MĂ€rz 4, 2021
Von Die Plattform
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Seit einem Jahr schallt uns aus allen Medien und aus den ErklÀrungen der Herrschenden immer wieder entgegen, die Pandemie treffe alle, egal wie reich, egal woher wir kommen und egal welches Geschlecht uns zugeschrieben wird.
Dass das eine dreiste LĂŒge der Herrschenden ist, ist allen klar, die mit den Öffis statt mit der Limousine zur Arbeit fahren, die aufgrund ihres Passes in ĂŒberfĂŒllten Lagern fĂŒr GeflĂŒchtete hungern oder die auch in dieser Krise tĂ€glich unter den Zumutungen des Patriarchats leiden.
In diesem Post wollen wir uns anlĂ€sslich des nahenden 8. MĂ€rz mit der besonderen Lage von Frauen*, Inter-, Nonbinary-, Transpersonen und Agender (FINTA*) in der Pandemie auseinandersetzen. Seit ĂŒber einem Jahr fĂŒhren wir ein Leben unter mehr oder weniger massiven Lockdownbedingungen.

Die staatlichen Pandemie-Maßnahmen fĂŒhren dazu, dass sich das Leben aller Menschen, sofern sie sich ĂŒberhaupt eine Wohnung leisten können, stĂ€rker als je zuvor innerhalb der eigenen vier WĂ€nde abspielt. FĂŒr FINTA* ergeben sich abseits der allgemeinen Belastungen des Lockdowns, besondere Belastungen. Denn im Patriarchat, in dem wir nunmal leben, wird ihnen noch immer der Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit aufgebĂŒrdet. Der Kapitalismus ist auf diese kostenlose Reproduktionsarbeit angewiesen, um sich zu erhalten. Wenn die Kitas und Schulen jetzt geschlossen sind, kommt oft FINTA* die Aufgabe zu, die an die eigene Wohnung gefesselten Kinder zu betreuen und zu versorgen. Die eh schon ĂŒbliche Doppelbelastung aus Lohnarbeit und Haus- sowie Sorgearbeit nimmt auf diese Weise noch stĂ€rker zu.
Aber nicht nur die Arbeitsbelastung von FINTA* innerhalb der eigenen vier WĂ€nde nimmt um ein vielfaches zu: In den sogenannten “systemrelevanten” Zweigen des Lohnarbeitsbereichs, z.B. an Kassen oder an Krankenbetten, stellen noch immer FINTA* den Großteil der Arbeitenden. Die Extremsituation der Pandemie fĂŒhrt auch hier zu Überbelastung, sowohl körperlich als auch psychisch. Das Arbeitsrisiko steigt mit dem hinzukommenden Infektionsrisiko enorm an. Gesteigerte Risiken erleben FINTA* aber nicht nur auf der Lohnarbeit, sondern natĂŒrlich auch zu Hause. Wir alle wissen, dass auch ohne die Pandemie die eigene vier WĂ€nde fĂŒr viele FINTA* kein sicherer Raum sind.
Stattdessen ist patriarchale Gewalt fĂŒr viele Alltag. Der RĂŒckzug des Lebens ins Wohnumfeld erhöht die Gefahr, Opfer dieser Gewalt zu werden. Dass gleichzeitig FrauenhĂ€user dicht machen, ist eine fatale Entwicklung. Die Zahl der Femizide (= Morde an FINTA) bleibt weiterhin extrem hoch und wird oft verschleiert mit der Einordnung, es handle sich nur um das Resultat aus einem Paarstreit. Jetzt brauchen wir Maßnahmen, um FINTA* auch wĂ€hrend der Pandemie effektiv zu schĂŒtzen und ihre Bedingungen zu verbessern:

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den sogenannten “systemrelevanten” Berufen, im Pflege- und Krankenhaussektor und ĂŒberall sonst: Mehr Lohn, besserer Infektionsschutz, weniger Arbeitszeit! Schluss mit dem Kaputtsparen der öffentlichen Gesundheitsversorgung!
  • Besserer Schutz gegen patriarchale Gewalt: KapazitĂ€ten von Nothotlines verbessern, Frauen*hĂ€user wieder aufmachen und öffnen auch fĂŒr Illegalisierte und solche ohne deutschen Pass, Finanzierung aufstocken!
  • Mehr ObdachlosenunterkĂŒnfte fĂŒr FINTA*
  • Umverteilung von Haus- und Sorgearbeit: MĂ€nner* mĂŒssen sich stĂ€rker beteiligen, damit die Last nicht nur bei FINTA* liegt!

Diese Forderungen sind erste, wichtige Forderungen, die wir als feministische Massenbewegung erkĂ€mpfen können. Diese Massenbewegung mĂŒssen wir aufbauen!‹Gleichzeitig ist klar, dass diese Forderungen nicht ausreichen, um die UnterdrĂŒckung von FINTA* und die katastrophalen ZustĂ€nde im Pflegesektor zu beenden. Der Staat, der Kapitalismus und das Patriarchat mĂŒssen gemeinsam mit allen anderen Formen der UnterdrĂŒckung ĂŒberwunden werden!
Das profitorientierte, privatwirtschaftliche Gesundheitssystem muss einem System weichen, in dem sich Pflege an den BedĂŒrfnissen der Menschen orientiert und in dem die BeschĂ€ftigten selbst ihre Arbeit organisieren statt nur umzusetzen, was die Chef*innen befehlen.

Auf diese Ziele mĂŒssen wir langfristig hinarbeiten! Voran!




Quelle: Dieplattform.org