Oktober 11, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Nach einer lĂ€ngeren Pause geht die Lyrik-Ecke in die 42. Woche mit einem neuen Gedichtband: »ich rede nicht von auferstehung« â€” gedichte aus einem weiteren jahr in der inneren irritation – sind sie immer noch die standhafte weigerung, im zynismus zu versinken. sie sind ein blick auf die welt und wie eine irrlichternde hoffnung fĂŒr alles offengebliebene. die gedichte sind ein spiel mit den dingen – wie das spiel des kindes – unschuld, vergessen und neubeginnen. vielleicht sogar ein ja-sagen. weltflĂŒchtig// sinnlich// unvernĂŒnftig

***

ich als option

meine autobiografie
frisch gedruckt
als korrekturband liegt
vor mir auf meinen knien

und endlich habe ich
mein leben in der hand

mit sorgfalt nun bearbeite
ich meinen lebenslauf
besonders
die geschwÀrzten stellen
nehm zÀrtlich ich mir
in den blick

wie schön sich alles schreibt
und verberge es
vor deinem blick

***

ein lebelang wart ich auf dich

ein letztes mal durch gras noch laufen
dem sperling eine krume werfen
den feind noch einmal noch tief verachten

in deinen hÀnden weinen
einmal noch
an deinen lippen hÀngen

mich nach der sonne dreh’n im tanz

drei bettlerinnen lilien schenken
zwei kindern brausepulver kaufen
ein glas auf die gesundheit leeren

dann kannst du mich haben

***

als ich tot war

als ich tot war und am regal der
ungestillten sehnsĂŒchte
meine taschen leerte
sah ich die fotos

alte ehepaare auf seufzerbrĂŒcken
trÀumen sie den traum
aus alten liebesfilmen
stehen nebeneinander
so fremd
der arm um ihre schulter
als hĂ€tte sie fĂŒr auf den moment
ein leben ausgehalten
und er
trug kurz ein anderes gesicht

und weinte
als ich die worte wiederfand
auf die ich eine kindheit lang schon warte
und dass ich immer noch ein du dir bin

ein foto trage ich jetzt stets bei mir
in parks zeig ich es manchmal alten frauen
und streichle ihre trÀnen

***

Wenn dir die Werke gefallen, kannst du im Buch-Shop den neuen Gedichtband erwerben. Die Einnahmen fĂŒr das Buch werden als Spenden weitergereicht.

black lavendel – christliche anarchistin – schreibt, um nicht zu verzweifeln oder zynisch zu werden – wohnt in ihrem fernweh nach einer anderen welt, in der wir weder uns noch andere ausbeuten – antinational – vegan – queer – verliebt. motto: lyrik ist die fortsetzung der verzweiflung mit anderen mitteln
Black Lavender



Quelle: Schwarzerpfeil.de