Februar 10, 2021
Von FAU Flensburg
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Nach der Übernahme des GetrĂ€nkelieferanten „Flaschenpost“ durch die Dr. Oetker-Gruppe und die Zusammenlegung mit „Durstexpress“ stehen allein am Standort Leipzig 500 Mitarbeiter:innen vor der Entlassung. Weitere Standorte in Bochum und Berlin sind von Schließungen betroffen – insgesamt droht ĂŒber 900 Mitarbeiter:innen eine ungewisse Zukunft. Wir haben uns mit dem Durstexpress-Lieferanten Konrad unterhalten und ihn zur aktuellen Situation befragt.

Hallo Konrad, vielen Dank, dass du die Zeit gefunden hast. Wie habt ihr von eurer KĂŒndigung erfahren?

Offiziell haben wir am 20. Januar 2021 das erste Mal von der KĂŒndigung gehört. Schon alleine das verlief sehr schrĂ€g: Wir haben eine Mail erhalten, in der uns Durstexpress beglĂŒckwĂŒnscht hat, dass der Standort in Leipzig nicht geschlossen werde. Zehn Minuten spĂ€ter erhielten wir eine weitere Mail. In der Betreffzeile Stand „Korrektur“ und dass der Standort Leipzig bis zum 28. Februar 2021 doch geschlossen werden soll. Somit war fĂŒr uns alle klar, dass wir demnĂ€chst auch mit KĂŒndigungen rechnen mĂŒssen.

Interessanterweise wusste das lokale Management schon vor dem 20. Januar, dass der Standort Leipzig geschlossen werden soll und wollte vermutlich nichts durchsickern lassen, da es hoffte, dass sie eine Anstellung bei dem anderen GetrĂ€nkelieferanten Flaschenpost erhalten könnten. Als wir 500 Kolleg:innen letzte Woche die schriftliche KĂŒndigung per Einschreiben von Durstexpress erhielten, wurde auch das lokale Management gekĂŒndigt.

Wie wir vermuten, ist die Entscheidung schon bei der Übernahme von dem GetrĂ€nkelieferanten Flaschenpost durch die Dr. Oetker-Gruppe vorprogrammiert gewesen. Insgesamt hat die Dr. Oetker-Gruppe ĂŒber eine Milliarde Euro fĂŒr den Aufkauf der deutschlandweiten einzigen Konkurrenz Flaschenpost bezahlt. Ziel ist es nun, ein neues Label zu kreieren mit einer Monopolstellung in Deutschland. Ebenfalls soll das Unternehmen „schlanker“ ausgebaut werden. HauptsĂ€chlich sind die Kolleg:innen aus Leipzig, Bochum und Berlin von den Werksschließungen und KĂŒndigungen betroffen, da hier Flaschenpost und Durstexpress gemeinsam tĂ€tig waren.

Was wurde euch nach der KĂŒndigung angeboten?

Mit der zweiten Mail vom 20. Januar 2021 wurde uns gesagt, dass wir uns doch einfach bei Flaschenpost bewerben könnten. In der Mail waren sogar Links zum Bewerber:innenportal der Flaschenpost-Homepage. In einem Formular konnten wir dann als Bemerkung schreiben, dass wir zuvor bei Durstexpress gearbeitet haben.

NatĂŒrlich ist das alles eine Frechheit – nicht nur, weil manche Kolleg:innen im Endeffekt nicht angenommen wurden, sondern auch, weil so die alten VertrĂ€ge nicht ĂŒbernommen werden mĂŒssen. So können die befristeten BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse neugestaltet werden – das gilt auch fĂŒr die Probezeit. Beispielsweise werden die Kolleg:innen mit ehemaliger VollbeschĂ€ftigung so gezwungen, nochmal zwei Jahre auf ihre Entfristung zu warten. Die VertrĂ€ge können zu jedem Jahresende gekĂŒndigt werden.

Das heißt auch, dass wir nochmal komplett den Bewerbungsprozess durchlaufen mĂŒssen. Das hat vor allem fĂŒr die Kolleg:innen Konsequenzen, die zuvor durch gewerkschaftliche TĂ€tigkeiten oder niedrigere Effizienz aufgefallen sind. Im gleichen Atemzug wurde den Fahrer:innen und Lagerist:innen ein Aufhebungsvertrag angeboten, um bei Flaschenpost schneller ĂŒbernommen werden zu können. Doch das ist die nĂ€chste Farce: ein Aufhebungsvertrag entbindet den Arbeitgeber von der Pflicht irgendwelcher Nachzahlungen, falls uns rechtliche Schritte gegen die Werksschließung gelingen sollten. Falls Flaschenpost die Kolleg:innen dann doch nicht ĂŒbernimmt, heißt das auch, dass sie bei einem Aufhebungsvertrag kein Recht auf Arbeitslosengeld haben, da ihnen ja nicht gekĂŒndigt wurde. Ein niedrigeres Gehalt gibt es bei Flaschenpost mit einem höheren Leistungsdruck obendrein. Stimmungstechnisch fĂŒhrt das gerade bei uns zu großen VerĂ€rgerungen und Unsicherheit. Meine Kolleg:innen und ich sind auf die Arbeit angewiesen. Darum mĂŒssen wir zusammen kĂ€mpfen!

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Quelle: Fau-fl.org