Dezember 30, 2021
Von InfoRiot
171 ansichten


Versammlung in Eberswalde

BĂŒndnis gedenkt mit 308 Kerzen Corona-Toten des Barnim


Do 30.12.21 | 14:22 Uhr

Kerzen hat ein BĂŒndnis in Eberswalde aufgestellt – um der mit Corona verstorbenen Barnimer zu gedenken. Es will damit auch ein Zeichen gegen Corona-verharmlosende Gruppen setzen.

Eine Gruppe junger Menschen hat am Mittwochabend auf dem Marktplatz in Eberswalde mit Kerzen zum stillen Gedenken an Menschen, die mit Corona gestorben sind, aufgerufen.

“Wir haben uns hier als BĂŒndnis zusammengetan und 308 Kerzen in GlĂ€sern angezĂŒndet, um auch die Menschen daran zu erinnern, dass hier so viele schon verstorben sind”, sagt Mitorganisatorin Theresa im GesprĂ€ch mit dem rbb. Bewusst wĂ€hlte das BĂŒndnis dafĂŒr den Marktplatz von Eberswalde (Barnim) aus. Zum einen, weil es sich um die Kreishauptstadt des Barnims handelt und der Platz zentral in der Stadt liegt und viel besucht wird. Und zum anderen, weil dort in den vergangenen Wochen sogenannte Montagsdemonstrationen von Kritikern der Corona-Maßnahmen stattfanden.

Gegenstimme zu Querdenkern

Einige Hundert Demonstranten waren es am vergangenen Montag. Auch sogenannte Querdenker sollen sich dabei unter den Gruppen versammelt haben, wie es von der Mitorganisatorin heißt. “Wir wollen natĂŒrlich diesen Ort auch wieder anders belegen, weil wir der Meinung sind, dass Querdenken nicht alles ist, was es in der Gesellschaft an Meinungen gibt”, sagt sie.

Sich selbst sehen die Organisatoren als Gegenstimme zu Gruppierungen an, die Corona leugnen oder verharmlosen. “Durch ‘Kerzen fĂŒr Corona-Tote’ stehen wir fĂŒr unsere wissenschaftsbasierte Sichtweise und daraus abgeleitete Handlungen im Umgang mit der Pandemie”, erklĂ€rt das BĂŒndnis im Vorfeld in einer Mitteilung.

Raum fĂŒr öffentliche Trauer schaffen

Nach fast zwei Jahren, in denen Corona das Leben vieler beeinflusst hat, will das BĂŒndnis den Blick zurĂŒck auf das fĂŒr sie Wesentliche richten und mit der Aktion Raum fĂŒr öffentliche Trauer schaffen. “Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der Toten, die unter schwierigen Bedingungen Abschied nehmen mĂŒssen”, erklĂ€rt das BĂŒndnis weiter. Die Toten wĂŒrden angesichts anderer Diskurse in den Hintergrund rĂŒcken, die vermehrt wirtschaftliche und soziale Folgen der Pandemie behandeln wĂŒrden.

Viele der Organisatoren wĂŒrden gar nicht mehr im Barnim wohnen und mittlerweile in anderen StĂ€dten studieren. Wegen steigender Todeszahlen “kam aber doch die Idee, dass wir handeln wollen und dass wir ein Zeichen setzen wollen”, wie Teresa erklĂ€rt, “und dass wir uns mit dem Barnim verbunden fĂŒhlen und auch an die Menschen denken, die hier aus dem Barnim verstorben sind.”

Angst vor Repressalien

Gleichzeitig hĂ€tten sie aber auch Angst vor Repressalien. Dies sei auch der Grund, warum sie vor Ort Maske tragen und auch ihre Nachnamen nicht in der Berichterstattung ĂŒber “Kerzen fĂŒr Corona-Tote” hören oder lesen möchten, wie Theresa berichtet: “Da ist auch einfach der Gedanke dahinter, dass wir nicht persönlich angefeindet werden möchten.”

Doch an diesem Mittwochabend bleibt es ruhig. In einzelnen GesprĂ€chen erklĂ€ren sie vorbeikommenden Passanten den Hintergrund ihrer Aktion. Eingeladen hatten sie dafĂŒr nicht. Sie hatten lediglich die Veranstaltung bei der Polizei angemeldet.

Die Erinnerung soll bleiben

Bereits im vergangenen Jahr hatte das BĂŒndnis auf dem Marktplatz mit “Kerzen fĂŒr Corona-Tote” darauf aufmerksam gemacht, dass Barnimer in der Pandemie gestorben sind. Nach eineinhalb Stunden des stillen Gedenkens pusten die Organisatoren am Mittwochabend die Kerzen wieder aus und rĂ€umen den Platz. Nur die Erinnerung bleibt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.12.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Martin Krauß




Quelle: Inforiot.de