Juni 18, 2021
Von Emrawi
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Viele Reaktionen von Passant*innen

Das AufhĂ€ngen von gefĂ€lschten Werbeplakaten und die Umgestaltung von Werbung zu einer anderen politischen Botschaft nennt man „Adbusting“. Eines der Poster trĂ€gt die Aufschrift: „Nicht jeder Soldat ist ein Nazi“. Das Plakat blendet sich so gut ein, dass beim Fotografieren des Plakats am Bahnhof eine Aktivist*in von einer Passant*in gefragt wurde, ob sie auch ZĂŒge fotografiert. Nachdem die Aktivist*in auf das Plakat hingewiesen hatte, bekam sie von der Person Zustimmung: „Es ist aber auch echt der Wahnsinn, aus was fĂŒr einem rechten Gesocks die Bundeswehr besteht.“

Auf einem anderen Motiv heißt es: „Jeder Tote ist ein kleiner Schritt zum Weltfrieden“. Dieser Spruch sorgte in mehreren FĂ€llen zu höhnischem Lachen auf den Straßen der StĂ€dte. Eine Gruppe, die vor dem Plakat versammelt war, rĂ€tselte: „Ist das echte Bundeswehrwerbung?“ – „Nein. So ehrlich sind die nicht.“

Reichweite in den sozialen Medien

Auch in den Sozialen Medien schlug die Aktion hohe Wellen. Von Freitag auf Sonntag war #Adbusting zeitweilig auf Platz 9 in den Trending-Charts bei Twitter. Postings der Bilder erreichten Tausende Likes und hunderte Weiterleitungen. Eine Auswahl:

Stuttgart 8800 Likes, 700 Retweets:

https://twitter.com/azumton/status/1403728924333445125

4600 Likes, 470 Retweets:

https://twitter.com/KanteClara/status/1403744996256256001/

1300 Likes, 120 Retweets und die grĂŒbeln obs echt ist:

https://twitter.com/entnzfzrng/status/1403706238865707016

Aus Berlin: 400 Likes, 60 Retweets:

https://twitter.com/solid_xkoelln/status/1403769877194760196

MeinungsĂ€ußerung oder Störpropaganda?

„Bisher behauptet die Wehrbeauftragte des Bundestages, dass es um die 100 gemeine AnschlĂ€ge wie das VerĂ€ndern von Bundeswehr-Werbung pro Jahr gĂ€be“ sagt Klaus Theodor zu Schlechtenzwerg: „Allein mit den Adbusting-Aktionen vom Tag ohne Bundeswehr dĂŒrften wir fĂŒr eine Steigerung um 500% gesorgt haben. Mal gucken, ob das wieder Störpropaganda oder ein Fall fĂŒrs Terrorabwehrzentrum wird.“

Großer Erfolg

„Wir bedanken uns bei allen Gruppen, die beim Tag ohne Bundeswehr 2021 mitgemacht haben“, sagt Pressesprecher*in Klaus Theodor zu Schlechtenzwerg, „Die Aktionen waren ein voller Erfolg. Sowohl unsere PrĂ€senz im öffentlichen Raum als auch im Netz hat die des ‚Tags der Bundeswehr‘ komplett in den Schatten gestellt. Zahlreiche Stimmen sind fĂŒr die Abschaffung des deutschen MilitĂ€rs. Wir kĂ€mpfen weiter fĂŒr dieses Ziel.“

Ein Überblick ĂŒber die Aktionen in den einzelnen StĂ€dten:

Kiel

In Kiel feierte die Initiative „Bundeswehr abschaffen“ der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinte Kriegsgegner*innen“ (DFG-VK) den „Tag der Abschaffung der Bundeswehr“ mit einer Mahnwache am Marinehafen. Dort machten sie auf das Flottenmanöver BALTOPS aufmerksam.

Berlin

In Berlin fanden mehrere Aktionen statt. Gleich drei Gruppen gingen hier Adbusten. Hier waren auch komplett selbst gebastelte Poster wie „STOP WARS. Bundeswehr abschaffen“ (mit Schriftzug im Stil von „Star Wars“) zu sehen.

Eine andere Gruppe hing Wandzeitungen in der Umgebung des Impfzentrums am Erika-Heß-Stadion auf, die den Inneneinsatz der Bundeswehr in der Coronapandemie aufgreifen und davon ausgehend die Normalisierung von MilitĂ€rprĂ€senz in der Gesellschaft kritisieren.

Stuttgart

Team Stuttgart rĂ€umt derweil den Twitter-Highscore ab. Ein Bild der dortigen Aktion vom Charlottenplatz mit dem Slogan „Nicht jeder Soldat ist ein Nazi. Aber verdammt viele Nazis sind Soldaten“ bringt es auf mittlerweile 8000 Likes und ĂŒber 600 Retweets

Mehr zu Adbustings in Stuttgart findet sich hier.

Frankfurt am Main

Auch in Frankfurt am Main mussten die MilitĂ€rs zum Tag ohne Bundeswehr Kritik im öffentlichen Raum ertragen. Das Kollektiv der Kleistermeister*innen dokumentiert ihre Aktion ausfĂŒhrlich auf Twitter.

Dresden

Das „Ministerium fĂŒr KontextverĂ€nderung, plakative Fußnoten und Werbekorrektur“ sorgte fĂŒr Adbustings in Dresden.

Bonn

In Bonn hingen die „Systemsprenger*innen“ gefĂ€lschte Bundeswehrwerbung auf.

Hannover

Auch in Hannover kĂŒmmerte sich ein Team um eine hohe PrĂ€senz der Kampagne in der Innenstadt.

Potsdam

In Potsdam und Babelsberg hing eine Gruppe umgebastelte Originalwerbung der Bundeswehr auf.

Essen

In Essen sorgte die Gruppe „Public Space Intervention“ mit Bundeswehr-Adbustings fĂŒr „Ärger an der Heimatfront“.

Hamburg

Das Kollektiv „Bustie The Crew“ hing derweil in Hamburg bundeswehrkritische Plakate unter anderem direkt vor der UniversitĂ€t der Bundeswehr auf.

Witzenhausen

In Witzenhausen beteiligten sich Antimilitarist*innen am Tag ohne Bundeswehr mit einem Bannerdrop. Das Banner trĂ€gt die Aufschrift „Terror. Gefördert vom Staat“ und hĂ€ngt an einer Felswand direkt gegenĂŒber vom Bahnhof.

Erlangen

Und schließlich hingen auch in den Werbevitrinen Erlangens zahlreiche Bundeswehr-Adbustings. DafĂŒr sorgte die Gruppe „AdblockArt“.




Quelle: Emrawi.org