Juni 23, 2022
Von Indymedia
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Dies ist die Spiegelung einer Ă€lteren BroschĂŒre, welche leider nicht mehr im Internet zu finden war. Der Text stammt von https://anfdeutsch.com/aktuelles/broschuere-zu-tuerkischem-nationalismus-in-berlin-wedding-8128

„Faschistische Überzeugungen und die daraus resultierenden Bewegungen sind seit jeher die abscheulichste Zuspitzung kapitalistischer Systeme. Nicht nur in Deutschland und Europa. So finden sich auch hierzulande nicht mehr nur deutsche Neonazistrukturen und Kameradschaften“, heben antifaschistische Aktivistinnen und Aktivisten der Kiezkommune Wedding und der Radikalen Linken | Berlin in ihrer erstellten BroschĂŒre Feinde der Hoffnung – InformationsbroschĂŒre TĂŒrkischer Nationalismus im Wedding hervor. „Mit dieser BroschĂŒre geben wir einen groben Einstieg in die vielfĂ€ltigen Organisationsstrukturen der vier grĂ¶ĂŸten Bewegungen am Beispiel des Berliner Bezirks Wedding“, heißt es darin.

Die Geschichte faschistischer und tĂŒrkisch-islamistischer Bewegungen in Deutschland reicht bis in die 1970er Jahre zurĂŒck. In der Gesellschaft der Bundesrepublik und leider auch in linken deutschen Kreisen wird diesen Strukturen bisweilen kaum Beachtung geschenkt. Eine fatale FehleinschĂ€tzung, wie die regelmĂ€ĂŸigen gewaltsamen Übergriffen auf Kurd*innen, Armenier*innen, Alevit*innen, JĂŒd*innen, LGBTI und andere zeigen.

Um ĂŒber die AktivitĂ€ten einiger dieser Gruppierungen zu informieren und ihre Strukturen aufzudecken, haben Internationalist*innen im migrantisch geprĂ€gten Nordberliner Bezirk Wedding eine BroschĂŒre erstellt. Beschrieben werden Vereine und Moscheen von Milli GörĂŒĆŸ, Grauen Wölfen und deren Abspaltung ATB sowie DITIB, dem Moscheenverband der AKP.

Dabei konnten viele AktivitĂ€ten und ZusammenhĂ€nge aufgedeckt werden. Vor allem die eher unbekannten Vereinigungen der Avrupa TĂŒrk Birliği bzw. Berlin Alperen Ocaklari (ATB) sowie die Milli-GörĂŒĆŸ-Bewegung organisieren ein breites Spektrum von Veranstaltungen und Angeboten im Bezirk und sind fest in der Bevölkerung verankert. Jedes Jahr werden Straßenfeste mit mehreren hundert Besucher*innen im Bezirk organisiert und umfangreiche Bildungs- und Freizeitangebote fĂŒr Jugendliche betrieben. DafĂŒr erhalten sie ĂŒber verschiedene ihnen nahestehende Vereine teils umfangreiche finanzielle UnterstĂŒtzung von staatlichen Institutionen. So erhĂ€lt die Bil-Ge Akademie e.V., die der ATB nahe steht, mehr als 72.000 Euro, um mit Jugendlichen aus „bildungsfernen Schichten“ zu arbeiten, wie das örtliche Quartiersmanagment auf seiner Webseite verkĂŒndet.

Auch wenn auf den ersten Blick die Fronten klar erscheinen, bleibt festzuhalten, dass nicht alle Personen, die die genannten Vereine und Moscheen besuchen, auch ĂŒber ein geschlossen rechtes Weltbild verfĂŒgen. FĂŒr viele ist der erste Gang in diese RĂ€umlichkeiten auch immer eine Flucht vor der gesellschaftlichen Ausgrenzung durch Rassismus und sozialer Isolation im Neoliberalismus. Ebenso spielen die eigenen oftmals patriarchalen Familienstrukturen und daraus resultierende ZwĂ€nge oder Überzeugungen eine wichtige Rolle.

Das Wissen ĂŒber diese gesellschaftlichen RealitĂ€ten der lokalen Bevölkerung und auch ĂŒber kulturelle, religiöse und historische ZusammenhĂ€nge bildet die Grundlage, um als politische Kraft auf Augenhöhe agieren zu können.

Neben den Rechercheergebnissen, die als Grundlage fĂŒr die lokale antifaschistische Arbeit dienen sollen, haben die Aktivist*innen allerdings auch eine Bewertung der Erkenntnisse und konkrete HandlungsvorschlĂ€ge formuliert, um gegen die reaktionĂ€ren Umtriebe anzukommen.

So plĂ€dieren sie fĂŒr den Aufbau lokaler Jugend- und Bildungskommissionen mit internationalistischer Ausrichtung, um Gegenangebote zum staatlich-sozialarbeiterischen Apparat und den Angeboten nationalistischer oder islamistischer KrĂ€fte zu schaffen.




Quelle: De.indymedia.org