Januar 6, 2022
Von Anarchistische Gruppe LĂŒbeck
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Ein Transparent kann so vieles sein: Eine nette Dekoration, gut gepanzert auch ein Schutz auf Demos, ein Medium der Informationsverbreitung oder ein aussagekrÀftiges Prestigeobjekt, kurzum: Es ist der Stoff aus dem die TrÀume sind.

Auf der anderen Seite kann ein Transpi bei dem richtigen VerhĂ€ltnis aus Baumwolle zu Polyester sowie einer gehörigen Prise Pyromanie und Dummheit vor allem auch eines: NĂ€mlich gut brennen. Dieser allzu menschliche Gedankengang, welcher ungefĂ€hr so lautet: „was nicht passt, wird abgefackelt“ ging Ende diesen Jahres wohl auch einer Person mit ausgeprĂ€gtem AutoritĂ€tsfetisch durch den Kopf. Und so trug es sich zu, dass sich unser „Polizei – weder Freund noch Helfer“ Transpi in Rauch auflöste. Na ja was will Mensch machen? Wir verneinen ja selbst nicht, das Feuer auch ein legitimes Mittel des Aktionismus sein kann. Sei es drum. Also werde eben dieses Transparent in der (fast) gleichen Form reproduziert und wieder aufgehangen. Nur wurde dieses Mal eine klitzekleine, inspirative Anregung hinzugefĂŒgt, was sich noch so alles in Brand setzen lĂ€sst, außer bemalte StoffstĂŒcke.

FĂŒr uns bedeutete dieser Kommentar nicht mehr, als eine humoristische Randnotiz an den Menschen, dessen Liebe zu Ottos in Uniformen, den eigenen ZĂŒndelwahn beflĂŒgelte. Doch fĂŒr alle Zivis und anderen Provinzbullen, welche nicht viel besseres zu tun haben als vor der Walli rumzulungern, war dieser Spruch eine unertragbare Provokation und so witterte wohl ein begeisterter Beamte seine große Chance, als er voller Erregung zum Diensttelephon griff und seinem Vorgesetzten berichten durfte: „Diesmal haben es die Zecken zu weit getrieben!“ Wie Mensch annehmen dĂŒrfte, trat diese Kunde bei den sonst eher verpennten und missmutigen Cops ein regelrechtes Lauffeuer der Begeisterung los. Es stellte sich die Frage, wie können wir dem autonomen Pack am besten einen Strick daraus drehen? Im Eifer der Entscheidungsfindung, ignorierte Mensch mal ebenso die eigenen Gesetze und heraus kam die tolle Idee: Aufruf zum Mord.

Dass es fĂŒr eine solche Anzeige etwas mehr braucht als ein „next time light him up“ war an dieser Stelle dann auch egal. Die Cops zögerten nicht lange ihre Drohung auszurichten: Entweder das Transpi wird abgehĂ€ngt oder die tapferen Freund*innen und Helfer*innen machen sich selbst auf den Weg, um uns das StĂŒck Stoff zu klauen und noch die Anzeige drauf zu setzen. Der komödiantische Faktor dieser ganzen Aktion wurde auch dadurch erhöht, da auf dem besagten Transpi Machtmissbrauch bei den Bullen sowie Polizeigewalt im Allgemeinen thematisiert wurde. Doch dieser metaphysische Humor drang natĂŒrlich nicht zu den zutiefst gekrĂ€nkten Bullen durch. Um den Cops also nicht die Genugtuung zu geben ihren Plan durchsetzen zu können, wurde der erste blöde Kommentar durch den NĂ€chsten ersetzt: „Don‘t hurt my feelings!“ Es war sogar weniger ein Kommentar, als ein darauf aufmerksam machen, dass hinter jedem Bullen auch ein Mensch steckt. Und auch wenn diese Menschen tĂ€glich morden, inhaftieren, prĂŒgeln und mit Freuden den Willen des Staates durchboxen, haben auch sie GefĂŒhle, die Mensch bloß nicht verletzen darf. Denn alles andere wĂ€re einfach unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig und außerdem auch voll gemein. Also gaben die Cops sich letztlich auch damit zufrieden, dass wir ihre verletzten GefĂŒhle wahrnahmen und akzeptierten. Doch wie das nun mal so ist mit der Zufriedenheit, kann sie leider nicht von allen geteilt werden. Das GemĂŒt einer weiteren Person war immer noch nicht besĂ€nftigt. Und so kam es, dass das zweite, thematisch zugehörige Transpi eines Nachts geklaut wurde. Auf diesem Transpi standen lediglich Fakten ĂŒber die Inhalte des neuen Polizeigesetzes, welches klammheimlich durchgesetzt werden soll. Na ja so ist das nun mal, feelings donÂŽt care about facts.

Transpis sind halt was sie sind,

sie kommen und gehen,

können in Flammen aufgehen,

die Cops können sie wegnehmen,

sie lassen sich vom Winde verwehen,

Doch ihre Ideen,

Ja, die bleiben fĂŒr immer bestehen

und das lÀsst sich sehen.

Text aus dem JahresrĂŒckblick 2020




Quelle: Aghl.noblogs.org