November 29, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Am Montag ist vor dem Potsdamer Landgericht der Prozess im Fall Oberlin fortgesetzt worden. Der Notarzt, der nach der Gewalttat vom 28. April 2021 in das Babelsberger Thusnelda-von-Saldern-Haus gerufen wurde, berichtete vor Gericht von dem Einsatz, der ihn noch Tage danach beschĂ€ftigt habe. Der Mediziner versorgte die Bewohnerin, die die Tat schwer verletzt ĂŒberlebt hatte. 

„Da muss man sehr entschlossen sein, um das durchzufĂŒhren“, sagte er vor Gericht. Der lange Schnitt am Hals der Frau mĂŒsse nach seiner EinschĂ€tzung „mit ruhiger Hand“ und einem scharfen Messer durchgefĂŒhrt worden sein. Zudem habe er festgestellt, dass die Bewohnerin bei der Behandlung Schmerzreaktionen gezeigt habe, was ihn vermuten lasse, dass sie auch den Schnitt am Hals gespĂŒrt habe. 

Der Pflegekraft Ines R. (52) wird vorgeworfen, die Bewohnerin mit einem Messer schwer verletzt und vier Bewohner des Heims fĂŒr Menschen mit Behinderung getötet zu haben.

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Zwei Messer bei Hausdurchsuchung gefunden

Auch der Kriminalkommissar, der die Hausdurchsuchung bei der Angeklagten geleitet hatte, sagte aus. Karsten T. gab vor dem Landgericht Potsdam an, der Ehemann der Angeklagten habe offensichtlich „Redebedarf“ gehabt. Thimo R. habe geĂ€ußert, die Tat sei ihm „nicht erklĂ€rlich“. Er habe von Überlastung seiner Frau durch bis zu zwölftĂ€gige ArbeitseinsĂ€tze mit bis zu zwölfstĂŒndigen Diensten berichtet.

Bei der Hausdurchsuchung seien zwei Messer gefunden worden, von denen der Ehemann nach eigenem Bekunden keine Kenntnis gehabt habe, sagte der Kriminalkommissar weiter aus. Der Ehemann habe sich geĂ€ußert, obwohl der Verteidiger ihm davon abgeraten habe.

Die beiden Ärzte, die die Angeklagte im Prozess wegen der Tötung von vier Schwerstbehinderten im Potsdamer Oberlinhaus nach der Tat untersuchten, haben einander widersprechende Angaben ĂŒber ihren Zustand gemacht. Der Gerichtsmediziner Knut A. sagte am Montag vor dem Landgericht Potsdam aus, er habe sie bei der Untersuchung in den frĂŒhen Morgenstunden des Folgetags bedrĂŒckt und verlangsamt wahrgenommen.

[Lesen Sie auch: Der Mordprozess Oberlinhaus: Die AbgrĂŒnde der Angeklagten Ines R. – eine Rekonstruktion (T+)]

Ihre Augen seien geschwollen und gerötet gewesen, die Pupillen leicht erweitert, sagte der Gerichtsmediziner. Daher habe er eine Untersuchung ihrer Gewahrsamstauglichkeit angeregt. Ines R. wurde am Tag nach der Tat in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Der Arzt, der in den Stunden unmittelbar nach der Tat entschieden hatte, sie könne in Gewahrsam genommen werden, beschrieb sie vor Gericht als „sehr entspannt, fast gelöst“. Fragen nach Erschöpfung und Niedergeschlagenheit habe sie verneint, sagte Sascha J. aus. Ihr Zustand habe in einem MissverhĂ€ltnis zu den VorwĂŒrfen gestanden. Möglicherweise habe sie diese nicht wahrhaben wollen. Wegen Bedenken, dass ihr die Tragweite des Geschehens klar werden könne, habe er angesichts drohender Suizidgefahr Sichtkontrolle angeordnet.

WidersprĂŒchliche Angaben ĂŒber die Angeklagte 

Die beiden Ärzte, die die Angeklagte nach der Tat untersuchten, haben einander widersprechende Angaben ĂŒber ihren Zustand gemacht. Der Gerichtsmediziner Knut A. sagte aus, er habe sie bei der Untersuchung in den frĂŒhen Morgenstunden des Folgetags bedrĂŒckt und verlangsamt wahrgenommen.

Ihre Augen seien geschwollen und gerötet gewesen, die Pupillen leicht erweitert, sagte der Gerichtsmediziner. Daher habe er eine Untersuchung ihrer Gewahrsamstauglichkeit angeregt. Ines R. wurde am Tag nach der Tat in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Der Arzt, der in den Stunden unmittelbar nach der Tat entschieden hatte, sie könne in Gewahrsam genommen werden, beschrieb sie vor Gericht als „sehr entspannt, fast gelöst“. Fragen nach Erschöpfung und Niedergeschlagenheit habe sie verneint, sagte Sascha J. aus. Ihr Zustand habe in einem MissverhĂ€ltnis zu den VorwĂŒrfen gestanden. Möglicherweise habe sie diese nicht wahrhaben wollen. Wegen Bedenken, dass ihr die Tragweite des Geschehens klar werden könne, habe er angesichts drohender Suizidgefahr Sichtkontrolle angeordnet.(mit epd)




Quelle: Inforiot.de