Dezember 12, 2020
Von InfoRiot
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Hoyerswerda – Das NS-Kreuzfahrtschiff Wilhelm-Gustloff wurde 1945 mit tausenden evakuierten Deutschen an Bord in der Ostsee versenkt. Nun soll ein Info-Zentrum am Geierswalder See daran erinnern. Die VertriebenenverbĂ€nde freutÂŽs.

Drei alte Con­tain­er – in ihnen soll am Geier­swalder See ab dem kom­menden FrĂŒh­jahr die Geschichte von Verzwei­flung, von Hoff­nung, Trauer, Tod und Über­leben erzĂ€hlt wer­den. Dort find­en Besuch­er dann die Geschichte des ein­sti­gen NS-Kreuz­fahrtschiffs „Wil­helm Gust­loff“, seines einzi­gen verbliebe­nen Bei­bootes und der Katas­tro­phe in der Ost­see anno 1945.
Hoy­er­swer­da, Indus­triegelĂ€nde: Drei sil­ber glĂ€nzende Con­tain­er warten auf ihre nĂ€ch­ste Reise. Ein­er der Schiff­s­con­tain­er ste­ht hochkant. Sie sind mit Fen­ster verse­hen wor­den – RĂŒck­bau­ma­te­r­i­al aus einem Hoy­er­swer­daer Plat­ten­bau. Die Elek­trik ist neu, der Fuß­bo­den ist neu, die DĂ€m­mung auch. Dirk Rol­ka steigt aus dem Auto und holt einen Aktenord­ner her­vor. Der Vor­stand und ein­stige Vor­sitzende des Vere­ins MSY Seabreeze blĂ€t­tert in den Unter­la­gen. Zum Vorschein kommt eine Zeich­nung. „So soll das spĂ€ter ein­mal ausse­hen“, sagt Rolka.

Besucher aus ganz Europa kommen zum Geierswalder See

Die Con­tain­er sollen ein „L“ bilden. Dabei ste­ht der mit­tlere Con­tain­er hochkant. Es soll zwei Dachter­rassen geben, die GĂ€ste zum Sitzen und fĂŒr einen Blick auf den Geier­swalder See nutzen können.
In den Con­tain­ern geht es um See-Geschichte, um die Tor­pedierung des einst grĂ¶ĂŸten Kreuz­fahrtschiffs der Welt und die Flucht von Mil­lio­nen Ost­preußen im Jahr 1945. Mit­ten­drin ist die „Seabreeze“, das Ten­der­boot mit der großen Geschichte, das der Vere­in vor eini­gen Jahren gekauft hat – das let­zte verbliebene Ten­der­boot der „Wil­helm Gust­loff“. Es ist Aus­gangspunkt all dieser AktivitĂ€ten.
Eigentlich sollte das Schiff vor Jahren eher Event‑, Par­ty- und Segelschulschiff wer­den. „Ich hat­te mich erst gegen das Geschicht­s­the­ma ges­per­rt“, sagt Dirk Rol­ka heute. Die BefĂŒrch­tung: Das let­zte Überbleib­sel der „Gust­loff“ kön­nte zu einem neg­a­tiv­en Wall­fahrt­sort wer­den. Etwas ganz anderes ist passiert: „Es kamen Men­schen aus ganz Deutsch­land und halb Europa. Manche haben dort nach Jahrzehn­ten Abschied genom­men“, so Rol­ka. Es sind Ange­hörige, die auf der „Gust­loff“ einen Teil ihrer Fam­i­lie ver­loren haben. „Da begreif­st du dann plöt­zlich, was wirk­lich das The­ma bei diesem Schiff ist“, sagt der 51-JĂ€hrige.

Viele Partner machen Container-Lösung möglich

Über die Crowd­fund­ing-Aktion „99 Funken“ der Ost­sĂ€ch­sis­chen Sparkasse Dres­den hat­te der Vere­in Geld fĂŒr zwei der drei Con­tain­er bekom­men. Eine Zusam­me­nar­beit mit der Hoy­er­swer­daer Gesellschaft fĂŒr Aus- und Fort­bil­dung (GAF) hat schließlich den Aus­bau der Con­tain­er möglich gemacht. Immer mit­ten­drin: Vere­ins­mit­glied Gabriele Wulff, die wochen­lang auf der Baustelle ger­ack­ert hat. „Sie hat maßge­blich dafĂŒr gesorgt, dass es hier vor­ange­gan­gen ist“, so Rol­ka. Unter­stĂŒtzt hat eben­so die am Stan­dort ansĂ€s­sige Per­plex-Gruppe, die dem Vere­in unter anderem eine Treppe zur Ver­fĂŒÂ­gung stellt.

Knappenrode bekommt „Transferraum Heimat“

Das kom­mende Info-Zen­trum am Geier­swalder See soll Touris­ten und Ein­heimis­che zudem auf einen anderen Ort in der Region aufmerk­sam machen, an dem es ab Herb­st 2021 um das Schick­sal von Ver­triebe­nen gehen soll: dem „Trans­fer­raum Heimat“ auf dem GelĂ€nde der Energiefab­rik Knap­pen­rode. Dort entste­ht ein Bil­dungszen­trum, ini­ti­iert vom sĂ€ch­sis­chen Lan­desver­band der Ver­triebe­nen und SpÀ­taussiedler. HerzstĂŒck wird ein Eisen­bah­n­wag­gon, der GĂ€ste visuell mit auf den Weg nimmt und Hin­ter­grĂŒnde, Geschichte und Geschicht­en von Betrof­fe­nen erzĂ€hlt. „Unser Ziel ist eine Teil­eröff­nung im Herb­st 2021“, sagt Dr. Jens Bau­mann. Er ist Sach­sens Beauf­tragter fĂŒr Ver­triebene und SpÀ­taussiedler. Auch er hĂ€lt die VerknĂŒp­fung zwis­chen den Pro­jek­ten des Seabreeze-Vere­ins und des Lan­desver­bands fĂŒr sehr sinnvoll.

Infozentrum soll bis zum Seenland-Saisonstart 2021 stehen

Noch sind die Con­tain­er fĂŒr die Ausstel­lung rund um die „Gust­loff“ und ihr let­ztes Bei­boot nicht fer­tig. Etlich­es werde auch vor Ort noch fer­tiggestellt wer­den mĂŒssen, sagen Gabriele Wulff und Dirk Rol­ka. Doch spĂ€testens zum Seen­land-Saison­start 2021 soll der Geier­swalder See sein neues Info-Zen­trum haben. Die Con­tain­er sollen so verklei­det wer­den, dass der Gast den Ein­druck bekommt, er ste­he vor einem Schiffs­bug. Das Ziel des Vere­ins: GĂ€ste sollen sowohl Geschichte erleben als auch ihre Freizeit genießen können.






Quelle: Inforiot.de