September 30, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Die chilenische Gruppe Solidaridad Obrera (SO-IAA) hat Ende September 2021 folgende ErklÀrung veröfentlicht:

„Stellungnahme zu dem rassistischen und fremdenfeindlichen Akt in Iquique / Chile [1]

Wieder einmal wird deutlich, wie der Staat zusammen mit jenen, die sich hinter dem verlogenen Patriotismus verstecken, die Hetze gegen Migrant*innen noch verstĂ€rken. Wir mĂŒssen mit ansehen, dass angesichts der schweigenden Zustimmung der SicherheitskrĂ€fte und der selbsternannten Friedensfreund*innen, Angriffe auf Familien mit Kindern stattgefunden haben.

Dieser Terrormob hat gnadenlos jene Menschen angegriffen und verletzt, die bloß eine Möglichkeit suchen ein ertrĂ€gliches Leben zu finden und den diktatorischen Regierungen und Wirtschaftskrisen zu entkommen, unter denen sie in ihren HerkunftslĂ€ndern leiden mĂŒssen.

Demonstranten mit chilenischen Nationalfahnen verbrennen Zelte

Diese Art des politischen Terrors hat in den letzten Jahren stark zugenommen unter dem Schutz einer ultra-rechten Politik. Diese bezeichnet sich zwar selbst als liberal, aber verschleiert dadurch die tatsĂ€chlich vorhandene faschistische und konservative Ideologie. Solche und viele Ă€hnliche Gruppierungen verbreiten in verschiedenen LĂ€ndern eine ErzĂ€hlung, nach sich hinter der Einwanderung kriminelle und unmoralische Persönlichkeiten, sowie Menschenhandel verbergen wĂŒrden, welche unsere Gesellschaft zerstören wollten.

Wir rufen alle Arbeiter*innen als Ausgebeutete und UnterdrĂŒckte zur SolidaritĂ€t mit den Migrant*innen und ihren Familien auf. UnterstĂŒtzt deren rechtliche Anerkennungsprozesse als GeflĂŒchtete und organisiert den Schutz der Eingewanderten vor den Neonazi-Horden.

Der Diskurs, dass Migrant*innen faul, kriminell oder MenschenhĂ€ndler*innen seien, ist derselbe, wie er in der Region „Kleiner SĂŒden“ von den einst aus Italien, Deutschland und Kroatien eingewanderten Herrschaften gefĂŒhrt wird. Es sind die gleichen Behauptungen: Die Mapuche seien faul, kriminell und jetzt sogar auch MenschenhĂ€ndler*innen.

Schluss mit der Gewalt der Nazi-Horden, die sich unter verschiedenen patriotischen IdentitĂ€ten als Liberale verkleidet haben! Als „Arbeiter*solidaritĂ€t“ [Solidaridad Obrera] lehnen wir diese Beispiele fĂŒr Fremdenhass und Rassismus in Nordchile ausdrĂŒcklich ab. Ebenso, dass diese Gruppen auch in Araucania den selben Hass gegen indigene Menschen verbreiten.

Schluss mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus! Schluss mit der Verzögerung des Anerkennungsprozesses fĂŒr Migrant*innen! Die Regierung, welche die Venezuelaner*innen wĂ€hrend der Krise des Maduro-Regimes aufgerufen hatte nach Chile zu kommen, muss nun eine praktische Lösung fĂŒr dieses humanitĂ€re Problem finden.

Kein Mensch ist illegal!

Solidaridad Obrera“

Quelle:
https://iwa-ait.org/content/statement-act-racism-and-xenophobia-iquique-chile

Übersetzung: Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk – ASN Köln ((CC:BY-NC)

Anmerkung:
1) Im Norden Chiles hatte die Polizei Ende September 2021 ein Lager von illegal eingewanderten Venezulaner*innen auf einem zentralen Platz in der Stadt Iquique gerĂ€umt. Im Anschluss hatten fremdenfeindliche Demonstrant*innen deren zurĂŒckgelassene Zelte und Hausrat öffentlich in Brand gesteckt, sowie eine sofortige Schließung der nationalen Grenzen gefordert.




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org