September 30, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: darknights, ĂŒbersetzt von abc wien

Anmerkung: Dieser Text ist zwar vom Juni 2021 und der Hungerstreik der GefÀhrten wurde mittlerweile beendet, aber dennoch finden wir es wichtig, Monicas Worte zu teilen.

In den letzten Tagen der ersten Juniwoche 2021 fĂŒhrte die GendarmerĂ­a de Chile (Genchi) eine massive Verlegung von Gefangenen aus dem CĂĄrcel de Alta seguridad (CAS) in das GefĂ€ngnis von Rancagua, Hauptstadt der Region O’Higgins, 87 Kilometer sĂŒdlich von Santiago, durch.

Zu den Gefangenen gehören die Anarchisten und Subversiven: Juan Aliste Vega, Marcelo Villarroel, Mauricio Hernåndez Norambuena, Juan Flores, Joaquín García und Francisco Solar.

Der Grund fĂŒr die Verlegung dieser Gefangenen ist eine Änderung an der Infrastruktur des CAS, die etwa ein Jahr dauern wird. Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, werden die Gefangenen nach Angaben von GENCHI in das GefĂ€ngnis zurĂŒckkehren, wĂ€hrend meine GefĂ€hrten solange von ihrem emotionalen und politischen Umfeld getrennt sind. Auf diese Weise wird nicht nur der Gefangene bestraft, sondern auch seine Freund*innen, GefĂ€hrt*innen und Familienangehörigen.

Es ist auch wichtig zu betonen, dass in dem vom chilenischen Staat beherrschten Gebiet der freie Transit zwischen den Regionen aufgrund von Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid 19 nicht erlaubt ist.

In der Metropolregion gibt es mindestens drei GefĂ€ngnisse, in die sie meine GefĂ€hrten hĂ€tten bringen können. Vielleicht nutzten die MĂ€chtigen diese Verlegung, um die Gefangenen zu isolieren und weiter abzusondern, vielleicht erfĂŒllt keines der nahegelegenen GefĂ€ngnisse die Sicherheitsbedingungen fĂŒr die Bewachung von Hochrisiko-Gefangenen, oder es könnte einfach nur eine weitere Form der Rache sein.

Die Verlegung kann mit diesen und anderen Argumenten gerechtfertigt werden. Klar ist, dass keine Bewegung der Macht willkĂŒrlich ist. Jede VerĂ€nderung in der Infrastruktur des GefĂ€ngnisses sowie die Verlegung von Gefangenen muss sorgfĂ€ltig und detailliert durchgefĂŒhrt werden.

Einerseits können die möglichen Änderungen, die im CAS vorgenommen werden, fĂŒr die Gefangenen nichts Gutes verheißen. Ich könnte endlose Spekulationen ĂŒber mögliche neue Kontrollmaßnahmen anstellen und wahrscheinlich wĂ€re all dies zu kurz gegriffen. Um vorauszusehen, was sich im CAS Ă€ndern könnte, muss man berĂŒcksichtigen, dass dieses GefĂ€ngnis nicht wie jedes andere konzipiert ist und war, das CAS ist das GefĂ€ngnis der Demokratie. Es wurde nach dem deutschen und irischen Vorbild im Kampf gegen revolutionĂ€re Organisationen konzipiert.

Im Jahr 1994 wurde es als ein noch nie dagewesener und guter GefĂ€ngniskomplex eingeweiht, in dem versucht wurde, ein strenges internes Regime umzusetzen, das unter anderem „Besuche“ mittels Callcenter und eine Stunde Hofgang vorsah.

DarĂŒber hinaus ist das GefĂ€ngnis von außen praktisch nicht wahrnehmbar, wodurch eine grĂ¶ĂŸere Isolation und Unsichtbarkeit erreicht wird. Aus einer anderen Perspektive ist nicht klar, unter welchen Haftbedingungen oder unter welchem Regime die Gefangenen verlegt werden.

La CĂĄrcel de Rancagua ist ein konzessioniertes GefĂ€ngnis, was bedeutet, dass ein großer Teil seines Betriebs von externen Unternehmen abhĂ€ngt, im Gegensatz zum CAS, das fast vollstĂ€ndig von staatlichen Einrichtungen abhing. Dies bedeutet unter anderem, dass das GefĂ€ngnisessen von einem externen Unternehmen wie Sodexo beliefert wird und nicht einmal die minimalsten ErnĂ€hrungsbedingungen erfĂŒllt. DarĂŒber hinaus ist in den konzessionierten GefĂ€ngnissen der Zugang zu Paketen von Freund*innen und Familienangehörigen bei praktisch allen Arten von Lebensmitteln, BĂŒchern usw. eingeschrĂ€nkt.

GegenwĂ€rtig werden alle ĂŒberstellten Gefangenen 24 Stunden lang in ihren Zellen eingeschlossen, was wegen einer möglichen Ansteckung mit Covid vierzehn Tage lang fortgesetzt werden soll – eine völlig ungerechtfertigte Maßnahme, da sie weder mit anderen Gefangenen, die nicht aus demselben Modul stammen, noch mit den ĂŒbrigen Gefangenen Kontakt haben. Angesichts dieses Szenarios der totalen Isolation und eines neuen GefĂ€ngnisregimes haben die Gefangenen einen flĂŒssigen Hungerstreik begonnen, in dem sie ein Ende der Bedingungen der totalen Isolation und eine Verbesserung ihrer LebensqualitĂ€t fordern.

Unter den betroffenen Gefangenen befinden sich die anarchistischen und subversiven GefĂ€hrten, deren Gesundheitszustand sich verschlimmern könnte, da sie vor etwas mehr als einem Monat einen fĂŒnfzigtĂ€gigen Hungerstreik beendet haben.

Mit diesen Worten rufe ich alle gefĂ€ngnisfeindlichen, antagonistischen, antiautoritĂ€ren Einzelpersonen und Gruppen auf, sich der Situation der anarchistischen und subversiven GefĂ€hrten, die in das GefĂ€ngnis von Rancagua verlegt wurden, bewusst zu sein, damit sich unsere gefangenen GefĂ€hrten nie allein fĂŒhlen.

Hand outstretched to the comrades
Closed fist to the enemy
Active combative solidarity

MĂłnica Caballero SepĂșlveda, anarchistische Gefangene

Die ersten Tage im Juni 2021

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Quelle: Abc-wien.net