MĂ€rz 13, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Pressemitteilung der Betriebsgruppe Learnship der FAU Berlin und der FAU Köln

COVID als Vorwand fĂŒr Ausbeutung

Learnship, ein internationaler Dienstleister in der digitalen Sprachvermittlung mit deutschen Standorten in Berlin und Köln, gebraucht die Corona-Pandemie als Rechtfertigung dafĂŒr, seinen freiberuflich tĂ€tigen LehrkrĂ€ften mehr Arbeit und eine geringere Bezahlung an der Grenze des Mindestlohns zuzumuten.

Learnship schult MitarbeiterInnen von ĂŒber 2.000 KundInnen in 75 LĂ€ndern – darunter fĂŒhrende Marken wie Amazon, Bertelsmann, NestlĂ©, Puma, Roche und Volvo – mit dem Fokus auf Trainer-gefĂŒhrtem Onlineunterricht. Wie bei vielen anderen Unternehmen in dieser Branche, arbeiten bei Learnship nur ein paar Festangestellte. Die meisten TrainerInnen sind freiberuflich tĂ€tig. Allein fĂŒr den Deutschunterricht verfĂŒgt Learnship ĂŒber einen Pool von ca. 150 TrainerInnen.

Diesen und allen anderen qualifizierten FachkrĂ€ften fĂŒr andere Sprachen wurde Ende Mai 2020 rĂŒckwirkend zum 1. Mai 2020 das Honorar um 25 % gekĂŒrzt. TrainerInnen wurde per E-Mail ein Ultimatum gestellt: Entweder sie unterschreiben den neuen Vertrag und akzeptieren die KĂŒrzungen oder sie bekommen keine Kurse mehr zugewiesen, sind also „on hold“. Learnship teilte ihnen mit, dass die KĂŒrzung zeitlich begrenzt sei und die Honorare wieder erhöht wĂŒrden, sobald es wegen Wegfalls der coronabedingten finanziellen Einbußen wieder möglich sei. Vielen blieb keine andere Wahl, als zu unterschreiben. Viele taten es nicht, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten konnten, so wenig Geld zu verdienen.

Die KĂŒrzung der Honorare, angeblich dank der Corona-Pandemie, war allerdings nur die letzte in einer Reihe von schmerzenden Maßnahmen. Learnship hat sich seit den AnfĂ€ngen als kleines, enthusiastisches Start-up im Jahr 2008 sehr verĂ€ndert. Im Laufe der Jahre gab es viele kleine, aber bedeutende Änderungen. Learnship bezahlt seinen LehrkrĂ€ften nicht nur weniger Geld, sondern lastet ihnen auch mehr Arbeit an – Arbeit, fĂŒr die die MitarbeiterInnen in den BĂŒros Köln und Berlin eigentlich verantwortlich gewesen sind. Diese MitarbeiterInnen buchten immer die wöchentlichen Unterrichtsstunden fĂŒr LehrkrĂ€fte und Lernende. „Optimierungen“ in der IT erlaubten es den LehrkrĂ€ften dann 2020, dies selbst zu tun, was Zeit in Anspruch nimmt, die nicht bezahlt wird.

Braucht eine Lehrkraft kurzfristig UnterstĂŒtzung, sei es wegen eines technischen Problems oder eines Notfalls, so konnte sie vor 2020 bei Learnship anrufen oder MitarbeiterInnen per Skype erreichen, um die nötige Hilfe zu bekommen. Auch angeblich coronabedingt funktioniert die Kommunikation mit Learnship seit Anfang 2020 weder telefonisch noch ĂŒber Skype. Eine automatische Stimme erklĂ€rt am Telefon, dass Learnships MitarbeiterInnen nur noch ĂŒber E-Mail zu erreichen sind. Bei Skype wird die Hilfe suchende Lehrkraft einfach ignoriert. 

Es ist in der Branche der Sprachvermittlung Standard, die LehrkrĂ€fte zu bezahlen, wenn Lernende nicht erscheinen. Auch das hat sich geĂ€ndert. Bei Nichterscheinen von Lernenden bekommen LehrkrĂ€fte seit 2018 nur noch ein Drittel des Stundenlohns – ein Drittel deshalb, weil sie 20 Minuten auf Lernende warten mĂŒssen. Warten mussten sie auch vorher, aber dann wenigstens fĂŒr die voll bezahlte Stunde. Die Stunde ist fĂŒr die lernende Person verloren, fĂŒr die Lehrkraft zu einem Drittel bezahlt. Da KundInnen laut Vertrag vor Kursbeginn die Stunde voll bezahlen mĂŒssen, ist das lukrativ fĂŒr Learnship, aber ein Verlust fĂŒr LehrkrĂ€fte und Lernende.

Da die LehrkrĂ€fte nicht angestellt sind, werden sie steuerlich und rechtlich als FreiberuflerInnen behandelt. Als solche sind sie von grundlegenden ArbeitnehmerInnenrechten ausgeschlossen und fĂŒr ihre steuerlichen Abgaben sowie ihren Versicherungsschutz selbst verantwortlich. Learnship stellt es schlau an, mit vielen kleinen geldsparenden Maßnahmen auf Kosten von FreiberuflerInnen Geld zu verdienen. Aber das sehen die LehrkrĂ€fte nicht mehr ein. Sie fordern

  • RĂŒcknahme der HonorarkĂŒrzung
  • mehr Kommunikation in Form von regelmĂ€ĂŸigen Newslettern und Transparenz der Honorare
  • Bezahlung von durch Lernende verpassten Unterrichtseinheiten.

Pressekontakt:

Pressesekretariat FAU Berlin

faub-presse@fau.org

+49 1579 2367310




Quelle: Fau.org