November 2, 2020
Von End Of Road
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Atomausstieg? Mit Merkels Ausstieg aus dem Ausstieg angesichts der Massenproteste nach dem GAU von Fukushima wurde ein großer Teil der Anti-Atombewegung befriedet. 9 Jahre wurde jetzt kein CASTOR-Transport mehr in die BRD durchgefĂŒhrt. Die Atomanlagen in Gronau (Uran-Anreicherungsanlage) und Lingen (Brennelemente-Fabrik) arbeiten fĂŒr die globale Atomindustrie unbefristet weiter. Atomtransporte laufen auch heute regelmĂ€ĂŸig auch ĂŒber Bremen.

In den nĂ€chsten Jahren stehen wieder vier Castor-Transporte an. Und die Atomindustrie hat noch lange nicht aufgegeben. Die BRD steckt wieder Forschungsgelder in neue Reaktor-Typen. In den IPCC-Studien gilt der Neubau der AKW als Beitrag zum Klimaschutz (ebenso wie die Destruktivtechnologien Kohlendioxid-Abscheidung und -Verpressung sowie Geo-Engeneering). Auch Japan will mit Hilfe neuer AKWs dem Klimawandel begegnen. DON‘T NUKE THE CLIMATE! Die Anti-Atom-Bewegung muss sich neu aufstellen und BĂŒndnisse mit anderen sozialen, anti-kapitalistischen und ökologischen Bewegungen wie der Klimabewegung suchen. Unsere KĂ€mpfe gehören zusammen!

Menschen, die als Gewaltfreie oder als Militante in der Anti-Atombewegung aktiv waren, haben alle die brutale GewalttĂ€tigkeit der Atommafia kennengelernt. Über die Formen des Widerstands muss jede* und jede Gruppe fĂŒr sich entscheiden. Wir halten jede Form fĂŒr legitim. Mit der Atommafia bezeichneten und bezeichnen wir die enge, oft extralegalen Verbindungen von Kapital und Staat mit seinen Repressionsorganen.

Wie am Atomkern besteht die Logik der Herrschaft in einer Abspaltung des als verachteten Teils. Vom politischen Diskurs ĂŒber Grundannahmen der Wissenschaft bis zur alltĂ€glichen Normierung wird etwas fĂŒr unnĂŒtz erklĂ€rt (wie der AtommĂŒll), um es fĂŒr den nĂŒtzlichen Teil auszubeuten.
„Kapitalismus hat alle nicht-geldlichen gesellschaftlichen Kontakte geĂ€chtet. 
 Dieser einzigartige Prozess der ökonomischen und sozialen Abwertung von Frauen war undist bis heute von grundlegender Bedeutung fĂŒr die Akkumulation des Kapitals. Das reproduktive Tun vor allem der Frauen wurde damit unsichtbar. 
 Die isolierte reproduktive TĂ€tigkeit im Haushalt ist also eine spezifisch kapitalistische Form der Ausbeutung. Erst auf Basis dieser Abspaltung wurden Kapitalismus und produktive Lohnarbeit möglich. Diese Abspaltung ist so tiefgreifend, dass keine* in der Arbeiter*innenbewegung je daran dachte, die Arbeitszeit der Frau im Haushalt zu beschrĂ€nken“.^1 Das kapitalistische Patriarchat hat sich seit dem gewandelt. Frauen* und auch People of Colour können in den kapitalistischen Metropolen heute individuell aufsteigen. Voraussetzung dafĂŒr ist einerseits, dass weiter die meisten Frauen* und People of Colour in den untersten, am meisten ausgebeuteten und unsichtbaren Positionen bleiben. Andererseits dĂŒrfen diedestruktiven, patriarchalenGrundlagen der herrschenden Ordnung zwar kritisiert, mĂŒssen abergrundsĂ€tzlich akzeptiert werden.

Die Gewalt ist dem Staat, auch dem demokratischen, eingeschrieben. Die Herrschaft von Eigentum und Geld kann nicht anders aufrecht erhalten werden. Weltweit wird ein rĂŒcksichtsloser, nur zu kleinem Teil militĂ€rischer Krieg gegen Menschen und das Leben ĂŒberhaupt gefĂŒhrt, um den Reichtum fĂŒr ‚unseren‘ Wohlstand ins Land zu holen.

Im Globalen SĂŒden eigen sich auch deutsche Unternehmen per Landgrabbing Land an. Die Menschen, die dort zuvor lebten werden gewaltsam vertrieben. Die Tiefbrunnen, der hohe Wasserverbrauch der industriellen Landwirtschaft und die das Eigentum sichernden ZĂ€une machen das traditionelle Leben tendenziell unmöglich. Folgen sind einerseits Hunger und Perspektivlosigkeit, andererseits Aufheizung des Klimas durch industrielle Monokulturen und Verseuchung durch gentechnisch verĂ€ndertes Saatgut.

Große Teile des Globalen SĂŒdens (und zunehmend auch Gebiete im Globalen Norden wie die Braunkohletagebaue in der BRD, die Tarsands-Abbaugebiete in Kanada, der Uranbergbau im australischen Outback oder die Fracking-Regionen in den USA) werden zu Opferzonen, wo alles Lebendige dem Reichtum fĂŒr wenige geopfert wird.

FlĂŒchtende aus dem Globalen SĂŒden werden von Australien, Nordamerika und der EU ferngehalten. Trotz aller Menschenrechts-Sonntagsreden der Politik: Es ist egal, wie viele FlĂŒchtlinge in der Sahara durch das EU-Grenzregime aufgehalten werden und dort verdursten, wie viele im Mittelmeer abgefangen werden, teils per push-back am Anlanden gehindert werden und ertrinken und unter welch menschenunwĂŒrdigen Bedingungen sie in Lagern oder als Illegalisierte in der EU-Landwirtschaft eingepfercht werden.

Es braucht Widerstand gegen diese destruktive herrschende Ordnung, die ‚uns‘ nichts Ă€ußeres ist, an der jede* Einzelne beteiligt ist. KĂ€mpfen wir gemeinsam fĂŒr die Vielfalt des (menschlichen und nichtmenschlichen) Lebens. Wir brauchen diese Vielfalt bereits fĂŒrs Überleben.

Schließt euch zusammen, leistet Widerstand, baut Keimformen von Alternativen jenseits der Logik von Geld und Eigentum auf (wie es sie – wie widersprĂŒchlich auch immer in Form von z.B. Free Flow im Wendland, Karl*ahof nordöstlich von Berlin oder UmsonstlĂ€den bereits gibt).




Quelle: Endofroad.blackblogs.org