Dezember 2, 2020
Von Contraste
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Die meisten WeltlĂ€den werden nach wie vor von entwicklungspolitischen, gemeinnĂŒtzigen Vereinen getragen – Ausdruck ihres zivilgesellschaftlichen Charakters. Vor allem umsatzstĂ€rkere LĂ€den bauen Zweitstrukturen auf, um den wirtschaftlichen vom gemeinnĂŒtzigen und zivilgesellschaftlichen Bereich zu trennen. Die Zahl derer, die dies als Genossenschaft organisieren, lag bisher unter 30 Betrieben. In unserem Schwerpunkt beleuchten wir, welche weiteren Potentiale in verschiedenen genossenschaftlichen Konzepten fĂŒr WeltlĂ€den stecken.

Burghard Flieger, Redaktion Genossenschaften

WeltlĂ€den gehören zu den ersten alternativökomischen Unternehmen nach dem deutschen »Wirtschaftswunder«. Im Unterschied zu vielen Szenebetrieben haben ihre Strukturen und Inhalte trotz meist fehlender bezahlter Arbeit Â»ĂŒberlebt«. Die zwischen 800 und 1.000 WeltlĂ€den, ĂŒberwiegend demokratisch organisiert, zeichnen sich bis heute durch eine erstaunliche Vielfalt und Breite aus. Ihr Überleben ist auch deshalb beeindruckend, weil ihr eigentlicher Markt, ihre Ökonomie, auf dem Verkauf von Produkten aus dem Fairen Handel beruht. Hier ging ihnen, wie in vielen ursprĂŒnglich alternativ- bzw. solidarökonomisch geprĂ€gten Branchen, der Rang als Platzhirsche eindeutig verloren. Im Vergleich zu den großen Supermarktketten verharren die WeltlĂ€den beim Fairen Handel trotz ihrer Beharrlichkeit in der Nische.

Unser Themenschwerpunkt will klÀren, ob in der Organisation der Genossenschaft nicht erheblich mehr Potentiale stecken, diese Nischenrolle wieder zu verlassen. Dahinter steckt die EinschÀtzung, dass Organisationsstrukturen von Genossenschaften stÀrker auf ProfessionalitÀt, Wachstum und langfristige Stabilisierung ausgerichtet sind. Gleichzeitig suchen sie nicht, wie bei den sonst verbreiteten Lösungen, vorrangig in rein privatwirtschaftlichen, sondern gemeinschaftsgetragenen Konzepten ihre Perspektiven.

Verbund fĂŒr die Zukunft

Der Schwerpunkt konzentriert sich auf unterschiedliche AusprĂ€gungen genossenschaftlicher Konzepte unter den WeltlĂ€den. Vorab erfolgt eine EinfĂŒhrung in ihr SelbstverstĂ€ndnis und die Merkmale der WeltlĂ€den sowie ihrer wichtigsten Verbundstruktur, dem Weltladen-Dachverband. Zudem werden anhand einer Buchbesprechung die Wirkungen des Fairen Handels wissenschaftlich thematisiert. Im Anschluss veranschaulicht das Interview mit dem Weltladen Karibu in Kassel, dass Weltladengenossenschaften oftmals eine gewisse Eigensinnigkeit aufweisen. In diesem Fall, indem schon sehr frĂŒh Fairer Handel und regionale Bioprodukte in einem Shop-Konzept kombiniert wurden.

Auch die anschließend kurz skizzierten genossenschaftlichen WeltlĂ€den zeigen, wie unterschiedlich die AnsĂ€tze sein können. Sie reichen von der GemeinnĂŒtzigkeit ĂŒber das EinrĂ€umen von Rabatten fĂŒr Mitglieder bis hin zur VerstĂ€rkung der GlaubwĂŒrdigkeit durch geprĂŒfte QualitĂ€tsnachweise. Im zweiten Teil des Schwerpunkts geht es um genossenschaftliche Verbundstrukturen als Chance, durch UnterstĂŒtzung die einzelnen WeltlĂ€den wirtschaftlich zu stĂ€rken. Die WeltPartner eG steht hierfĂŒr im besonderen Maße, weil sie Groß- und Einzelhandel miteinander kombiniert. Dagegen organisiert die Weltladen-Betreiber eG relativ eigenstĂ€ndige WeltlĂ€den unter ihrem genossenschaftlichen Dach. Mit einem PlĂ€doyer, ĂŒber sekundĂ€rgenossenschaftliche Konzepte solche AnsĂ€tze konzeptionell weiter voranzutreiben und dadurch WeltlĂ€den als Pionieren des Fairen Handels mehr Durchschlagskraft zu ermöglichen, wird der Schwerpunkt abgerundet.

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Titelbild: Zukunftsweisende Abstimmungen bei der WeltPartner Generalversammlung. Bild: WeltPartner eG


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Quelle: Contraste.org