MĂ€rz 15, 2021
Von End Of Road
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kopiert aus der taz

Die Stadtteilgewerkschaft Gröpelingen möchte sich gegen den Immobilienkonzern wehren – und hat sich dem bundesweiten BĂŒndnis „voNo!via“ angeschlossen.

Ausgangspunkt fĂŒr bundesweiten Unmut: Die Vonovia-Firmenzentrale in Bochum

taz: Frau Krauss, was hat sich Vonovia in Bremen schon konkret geleistet?

Josefine Krauss:
Es gibt in allen Stadtteilen, wo Vonovia HĂ€user hat, Probleme. Hier in Gröpelingen haben wir mitbekommen, dass es undurchsichtige Abrechnungen gibt, ĂŒber die nicht erbrachte Leistungen abgerechnet werden. Und die Mieterin An­drea H. haben wir in ihrem jahrelangen Kampf dafĂŒr begleitet, dass ihr Balkon nicht mehr unter Wasser steht. Und auf der Baustelle in der Selsinger Straße, wo modernisiert wurde, war null Sicherung. Mie­te­r*in­nen haben sich da die Knöchel verstaucht, sind gefallen. Teilweise haben die Klingelanlagen, sogar nach dem Einbau, nicht funktioniert. Man konnte nicht mal den Summer betĂ€tigen. Das sind schon krasse EinschrĂ€nkungen, die die Leute ĂŒber sich ergehen lassen mussten und immer noch mĂŒssen – es gibt kaum Verbesserungen. Und wenn, nur mit viel Druck wie bei Andrea H., als auch die Presse eingeschaltet wurde.

Sie haben vor drei Jahren im Rahmen einer Kampagne bei WidersprĂŒchen gegen die Betriebskostenabrechnungen geholfen. Was hat das gebracht?

Einzelne Mie­te­r*in­nen waren in diesen WidersprĂŒchen sehr beharrlich und haben ĂŒber Jahre einfach nicht bezahlt und die langwierigen Briefwechsel mitgemacht und sich nicht von Mahnungen oder Androhungen abschrecken lassen. Dann geht Vonovia meistens mit einem Angebot auf die Mie­te­r*in­nen zu. Aber diese Auseinandersetzung per Brief ist nur fĂŒr einen kleinen Teil zu leisten. Viele Mie­te­r*in­nen haben dann einfach gezahlt. Mit der bundesweiten Kampagne starten wir nun einen Versuch, das ein bisschen anders anzugehen.

Was erhoffen Sie sich genau davon, eine von den 20 Organisationen zu sein, die sich zusammenschließen?

Der Vorteil ist, dass da auch Mietervereine und An­wĂ€l­t*in­nen dabei sind mit einem ganz anderen Wissen und anderen Ressourcen. Wenn jemand in diesen Vereinen Briefe aufsetzt, können wir die einfach nutzen. Und es ist gut zu wissen, dass in anderen StĂ€dten genau das Gleiche passiert. Die Praxis von Vonovia ist ja ĂŒberall die gleiche – die nicht prĂŒfbaren, intransparenten Abrechnungen, ein undurchsichtiges Tochterfirmensystem, das Nicht-erreichbar-Sein, die sogenannten Modernisierungen, die eigentlich Instandhaltungen sind. Das ist systematisch. An vielen Orten haben sich Menschen gegen Vonovia gewehrt, aber es war noch nie so gebĂŒndelt wie jetzt.

Was hat es mit diesen Modernisierungen auf sich?

Instandhaltungen sind Reparaturen, die Ver­mie­te­r*in­nen zahlen mĂŒssen, um die WohnqualitĂ€t gleich zu halten. Modernisierungen bedeuten eine Verbesserung, die dann auf die Mie­te­r*in­nen in Form von Mieterhöhungen umgelegt werden kann. Aber wenn nur ein kaputtes Fenster ausgetauscht wird, ist das keine Modernisierung.

Aber die Mieten werden in so einem Fall trotzdem erhöht?

Ja. Die machen zeitgleich dann auch viel anderes, und am Ende blickt man einfach nicht durch und mĂŒsste sich eigentlich eine AnwĂ€ltin nehmen, um das zu ĂŒberprĂŒfen.

Ist das illegal, das Austauschen von Fenstern als Modernisierung zu verkaufen?

Ja. Es ist eine TĂ€uschung und der Versuch, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die probieren alle Tricks und sagen am Ende: „Oh, da haben wir einen Fehler gemacht.“ Ein paar Leute wehren sich dagegen, aber die anderen nehmen es einfach hin.

Das heißt, auch wenn einzelne Personen Recht kriegen, ob vor Gericht oder außergerichtlich, Ă€ndert das nichts an Vonovias Verhalten?

Ja, genau, das ist das große Problem: Selbst wenn vor Gericht bewiesen wurde, dass in einer Wohnung diese Modernisierung eine Instandhaltung war, mĂŒssen alle im gleichen Haus, die wahrscheinlich dieselbe Modernisierung hatten, trotzdem klagen. Also, diese Übertragung von einem Urteil auf alle anderen funktioniert nicht. Es profitieren immer nur Einzelpersonen. Der Anwalt Valentin Weiß, der hier in Bremen diese Klagen macht, hat schon angesprochen, dass er sich das wĂŒnschen wĂŒrde. Das Problem ist aber, dass Sammelklagen nicht fĂŒrs Mietrecht gelten.

In dem offenen Brief sprechen Sie auch von Vonovias verwirrenden Unternehmensstrukturen. Was meinen Sie?

Vonovia hat ja fĂŒr jedes Thema, das mit Wohnen zu tun hat, eigene Tochterfirmen. Wenn man sich die Belege dieser Firmen – also die Rechnungen, die Vonovia sich selber schreibt – anschaut, steht da nichts drin, was weiterhilft. Da steht dann: „Der Hausmeister hat 23 Mal eine TĂ€tigkeit vollbracht“ – aber man weiß nicht, welche und wann. Das ist sehr undurchsichtig.

Was genau wollen Sie jetzt von Vonovia?

Wir nutzen die bundesweite Kampagne gerade dazu, Mie­te­r*in­nen zu aktivieren, sich mit zu engagieren. Welche Forderungen daraus entstehen, ist noch offen. Aber als Stadtteilgewerkschaft unterstĂŒtzen wir die Forderungen vom bundesweiten BĂŒndnis voll: zum Beispiel, dass es viel mehr Mitbestimmungsrecht fĂŒr Mie­te­r*in­nen geben sollte – auch dazu, welche TĂ€tigkeiten der Hausmeister nun wirklich machen soll. Oder dass alle strittigen Kosten, also solche, die von den Tochterfirmen kamen, erstattet werden sollen, sofern sie nicht nachgewiesen werden können.

Daneben fordern Sie auch eine grundlegend andere Wohnpolitik. MĂŒssen dafĂŒr Konzerne wie Vonovia weg oder sich nur an die Regeln halten?

Die Frage ist doch: Wenn Vonovia sich an Regeln halten wĂŒrde, wĂŒrde es dann noch existieren? Das ist ja genau die GeschĂ€ftspraxis von Vonovia. Meine persönliche Meinung ist, dass mit Wohnraum grundsĂ€tzlich kein Geld gemacht werden sollte, was dann irgendwelchen Ak­tio­nÀ­r*in­nen zufließt.

Quelle: taz.de




Quelle: Endofroad.blackblogs.org