konflikte. Wir haben in der jĂŒngsten Vergangenheit keine gravierenden Fehler gemacht, die uns in den Augen der Ausgebeuteten in ein schlechtes Licht rĂŒcken.

Vielleicht liegt das daran, dass unsere Taten zu unbedeutend waren, um Raum fĂŒr schwerwiegende Fehler zu lassen, aber wir haben trotzdem keine gemacht. GegenwĂ€rtig können wir immer noch ein Bezugspunkt sein, ein Sammelpunkt sowohl fĂŒr die Ausgebeuteten als auch fĂŒr viele militante RevolutionĂ€re, die aus autoritĂ€ren Organisationen kommen und das große Trauma der Fehler dieser Organisationen durchlebt haben. Wir werden die Fehler, die wir 1968 gemacht haben, nicht wiederholen. Wir akzeptieren keine Konfrontation auf der abstrakten Basis von endlosen theoretischen Diskussionen. Wir messen uns im konkreten Aktionsfeld.

Wir zeigen nicht die Angst, die uns normalerweise dazu bringt, uns zu verschließen, weil mit den AutoritĂ€ren, den Marxisten, nichts zu machen ist. Die letzten Monate haben gezeigt, dass sich ein starkes antiautoritĂ€res Bewusstsein in vielen Gruppen von Militanten entwickelt hat, ebenso wie in einigen Schichten der Ausgebeuteten, insbesondere bei denjenigen, die von Kriminalisierungsprozessen betroffen sind: Wir tragen nicht dazu bei, dieses Bewusstsein auszulöschen.

Lasst uns auf alle möglichen Beziehungen vorbereitet sein. Wir sind Anarchisten und als solche fĂŒr die antiautoritĂ€re Aktion. Aber wir glauben an die Notwendigkeit, die Macht sofort anzugreifen, auf allen Ebenen und mit allen möglichen Mitteln. Hier können wir uns messen und einen möglichen Punkt der Zusammenarbeit finden.

Die jĂŒngsten Erfahrungen, die sich aus dem Niveau der sozialen Konflikten in Italien ergeben, zeigen uns, dass die autoritĂ€re Strategie auf verlorenem Posten steht. Diese Erfahrungen waren nicht nur fĂŒr uns, sondern auch fĂŒr viele andere GefĂ€hrten ein Anhaltspunkt. Jetzt ist nicht die Zeit fĂŒr theoretische Debatten, sondern es ist an der Zeit, die anzugreifenden Ziele der großen konterrevolutionĂ€ren BĂŒndnisse zu benennen.

Anarchismo





Quelle: Panopticon.blackblogs.org