Mai 26, 2021
Von Indymedia
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Brandanschlag auf Stromversorgung von Teslawerk in Berlin-Brandenburg

Gegen den Fortschritt der Zerstörung – setzen wir die Sabotage
Klimastreik fĂŒr eine andere Welt!

“(
) wir erblicken und hören eine Welt, deren soziales Leben krank ist, zersplittert in Millionen von Personen, die sich fremd sind, krampfhaft um das individuelle Überleben bemĂŒht, aber vereint unter der UnterdrĂŒckung eines Systems, welches zu allem bereit ist um seinen Durst nach Gewinn zu stillen, obwohl klar ist, dass dieser Weg der Existenz des Planeten Erde zuwiderlĂ€uft. (
) Die Verirrung des Systems und seine dumme Verteidigung des ‚Fortschritts‘ und der ‚ModernitĂ€t‘ zerschellt an einer kriminellen RealitĂ€t: die Femizide. Der Mord von Frauen hat weder eine Farbe noch eine NationalitĂ€t, er ist weltweit. (
) Und es scheint, als ob die ‚Zivilisation‘ zu uns Originalvölkern sagen wĂŒrde: „der Beweis deiner Unterentwicklung liegt in der niedrigen Rate an Femiziden. Macht eure Megaprojekte, eure ZĂŒge, eure thermoelektrischen Anlagen, eure Minen, eure StaudĂ€mme, eure Shoppingcenter, eure HaushaltsgerĂ€telĂ€den – einschließlich TV-Kanal – und lernt endlich zu konsumieren. Seid wie wir. Um die Schulden dieser progressiven Hilfe zu begleichen, genĂŒgen eure LĂ€nder, euer GewĂ€sser, eure Kulturen und eure WĂŒrde nicht. Den Rest mĂŒsst ihr mit dem Leben der Frauen begleichen.“ (
) Wir sehen und hören die zu Tod verwundete Natur, die in ihrer Agonie die Menschheit davor warnt, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Jede ‚Naturkatastrophe‘ kĂŒndigt die nĂ€chste an und lĂ€sst geflissentlich vergessen, dass sie durch die Handlung eines menschlichen Systems verursacht wird. (
) Ja, die Straßen mĂŒssen zurĂŒckerobert werden, aber um zu kĂ€mpfen. Denn wie wir bereits frĂŒher sagten, das Leben, der Kampf um das Leben ist keine individuelle Angelegenheit, sondern eine kollektive. Jetzt zeigt sich, dass es auch keine Angelegenheit von NationalitĂ€ten ist, sondern die ganze Welt umfasst.”

Aus einem Grußwort zapatistischer Indigener in Lateinamerika an uns im globalen Norden

Wir haben in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 2021 die Stromversorgung der Baustelle der Tesla-Giga-Fabrik in GrĂŒnheide durch Feuer erfolgreich unterbrochen. Dazu haben wir in 250 Meter Entfernung zum Teslawerk in unmittelbarer NĂ€he zur A10 auf Höhe der Ausfahrt Freienbrink an die Stromeinspeisung ĂŒber sechs Hochspannungskabel (110.000 Volt) innerhalb eines Bauzaunkorridors Feuer gelegt. Da eine Unterbrechung der exklusiv fĂŒr die Fabrik provisorisch oberirdisch verlegten KabelstrĂ€nge in seiner Wirkung nicht isoliert vom regionalen Stromnetz durchfĂŒhrbar ist, konnten wir StromausfĂ€lle auch in der Umgebung nicht vollstĂ€ndig ausschließen. Es war unsere Absicht, die Baustelle von Tesla zu treffen, die Arbeiten an der Baustelle fĂŒr einen Tag zu erschweren, den Bau der Fertigungsanlagen zu unterbrechen.
Da es der Bevölkerung vor Ort wegen der ungleichen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse (Kapital, Politik und Behörden versus Interessen von Anwohner_innen, KlimaschĂŒtzer_innen und Ökolog_innen) nicht so einfach gelingen kann, den Bau erfolgreich zu stoppen, steuern wir hiermit unsere Sabotage solidarisch bei. Sollte unsere Aktion erfolgreich gewesen sein, wird der reichste Mann der Welt die Unterbrechung der Bauarbeiten zwar finanziell kompensieren – der politische Schaden aber ist ihm gewiss.

Warum sabotieren wir Tesla?

In GrĂŒnheide bei Berlin wird eine Autofabrik gebaut. Tesla baut dort eine „Giga-Fabrik“. So großspurig der Name und das Projekt angelegt sind, so großspurig auch der Akteur: Elon Musk. Seine patriarchalen Allmachtsphantasien sollen die Welt retten? DarĂŒber könnten wir lachen, wenn es nicht so ernst wĂ€re: Die Produktion angeblich „sauberer, klimafreundlicher“ akkubetriebener Fahrzeuge ist nur ein neuer Beitrag zur weiteren Zerstörung des Planeten.

Unsere Aktion zeigt die Angreifbarkeit dieses Projekts auf, sie untergrĂ€bt die vermeintliche „AllmĂ€chtigkeit“, mit der Musk Brandenburg heimsucht. Dort setzt er baurechtliche Bedingungen wie ein Feudalherr und ignoriert bspw. alle EinwĂ€nde gegen den drohenden Wassermangel in der Region. Er will seine Fabrik einerseits nah den polnischen Arbeiter_innen, andererseits nah dem vielleicht bald grĂŒn regierten Berlin und den dort ansĂ€ssigen KĂ€ufer_innen strategisch positionieren. Die Politik, die Verwaltung und einzelne Presseorgane, die wegen neuer ArbeitsplĂ€tze und dem erhofften wirtschaftlichen Standortvorteil vor Musk buckeln, werden unsere Aktion scharf verurteilen und uns als Terroristen diffamieren. Das ist eine Verdrehung von Tatsachen – unser Angriff zerstört Sachwerte, sabotiert Arbeitsprozesse und vernichtet Geld, aber nicht Lebensgrundlagen. Wir haben die Gefahr fĂŒr Menschenleben bei der Aktion ausgeschlossen. Wir verstehen die Aktion aber als ein flammendes Statement gegen die LĂŒge vom grĂŒnen Kapitalismus. Wir wehren uns gegen die weiteren Zerstörungen unserer Lebensgrundlagen vor Ort und global und die Ausbeutung von Menschen durch den expansiven technologischen Wahnsinn. Unser Anschlag ist eine Aufforderung, den „Green Deal“ anzugreifen. In UnterstĂŒtzung sozialer KĂ€mpfe weltweit. Aus ökologischen GrĂŒnden. Aus antikolonialen GrĂŒnden. Aus feministischen GrĂŒnden. Aus klassenkĂ€mpferischen GrĂŒnden. Aus letztlich revolutionĂ€ren und herrschaftsfeindlichen GrĂŒnden.

Propagandistische LĂŒgen als Verkaufsstrategie bei gleichzeitiger Gewissensberuhigung
Ökologische Illusion hier, koloniale RealitĂ€t anderswo
Der Green Deal basiert auf Diebstahl, Ausbeutung und Raubbau

Das Gerede vom grĂŒnen Kapitalismus, vom New Green Deal, ist nichts als Propaganda. Der Green Deal bedeutet, den Klimaschutz als grĂŒne Fortsetzung des Neoliberalismus zu etablieren. Auch er macht die Reichen reicher auf Kosten der anderen. Durch individuelle ElektromobilitĂ€t wird die ökologische VerwĂŒstung nicht aufgehalten, sie wird fortgesetzt und ausgeweitet. Wir erleben eine technologische Offensive, die außerdem den wirtschaftlichen Kolonialismus des imperialen Zeitalters in Form der ungebrochenen massenhaften Ausbeutung von Millionen Menschen fĂŒr den Luxus im globalen Norden fortsetzt. Neben materiellen GĂŒtern ist es jetzt auch der Luxus sauberer Luft. Dabei wissen wir, dass dies eine Illusion ist: Wir leben alle auf dem selben Planeten, atmen die selbe Luft.

Der Umstieg vom Auto mit Verbrennungsmotor zum smarten Elektroauto wird global keinen einzigen positiven Effekt haben. Dort, wo E-Autos fahren, wird die Luft zwar besser sein, aber zur Erzeugung dieser erneuerbaren Energie und zum Bau der Autos werden nicht-erneuerbare Rohstoffe in riesigen Mengen verbraucht. Zum Bau der neuen Stromtrassen, Stromtankstellen und Elektromotoren wird vor allem Kupfer gebraucht. Es kommt zu großen Teilen aus SĂŒdamerika. Dort arbeiten Menschen hart fĂŒr wenig Geld, um das Metall aus der Erde zu holen. Landschaften werden zerstört. Um die Bergwerke zu betreiben und das Kupfer zu verarbeiten, werden große Mengen Strom verbraucht. Die Kraftwerke werden fast ĂŒberall mit Kohle betrieben, die aus China mit Schiffen ĂŒber den Pazifik transportiert wird. Die Schiffe werden mit dreckigem Schiffsdiesel betrieben. In Chile werden z.B. Menschen in großer Zahl von den Abgasen der Kohlekraftwerke krank, Ökosysteme veröden. Was ist ökologisch an dem Kohleabbau in China oder Australien? Wie ökologisch ist die Verschiffung des Kupfers hinaus in die saubere Welt der Elektroauto-Gutmenschen? Wie klein kann der „ökologische Fingerabdruck“ einer dreckigen Schwerindustrie sein, die saubere Autos produziert?

FĂŒr den Bau der Auto-Akkus wird viel Lithium gebraucht. In den nĂ€chsten 9 Jahren soll der Verbrauch von Lithium um das 20- bis 30-fache steigen. Das bedeutet einen entsprechend höheren Energieverbrauch fĂŒr Förderung, Transport und Verarbeitung. In den Fördergebieten sind Vertreibung und der Landraub an der indigenen Bevölkerung alltĂ€glich, bspw. in Argentinien. Dort wird das Land dem Ökogewissen derjenigen geopfert, die weiter so expansiv leben wollen wie bisher; dort werden Lebensgrundlagen zerstört, damit hier finanziell gut gepolsterte Eltern ihre Kinder mit gutem Ökogewissen weiterhin mit dem SUV in den Kindergarten oder in die Privatschule bringen können.

Auch ohne Kobalt funktioniert zur Zeit kein Akku, der in E-Autos verbaut ist. Aber Kobalt ist selten. Zur Veranschaulichung: WĂŒrde Audi eines seiner Fabrikationsmodelle, den A4, rein elektrisch bauen, mĂŒssten die Autofabrikmanager_innen dafĂŒr den halben Weltmarkt an Kobalt leer kaufen. VW hat errechnet, dass es fĂŒr die E-Auto-Produktion 130.000 Tonnen Kobalt brĂ€uchte. Die Weltproduktion liegt derzeit bei 123.000 Tonnen. Da ist weder Tesla noch sonst ein anderer Autokonzern miteingerechnet. Allein der Akku eines Roadster von Tesla besteht aus 6831 Zellen. Es hat seinen Grund, dass Tesla am kobaltfreien Akku arbeitet: Es könnten gar nicht die vorgesehenen Mengen an E-Autos gebaut werden, weil es nicht genug Rohstoffe gibt. Das heißt aber auch, dass die vorhanden Ressourcen ohne RĂŒcksicht auf Menschen und Ökosysteme aus der Erde gekratzt werden. Da können wir uns sicher sein.

Auch zu dem, was „nachhaltige“ Energiegewinnung genannt wird, werden seltenen Metalle und Erden gebraucht, verbraucht, gefördert, verarbeitet, verschifft etc. Das gilt fĂŒrs Windrad wie das Gezeitenkraftwerk. Alle effizienten Elektromotoren brauchen diese Metalle und Erden. Diese kommen vor allem aus China und Afrika und werden dort unter den gleichen ĂŒblen Bedingungen gefördert und weiterverarbeitet wie in SĂŒdamerika.
Der Ressourcenverbrauch, die sozialen Ausbeutungsbedingungen und der ökologische Schaden sind enorm. Dazu kommt, dass die meisten Akkus nach ein paar Jahren schrottreif sind. So schrottreif, wie der ideologische Fortschrittsgedanke, der an Expansion und Mehrwertschöpfung geknĂŒpft ist – und nicht an soziale und solidarische VerhĂ€ltnisse fĂŒr alle Menschen.

Der Patriarch und sein (Alb-)Traum

Elon Musk, EigentĂŒmer und Patriarch von Tesla, ist fĂŒr uns nur ein Vertreter einer Kaste von MĂ€nnern, die sich einig sind in ihrem aggressiv-kapitalistisch-technologischen Modernisierungswillen und ihrem Weltbeherrschungswahn. Als Egomanen sehen sie sich als Mittelpunkt einer Welt, die sie zu besitzen glauben. Sie zeichnen sich durch extreme Verantwortungslosigkeit und antisoziales Agieren aus.
Aber Elon Musk ist auch der reichste Mensch der Welt und der GrĂŒnder vieler Unternehmen, der Prototyp des Wirtschaftspatriarchen. In seinen Firmen ist alles genauestens vorgeschrieben. Wer nicht effizient arbeitet, fliegt raus. Musk glaubt an den grenzenlosen technisch-kapitalistischen Fortschritt – er glaubt auch, dass wir sehr wahrscheinlich in einer Simulation leben. So einem kann es total egal sein, ĂŒber wie viele Leichen er geht. Nicht umsonst plant er die Besiedlung des Mars. Das ist nur logisch, wenn das Leben auf der Erde fĂŒr die meisten Menschen zur Hölle werden wird, wenn es so weiter lĂ€uft wie bisher. Und er wird‘s wissen.
Es ist hinlĂ€nglich bekannt, dass sein Unternehmen SpaceX der weltweit fĂŒhrende kommerzielle Anbieter von RaketenflĂŒgen ist. Sein SpaceX-Raumschiff Dragon versorgt die Internationale Raumstation ISS, ein weiteres Raumschiff namens Crew-Dragon bringt auch Leute dort hin. Musk arbeitet gerade mit „Erfolg“ daran, den Weltraumflug zur touristischen NormalitĂ€t fĂŒr Reiche zu machen. Das Geld, das er mit den angeblich so sauberen Elektroautos verdient, steckt er in den Ausbau seiner Raketenflotte. So ist jeder Kauf eines Elektro-Autos von Tesla nichts anderes als ein Beitrag zur weiteren ökologischen Zerstörung der BiosphĂ€re – ĂŒber die Ökobilanz von Raketen muss man wohl nichts sagen. Als Symbol seiner Potenz ließ er vor Jahren ein Tesla-Cabrio samt Puppe im Raumfahrer-Outfit am Steuer mit einer seiner Raketen ins All ejakulieren. Seitdem umrundet das Ding sinnentleert die Erde.

Das MĂ€rchen vom ökologisch und politisch korrekten Großinvestor ist eine neoliberale LĂŒge, die jene verbreiten, die sie glauben wollen. Tesla baut vor allem Oberklassemodelle und SUVs; jetzt auch einen PKW, der ĂŒber 300 km/h fahren kann. Der saudische Staatsfonds, unter der Kontrolle des menschenverachtenden Kronprinzen, hĂ€lt Tesla-Anteile im Wert von bis zu 3 Milliarden Dollar. Der Diktator baut und verdient mit im Brandenburgischen.

Musk ist auch ein patriarchaler VisionĂ€r. Er will das menschliche Gehirn mit Maschinen vernetzen und hat dazu 2016 die Firma Neuralink gegrĂŒndet. Der irdische Traum des Elon Musk ist das auf KĂŒnstlicher Intelligenz beruhende automatisierte Fahren. Schon jetzt werden in Tesla-Autos viele Funktionen per App gesteuert. Die neuen Modelle filmen pausenlos das Innere des Autos und auch die Ă€ußere Umgebung. Diese Daten werden direkt in die Tesla-Cloud geschickt. Wer einen Tesla kauft, macht sich zum Teil einer dystopischen Überwachungsapparatur. 2020 erhielt Tesla den Big-Brother-Award, der fĂŒr besonders einschneidende technische Kontrolle vergeben wird. BegrĂŒndung war, dass die Daten permanent ausgewertet und gespeichert werden. Es hieß, Tesla-Autos seien „Überwachungsanlagen auf vier RĂ€dern“.
Diese ressourcen-verschwendende ÜberwachungsmobilitĂ€t soll die Zukunft des Individualverkehrs sichern und diesen in den gesellschaftlichen Ausbeutungs- und Überwachungskontext einbinden. Das war auch bisher bei der Autoindustrie der Fall: Die Fließbandarbeit wurde von Ford am Automobil durchgesetzt, damit kosteneffizienter produziert werden konnte. Vor allem aber, um die Arbeiter_innen durch die Zerteilung der Arbeitsschritte zu isolieren und ihre gewerkschaftliche Organisierung zu untergraben. Man muss nur nachlesen, was Herr Ford dazu geschrieben hat. Genauso ernst nehmen wir, wie Musk, die Welt formen will. Er trĂ€umt ungeniert den patriarchalen Traum der Herrschaft ĂŒber Erde und Weltraum. Mit solchen MĂ€nnern wurden genĂŒgend Erfahrungen in den letzten 5000 Jahren gemacht. Sorgen wir dafĂŒr, dass die Zeit fĂŒr ihn und seinesgleichen abgelaufen ist.

GrĂŒnheide

GrĂŒnheide soll die zweite große Fabrik von Elon Musk werden, die Elektroautos herstellt. Er nennt sie nicht ohne Grund „Giga-factory“. Ihre Dimensionen sind monströs, wie die der anderen Giga-factories. Die erste baut Akkus in Nevada (USA). Damit sie gebaut werden konnte, wurden auf Verlangen Musks Gesetze geĂ€ndert und 1,3 Milliarden Steuern erlassen. Die Giga-factory 2 baut Photovoltaikanlagen. In Giga-factory 3, Shanghai (China), werden Autos gebaut. Nummer 4 in GrĂŒnheide wird dieser gleichen. Pro Jahr sollen dort ab Sommer 2021 um die 12.000 Arbeiter_innen 500.000 Autos bauen. SpĂ€ter sollen dort 40.000 Menschen 2 Millionen Autos pro Jahr bauen. Das wĂ€ren pro Tag ca. 5500 Autos.
Die GrundstĂŒckspreise in der Gegend steigen bereits jetzt. Die aus Berlin bekannte Gentrifizierung wird den Raum um Erkner mit zu erwartenden 35.000 ZuzĂŒgler_innen erfassen. Dies geht auf Kosten finanziell schwach aufgestellter Haushalte und wird zu starken Vertreibungen der Bevölkerung aus der Region fĂŒhren. Entsprechend groß ist die Verunsicherung und Wut.
Auch konkret vor Ort ist Tesla eine Katastrophe. Neben der Abholzung der WaldflĂ€che fĂŒr den Bau der Fabrik und der massiven Zunahme des lokalen und ĂŒberregionalen Verkehrs wird der hohe Wasserverbrauch die ökologisch schwerwiegendste Folge fĂŒr die Region sein. Der Vorstand des Wasserverbandes Strausberg-Erkner warnte sogar vor Trinkwasserknappheit. FĂŒr den Erstbetrieb prognostizierte Tesla den Verbrauch von 3,3 Millionen mÂł Wasser im Jahr. Erst nach heftiger Kritik Ă€nderte Tesla seine EinschĂ€tzung auf 1,4 Millionen mÂł fĂŒr den Anfang. SpĂ€ter werden es 2,15 Millionen mÂł Trinkwasser sein. Langfristig wird bereits von ĂŒber 15 Millionen mÂł Wasserbedarf im Jahr geredet. Das bedeutet, nach EinschĂ€tzung von Ökolog_innen, negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Region und die nahen Landschafts- und Naturschutzgebiete. Ab 2022 wird es bei dem geschĂ€tzten Wasserverbrauch der Fabrik keine ausreichenden Wasserförderreserven zur Entwicklung der Region mehr geben. Das Abpumpen großer Wassermengen verstĂ€rkt dazu das Problem der sinkenden Grundwasserspiegel, was eine Folge der Klimakatastrophe ist. Das alles betrifft den Leiter des Landesumweltamtes von Potsdam nicht. Anhörungen von Tesla-Gegner_innen lassen ihn kalt und er bewilligt eine Umweltsauerei nach der nĂ€chsten. Nun sollen sogar unerschlossene Trinkwasserreservoirs ausgebeutet werden.
In der Politik Brandenburgs wird mit der Investition von 50 Millionen von Daimler fĂŒr die Herstellung von E-Sprintern in Ludwigsfelde das Land als „MobilitĂ€tsstandort“ abgefeiert.
Und Tesla wirbt dreist mit der „fortschrittlichsten Fabrik der Welt“. Aber Tesla nutzt bisher in seinen Fabriken Technik (z.B. in der Lackiererei), die hinsichtlich des Umweltschutzes Ă€lter und rĂŒckschrittlicher ist, als die der konventionellen Autobauer in Europa. Der Wasserverbrauch und die Emissionen sind deutlich höher. Es ist, als baue man eine Chemiefabrik in einem Trinkwasserschutzgebiet.
Die Zahlungsmoral von Tesla ist trotz der Bevorzugung durch die lokalen Genehmigungsbehörden mangelhaft. Man kann es sich halt leisten. Tesla bezahlte die Wasserrechnung fĂŒr die Baustelle nicht. Erst als im Oktober 2020 das Wasser abgedreht wurde, kam das Geld. Man ist es gewohnt, dass fĂŒr einen Gesetze geĂ€ndert und Strukturen angepasst werden. Die Hochschule Brandenburg richtet einen Studiengang „ElektromobilitĂ€t“ ein, damit auch der nötige Ingenieursnachwuchs herangezĂŒchtet werden kann, die nahe Autobahn wird extra fĂŒr den Fabrikbetrieb saniert und die L38 ausgebaut.
Das ist die fortgesetzte NormalitĂ€t der zerstörerischen Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, die jetzt auf der Welle des grĂŒnen Kapitalismus ins 21. Jahrhundert reitet. In der ohne RĂŒcksicht auf Menschen und die natĂŒrlichen Ressourcen, riesige Landschaften, fast der ganze Kontinent, fast die ganze Welt, der industriellen, versmarteten Produktion untergeordnet werden.

Konsum und Individualverkehr – oder: eine andere Welt

FĂŒr was wird der zum Fetisch erhobene motorisierte Individualverkehr genutzt? Um die Menschen totalflexibilisiert und totalĂŒberwacht zu ihren ArbeitsplĂ€tzen zu bekommen, um sie immerzu konsumieren zu lassen, um Menschen möglichst schnell befördern zu können – damit sie mehr arbeiten und mehr konsumieren.
Ist ein Elektro-SUV eine Verbesserung fĂŒr irgendetwas?
Um ein Leben fĂŒhren zu können, mit dem wir nicht lebensnotwendige Grundlagen der Erde zerstören, braucht es keine ElektromobilitĂ€t. Es braucht insgesamt weniger MobilitĂ€t, weniger Individualverkehr, vor allem weniger Konsum, dessen Nutzen und damit verbundenen GlĂŒcksversprechungen uns tĂ€glich eingehĂ€mmert werden. Es braucht kostenlose öffentliche Verkehrsmittel. Es braucht einen Fortschritt des sozialen Miteinanders, eine Zukunft ohne Ausbeutung unserer Arbeitskraft. Nur die Aufrechterhaltung kolonialer AusbeutungsverhĂ€ltnisse macht es möglich, Elektromotoren zu produzieren, die Leute hier glauben lĂ€sst, die Autos seien ökologisch sauber.

Und zu den sozialen Aspekten gefragt: Möchten die wohlhabenden Tesla-KĂ€ufer_innen mit Öko-Gewissen die Minen und Bergwerke fĂŒr ihr „Öko“-Auto neben ihrem „Bauerngarten“ haben? Wollen sie die Kraftwerke, die diese mit Strom versorgen, von ihrer Eigentumswohnungsdachterasse aus erblicken? Wollen sie die HĂŒtten der geschundenen Arbeiter_innen neben dem Öko-Kindergarten sehen, in den sie ihre Kinder schicken?
Nein. Diese Menschen und deren Arbeitsbedingungen sollen außerhalb der EU bleiben. Sie wollen das Elend nicht sehen. Denn es ist ihnen wahrscheinlich ganz einfach egal, dass andere den Blutzoll fĂŒr ihre „Privilegien“ zahlen mĂŒssen. Es mangelt nicht an Wissen ĂŒber die globalen ZusammenhĂ€nge. Man kann sich entscheiden, auf welcher Seite man steht. Man kann einen SUV kaufen oder anstecken. Wir empfehlen letzteres – ohne sich erwischen zu lassen, versteht sich.

Es gibt genĂŒgend Erfahrung mit den Versprechungen des kapitalistisch-technologischen Fortschritts. Vor 200 Jahren gab kaum noch WĂ€lder in Mitteleuropa, weil die fĂŒr Bergbau, Industrie, Kriegsschiffe, Heizen und Bauen verbraucht wurden. Die Rodungen wurden abgelöst durch die industrielle Förderung der Kohle. Wir wissen alle, was die anschließende Kohleverbrennung angerichtet hat.
Wir wissen, dass die Digitalisierung der Welt vor allem zu neuen Formen von Herrschaft gefĂŒhrt hat und weiter fĂŒhren wird. Tesla wird immer wissen, wer noch im Auto sitzt, was gerade gesprochen wird und wohin die Reise geht. Die Daten gehören nicht uns, sie werden verkauft und bilden eine weitere Grundlage fĂŒr die Möglichkeiten totalitĂ€rer Überwachung.

Klimakatastrophe und der Sinn revolutionÀrer Sabotageaktionen

Neben anderem hat der ungebrochene Glaube und das Festhalten aller bisherigen vom Markt beherrschten Gesellschaftsformen an den technischen Fortschritt ohne Zweifel bewirkt, dass die Klimakatastrophe nicht mehr zu verhindern ist. Sabotage kann große soziale KĂ€mpfe nicht ersetzen, sie kann diese aber unterstĂŒtzen oder mutige Akzente setzen, um DenkrĂ€ume und Perspektiven zu forcieren.
Warum machen wir dann trotzdem Sabotageaktionen, wenn wir glauben, dass die Klimazerstörung nicht mehr aufgehalten werden kann? Weil wir das Ausmaß der kommenden Katastrophen so gering wie möglich halten möchten. Weil Protest und Widerstand gegen die Zerstörung des Klimas durch profitorientiertes Ausbeuten der Ressourcen der Erde einen revolutionĂ€ren Zukunftsausblick zum Ziel haben kann. Weil mit der Zerstörung expansiver marktradikaler Wirtschaftspolitik die Chance besteht, eine grundlegende solidarische und soziale Lebensweise zu etablieren, die uns Wege in eine andere Gesellschaft weist. Wenn die VerwĂŒstung der Ökosysteme weit fortgeschritten ist, kann eine neue Gesellschaft mit den Folgen dieser Hinterlassenschaften besser umgehen, wenn die HerrschaftsverhĂ€ltnisse grundlegend zerstört sind. Nur im Widerstand gegen die existierenden zerstörerischen VerhĂ€ltnisse werden die Möglichkeiten der VerĂ€nderungen erkennbar.

Die reichen MĂ€nner, die diese Prozesse der ökologischen VerwĂŒstungen vorantreiben, sind zwar auch nur Ergebnisse gesellschaftlicher Prozesse, und damit bis zu einem gewissen Grad austauschbar, aber es sind eben nicht zufĂ€llig eben diese MĂ€nner, die eine Politik der Modernisierung durch Zerstörung reprĂ€sentieren. Zerstören wir alles, was Tesla heißt!

Gegen deren destruktiven Fortschrittsglauben wehren sich Menschen weltweit. FĂŒr uns gehören viele dieser KĂ€mpfe zusammen. Sie eint der Widerstand gegen einen aggressiven Modernisierungsschub. Wenn in Argentinien die indigene Frauen rufen, dass man aufhören soll, ihre Körper und ihre LĂ€nder zu erobern, dann stellen wir uns mit dieser Aktion auch an die Seite dieser KĂ€mpfe.
Die KĂ€mpfe im Hambacher Forst, im Dannenröder Wald und anderen WĂ€ldern des Widerstands waren und sind fĂŒr uns ebenso Hoffnungspunkte, wie die radikalen Sabotageaktionen anderer in den Kohleminen, die den LĂŒgen der FortschrittsverkĂŒnder_innen nicht mehr auf den Leim gehen.

Der Irrsinn von Individualverkehr und ElektromobilitĂ€t lĂ€sst sich ĂŒbrigens leicht weiter angreifen: Im September findet die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in MĂŒnchen statt. Wir hoffen, dass es genĂŒgend Widerstand vor Ort, dezentral und auch subversiv im Netz gibt, damit diese ein Fiasko wird.

Vulkangruppe: Gegen den Fortschritt der Zerstörung




Quelle: De.indymedia.org