September 13, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Seit Anfang August liegt Boris mit schweren Brandverletzungen im Krankenhaus, noch immer ist unklar, ob er ĂŒberleben wird. In Frankreich und anderswo gab es seit seiner Inhaftierung und insbesondere seit dem Brand in seiner Zelle einige Angriffe, die mit den Gedanken bei Boris seinen Kampf fortfĂŒhren.

16. Juni

„Wir haben in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni [in Toulouse] drei Fahrzeuge mithilfe von AnzĂŒndern, die wir unter die Vorderreifen oder auf den Hinterreifen unter die Tanköffnung gelegt haben, angezĂŒndet, ein E-Auto von Tesla, einen Lieferwagen von Socorep und einen Lieferwagen von Scolopec.

– Den Tesla, weil das, was ihn zusammensetzt,  aus den schlimmsten Extraktionsbedingungen von seltenen Erden, von Kunststoffen, von Metall stammt und weil er mit Strom angetrieben wird, der auch mithilfe der Extraktion von Uran produziert wird. Dieser Extraktivismus hĂ€lt zahlreiche Orten und Personen unter westliche neokoloniale AbhĂ€ngigkeit, wĂ€hrend er gleichzeitig die Umwelt zerstört
 Das ist der Grund, aus dem uns der mit grĂŒnem Lack ĂŒberstrichene Kapitalismus anekelt, weil er wie der Rest von der Ausbeutung der Welt zu wirtschaftlichen Zwecken abhĂ€ngt und weil seine Produktion ĂŒberhaupt nicht recyclebar ist.

– Den Socorep-Lieferwagen, weil Socorep ein Großbau-Unternehmen ist, das zur Ausbreitung der StĂ€dte und der Zivilisation beitrĂ€gt, auch wenn 40 000 Wohnungen in Toulouse leerstehen (um nur von Wohnungen zu sprechen) fĂŒr so viele Personen auf der Straße und fĂŒr abgeschobene Menschen in ihr Herkunftsland.

– Den Scolopec-Lieferwagen, weil dieses Unternehmen Telekommunikationsnetzwerke errichtet, insbesondere 5G, was zur AbhĂ€ngigkeit von der Technologie und der Gesellschaft des Spektakels, die so viele Menschen einlullt, beitrĂ€gt. Außerdem wird diese Technologie immer mehr AlltagsgegenstĂ€nde miteinander verbinden und eine grĂ¶ĂŸere Überwachung der Bevölkerung und der Ströme ermöglichen, wenn sie aufrecht erhalten wird.

Wir wollen dieser wuchernden Zivilisation ein Ende setzen.
Auf dass diese Flammen sich ausbreiten mögen und unsere Anarchie dazu!

SolidaritĂ€t mit B., der fĂŒr die Brandstiftungen an Funkmasten angeklagt ist.“

15. Juli

„In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli haben wir einen Transporter mit HebebĂŒhne von Scopelec im Quartier des Eaux Claires in Grenoble angezĂŒndet.

Ein kleiner Schlag gegen dieses Unternehmen, das Teil daran hat, durch die Installation von Telekommunikationsnetzen (Glasfaser, 5G, etc.) die technologische Kontrolle auszuweiten. Die Etablierung eines Gesundheitspasses ist ein Stein mehr in der Errichtung „intelligenter StĂ€dte“, von Überwachung und Tracking.

SolidaritĂ€t mit Boris, der fĂŒr die Brandstiftung an zwei Funkmasten eingesperrt ist!

P.S.: Der Regen löscht das Feuer nicht.“

21. August

„In der Nacht vom 21. auf den 22. August haben wir in Paris einen Transporter von Eiffage [Knastbauer] in Brand gesetzt. Das GefĂ€ngnis zerstört Leben, drinnen und auch nach der Entlassung. Es schwebt auch wie eine Drohung ĂŒber den Personen außerhalb. Eine Drohung gegen jene, die sich gegen diese Ordnung der Dinge auflehnen. Es ist das letzte Bollwerk dieser Welt gegen jene, die aus Notwendigkeit oder aus einer Entscheidung heraus diese bekĂ€mpfen.

Wir haben leider nicht die Kraft um das zu tun, was getan werden mĂŒsste, nĂ€mlich diese Betonmonster bis zum letzten in TrĂŒmmern zu hinterlassen. Wir weigern uns trotzdem aufzugeben, weil es durch den Kampf in der unterlegenen Position selbst ist, dass wir ein bisschen erblicken können, was wir wollen: Freiheit und das Ende der Ausbeutung.

Wir greifen also unter anderen die Unternehmen an, die sich durch das Bauen von GefÀngnissen oder durch ihre Verwaltung bereichern. Wie Eiffage!

SolidaritĂ€t mit Boris“

18. August

„In den Höhen der Peripherie von Nancy hat an diesem 18. August eine 5G-Antenne gebrannt. Weder Atomkraft von 5G! wurde auf eine Wand der Einfassung getaggt, die Menschen vom Zutritt abhalten sollte.

Eine Antwort unter anderen gegen die HartnĂ€ckigkeit der Regierung, mit Gewalt ihr Projekt der Digitalisierung der Welt durchzusetzen. Dieses Jahr wird auch entscheidend fĂŒr das AtommĂŒll-Endlagerprojekt in Bure sein, das sich auch trotz des lokalen und weiter entfernten Widerstands, der seit Jahren aufrechterhalten wird, auferlegt. Die Atomkraft und 5G sind die Pfeiler einer tödlichen Industrie.

SolidaritÀt mit allen in Folge dieser KÀmpfe angeklagten Personen!

Erleuchtete Jogger und Joggerinnen“

21. August

„Gestern abend wollten wir Boris, anarchistischer GefĂ€hrte, der wegen eines Feuer in seiner Zelle im GefĂ€ngnis von Nancy-MaxĂ©ville im Koma liegt, eine solidarische Botschaft schicken.

In Montreuil schreitet die Gentrifizierung mit Riesenschritten voran, mit neuen WohngebĂ€uden, die dank des Ausbaus der U-Bahn fĂŒr eine betuchtere Bevölkerung bestimmt sind. Wir sind keine Bewunderer der Elendsbehausungen der Armen und der Viertel, die vom Schwarzhandel zermĂŒrbt sind, eine einfache Form des Kapitalismus, wenn auch illegal. Doch die StrĂ€ĂŸchenlabyrinthe zwischen den kleinen selbstgebauten HĂ€usern haben ihren Charme und erlauben andere Beziehungen zwischen den Menschen, die dort leben, weniger vom Geld diktiert. Eine andere Beziehung zum Staat auch. Die kurvigen StrĂ€ĂŸchen machen die VideoĂŒberwachung, die auch in Montreuil zunimmt (wie ĂŒberall in Paris), weniger effektiv.

In diesem Rahmen ist die Werbung in wichtiger Vektor, um die kapitalistischen und autoritĂ€ren Werte dieser Gesellschaft durchzusetzen: Eigentum, Konsum, Arbeit, „Erfolg“, Konformismus. Diese Ideen haben die Vorstellungskraft von fast allen kolonisiert, einschließlich die der sozialen Schichten der Ärmsten und Ausgeschlossensten. Dieser Konformismus des Denkens verhindert sich etwas anderes vorzustellen, ein anderes Leben. Wie soll man mit jenen ĂŒber Revolution sprechen, die nur von Reichtum, Familie, flĂŒchtigen Gadgets trĂ€umen, die das gelebte Leben ausfĂŒllen?

Deshalb dachten wir, dass ein Kastenwagen von JC Decaux [Werbeunternehmen] ein gutes Ziel wĂ€re. Der, der in der Rue Ernest Savart geparkt war, wurde also den Flammen ĂŒbergeben. Das gleiche Schicksal ereilte etwas weiter unten in der Rue Victor Beausse ein Kleintransporter von Enedis [Stromunternehmen] (nicht nötig, die in diesem am meisten nuklearisierten Land der Welt vorzustellen).

Nur Mut Boris!
Erhobenen Hauptes, mit feurigem Herzen!
Es lebe die Anarchie!“

30. August

„Die kapitalistische Wirtschaft braucht es der Gesellschaft Sicherheit zu verkaufen, einer elendigen, schlafenden Gesellschaft. Die kapitalistische Maschine, ihre uniformierten Schergen und die Scheiße, die sie umgibt, existiert, um Menschen dazu zu bringen Befehlen zu gehorchen und dann zu scheißen und Plastikzeug wie Handys zu kaufen. NatĂŒrlich bringt eine Wirtschaftskrise keine Repression, aber Immigranten, Viren, Feuer und Dissidenten schon. Regierungen werden alles nutzen um die Überwachung der Massen zu vergrĂ¶ĂŸern, Angst zu schĂŒren, Langeweile ĂŒber Bildschirme, folge einfach den Apps und du bist sicher.

Einige gehorchen Befehlen natĂŒrlich nicht, sondern positionieren sich bewusst auf der anderen Seite und leisten Widerstand gegen die leere kapitalistische RealitĂ€t. Einige fĂŒhren den Kampf in den Zellen der Tyrannei fort. FĂŒr sich und fĂŒr uns. Lasst uns die Feuer von den WĂ€ldern in die StĂ€dte tragen. Lasst die Aristokraten, die SicherheitskrĂ€fte und ihre Herren jeden Preis fĂŒr die Katastrophen zahlen. Am Montag, den 30. August, haben wir ein Fahrzeug des ELTA-Kuriers [griechische Post] in Vyronas in Gmittou [in Griechenland] abgefackelt.

EINE KLEINE SOLIDARITÄTSBOTSCHAFT UND UNTERSTÜTZUNG FÜR DIMITRIS HATZIVASSILIADIS

FÜR DEN ANARCHISTEN BORIS DER NACH EINEM BRAND IN SEINER ZELLE IM KOMA LIEGT

Anarchisten“

4. September

„WĂ€hrend ich im unteren Montreuil in der NĂ€he von der Nummer 4 der Rue DolorĂšs spazieren ging, konnte ich feststellen, dass die Fassade von Egis umdekoriert worden war. ZusĂ€tzlich zu zahlreichen Tags kann man auf den oberen Etagen Farbflecken erkennen.

„SolidaritĂ€t mit den Eingesperrten / Stirb Egis Stirb Knast / Antennen, GitterstĂ€be, Nieder mit dieser GefĂ€ngniswelt / Egis baut GefĂ€ngnisse / SolidaritĂ€t / Egis stirb / Wir wollen nicht in euren KnĂ€sten vermodern / Feuer den KnĂ€sten / Aufstand, er lebe hoch! / 3G, 4G, 5G, Antennen brennt / Stirb Knast / SolidaritĂ€t mit Boris / Flucht / Es lebe das Feuer / Konstrukteur der GefĂ€ngnisstadt / Egis Kollaborateure“

Egis ist tatsĂ€chlich als Ingenieursfirma bekannt, die insbesondere Vorstudien zur Errichtung eines neuen Knastes im DĂ©partement Seine-Saint-Denis, neben dem Knast von Villepinte, erstellt; Boris ist ein anarchistischer GefĂ€hrte, der heute aufgrund eines Brandes seiner Zelle im Koma liegt. Er ist fĂŒr die Brandstiftung an zwei Funkmasten wĂ€hrend des ersten Lockdowns inhaftiert.

Hier haben wir mal eine bunte Fassadenneugestaltung, die eine schöne Abwechslung zum Grau der GefĂ€ngnisstadt ist!“

5. September

„In SolidaritĂ€t mit Boris, der seit einem Feuer in seiner Zelle seit inzwischen einem Monat im Koma liegt, wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag ein Fahrzeug von Orange [frz. Mobilfunkanbieter] vor den BĂŒrorĂ€umen von Orange im Zentrum von Grenoble  angezĂŒndet.

Warum Orange? Einfach weil wir den Bericht ĂŒber den Prozess von Boris gelesen haben und wir gesehen haben, dass Orange ĂŒber seine AnwĂ€ltin versucht hat unseren GefĂ€hrten so weit wie möglich in die Scheiße zu reiten. NatĂŒrlich sind die Richter, StaatsanwĂ€lte und Schließer ebenso verantwortlich fĂŒr seine Lage, aber wir hatten Lust eine Kampagne gegen Orange zu starten, da Orange ein bisschen ĂŒberall in unserer Greifweite liegt: zerstochene Reifen, eingeworfene Schaufenster der Stores, Tags, verbrannte Karren, verbrannte Masten, etc., fĂŒr jeden Geschmack ist etwas dabei, derjenigen, die Lust haben an dieser kleinen Kampagne teilzuhaben, um zu zeigen, dass wir Boris nicht vergessen und dass wir an ihn denken, erhobenen Hauptes und mit feurigem Herzen!

Wir nutzen dieses kleine CommuniquĂ© um an der Debatte um anarchistische SolidaritĂ€t teilzunehmen. FĂŒr uns sollte sich diese SolidaritĂ€t nicht auf die Repression beschrĂ€nken, und in all diesen Situationen scheint es uns wichtig, dass die Anarchisten sich gegenseitig unterstĂŒtzen um zu zeigen, dass AffinitĂ€t nicht nur ein sinnentleertes Wort ist. Insbesondere seit dem Beginn der Corona-Krise, die zahlreiche Anarchisten extrem isoliert hat. Wir wollten auch sagen, dass SolidaritĂ€t nicht nur Angriff ist, dass es jede Menge Arten und Weisen gibt, seine SolidaritĂ€t mit den Anarchisten um uns herum auszudrĂŒcken.

Wir nutzen es auch um lauthals das stachlige Problem auszudrĂŒcken, dass in diesen letzten Jahren unsere Angriffsziele auch diejenigen der Faschos/Verschwörungstheoretiker sind. Von Masten (erinnern wir uns, dass von quasi allen Prozessen wegen FunkmastbrĂ€nden in Frankreich Boris der einzige gewesen ist, der keine Verschwörungstheorien ausgedrĂŒckt hat) bis hin zu Impfzentren. Was sagt das ĂŒber den aktuellen Anarchismus? Und wie das angehen, sodass man die anarchistischen Akte nicht mit Akten von Verschwörungstheoretikern verwechseln kann und warum ist das wichtig? Dass die Linken seit Wochen Hand in Hand mit Faschos/Verschwörungstheoretikern auf die Straße gehen, sollte uns eine Warnung vor der Gefahr der Idee eines gemeinsamen Kampfes sein, die dazu fĂŒhrt, dass es uns egal ist, mit wem wir kĂ€mpfen, solange man die gleiche Praxis und das gleiche Ziel hat. Man vergisst, dass die Menschen, deren Handlungen man bejubelt, oder mit denen man demonstriert, Positionen haben, die hinsichtlich quasi allem mit den unseren in Widerspruch stehen, und dass wir in anderen Kontexten ihr Angriffsziel sein werden.

Viel Kraft und Mut fĂŒr Boris und seine Lieben!

Einige solidarische Widerborste“

6. September

„Nicht einfach, eine schmutzige DomĂ€ne zu finden, in der Vinci nicht mitmischt. Von Katar bis Chile, von Frankreich bis Russland, dieses IndustrieprunkstĂŒck exportiert seine Infrastrukturen in die ganze Welt. Zerstörung des Lebendigen, Ausbeutung und Einsperrung von Menschen sind natĂŒrlich auf dem Programm. Deshalb wird das Nutzfahrzeug von Vinci, das wir vor einigen Tagen in Ivry angezĂŒndet haben, Vinci nicht davon abhalten weiter seine KnĂ€ste zu bauen.

Wir hoffen nur, dass, außer dass uns dieser Moment gut getan hat, es dazu beitrĂ€gt die WĂŒtenden von ĂŒberall daran zu erinnern, dass sie nicht alleine sind und dass die Flamme der Revolte nicht erloschen ist. Was das betrifft, haben wir uns nicht davon abhalten können, wĂ€hrend wir unser Freudenfeuer entfachten, an unseren Freund Boris zu denken, der immer noch im Krankenhaus liegt.

Feuer den KnĂ€sten und jenen, die sie bauen!“

Quelle: Sans Nom, Dark Nights




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org