MĂ€rz 25, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
286 ansichten


quelle: enough is enough14

Chile. ErklÀrung von subversiven und anarchistischen Gefangenen zum Beginn ihres Hungerstreiks in Chile.

UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Abolition Media Worldwide. Deutsche Übersetzung von Bratislav Metulski.

Öffentliche ErklĂ€rung zum Beginn des Hungerstreiks

An die Bevölkerungen, Individuen, Gemeinschaften und Territorien im Kampf und im Widerstand.

An diejenigen, welche gegen diese Gegenwart der UnterdrĂŒckung und des Elends rebellieren.

An unsere Familien, Freund*innen, Kompliz*innen, Compañerxs und Lieben auf der ganzen Welt.

An alle!!!

Heute, Montag, 22. MĂ€rz, um 00:00 Uhr, die Gefangenen des sozialen Krieges, in Santiago de Chile:

–MĂłnica Caballero SepĂșlveda im FrauengefĂ€ngnis von San Miguel.

–Marcelo Villarroel SepĂșlveda,

–Joaquín Garcia Chanks,

–Juan Flores Riquelme,

–Juan Aliste Vega im C.A.S., der zwar dabei ist, aber angesichts seiner medizinischen Situation nicht streikt, und zwar ausschließlich im HochsicherheitsgefĂ€ngnis.

–Francisco Solar Dominguez in der Hochsicherheitsabteilung.

–Pablo Bahamondes Ortiz,

-Jose Ignacio Duran Sanhueza,

-Tomas GonzĂĄlez Quezada und

-Gonzalo Farias Barrientos in den Modulen 2 und 3 des BetriebsgefĂ€ngnisses von stgo 1, beginnen wir eine Mobilisierung mit den Eigenschaften eines flĂŒssigen Hungerstreiks auf unbegrenzte Dauer zur Forderung von:

-die Aufhebung des Artikels 9 und die Wiederherstellung des Artikels 1 des Gesetzesdekrets 321!!!!

-die Freilassung des Compañeros Marcelo Villarroel und aller subversiven und anarchistischen Gefangenen sowie der Gefangenen der Befreiungsbewegung der Mapuche und des Aufstandes!!!

Es darf schlicht und ergreifend keine RĂŒckwirkung bei der Änderung des Gesetzes geben, welches die „bedingte Entlassung“ regelt.

Und dass es sich dabei wieder um ein erworbenes Recht des Inhaftierten handelt und nicht um eine Leistung, wie sie derzeit vom Gesetz vorgesehen ist, dauerhaft umgewandelt nach der StaatsrÀson, um diejenigen, welche gegen die NormalitÀt des Bestehenden kÀmpfen, gefangen zu halten.

Diese Änderung verschĂ€rft die Zugangsvoraussetzungen fĂŒr eine sogenannte bedingte Entlassung erheblich und erstreckt sich in einigen FĂ€llen ĂŒber Jahrzehnte – davon betroffen ist eine große Anzahl von Gefangenen, denen ihre Haftstrafe zum Dauerzustand wird. Auf der anderen Seite ignoriert sie, dadurch dass sie rĂŒckwirkend gilt, ihre eigene LegalitĂ€t, nĂ€mlich die der EigentĂŒmer dieser kranken Welt, welche die stĂ€ndige Anwendung politisch-rechtlicher Irrwege demonstrieren, mit deren Hilfe sie die Armen und Rebell*innen unter Tonnen von Zement und GefĂ€ngnismetall begraben.

Diese schĂ€ndliche juristisch-politische Zumutung berĂŒhrt und betrifft heute unmittelbar unseren Compañero Marcelo Villarroel SepĂșlveda, der in 2 langen Haftperioden seit mehr als 25 Jahren fĂŒr Aktionen gegen den Staat und das Kapital in den spĂ€ten 80er, den 90er und 2000er Jahren inhaftiert ist. Dem Staat genĂŒgte es nicht, weitreichende Strafen zu verhĂ€ngen, sondern er rechtfertigt und verstĂ€rkt ein neues Rechtssystem, wobei er die Urteile der alten und faulen MilitĂ€rjustiz aufhebt, Marcelos Antragsfristen, welche auf das Jahr 2019 festgelegt waren, derart abĂ€ndert, dass er erst im Jahr 2036 seinen Antrag stellen kann, wobei er willkĂŒrlich eine getarnte ewige Haftstrafe gegen ihn verhĂ€ngt, mit dem Ziel, ihn fĂŒr mehr als 40 Jahre im GefĂ€ngnis zu halten, in Anbetracht der gesamten Zeit, die er verschleppt wurde.

Seit der Gefangenschaft wĂ€hrend Jahrzehnten, Jahren und Monaten, seit gestern und heute, haben verschiedene Generationen von Genoss*innen mit jeder viktimisierenden Vorstellung, welche den Gefangenen mit einem passiven Subjekt gleichsetzt, das stĂ€ndig dem Willen seines EntfĂŒhrers unterworfen ist, gebrochen und wir positionieren uns, um zuzuschlagen, indem wir unsere Körper als Schlachtfelder benutzen um von dort aus das durch die Gefangenschaft auferlegte tĂ€gliche Leben nach außen und nach innen zu bekĂ€mpfen.

Der Transit durch das GefĂ€ngnis ist eine Erweiterung unserer Lebensoption, in welcher das bewusste Handeln fĂŒr die totale Befreiung danach strebt, die Reflexion in der AffinitĂ€t von Ideen zu konkretisieren, die sich in Aktionen, KĂ€mpfen und Widerstand als antiautoritĂ€re Praxis widerspiegeln; unsere Entscheidungen verkörpern sich in subversiven Ereignissen, hier setzen wir das Beste von jedem einzelnen Teil ein: Individuen, Zellen, Kollektive und jegliche antagonistische Initiative, um den Staat und seine gesamte Maschinerie der UnterdrĂŒckung, der Kontrolle und des Todes als artikulierendes Getriebe der Kontrolle und der systematischen Unterwerfung von Leben zu konfrontieren.

Hier, innerhalb Ihrer Mauern, sind wir noch unendlich weit davon entfernt, besiegt worden, geschweige denn einsam zu sein, so wie Sie das gerne hĂ€tten. Wir sind nach wie vor aufsĂ€ssig, frei und wĂŒrdevoll.

Heute kĂ€mpfen wir wieder mit unseren Körpern als Waffen gegen diejenigen, welche die Rebellion, die WĂŒrde, die Liebe und die SolidaritĂ€t einkerkern und unter Zement begraben wollen. Die autoritĂ€re Polizeigesellschaft hat ein GefĂ€ngnis-Panoptikum erschaffen, in dem sie seit jeher diejenigen Wesen einsperrt, welche sich gegen ihren sogenannten sozialen Frieden erheben. Sie haben Strafstrukturen geschaffen, welche die physische und psychische Kontrolle anstreben und versuchen, das Sein zu reduzieren, aus Angst vor der brutalen Gewalt der Isolation und der Kerkermeister, aber kein GefĂ€ngnis mit seinen eingezĂ€unten Mauern, Gittern, maximaler oder hoher Sicherheitsstufe, noch bewaffnete Lakaien wird in der Lage sein, diejenigen zu unterwerfen, welche ihr ganzes Leben der Sache der totalen Befreiung verschrieben haben.

Diese Mauern werden niemals imstande sein, unsere TrÀume zum Verstummen zu bringen, noch wird unser rebellisches Wesen die unkontrollierbare Flut widerspenstiger Existenzen aufhalten, welche sich vereinigen und gegen jegliche Art von Regierung vorgehen.

Ebenso schlagen wir als unmittelbare Dringlichkeit die Beendigung der PrÀventivhaft als Strafinstrument gegen diejenigen vor, denen Handlungen im Zusammenhang mit der permanenten Revolte vorgeworfen werden, wobei die angebliche Unschuldsvermutung wÀhrend der ErmittlungszeitrÀume verwehrt wird und sie auf diese Weise als schuldig behandelt werden, indem ihnen ausgedehnte PrÀventionshaft bis zum Zeitpunkt der Verurteilung oder Vollstreckung der Strafe auferlegt wird.

Wir lehnen auch die derzeitige GĂŒltigkeit der Verurteilungen durch die nazifaschistische chilenische MilitĂ€rjustiz ab, welche in den Jahrzehnten, in denen Marcelo Villarroel und Juan Aliste angeklagt und verurteilt wurden, unter Folter und ohne das Recht auf Verteidigung formuliert und auf internationaler Ebene weitgehend sanktioniert wurden. Ungeachtet der Tatsache, dass Chile im Jahr 2010 aufgrund internationalen Drucks die Möglichkeit der Verfolgung von Zivilist*innen durch MilitĂ€rstaatsanwĂ€lte Ă€nderte, bleiben die frĂŒheren Verurteilungen und insbesondere die aus den 1990er Jahren trotz breiter internationaler Kritik und Ablehnung in Kraft.

Ebenso kennen und unterstĂŒtzen wir die Forderung der Mapuche, die ILO-Konvention 169 fĂŒr die Situation der Peñi und Lamngen, die wegen ihres Kampfes inhaftiert sind, anzuwenden.

Diese gemeinsame Mobilisierung ist der Zusammenschluss verschiedener Praktiken und informeller Tendenzen, welche sich im GefĂ€ngnis befinden, und zwar als eine lebendige KontinuitĂ€t eines langen kollektiven Widerstands und auch ein offener Aufruf an alle solidarischen Milieus und an alle, welche sich gegen das GefĂ€ngnis und die UnterdrĂŒckung positionieren, ein aktiver Teil dieses Kampfes zu werden, der allen gehört, und von dort aus ermutigen wir jegliche Art von Initiativen mit allen zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln und unabhĂ€ngig davon, wo wir uns befinden, um konkrete Fortschritte in dieser neuen Mobilisierung zu erzielen, welche wir als einen notwendigen und dringenden Schritt im Anti-GefĂ€ngnis Kampf unternehmen.

Inmitten dieser Lawine von Restriktionen, welche mit der Pandemie auf internationaler Ebene begrĂŒndet werden, rufen wir auch alle verwandten Ausdrucksformen in der ganzen Welt dazu auf, sich so zu artikulieren, wie sie können und wollen, wobei einzig und allein die Vorstellungskraft eine Grenze darstellt.

Mit allen GeflĂŒchteten, wĂŒrdevollen Gefangenen, die sich im Kampf befinden, Familien, welche Widerstand leisten, mit subversiven, autonomen, libertĂ€ren, anarchistischen und aufrĂŒhrerischen Erinnerungen.

Mit allen BrĂŒdern und Genossinnen, die im Kampf gefallen sind.

Solange es Elend gibt, wird es Rebellion geben!!

Tod dem Staat und lang lebe die Anarchie!

Netzwerke weben, Kompliz*innenschaft vervielfachen, die aufstÀndische und subversive Offensive schreitet voran!

Weder schuldig noch unschuldig, permanenter Aufstand!!

Gegen jede AutoritÀt, Selbstverteidigung und SolidaritÀt!!!

FĂŒr die Ausweitung der SolidaritĂ€t mit den Gefangenen des sozialen Krieges, der Revolte und der Befreiung der Mapuche!!!

Lasst die GefÀngnisse platzen!

FĂŒr die Aufhebung des Artikels 9 und die Wiederherstellung des Artikels 1 des Gesetzesdekrets 321!!!!

Marcelo Villarroel und alle subversiven Gefangenen, Anarchist*innen, des Mapuche-Aufstandes und der Befreiung: auf die Straße!

Monica Caballero SepĂșlveda

Marcelo Villarroel Sepulveda

Joaquin Garcia Chanks

Juan Flores Riquelme

Juan Aliste Vega

Francisco Solar DomĂ­nguez

Pablo Bahamondes Ortiz

Jose Duran Sanhueza

Tomas GonzĂĄlez Quezada

Gonzalo Farias Barrientos

Bis zur Zerstörung der letzten Bastion der GefÀngnisgesellschaft!!

Bis zur totalen Befreiung!!

<!–

Tags: ,

–>




Quelle: Abc-wien.net