Januar 1, 1970
Von End Of Road
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In Bremen Blumenthal ist Anfang 2020 der Versuch einer evangelikalen Pfingstgemeinde endgĂŒltig gescheitert, ein großes missionarisches Sozialzentrum mit Hilfe staatlicher Gelder aufzubauen. Bremer Atheisten hatten nach der Veröffentlichung der Planung die missionarischen HintergrĂŒnde dieses Vorhabens öffentlich gemacht und vor der Umsetzung gewarnt.

Jetzt wird das zur Pfingstbewegung gehörende „Sozialwerk Oldenburg“ gegen die Stadt Bremen klagen um auf diesem Wege noch zu einer staatlich finanzierten Missionierungseinrichtung zu kommen. Die BĂŒrgerschaftsabgeordnete Birgit Bergmann lieferte Argumente fĂŒr die KlagebegrĂŒndung. Vieles spricht fĂŒr ein koordiniertes Vorgehen zur Förderung der evangelikalen Infrastruktur zwischen dem pfingstkirchlichen Sozialwerk und der evangelikalen FDP Abgeordneten Bergmann.

Wer ist Birgit Bergmann ?

Birgit Bergmann ist Abgeordnete der FDP in der Bremischen BĂŒrgerschaft. Bereits 2015 schaffte sie den Einzug in das Landesparlament, allerdings auf der Liste der CDU. 2018 trat sie zur FDP ĂŒber. FĂŒr die FDP sitzt sie in drei staatlichen Deputationen; Inneres, Sport und Bildung.

In ihrer Eigenschaft als „Innenpolitische Sprecherin“ der FDP forderte sie unlĂ€ngst den Rauswurf von Gruppen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, aus dem alten Sportamt. Dieser Vorstoß passt genau zum bibeltreuen Weltbild, denn die Lieblingsfeinde der Evangelikalen, Linksradikale und Muslime, stehen im Vordergrund ihrer politischen AktivitĂ€ten. Frau Bergmann ist als selbstĂ€ndige Unternehmensberaterin tĂ€tig.

Über die evangelikale MatthĂ€us Gemeinde in Bremen Huchting (offizielle Anschrift der Evangelischen Allianz (EA) in Bremen, ist sie in das Bremische Kirchenparlament delegiert.. Die EA ist der Dachverband der Evangelikalen innerhalb der BEK, Pfingstlern, Baptisten u.a.) Auf dem Kirchentag der Bremischen Evangelischen Kirche Anfang 2019 wurde sie in den stĂ€ndigen Ausschuss fĂŒr „Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung“ gewĂ€hlt.

Hier sitzt sie an einem Tisch mit dem Chef des Diakonischen Werkes in Bremen, Pastor Meyer und anderen Personen aus evangelischen Sozialeinrichtungen und KindergĂ€rten. In diesem Ausschuss dĂŒrfte es wesentlich um die Zukunftsplanungen der evangelischen Kirche fĂŒr ihre Sozialeinrichtungen, Schulen und KindergĂ€rten und deren staatliche Subventionierung gehen.

Frau Bergmann gehört darĂŒber hinaus dem Beirat der „Christlichen Elterninitiative e.V.“ an. Die „Christliche Elterninitiative“ betreibt mehrere Kinder-, und betreute Wohneinrichtungen und war maßgeblich an der GrĂŒndung der evangelikalen Evangelischen Bekenntnisschule beteiligt und ist Mitglied der evangelischen Allianz, dem Dachverband der Evangelikalen.

Da sie in ihrer Eigenschaft als Mitglied der Bildungsdeputation in nahezu jeder Sitzung mit BeschlĂŒssen zu evangelischen KindergĂ€rten und auch den christlichen Privatschulen befasst ist, stimmt sie folglich auch dann immer in „eigener Sache“ ab. Um dieser „Befangenheit“ zu entgehen mĂŒsste sie bei jeder Debatte, bei der auch evangelische Einrichtungen betroffen sind, den Sitzungssaal verlassen. In den Protokollen der Bildungsdeputation ist dazu kein Vermerk zu finden.

In der MatthĂ€us Gemeinde absolviert Frau Bergmann derzeit eine Ausbildung zur „PrĂ€dikantin“. Auf der Webseite der Kirche findet sich dazu folgender Vermerk: „Die Ausbildung zum PrĂ€dikant/in dauert zwei Jahre und fußt auf dem Auftrag an alle Nachfolger Christi, das Wort Gottes zu verkĂŒnden und Gemeindemitglieder mit der Gabe der WortverkĂŒndigung gezielt zu fördern.“

Frau Bergmann ist jedoch Ă€ußerst aktiv, wenn es darum geht ihr BĂŒrgerschaftsmandat zu nutzen, um die finanziellen Zuwendungen aus den staatlichen Kassen insbesondere an evangelikale Einrichtungen zu fördern.

Dazu zwei Beispiele:

Seit 2018 mĂŒht sich die evangelikale „Sozialwerk Oldenburg“ einer evangelikalen Pfingstkirche um die Errichtung eines Missionszentrums in Bremen Blumenthal. Neben Kindergarten und Altenwohnungen sollten auch Sozialberatung, Mittagstisch und Freizeitangebote aufgebaut werden. NatĂŒrlich alles aus Haushaltsmitteln der Stadt Bremen finanziert. Das evangelikale Magazin „idea“, das „Zentralorgan“ der deutschen Evangelikalen, der Evangelischen Allianz berichtete voll des Lobes ĂŒber die Zustimmung des Beirates zum einem der grĂ¶ĂŸten evangelikalen Projekte in Deutschland. Doch es kam anders, es formierte sich Widerstand. Zudem stellte sich heraus, dass baurechtliche Bedenken gegen den Standort sprachen. Anfang 2020 kam es zu endgĂŒltigen Absage an die Evangelikalen.

Im evangelikalen Magazin, idea, berichtete der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des evangelikalen Sozialwerkes, Sinnhuber , ĂŒber die Absicht, gegen die Absage der Stadt zu klagen. Allerdings dĂŒrfte es extrem schwierig sein, eine Klage so begrĂŒnden, da es offensichtlich keinerlei schriftliche Zusage seitens beteiligter Behörden gab.

Am 5. Juni 2020 brachte dann Frau Bergmann eine schriftliche Anfrage in die BĂŒrgerschaft ein. Unter der Überschrift „Licht ins Dunkel bringen“ stellte sie 22 Fragen an den Senat, um Auskunft ĂŒber die GrĂŒnde der Absage zu erhalten. Dabei ist auffĂ€llig, dass diese Fragen sich schwerpunktmĂ€ĂŸig an der Fragen, wer wann mit wem Ansprachen getroffen haben soll abarbeitete. FĂŒr Juristen eine eindeutige Spurensuche nach Ansatzpunkten fĂŒr eine KlagebegrĂŒndung. Die Anfrage der FDP wurde vom Senat im Juli 2020 beantwortet. Die Fragestellungen von Frau Bergmann setzten prĂ€zise Kenntnisses ĂŒber den Vorgang voraus, den sie nur aus GesprĂ€chen mit dem evangelikalen TrĂ€ger erlangen konnte.

Kurze Zeit SpĂ€ter berichtete der Weser Kurier vom 26. September ĂŒber die Klage des Sozialwerks, die es beim Verwaltungsgericht eingereicht habe, um den Bau der Missionseinrichtung auf dem Rechtsweg zu erzwingen. Ob die Anfrage von Frau Bergmann den Stoff fĂŒr den Sieg der Evangelikalen vor einem bremischen Gericht liefern konnte, wird erst in einigen Jahren zu erfahren sein. Wahrscheinlicher ist, dass die Evangelikalen einen Vergleich anstreben, um zumindest einen Teil ihres Projekts zu realisieren.

Herbst 2019, ein weiteres Beispiel evangelikaler Lobbyarbeit.

Mit großem Artikel im Weser Kurier vom 21. Oktober 2019 verkĂŒndete Frau Bergmann die Position der FDP: „Bremer FDP fordert mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr Privatschulen“ zu der sie auch eine Anfrage in die BĂŒrgerschaft eingebracht habe.

Birgit Bergmann nennt diese nicht staatlichen Bildungseinrichtungen „freie Schulen“. Hört sich besser an, als Privatschulen. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich dieser Vorschlag jedoch als Lobbykampagne fĂŒr kirchliche Bekenntnisschulen.

Von den ca. 6300 SchĂŒler*innen, die in Bremen eine sogenannte „Freie Schule“ besuchen entfallen 1800 auf katholischen, etwa 1800 auf evangelikale Schulen in denen gegen die „Ehe fĂŒr Alle“ gepredigt und praktizierte HomosexualitĂ€t als SĂŒnde betrachtet wird. 900 SchĂŒler*innen besuchen evangelische Schulen. Werden die ca. 900 PlĂ€tze der Walldorfschulen, die ja mit der „Christengemeinschaft“ sogar eine „eigene Walldorfkirche“ im Hintergrund haben, noch diesem christlichen Block zugerechnet, handelt es sich bei den von Frau Bergmann beschriebenen „freien Schulen“ zu 85 Prozent um christliche Überzeugungsschulen, die mit ihren Zum Teil erheblichem Schulgeld (450 Euro monatlich am Nebelthau Gymnasium in Lesum) fĂŒr die meisten Eltern nicht finanzierbar sind.

Da ist der Vorstoß von Frau Bergmann in doppelter Hinsicht bedenklich, einerseits sollen teure Privatschulen, die einkommensstarken Eltern vorbehalten sind, zusĂ€tzlich mit Steuergeldern versorgt werden und andererseits handelt es sich ĂŒberwiegend um religiöse Schulen. Das die evangelikale Christin Bergmann darin ein persönliches Anliegen sieht mag nicht verwundern. SpĂ€testens seit dem angezeigten Fall der Diskriminierung eines „Trans Mannes“ durch Lehrpersonal an der „Freien Evangelische Bekenntnisschule“ wissen wir. „Frei“ geht es an diesen Missionsschulen oftmals nicht zu.

Lobbyarbeit in Reinkultur

Zahlreiche parlamentarischen Initiativen von Frau Bergmann sind also vornehmlich Lobbyarbeit zur Ausweitung der Angebote christlicher Missionierungseinrichtungen.

Problematisch sind nicht nur die soziale Spaltung, die von diesen Schulen mit Schulgeld ausgeht, sondern auch die Inhalte, die vor allem ĂŒber die katholischen und evangelikalen Schulen, KindergĂ€rten und sozialeinrichtungen transportiert werden. Sie machen deutliche moralische Unterscheidungen zwischen GlĂ€ubigen und UnglĂ€ubigen, pflegen ein rĂŒckstĂ€ndiges Frauenbild und betrachten HomosexualitĂ€t als SĂŒnde.




Quelle: Endofroad.blackblogs.org