April 24, 2020
Von FAU Duisburg
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Es ist schwierig, ĂŒber Covid-19 aus Madrid, einer der am stĂ€rksten betroffenen StĂ€dte der Welt, zu schreiben. Allein in meiner Region ist die Zahl der Todesopfer höher als in ganz China. Offiziellen Angaben zufolge bessert sie sich langsam, aber es sterben weiterhin jeden Tag zahlreiche Menschen. Menschen, die ich aus meiner Nachbarschaft kannte, sind gestorben. Andere sind schwer erkrankt, darunter auch Gewerkschaftsgenossen. Das ist hart. Wir alle wollen, dass es vorbei ist.

GefĂŒhle der Isolation und Frustration sind in der Abriegelung weit verbreitet. Die Kinder sind jetzt seit mehr als einem Monat drinnen. Ihr Stress und ihre Ängste zeigen sich auf unterschiedliche Weise. Vor allem die Kleinsten können nicht verstehen, was vor sich geht. Die QuarantĂ€ne wird in der Tat streng durchgesetzt, und sie werden nicht verschont. Vielen Familien, die in ĂŒberfĂŒllten UnterkĂŒnften oder mit schlechten sanitĂ€ren Einrichtungen leben, geht es noch schlechter. Das ist in der Tat schwer. Wir alle wĂŒnschen uns so sehr, dass es vorbei ist.

ArbeitsplĂ€tze und Lebensgrundlagen sind verschwunden. Mehr als drei Millionen Arbeiter*innen in ganz Spanien wurden vorĂŒbergehend entlassen, und allein im MĂ€rz wurden 800.000 ArbeitsplĂ€tze vernichtet. Wichtige Sektoren der Wirtschaft (Tourismus, Gastgewerbe
) liegen in TrĂŒmmern, und die Aussichten sind dĂŒster. Überall auf der Welt ist das Bild sehr Ă€hnlich. Das wird noch schwieriger werden, und es sieht nicht so aus, als ob es bald vorbei sein wird.

In der Zwischenzeit sind die anderen Probleme, mit denen unsere Gesellschaften schon vor der gegenwĂ€rtigen Krise konfrontiert waren, immer noch da. Ungleichheit, Armut und Ausbeutung grassieren ĂŒberall auf der Welt, autoritĂ€re Regime und fremdenfeindlicher Populismus sind nicht verschwunden, und die globale ErwĂ€rmung und ihre Folgen beschleunigen sich weiter.

Wenn dies vorbei ist, wenn Covid-19 endlich verschwunden ist, mĂŒssen wir uns an die Aufgabe machen, diese zerbrochene Welt zu reparieren. Die Zeiten, die wir durchleben, diese kollektive Erfahrung, ist ein Wachruf. Es ist nun offensichtlich, dass das Ignorieren oder Leugnen dieser globalen Probleme auf unsere eigene Gefahr hin geschieht. Wir können noch so sehr versuchen, sie aus unseren Köpfen herauszuhalten und so weiterzumachen, als ob nichts geschehen wĂ€re – sie werden dennoch an unsere TĂŒren klopfen.

Es wird keine RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t geben. Wir sollten nicht zur NormalitĂ€t zurĂŒckkehren. Wir dĂŒrfen nicht glauben, dass ein Staat oder Politiker (egal welcher Staat, egal welche Politiker) uns beschĂŒtzen werden, denn es ist offensichtlich, dass sie es nicht tun werden. Kaufen wir Ihnen den ganzen liberalen Wirtschaftsblödsinn des ewigen Wachstums nicht ab, denn ddas gibt es nicht. Weg mit dem Verschachern unseres Lebens, in sinnlosen Jobs fĂŒr endlose Stunden. Keine Übergabe unserer kollektiven EntscheidungsfĂ€higkeit an BĂŒrokraten, die an einer Wahlurne gewĂ€hlt wurden


Die Angst ist mĂ€chtig und Pandemien sind beĂ€ngstigend. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass viele bereit sein werden, Rechte und Freiheiten, Hoffnungen und Bestrebungen aufzugeben, fĂŒr das Versprechen von Sicherheit und Gesundheit. Aber der einzige Weg, die Angst zu heilen, ist Vertrauen. Vertrauen in uns selbst, in unsere kollektive StĂ€rke, in gegenseitige Hilfe und Zusammenhalt, in die SolidaritĂ€t
 Um diese UnterstĂŒtzung und SolidaritĂ€t wirksam zu machen, ihre WĂ€rme in unserem Leben zu spĂŒren und sie fĂŒr die Lösung globaler Probleme nutzbar zu machen, mĂŒssen wir mĂ€chtige Organisationen aufbauen, die uns zusammenbringen. Es kann eine Basisgewerkschaft sein, ein Mieterverband, eine Gruppe gegen KĂŒrzungen und Sparmaßnahmen, eine radikale Umweltkampagne, ein feministisches Kollektiv oder eine andere. All das und noch viel mehr sind erforderlich, um den Wandel, den wir brauchen, in einem revolutionĂ€ren Ausmaß umzusetzen. Nur die Menschen helfen den Menschen!

Kehren wir also nicht zur NormalitĂ€t zurĂŒck. Seien wir kĂ€mpferisch!

Miguel Perez, SekretÀr der Internationalen Konföderation der Arbeiter*innen (ICL-CIT)

1.- Überwachung und autoritĂ€re Regime

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der autoritĂ€ren Regime zugenommen, die wenig oder gar keine politische Freiheit mit nackten Marktkapitalismus kombinieren. Offensichtlich ist das Paradigma in dieser Hinsicht China, aber es gibt auch viele andere, wie Russland, die TĂŒrkei, Saudi-Arabien usw. Gleichzeitig ist der konservative Populismus praktisch ĂŒberall auf dem Vormarsch. Nicht nur in den entwickelten LĂ€ndern, wo die Einwanderung oft als Ausrede fĂŒr eine allgemeine Verschiebung des politischen Spektrums nach rechts benutzt wird, sondern auch in LĂ€ndern wie Indien.

Inzwischen ist die staatliche und kommerzielle Überwachung von BĂŒrger*innen und Konsument*innen ĂŒberall auf der Welt zum Normalzustand geworden.

Die Covid-19-Krise verschĂ€rft nun diese Entwicklungen weiter. Es ist ganz offensichtlich, dass die FĂ€higkeit, die Ausbreitung der Krankheit einzudĂ€mmen, von Land zu Land sehr unterschiedlich ist. Wahrscheinlich war keines so erfolgreich wie SĂŒdkorea, aber auch China scheint sich gut geschlagen zu haben, selbst wenn man ein hohes Maß an offizieller Zahlenmanipulation annimmt. Im Gegensatz dazu verzeichnen Italien, Spanien und die USA die höchsten Sterberaten weltweit.

DafĂŒr gibt es vermutlich viele GrĂŒnde und jeder Fall ist einzigartig. Eine eingehende Diskussion wĂŒrde den Rahmen dieses Textes sprengen. Viele werden jedoch sicherlich auf die Überwachung und Kontrolle, die viele asiatische Staaten ĂŒber die Bevölkerung ausĂŒben, als einen der HauptgrĂŒnde verweisen. Auch auf den Umstand, dass eine autoritĂ€re Regierung, wie die chinesische, zu Beginn des Ausbruchs schnell hĂ€rtere Maßnahmen einfĂŒhren und durchsetzen kann.

Ein wahrscheinliches Ergebnis der Gesundheitskrise wird eine allgemein verbreitete Akzeptanz von mehr autoritĂ€ren Regimen und sicherlich auch von mehr staatlicher Überwachung sein. Es gibt bereits Stimmen, die in diese Richtung weisen. Der Einsatz von Gesichtserkennung, Tracking-Apps, Mobiltelefonaufzeichnungen usw., den die sĂŒdkoreanischen Behörden bei der Suche nach infizierten Personen gemacht haben, wird diese Entwicklungen in Zukunft sicherlich vielen Menschen schmackhafter machen. Denn wenn das Leben auf dem Spiel steht, sind Diskussionen mĂŒĂŸig und Angst ist eine sehr starke Motivation.

Diese Instrumente der Überwachung sind aber auch ein RĂŒckgrat der modernen autoritĂ€ren Regime (neben der bewĂ€hrten physischen UnterdrĂŒckung von Gegnern). Wirft man all dies in einen Kessel mit ĂŒberdrehten nationalistischen Politikern, fremdenfeindlichen Populisten, tollwĂŒtigen Konservativen, pseudokommunistischen Diktatoren oder theokratischen Regierungen, hat man ein Pulverfass, das jederzeit bereit ist, in die Luft zu gehen.

Es scheint, als mĂŒssten wir uns dringend von den Demonstrant*innen in Hongkong lernen, wie wir unsere Bewegungen angesichts der massiven Überwachung und der staatlichen Repression schĂŒtzen können.

2.- Bezahlen, um weiterzumachen wie bisher

Es steht außer Frage, dass die Gesundheitskrise die Weltwirtschaft ruinieren wird. In gewissem Umfang hat sie dies bereits getan, aber in den kommenden Monaten wird es noch viel schlimmer werden. Die Zahlen sind bekannt, es ist nicht nötig, sie hier zu wiederholen. Die Vorhersagen sind dĂŒster. Man muss wahrlich kein NobelpreistrĂ€ger sein, um zu verstehen, dass Millionen von Arbeiter*innen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, und Unternehmen, die rund um den Globus Pleite gehen werden, schnell zu einem Debakel fĂŒr Banken, Börsen und die Finanzwelt im Allgemeinen werden können.

Vor dem Hintergrund der Rezession von 2008 ist die Aussicht fĂŒr die Regierungen erschreckend. So erschreckend, dass viele bereit sind, das Leben ihrer BĂŒrger aufs Spiel zu setzen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Denken wir nur an die USA, Großbritannien usw. Wo dies nicht gelingt, haben sie alle schnell das Scheckbuch fĂŒr magische Billionen in Form von Konjunkturpaketen gezĂŒckt. Das Geld, das in den vergangenen Jahren der KĂŒrzungen und Sparmaßnahmen nicht gefunden werden konnte, ist plötzlich aufgetaucht und ist bereit, großzĂŒgig verteilt zu werden. Unsere Genossen von der USI in Italien haben bereits auf die » Auswirkungen der KĂŒrzungen auf das Gesundheitssystem in ihrem Land und die Folgen in der gegenwĂ€rtigen Krise hingewiesen. Sicherlich könnte man dasselbe auch von jedem anderen Ort sagen.

Wir waren schon einmal an diesem Punkt. Nach dem Finanzcrash 2008 wurden mit großen öffentlichen Getöse zig Milliarden zur Rettung von Banken und anderen Unternehmen eingesetzt. Die Reden verschwanden schnell aus der Erinnerung, die EigentĂŒmer großer Unternehmen steckten das Geld ein, vielen Dank, und ĂŒberließen es dann uns Arbeit*innen, die Last ihrer Rettungsaktionen durch KĂŒrzungen und Sparmaßnahmen zu schultern. Nichts geschah, außer einer Verschlechterung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass all diese milliardenschweren Konjunkturpakete jetzt dazu verwendet werden, die Ölförderung aufrechtzuerhalten, den Flugverkehr anzukurbeln, Autos auf die Straße und Schiffe aufs Wasser zu bringen, Kohle in Kraftwerken zu verbrennen, ViehzĂŒchter den Regenwald abholzen zulassen, Fabriken billigen PlastikmĂŒll fĂŒr Halloween und Weihnachten produzieren zu lassen, Ausbeuterbetriebe die trendigsten Modeartikel auf den Markt werfen zu lassen, Technologieunternehmen ihre neuesten Gadgets enthĂŒllen zu lassen 
 alles wie bisher.

In der Tat, das ist der Plan. Schnellstmögliche RĂŒckkehr zum Stand der Dinge davor, so tun, als sei COVID-19 nie passiert und Augen zu vor den vielen anderen globalen Probleme, die es da draußen gibt. Aber diese Pandemie hat gezeigt, dass die Devise „Aus den Augen, aus dem Sinn“, den unsere Gesellschaften so gerne praktizieren, nicht wirklich funktioniert. Eine RĂŒckkehr zum TagesgeschĂ€ft und die Hoffnung darauf, dass Experten und Politiker schon fĂŒr unsere Sicherheit sorgen werden, ist keine tragfĂ€hige Strategie. Das war sie natĂŒrlich auch davor nie, aber niemand kann das jetzt noch leugnen. Die COVID19-Krise ist der Weckruf, um zu erkennen, dass wir tief in der Scheiße sitzen.

3.- Bezahlen fĂŒr die nĂ€chste Krise

Einige haben auf die Vorteile der Krise fĂŒr die Umwelt hingewiesen. Die Umweltverschmutzung scheint kurzfristig auf einem historischen Tiefstand, Tiere und Pflanzen beanspruchen die von den Menschen wĂ€hrend der QuarantĂ€ne verlassenen NaturrĂ€ume zurĂŒck. Doch selbst wenn jemand geneigt wĂ€re, diese Entwicklungen als gute Nachrichten inmitten einer riesigen humanitĂ€ren Krise zu betrachten, werden sie wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein. TatsĂ€chlich kann das Endergebnis schlimmer sein als zuvor.

Zum einen sind diese VerĂ€nderungen nur vorĂŒbergehend. Zum anderen machen Unternehmen und Regierungen bereits PlĂ€ne, den Umweltschutz zu lockern und NachhaltigkeitsplĂ€ne zugunsten der wirtschaftlichen Erholung fallen zu lassen. Das bedeutet neue Kohlekraftwerke, um in Schwierigkeiten geratene Fabriken schnell mit billiger Energie zu versorgen, oder mehr Bohrinseln und subventionierte Brennstoffe zur UnterstĂŒtzung der Fluggesellschaften und der Schifffahrt, um nur einige zu nennen. Selbst wenn man den NachfragerĂŒckgang aufgrund der wirtschaftlichen Verlangsamung berĂŒcksichtigt, könnte die Gesundheitskrise sehr nachteilig fĂŒr die Umwelt sein.

Die globale ErwÀrmung und der Zusammenbruch der Umwelt halten unvermindert an. Sie haben mit der QuarantÀne nicht aufgehört, nur weil niemand zuschaut. Die Eiskappen schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die WÀlder brennen weiter. Einige Studien sehen sogar einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Pandemien und dem immmer schnelleren Vordringen in die letzten NaturrÀume und deren Zerstörung.

Aber der Umweltnotstand ist nicht der einzige, der den Planeten im Moment verwĂŒstet. Wirtschaftliche Ungleichheit, Armut und Ausbeutung plagen weiterhin ganze Gemeinschaften ĂŒberall auf der Welt. Die Auswirkungen der Gesundheitskrise können fĂŒr sie verheerend sein. Nicht nur in Bezug auf den eingeschrĂ€nkten Zugang zur Gesundheitsversorgung, obwohl dies sicherlich ein Faktor ist. Beispielsweise hat sich COVID-19 in den Ă€rmeren (vorwiegend schwarzen) Communities in den USA bereits weiter ausgebreitet und ist dort tödlicher. Aber es ist auch, wie schon in frĂŒheren Wirtschaftskrisen, wahrscheinlich, dass die Hauptlast des WirtschaftsrĂŒckgangs von den Arbeiter*innen auf der ganzen Welt getragen wird. Von Nord- bis SĂŒdamerika, von Europa bis Asien gibt es eine Arbeiter*innen-Klasse, die die Auswirkungen des Wirtschaftsabschwungs spĂŒren wird bzw. bereits jetzt spĂŒrt.

Wenn die Krise von 2008 als Bezugspunkt verwenden, ist es absehbar, dass ArbeitsplĂ€tze verloren gehen, dass die Löhne nach unten gedrĂŒckt gedrĂŒckt werden, dass ZwangsrĂ€umungen und Obdachlosigkeit zunehmen werden und unsere Arbeits- und Lebensbedingungen sich auf breiter Front verschlechtern werden. Ärmeren Gemeinschaften in EntwicklungslĂ€ndern droht eine Hungersnot, wĂ€hrend soziale Ausgrenzung und Ausschluß in anderen Teilen der Welt zum Normalzustand werden könnte. Gleichzeitig werden Banker und Bosse von den Regierungnen großzĂŒgige Konjunkturpakete aus Steuergeldern erhalten, und sie werden sicherlich Wege finden, diese einzusacken. Kein Wunder, dass die Ungleichheit nach jeder Wirtschaftskrise weiter in die Höhe schießt.

4.- Nur die Menschen helfen den Menschen

Unsere Genossen der argentinischen FORA haben es » laut und deutlich gesagt: Gebt unseren Chefs keine milliardenschweren Konjunkturpakete! Gebt uns Arbeiter*innen das Geld und wir kĂŒmmern uns um uns selbst und unsere Gemeinden!

Sicherlich könnten die Gemeinden angesichts der Aussicht auf einen ökologischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch dieses Geld dazu verwenden, alternative Wege der Ressourcenbewirtschaftung zu schaffen, die den Interessen der Menschen und nicht den Interessen der AktionĂ€re dienen, die die Umwelt respektieren und die Ungleichheit und soziale Ausgrenzung bekĂ€mpfen. Zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt kann niemand behaupten, dass die Welt nicht besser finanzierte Gesundheitssysteme, angemessene Wohnungen und sanitĂ€re Einrichtungen fĂŒr alle, garantierten Zugang zu Bildung, ökologisch nachhaltige Energiequellen, menschenwĂŒrdige Lebensbedingungen als einen Anfang braucht.

Nichts von all diesen Dingen wird durch die Rettung von Unternehmen erreicht werden, die aus der Umweltverschmutzung, der Ausbeutung von Arbeiter*innen und der Auszahlung von Boni und Dividenden Profit schlagen. Auch nicht, indem man den Konsument*innen individuell Geld gibt, damit sie hinausgehen und es ausgeben können. Der von der Trump-Administration angesichts einer tödlichen Systemkrise verfolgte Ansatz des „Geh und kauf dir was Schönes!“ ist das beste Beispiel fĂŒr die Denkweise des Marktes, die soziale Probleme auf individuelle Entscheidungen der Verbraucher reduziert. Als ob der Kauf neuer Kleidung oder Autos den Virus wegzaubern wĂŒrde.

Nein, soziale und systemische Probleme erfordern soziale und systemische Lösungen. Und nichts davon wird geschehen, wenn die Regierungen unkontrolliert weitermachen und Billionen versenken, um eine krĂ€nkelnde Wirtschaft zu retten, sei es direkt oder durch Förderung der Verbraucherausgaben. Es mĂŒssen drastische und dauerhafte VerĂ€nderungen vorgenommen werden. So drastisch, dass sie revolutionĂ€r sind. Eine revolutionĂ€re Transformation, die kein Staat, keine Regierung, kein Boss und kein Politiker willens oder in der Lage ist, durchzufĂŒhren.

In den kommenden Monaten und Jahren wird es an uns, den Arbeiter*innen der ganzen Welt, liegen, einen Ausweg zu finden und umzusetzen. In Anbetracht der vielen Fragen, mit denen wir uns befassen mĂŒssen, mag dies als eine gewaltige Aufgabe erscheinen. Wenn wir jedoch an einem Strang ziehen, umfassende dezentralisierte Bewegungen aufbauen, die auf SolidaritĂ€t und gegenseitiger Hilfe beruhen, und starke Organisationen sowie internationale Verbindungen und Netzwerke entwickeln, gibt es nichts, was die kollektive Intelligenz von Hunderten von Millionen Menschen nicht erreichen kann. Wir sind eine mĂ€chtige Kraft. Mit den Instrumenten, die uns zur VerfĂŒgung stehen, um uns miteinander zu verbinden, zu kommunizieren und zu teilen, sind wir nicht aufzuhalten. In der gegenwĂ€rtigen Situation ist es normal, sich schrecklich und ĂŒberwĂ€ltigt angesichts der Zukunft zu fĂŒhlen, wenn wir nur auf Politiker und GeschĂ€ftsleute schauen, um Antworten zu erhalten. Es sind wir Arbeiter*innen, Arbeitslose, Rentner, Student*innen, Migrant*innen
, die in der Lage sind, gemeinsam einen Weg in die Zukunft aufzuzeigen. Das Vertrauen in unsere eigenen FĂ€higkeiten und Möglichkeiten ist der einzige Impfstoff gegen die Angst.

SolidaritĂ€t und gegenseitige Hilfe brauchen jedoch die passenden Organisationen, die ĂŒber individuelle Akte von WohltĂ€tigkeit hinausgehen und zu eigenen sozialen KrĂ€ften mit einem unbegrenzten Transformationspotenzial werden. Umweltschutz lĂ€sst sich nicht auf die Wahl des Verbrauchers reduzieren, so wie es viele Unternehmen und Regierungen, die Ökologie betreiben, uns glauben machen wollen. Er erfordert, dass mĂ€chtige radikale UmweltschĂŒtzergruppen aktiv werden. Die Gleichstellung der Frauen wird nicht nur durch die Verabschiedung von Gesetzen RealitĂ€t werden. Es ist ein richtiggehender kultureller Wandel erforderlich, der nur aus den HĂ€nden von Frauen und MĂ€nnern kommen kann, die den Sexismus in ihrem tĂ€glichen Leben bekĂ€mpfen. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und aggressiver Nationalismus werden nicht verschwinden, wenn wir sie nicht von unseren Straßen verjagen.

Schließlich werden die tödlichen Viren der Ungleichheit, der Armut und der Ausbeutung weiterhin die internationale Ordnung beherrschen, solange wir zulassen, dass diese von den KrĂ€ften der kapitalistischen Globalisierung beherrscht wird. In dieser Hinsicht sind anarchosyndikalistische und revolutionĂ€re Gewerkschaften Instrumente, die uns zur VerfĂŒgung stehen, um zurĂŒckzuschlagen und um die Rechte der Arbeit*innen zu verteidigen. Dies wird in den kommenden Monaten des wirtschaftlichen Abschwungs von entscheidender Bedeutung sein, damit die Arbeit*innen nicht erneut die Hauptlast der Krise tragen mĂŒssen. Aber nicht nur das. Diese Gewerkschaften sind auch wesentliche Bestandteile jeder Bewegung fĂŒr soziale und wirtschaftliche Transformation. Die Betriebsgruppen revolutionĂ€rer Gewerkschaften am Arbeitsplatz bilden die Grundlage, auf der die Arbeiter*innen die Produktion so umgestalten können, dass diese ihren tatsĂ€chlichen BedĂŒrfnissen gerecht wird. Sie sind die Bausteine einer Wirtschaft, die das Leben, unser Leben, und nicht den Profit schĂŒtzt.

Nur die Menschen helfen den Menschen. Nur wir selbst können uns retten. Die gemeinsamen und globalen Probleme, denen wir uns stellen mĂŒssen, sind zahlreich und komplex. Deshalb brauchen wir alle HĂ€nde an Deck. Jetzt gibt es kein Wegschauen mehr. Es geht darum, sich in Bewegung zu setzen und kĂ€mpferisch zu sein.

Internationale Konföderation der Arbeit (ICL-CIT)




Quelle: Duisburg.fau.org