Juni 12, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Gegen Krieg und fĂŒr gelebten Internationalismus unterwegs!

Die Freie Arbeiter*innen-Union nimmt aktuell an einer großen internationalen Delegation in der Autonomen Region Kurdistan (Nordirak) teil. Anlass dafĂŒr bilden anhaltende Menschenrechtsverbrechen, militĂ€rische Aktionen und Provokationen vonseiten der tĂŒrkischen Regierung und des ihr nahestehenden Barzani-RegimesÂč, ebenso wie sich verschĂ€rfende Arbeits- und Lebensbedingungen fĂŒr die Arbeiter*innen der Region.

Als internationalistische Gewerkschaftsföderation stehen wir an der Seite der Arbeiter*innen und BĂ€uer*innen ĂŒberall auf der Welt und gegen die tĂŒrkische Diktatur, die die ganze Region des sogenannten Mittleren Ostens mit Krieg, Naturzerstörung und politischer UnterdrĂŒckung ĂŒberzieht.

Hintergrund

Das tĂŒrkische Regime unter dem Diktator Recep Tayyip Erdoğan verfolgt eine Politik der Annexion und ethnischen SĂ€uberungÂČ. GrĂ¶ĂŸtes Gegengewicht gegen diese rassistische Kriegspolitik ist die kommunalistische BewegungÂł. Diese organisiert sich in der TĂŒrkei, Syrien und dem Irak und wird v.a. von Kurd*innen aber auch Yezid*innen, Araber*innen, Turkmen*innen, Assyrer*innen und Angehörigen vieler anderer Gemeinschaften als multiethnisches Projekt getragen.

Im Irak versucht die TĂŒrkei aktuell RĂŒckzugsgebiete kommunalistischer Organisationen unter ihre Kontrolle zu bekommen, sowie Grenzgebiete zur kommunalistisch verwalteten Region Nord- und Ostsyrien (auch bekannt als Rojava). So fĂŒhrt sie auf irakischem Gebiet regelmĂ€ĂŸig Bombardements gegen vermeintliche oder tatsĂ€chliche RevolutionĂ€r*innen durch. Gleichzeitig bauen der Barzani-Clan und der tĂŒrkische Staat die militĂ€rische PrĂ€senz in diesen Gebieten aus. In den letzten Monaten wurden ĂŒber 40 MilitĂ€rstĂŒtzpunkte errichtet und tausende Soldat*innen in die Region verlegt. 

Mit den aktuellen Angriffen und LuftschlĂ€gen versucht die TĂŒrkei einen innerkurdischen Krieg zwischen Kommunalist*innen und dem wirtschaftlich von der TĂŒrkei abhĂ€ngigen Barzani-Regime heraufzubeschwören. Diese Taktik zielt auf die SchwĂ€chung des kurdischen Widerstandes gegen die TĂŒrkei, ein Abschneiden Nord-Ost-Syriens von Nachschubwegen, und eine Legitimierung einer tĂŒrkischen Besetzung von Teilen des Iraks. 

Kommunalist*innen und Syndikalist*innen weltweit Hand in Hand

Die Weltgemeinschaft steht aktuell vor unaufschiebbaren und dramatischen Problemen. Die Klimakatastrophe, das Erstarken von Diktaturen wie China oder das rechter Bewegungen, die Ausweitung von Überwachungstechnik und die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie bedrohen uns alle. 

Um dieser Misere soziale und ökologische Alternativen jenseits von Ausbeutung und Fremdbestimmung entgegenzusetzen, mĂŒssen die emanzipatorischen KrĂ€fte und sozialen Bewegungen weltweit gemeinsam zusammenwirken. Der Bezugsrahmen unseres Handelns muss ein globaler sein. Die FAU begreift sich aus diesem Grund als tief verbunden mit den Kommunalist*innen des Mittleren Ostens, ebenso wie mit den Zapatistas in Mexiko und den syndikalistischen Gewerkschaften auf der ganzen Welt.

Mit unserer Anwesenheit im Irak wollen wir unseren Teil dazu beitragen, die tĂŒrkischen Invasionen in Syrien und im Irak zu stoppen und das Konzept des Kommunalismus mit internationaler SolidaritĂ€t zu unterstĂŒtzen. 

Wir bitten alle humanistisch und internationalistischen Arbeiter*innen und alle syndikalistischen Gewerkschaften weltweit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Konflikte und Bewegungen im Mittleren Osten zu lenken. Wir bitten euch, Texte zu ĂŒbersetzen, euch kritisch-solidarisch zu bilden und mit euren Kolleg*innen und Genoss*innen darĂŒber zu diskutieren.

In grenzenloser SolidaritÀt,

FAU-Delegation, Erbil, Irak den 10. Juni 2021

Anmerkungen

Âč Die Barzani-Familie bekleidet in der Autonomen Region Kurdistan (im Norden Iraks) verschiedene hohe Ämter (bspw. das Amt des Premierministers und des MinisterprĂ€sidenten) und hat maßgebliche Kontrolle ĂŒber die regionale Privatwirtschaft. Rechtsstaatliche Wahlen wurden durch sie immer wieder verhindert.

ÂČ Beispielhaft dafĂŒr stehen u.a. die ethnischen SĂ€uberungen kurdischer StĂ€dte in der TĂŒrkei seit 2015, die völkerrechtswidrigen Angriffskriege gegen die autonome Administration Nord- und Ostsyriens oder die UnterstĂŒtzung des aserbaidschanischen Angriffskrieges auf Berg-Karabach

Âł Der kommunalistische Konföderalismus ist eine Bewegung, die sich den Werten der Basisdemokratie, Frauen- und Minderheitenrechte und der Ökologie verschrieben hat und versucht, die gesellschaftliche Hauptentscheidungsgewalt auf Basisversammlungen und Komitees der Kommunenen zu legen. 




Quelle: Fau.org