Oktober 15, 2022
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Seit der Ermordung von Jina Mahsa Amini durch die Teheraner Sittenpolizei vor gut vier Wochen gehen die Menschen im gesamten Iran unter dem Slogan „Jin, Jian, Azadî” („Frauen, Leben, Freiheit”) auf die Straße und erkämpfen sich Freiheitsräume. Die Arbeiter:innen, insbesondere Frauen* und Angehörige ethnischer Minderheiten, sind in eine explizit revolutionäre Phase eingetreten und sehen das Ende der islamischen Diktatur als greifbar nah an.
Einen Wendepunkt in der Geschichte der Islamischen Republik hat schon der landesweite Aufstand zur Jahreswende 2017/18 eingeleitet, als Millionen Arbeiter:innen gegen die herrschende Oligarchie und ein Leben in Elend und Prekarität rebellierten, die Gesellschaft ihre Ablehnung des Systems als Ganzes zum Ausdruck brachte. Seitdem sind spontane Unruhen einerseits, organisierte Kämpfe verschiedener Berufsgruppen andererseits chronisch geworden und vollziehen sich in immer kürzeren Abständen, mit zunehmend „militanterem“ Charakter. Die grundlegenden Veränderungen, die von den Gewerkschaften angestrebt werden, stellen eine existentielle Bedrohung der herrschenden Klassen dar.
Der Tod von Jina Mahsa Amini hat allerdings etwas qualitativ Neues ausgelöst, einen Bruch mit der historischen Periode von Aufständen, die durch explizit wirtschaftliche Intrigen hervorgerufen wurden. Die aktuellen Unruhen entzündeten sich an der staatlichen Ermordung einer kurdischen Frau aufgrund der Hidschab-Pflicht, eines strukturellen Pfeilers der patriarchalen Herrschaft in der Islamischen Republik seit ihrer Gründung 1979. Die Frauen* als die soziale Klasse, die vor allen anderen unterdrückt, beherrscht und ausgebeutet wird, stehen dabei entsprechend an vorderster Front der Kämpfe. Mit ihrer ethnischen und geschlechtsspezifischen Dimension haben diese die politische Dynamik im Iran fundamental verändert. An die Stelle der Angst, sich gegen ein nihilistisches Regime zu wenden, sind Wut, Macht und die Solidarität zwischen den unterdrückten Klassen und den traditionell verfeindeten ethnischen Minderheiten, zwischen dem „Zentrum“ und der „Peripherie“ getreten.
Internationale Solidarität muss sich daher vor allem auf die radikalen Strömungen innerhalb der revolutionären Bewegung konzentrieren, die nicht bei einer politischen Umgestaltung stehenbleiben wollen, sondern eine soziale, die wichtigsten gesellschaftlichen Strukturen umgestaltende Revolution anstreben – auch nach dem Sturz der Islamischen Republik. Ein Sieg der feministischen Revolte im Iran würde eine Vielzahl ähnlicher Kämpfe gegen das Patriarchat anspornen und damit den Widerstand gegen den Kapitalismus und den Staat in anderen Teilen der Welt voranbringen.
Als IK rufen wir zur Unterstützung der revolutionären Kräfte auf: Organisiert und beteiligt Euch an Solidaritätsaktionen, verbreitet Informationen aus dem Iran und spendet für die Genoss:innen.

Quelle:

Spendenkampagne der Anarchistischen Föderation Iran/Afghanistan:




Quelle: Fau.org