Dezember 13, 2020
Von Emrawi
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“Liebe Freund*innen des ehemaligen Cafe DeCentral!

Wir möchten euch hiermit ein kleines Update zu den Entwicklungen der letzten Monate und dem aktuellen Stand geben. Im September 2020 verließ an einer außerordentlich einberufenen Generalversammlung ein großer Teil der in den letzten Jahren aktiven Menschen das Cafe DeCentral. Die jeweiligen GrĂŒnde fĂŒr jede*n Einzelne*n sind in ihren Argumentationen unterschiedlich, beziehen sich aber im Wesentlichen auf die Aufarbeitung eines, im Rahmen einer Decentral-Veranstaltung vorgefallenen, sexualisierten Übergriffs. Wir wollen an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen; zu divers sind die ZugĂ€nge zu dem Thema der gebliebenen und neu hinzugekommenen Menschen.

Klar ist jedoch: der Raum bzw. das Kollektiv braucht Strategien um mit Gewalt und Übergriffen, die dort oder im Umfeld passieren, auf eine emanzipatorische Weise umgehen zu können, sowie diese sinnvoll und die WĂŒnsche der jeweils Betroffenen respektierend aufzuarbeiten. Aus diesem Grund haben wir zwei interne Strukturwochenden einberufen.

Dort entwickeln wir Konzepte fĂŒr einen Umgang mit gewalttĂ€tigem und ĂŒbergriffigem Verhalten, ĂŒberarbeiten das SelbstverstĂ€ndnis und bilden uns zu den damit zusammenhĂ€ngenden Thematiken weiter. An diesen Wochenenden geht es auch um die VorfĂ€lle im bald vergangenen Jahr 2020 – die Fehler die wir als Cafe DeCentral gemacht haben, sollen sich nicht mehr wiederholen und daran arbeiten wir ernsthaft. Als Kollektiv beziehen wir jedoch in einem Punkt konkret Position: Wir glauben den betroffenen Personen und wir lehnen TĂ€ter*innenschutz ab.

Wir sind aktuell stark von den EinschrĂ€nkungen durch die Covid19-Pandemie betroffen: es können momentan weder Veranstaltungen stattfinden, noch in grĂ¶ĂŸeren Gruppen physische Plenas oder Treffen abgehalten werden. Sobald die Pandemiesituation wieder mehr Spielraum zulĂ€sst, wird es aber mit Programm weitergehen. Angedacht sind ein Infocafe zweimal im Monat am Donnerstag, Dienstags wöchentlicher Bar- und KĂŒchefĂŒralle-Abend sowie verschiedene politische Veranstaltungen zu aktuellen Themen. Mittwochs findet aktuell ein Onlineplenum statt, wie gehabt um 19 Uhr. 1. Mittwoch im Monat ist weiterhin offen fĂŒr alle. Wir freuen uns ĂŒber interessierte Gesichter – neue wie alte!

Zudem sind wir dabei einige Dinge umzugestalten bzw zu erweitern. Eine grĂ¶ĂŸere Auswahl an BĂŒchern und BroschĂŒren in Form eines Infoladens, ein breiterer Internetauftritt, sowie neue Farben und Möbel sind erste Schritte die wir dabei umsetzen wollen. Und wir haben einen neuen Namen gewĂ€hlt: Cafe Lotta.

Außerdem wollen wir den Raum, den das DeCentral als kleine utopische Gegenwelt in Innsbruck eingenommen hat, vergrĂ¶ĂŸern. Das Kollektiv Cafe Lotta hat sich deshalb zum Ziel gemacht, seinem Anspruch ein antirassistisches, antikapitalistisches und feministisches Lokal zu sein, noch nĂ€her zu kommen und offener fĂŒr migrantische, Papierlosen- und PoC-Communities zu werden, konkreter proletarische Menschen anzusprechen und feministische Anliegen auch als Kollektiv zu Bearbeiten. Weiterhin treffen wir alle unsere Entscheidungen basisdemokratisch nach Konsensprinzip.

In Anbetracht der Tatsache, dass Parties wohl noch lĂ€nger unmöglich sein werden, wird das Cafe Lotta wohl in nĂ€chster Zeit vor allem tagsĂŒber bespielt werden. Trotz der finanziell schwierigen Situation bleiben wir der Idee von Veranstaltungen auf Spendenbasis treu und sind umso mehr auf die SolidaritĂ€t von Pat*innen angewiesen.

Das Cafe DeCentral hat viele Spaltungen und Streitigkeiten erlebt, persönliche wie politische. Die Welt in der wir leben ist eine von WidersprĂŒchen geprĂ€gte – wir alle sind durch sie sozialisiert worden und tragen Verhaltensweisen in uns, die Ungleichheiten und UnterdrĂŒckungsformen reproduzieren. Der Weg der Befreiung davon ist steinig und produziert logischerweise Konflikte – aus denen wir lernen mĂŒssen. Wir möchten im Cafe Lotta einen kollektiven Umgang miteinander finden, der selbstkritisch aber fehlerfreundlich ist, um in Zukunft weniger gegeneinander sondern mehr vereint fĂŒr eine andere Welt zu kĂ€mpfen.

In diesem Sinne eine solidarische Winterzeit und stay tuned! Sobald irgendwie möglich gehts wieder los mit Programm.

Die Menschen vom Kollektiv Cafe Lotta

So kannst du dich im Kollektiv engagieren:

Schreib uns eine mail, dann senden wir dir den jitsi-Link des Onlineplenums zu oder komme zum ersten offenen Plenum im neuen Jahr, am 6.JĂ€nner 2021, im Tracklpark vorbei. Bitte nimm dir eine Maske und was Warmes zu trinken mit.

So kannst du uns finanziell unterstĂŒtzen:

Du hast die Möglichkeit einer so genannten Pat*innenschaft. Das bedeutet du ĂŒberweist uns monatlich einen Betrag, den du frei wĂ€hlen und einfach so von Monat zu Monat wechseln kannst. Je nachdem wie es deinen aktuellen LebensverhĂ€ltnissen entspricht.

Wir benĂŒtzen dein/euer Geld, um Miete, Betriebskosten, Versicherungen und Zeitungsabos zu zahlen. ÜberschĂŒsse gehen an Soli-Projekte.

Am besten richtest du einen Dauerauftrag ein und schreibst uns eine Mail, dann bist du offiziell Pat*in. Wir danken dir im Voraus.

Auch freuen wir uns ĂŒber Kritik, Anregungen oder Ideen:

Wende dich per Email, per Post oder am offenen Plenum an uns. RĂŒckmeldungen dauern mindestens eine Woche, da wir alles im Kollektiv besprechen, bevor wir dir antworten können.

Kontaktdaten:

Cafe Lotta

Hallerstrasse 1

A-6020 Innsbruck

cafelotta@riseup.net

Kontodaten fĂŒr Überweisungen:

Verein zur Förderung sozialer Zentren und FreirÀume

IBAN: AT094666000000072024″




Quelle: Emrawi.org