Juli 2, 2022
Von Indymedia
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Nicht nur berlinweit merken Mieter*innen, dass die Heilsversprechen der Politiker*innen hohle Phrasen sind. Auch Rot-rot–grĂŒne Politiker*innen sind nicht in der Lage, die massiven Probleme, die die kapitalistischen Umtriebe auf dem Wohnungsmarkt mit sich bringen, in Zaum zu halten. Luxusbauprojekte werden nahezu an jeder Ecke hochgezogen, nach wie vor gibt es viele EigenbedarfskĂŒndigungen, Luxusmodernisierungen und ZwangsrĂ€umungen. Auch wenn Berlin als die Hauptstadt der Mieter*innenproteste gilt, leisten zu wenige Widerstand.
Im ehemaligen Arbeiter*innenbezirk Friedrichshain sind viele Kieze fast vollstĂ€ndig durchgentrifiziert. Einige StraßenzĂŒge und Kieze wurden von dieser Entwicklung noch nicht vollstĂ€ndig ergriffen, wie z.B. der Laskerkiez und der Rudolfkiez nahe der Modersohnstraße. Im Jahr 2022 werden aber auch hier Fakten geschaffen: Das Unternehmen “Pandion” errichtet an der Laskerstraße mit dem “Ostkreuz Campus” seinen ganz eigenen neoliberalen feuchten Traum. Ein hĂ€ssliches mehrstöckiges LuxusbĂŒrogebĂ€ude in dem die zukĂŒnftigen Startup-Arbeiter*innen wĂ€hrend der Arbeit „Spaß und Freizeit“ erwartet und sie mit FahrrĂ€dern durch ihre BĂŒrorĂ€ume kurven können. Das alles fĂŒllt natĂŒrlich die Kassen des Millionenunternehmens Pandions und trifft die Nachbar*innen und Anwohner*innen der umliegenden StraßenzĂŒge. Es ist klar, dass der Ostkreuz Campus die Mieten erhöhen und Gentrifizierungsprozesse massiv verschĂ€rfen wird, weshalb es konstant Widerstand von Anwohner*innen gibt.
Ein paar Meter weiter wird die linke Kulturbar „Zukunft am Ostkreuz“ verdrĂ€ngt. Hier konnten Nachbar*innen zu fairen Preisen Kino, Theater, Jazz, Konzerte und Veranstaltungen besuchen. Nun soll die Zukunft gehen, denn direkt nebenan möchte das Unternehmen “Trockland” das LuxusbĂŒroprojekt “A Laska” errichten. Am Markgrafendamm baut das Unternehmen “International Campus” ein gigantisches Mikro-Apartment-Projekt unter dem Titel “THE FIZZ”. Die gĂŒnstigsten möblierten Zimmer werden dort ab 750 – 800 Euro pro Monat vermietet, laut Bauherrn an Studierende – die natĂŒrlich reiche Eltern brauchen. Das Unternehmen geht perfide vor: Ein angrenzendes Wohnhaus wurde kurzerhand aufgekauft, die Fenster der Bewohner*innen zugemauert und das Projekt sogar bis vor deren WohnungstĂŒr vorangetrieben. Vorher hatten die Bewohner*innen dort einen dicht bepflanzten Parkplatz mit einer ĂŒber 70-jĂ€hrigen Kastanie – nun baut das Unternehmen 3 Jahre lang mit massivem BaulĂ€rm den Parkplatz zu, der Baum wurde bereits gefĂ€llt.
An der Spree wird die letzte Ecke neben der ElsenbrĂŒcke bebaut – dort errichtet das Unternehmen “RFR Development” ebenfalls LuxusbĂŒros. Ob Nachbar*innen nach der Errichtung noch freien Zugang zum Spreeufer haben, ist fragwĂŒrdig.
Auch ein paar hundert Meter außerhalb des Laskerkiez sieht die Stadtentwicklung dĂŒster aus: An der Warschauer Straße wird in einer beunruhigenden Geschwindigkeit am “EDGE Tower” gewerkelt, in dem Amazon mit zig BĂŒros vertreten sein wird. In der unmittelbaren NĂ€he steht bereits die Gentrifizierung und Luxusbebauung des ehemals subkulturell geprĂ€gten RAW-GelĂ€ndes in den Startlöchern. Lokale Politiker*innen sind machtlos. Da kann ein grĂŒner Baustadtrat noch so viele BĂŒcher mit großspurigen Titeln wie „Wir holen uns die Stadt zurĂŒck“ schreiben. Im Fall vom “EDGE Tower” und dem RAW-GelĂ€nde versuchen Politiker*innen lediglich noch „das Schlimmste abzuwenden“ in dem VertrĂ€ge geschlossen werden, so dass zumindest kleine Teile der Bauprojekte eine öffentliche Nutzung vorsehen. Im Fall der massiven Gentrifizierung des Laskerkiez waren sie nicht mal mehr im Stande den widerlichen Bauprojekten, die die Zukunft dieser Kieze besiegeln werden, ĂŒberhaupt etwas entgegenzusetzen. Davon, dass „Wir“ uns die Stadt zurĂŒckholen, ist in Friedrichshain weit und breit nichts zu merken – es sei denn, dass dubiose „Wir“ steht fĂŒr die kapitalstarken Unternehmen, die ihre rĂŒcksichtlosen Bauprojekte mit unerbittlicher HĂ€rte gegen den Willen von Anwohner*innen vorantreiben.
In Lichtenberg wurde das gigantische Betrugsprojekt “Coral World”, ein großer Hotelkomplex, der dem Bezirk vorher noch als Aquarium und BildungsstĂ€tte verkauft wurde, sogar mit den Stimmen der lokalen Linkspartei-Fraktion beschlossen. DafĂŒr wurde im letzten Jahr das grĂ¶ĂŸte selbstverwaltete Wohnungslosen-Camp Deutschlands in einer nĂ€chtlichen Aktion, die heuchlerisch als „KĂ€ltehilfe“ deklariert wurde, gerĂ€umt. Das Kapital schafft ĂŒberall Fakten, meist mit UnterstĂŒtzung ihrer willigen Helfershelfer in Politik und Ämtern.
Gegen all diese MissstĂ€nde mĂŒssen wir aktiv werden. Wir dĂŒrfen uns nicht damit abfinden, dass uns solch eine StadtrĂŒckentwicklung von den Herrschenden als „alternativlos“ verkauft wird. Wir mĂŒssen laut und widerstĂ€ndig sein und der Politik und den Unternehmen zeigen, dass wir als Bewohner*innen dieser Kieze, Eigenbedarf haben. Wir wollen hier wohnen bleiben und unsere Nachbar*innenschaft und unsere FreiflĂ€chen selber gestalten. DafĂŒr möchten wir am 9. Juli mit euch gemeinsam auf die Straße gehen und ordentlich Druck machen: fĂŒr eine Stadt von unten!
Die Politik und Unternehmen mögen noch so fleißig an einer Stadt der Reichen werkeln, doch wir werden das auf keinen Fall kampflos hinnehmen.

Amazon, Pandion, Kurth-Gruppe, Coral World, IC Campus, Trockland und Co – Verpisst euch aus unseren Kiezen! Es sind unsere und nicht eure!

Weitere Infos und Updates: twitter.com/laskerkiez + twitter.com/WFriedrichshain

Demonstration gegen Gentrifizierung am 9.7. um 15 Uhr
Start: Amazon-Tower // Ubhf Warschauer Straße
Ende: Laskerwiese // Bödikerstraße




Quelle: De.indymedia.org