Mai 30, 2022
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
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Die Revolution wird niemals das sein, was man als „gesunden Menschenverstand“ bezeichnet.

Comunidad de Lucha nro. 10 (Chile). Juni 2019

„La mentira es la que manda, la que causa sensación.
La verdad es aburrida, puta frustración. –
Die LĂŒge ist diejenige, die regiert, die das Aufsehen verursacht.
Die Wahrheit ist langweilig, verdammte Frustration.“

Eskorbuto

Die LĂŒge regiert, je offensichtlicher ihre Herrschaft wird, und diejenigen von uns, die getĂ€uscht werden, akzeptieren die LĂŒge – nicht so sehr, weil wir sie glauben, sondern weil sie sich schließlich als die einzig mögliche Wahrheit und als die einzige gesellschaftlich akzeptierte RationalitĂ€t durchsetzt.

Diese Gesellschaft ertrĂ€gt seit mehreren Jahrhunderten das UnertrĂ€gliche und ist nicht einmal angesichts von zwei Weltkriegen und der durch die kapitalistische Ausbeutung ausgelösten Umweltkatastrophe in der Lage, die gegenwĂ€rtige Ordnung der Dinge – die ökonomische Herrschaft ĂŒber das Leben der Menschen – in Frage zu stellen und sich eine mögliche Überwindung dieser Ordnung vorzustellen. Trotz des Wissens um ihre LĂŒge, die in all der Zeit verbreitet und immer wieder mit grotesken Beispielen bewiesen wurde, erkennen wir weiterhin die korruptesten und unmenschlichsten Institutionen an, die unsere Geschichte je gekannt hat, Begriffe, die das „Gute, die Sicherheit und den Frieden“ verkörpern: den Staat, die Kirche und das bourgeoise Eigentum.

Denn die Ideologie der Arbeit kann Unmenschlichkeit, Ausbeutung und Verfolgung dulden. Der Frieden und die Ruhe der StaatsbĂŒrger hĂ€ngen nicht nur vom Ausmaß der eingesetzten Gewalt ab (stĂ€ndige Überwachung, PolizeiprĂ€senz, Panzer und Attentate im SĂŒden des Landes und Ausweiskontrollen in den Schulen), sondern auch von der FĂ€higkeit, zu produzieren und zu kaufen, Geld auszugeben und am nĂ€chsten Tag wieder zu verdienen, um weiter Geld auszugeben. Solange das entfremdete Leben seinen sicheren Lauf nimmt, spielt es keine Rolle, welche Gewalt und Unmenschlichkeit zu seiner Aufrechterhaltung notwendig sind.

Der gesunde Menschenverstand der heutigen Gesellschaft befĂŒrwortet militĂ€rische Interventionen im Namen des „Friedens“, die Zerstörung des Planeten im Namen des Fortschritts und vor allem ein Leben mit schlecht bezahlten ArbeitsplĂ€tzen fĂŒr die große Mehrheit im Namen des ökonomischen Wachstums (obwohl eine gute Bezahlung der ArbeitsplĂ€tze nichts an dem eigentlichen Problem Ă€ndern wĂŒrde: der Entfremdung).

Recht, Demokratie, Gleichheit, Dialog
 in einer Welt, in der alles nichts anderes tut, als die Gewalt zu rechtfertigen, wenn sie vom Staat und den besitzenden Klassen ausgeht, ist der gesunde Menschenverstand nichts anderes als der reinste Ausdruck ihrer auf LĂŒgen basierenden Herrschaft: In der Welt der wirklich Umgekehrten ist das Wahre ein Moment des Falschen.

RevolutionĂ€re Kritik kann dieser Welt der LĂŒgen nicht entgegentreten, indem sie ihr die Wahrheit zu ihren eigenen Bedingungen zeigt. Sie kann die Gewalt der Revolution, ihre allgemeine Enteignung, nicht mit demokratischen Mitteln verteidigen; sie kann Vandalismus und Sabotage nicht mit den Mitteln der StaatsbĂŒrger verteidigen. RevolutionĂ€re Kritik muss den Frieden, das Gute, die Demokratie in Frage stellen, denn nur so kann ihr wahrer Inhalt enthĂŒllt werden: die kapitalistische Ausbeutung und PlĂŒnderung.

Die Revolution wird weder verteidigt noch mit den Begriffen der bourgeoisen Vernunft definiert: Sie ist weder demokratisch noch friedlich, aber sie stoppt mit Gewalt die Lokomotive der kapitalistischen IrrationalitĂ€t, eine Lokomotive, die von den durch die herrschenden Klassen unterdrĂŒckten und verarmten Generationen gespeist wird.

In dieser verkehrten Welt, in der die kapitalistische RationalitĂ€t eine zutiefst irrationale Welt schafft, in der genetische Manipulation und Weltraumforschung mit dem Hunger von Milliarden von Menschen koexistieren, kann nur revolutionĂ€re Kritik die Wahrheit dieser Welt aufdecken: die Herrschaft des Menschen durch den Menschen. Lösungen zur Überwindung dieses Zustands erscheinen dem Mainstream-Denken als Wahnsinn oder als gut gemeinte, aber unerreichbare Utopie. Die Wahrheit ist, dass die radikale Kritik der gegenwĂ€rtigen Gesellschaft die einzige ist, die wirklich realistische Maßnahmen zur Überwindung der gegenwĂ€rtigen Entfremdung vorschlĂ€gt: Gemeinschaft, Selbstorganisation, Kampf und soziale Produktion auf der Grundlage der menschlichen BedĂŒrfnisse. Unser gesunder Menschenverstand ist der von selbst organisierten Gemeinschaften. Nur aus ihnen, und nicht aus ihrer ReprĂ€sentation, kann eine gemeinsame Vision vom Menschen und seiner natĂŒrlichen Umwelt entstehen. Heute ist es im Gegenteil die kapitalistische Propaganda, die fĂŒr uns spricht.

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„
 viele Leser werden auf unseren Seiten nach „VorschlĂ€gen“ suchen, wir erinnern sie daran, dass das VerstĂ€ndnis dieser Gesellschaft in ihrer tiefsten und gnadenlosesten Kritik liegt, im Kampf gegen sie. Übrigens, fĂŒr den „Vorschlag“ haben wir bereits alles aufgelistet, was wir nicht wollen, und das ist keine Kleinigkeit“. Cuadernos de NegaciĂłn. Interview. 2014

„Jede ökonomische Definition des Kommunismus bleibt in der SphĂ€re der Ökonomie, d.h. der Trennung der Momente der Produktion vom Rest des Lebens. Der Kommunismus ist keine Gesellschaft, die die Hungrigen angemessen ernĂ€hrt, die Kranken pflegt, die Obdachlosen beherbergt und so weiter. Sie kann sich nicht auf die Befriedigung von BedĂŒrfnissen stĂŒtzen, wie sie heute bestehen oder wie wir sie uns fĂŒr die Zukunft vorstellen können. Der Kommunismus produziert nicht genug fĂŒr alle und verteilt es nicht gleichmĂ€ĂŸig an alle. Es ist eine Welt, in der Menschen Beziehungen und Handlungen eingehen, die (unter anderem) dazu fĂŒhren, dass sie in der Lage sind, sich zu ernĂ€hren, zu pflegen, zu wohnen
. selbst. Der Kommunismus ist keine soziale Organisation. Es ist eine TĂ€tigkeit. Es ist eine menschliche Gemeinschaft“.

Gilles Dauvé. Visitando nuevamente el Este
 y adentråndonos råpido en Marx (Declive y resurgimiento de la perspectiva comunista). 2002




Quelle: Panopticon.blackblogs.org