Oktober 3, 2021
Von Indymedia
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GEGEN 31 JAHRE ABBAU OST – fĂŒr die soziale Revolution!Im Jahr 1989 gingen in der DDR Zehntausende Menschen auf die Straßen. Sie wurden anfangs von der Idee angetrieben, die bestehende Form des Sozialismus weiterzuentwickeln. Auch wenn die heutige Geschichtsschreibung diesen Fakt gerne ausspart, ging es den Menschen damals nicht um eine Einheit der zwei existierenden deutschen Staaten, sondern um eine EntbĂŒrokratisierung und VerĂ€nderung der DDR, hin zu mehr Autonomie fĂŒr die Bevölkerung.Worin diese Idee und dieser Aufbruch gipfelten, ist seit nunmehr 31 Jahren bittere RealitĂ€t. Fielen aufgrund der Corona-Pandemie die großen Einheitsfeierlichkeiten zum 30sten Jahrestag eher bescheiden aus, werden aber heute und alle Jahre wieder die Sektkorken knallen, der gelungene Aufbau des Ostens wird dann begossen und die Einheit gefeiert. Doch wer hat an diesem Tag wirklich was zu feiern und wenn ja, was?Die AnkĂŒndigungen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, also die „blĂŒhenden Landschaften“ und dass es allen besser gehen werde, waren damals und sind heute, fĂŒr den Großteil der Bevölkerung der ehemaligen DDR nichts weiter als leere Worte.FĂŒr Menschen die in der DDR gelebt haben, war die letzten 31 Jahre vor allem eins zu erleben: Der gesellschaftliche Umbau, von Grundlagen wie SolidaritĂ€t, KollektivitĂ€t und gegenseitiger Hilfe, hin zu Vereinsamung, EllenbogenmentalitĂ€t und Egoismus. Herunter gekĂŒrzt ein Umbau vom Sozialismus hin zum Kapitalismus. Von einem auf den anderen Tag wurde die Lebensleistung unzĂ€hliger Menschen abgewertet. Renten- und PensionsansprĂŒche gingen verloren, Qualifikationen wurden aberkannt. Betriebe wurden verkauft, die BeschĂ€ftigten in die Arbeitslosigkeit entlassen. Diesem Maß an Perspektiv- und Machtlosigkeit gegenĂŒberstehend wurden viele Menschen psychisch krank. Einige begingen Selbstmord, manche griffen zur Flasche. Wer sich nicht aufgab oder Krank wurde, sah sich in fast allen Lebensbereichen mit schwerwiegenden sozialen HĂ€rten konfrontiert.Galt Wohnen in der DDR noch als GrundbedĂŒrfnis dem durch Bauprojekte und Wohnungspolitik entsprochen wurde, so war ab spĂ€testens Mitte der 90er Jahre, zum Beispiel hier in Stadtfeld klar, dass Wohnraum im Kapitalismus nur noch den Zweck hat, einer Minderheit von Besitzenden Profite zu bescheren. Vor 1990 war bei einem Durchschnittsgehalt von 1000 Ost-Mark, eine 3-Raumwohnung in einem Neubau fĂŒr ca. 70 Ost-Mark monatlich zu haben. In einem Altbau lag der monatliche Mietpreis sogar nur bei ca. 30 Mark.2022 soll in Stadtfeld das Bauprojekt „Wilhelmeck“ fertiggestellt werden, welches ausschließlich Eigentumswohnungen bereitstellt. Hier liegt der Preis einer Vier-Raum-Wohnung mit 115qm bereits bei 336.000€ – 360.000€ und der einer Vier-Raum-Penthouse-Wohnung mit 168qm bei 697.000€, wĂ€hrend sich in Sachen sozialer Wohnungsbau sogut wie nichts tut. Ganz im Gegenteil wurde und wird vorhandender Wohnraum, wie z.B. In Olvenstedt zurĂŒckgebaut oder ganz abgerissen um den Mietspiegel kĂŒnstlich hoch zu halten.Der RĂŒckschritt auf allen sozialen Ebenen, der mit der AufzwĂ€ngung der kapitalistischen Wirtschaftsweise einherging, hatte fĂŒr ostdeutsche Frauen besonders gravierende Auswirkungen. Gehören die Worte Alleinerziehend und Armut heute so selbstverstĂ€ndlich zusammen wie Topf und Deckel, waren BertiebsleiterInnen in der DDR gesetzlich dazu verpflichtet alleinerziehende MĂŒtter einzustellen.Kinderbetreuung fand, oft im Betriebskindergarten, von 6-18 Uhr statt. Angebote wie Kinderkrippen, KindergĂ€rten, schulische Hortbetreung und Ferienlager, ermöglichten es Frauen und MĂ€nnern gleichermaßen einer VollzeitbeschĂ€ftigung nachzugehen.Ein Mangel an Betreungs-plĂ€tzen und -angeboten gab es nicht und niemand wĂ€re auf die Idee gekommen, beim ersten Anzeichen einer Schwangerschaft schonmal einen Kindergartenplatz zu organisieren. So verwundert es auch nicht, dass das Durchschnittsalter von MĂŒttern in Ostdeutschland sehr niedrig war.Und das obwohl die Antibabypille seit 1965 kostenfrei erhĂ€ltlich war und Schwangerschaften ab 1972 bis zur 12. Woche legal unterbrochen werden konnten. In der BRD wird bis heute selbst das Werben fĂŒr und AufklĂ€ren ĂŒber SchwangerschaftsabbrĂŒche kriminalisiert.Werfen wir bezĂŒglich der sich heute zum 31sten mal jĂ€hrenden Ereignisse einen Blick ĂŒber die nun Bundesdeutsche Grenze, wird eines schnell deutlich.Mit der Zerstörung der Ausgewogenheit des KrĂ€fteverhĂ€ltnisses zwischen Kapitalismus und Sozialismus/Kommunismus, haben sich weltweit die Bedingungen fĂŒr jene Menschen die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft, massiv verschlechtert.Die Nato, welche innerhalb kĂŒrzester Zeit zur einzigen millitĂ€rischen Macht in Europa wurde, setzte ihre Interessen nun wieder vermehrt millitĂ€risch durch. Dabei kann sich das US-amerikanisch gefĂŒhrte BĂŒndnis seit den 90er Jahren auch vollumfĂ€nglich auf deutsche Mithilfe verlassen. Beginnend mit dem Einsatz in Jugoslavien, beteiligen sich deutsche Soldaten mittlerweile wieder an Kriegen in aller Welt. Diese als “humanitĂ€re EinsĂ€tze” und “Ausbildungsmissionen” deklarierte EinsĂ€tze, verursachen ZustĂ€nde wie z.B aktuell in Afghanistan.Die Menschen, welche vor diesen ZustĂ€nden fliehen und unter deutscher FederfĂŒhrung an den europĂ€ischen Aussengrenzen ermordet werden, finden in den Medien der Herrschenden nur am Rande ErwĂ€hnung. Dagegen bekommt das “Unrechtrsregime” DDR jedes Jahr zum Tag des “Mauersfalls”, eine zumindest fragwĂŒrdige Rechnung der “Mauertoten” vorgesetzt.Alle Jahre wieder wird in bester Antikommunistischer Manier der “friedlichen Revolution” erinnert.Die Geschichte des fest im Sattelsitzenden, alle ĂŒberwachenden “StasiStaates”, der durch friedlichen Protest gestĂŒrtzt wurde, mutet angesichts des Scheiterns der Montagsdemos gegen die EinfĂŒhrung der Harz IV Gesetze doch etwas unglaubwĂŒrdig an.Die eben beschriebene, sich in der Geschichtsschreibung ausdrĂŒckende Feindschaft gegen linke Alternativen zur kapitalistischen Gesellschftsordnung, werden noch um einiges deutlicher wenn mensch die Praxis der gesamtdeutsch/europĂ€ischen Repressionsbehörden betrachtet.Gehörte die UnterstĂŒtzung von Befreiungsbewegungen fĂŒr die Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages noch zur Staatsreson, werden in der BRD mittels §129 b revolutionĂ€re aus aller Welt angeklagt und eingeknastet. Nicht viel besser ergeht es der inlĂ€ndischen linken/revolutionĂ€ren Bewegung. UnzĂ€hlige Verfahren gegen AntifaschistInnen, Angriffe auf Medien wie die Junge Welt oder Indymedia oder der kalte Verbotsversuch gegen die DKP, sind nur einige Beispiele fĂŒr die faschistisch geprĂ€gten KontinuitĂ€ten der “vereinigten” Bundesrepublik.Ganz allgemein ist es nicht unsere Intention zu behaupten, dass in der DDR alles “besser” war, zumal wir (gröstenteils) aufgrund unseres Alters dazu garnicht in der Lage sind. Allerdings ist es uns ein BedĂŒrfnis festzuhalten, dass der Weg hin zu einer vom Kapitalismus befreiten Gesellschaft von der Basis des realexistierenden Sozialismus der DDR ausgehend, greifbarer ist als aus der seit 31 Jahren vorherrschenden Diktatur der Banken und Konzerne. Außerdem lĂ€sst sich gerade an dem mit dem heutigen Tag verbundenden, sich jĂ€hrlich wiederholenden Gebahren der Herrschenden deutlich ablesen, welche Angst diese wieterhin vor einer ehemals existenten Alternative zu ihrer bestehenden Ordnung haben.Diese Angst ist ein Punkt an dem wir als Klasse der Ausgebeuteten ansetzen mĂŒssen.FĂŒr eine grundlegende VerĂ€nderung der gesellschaftlichen Bedingungen, hin zu einer Befreiung von Ausbeutung und UnterdrĂŒckung, sind fĂŒr uns folgende Dinge von großer Bedeutung.Um die Geschichtsschreibung der Herrschenden richtig hinterfragen und widerlegen zu können und dadurch der Idee einer auf SolidaritĂ€t basierenden Gesellschftsordnung wieder Gewicht zu verleihen, ist gerade fĂŒr unsere Generation der Austausch mit Menschen, die lange Zeit in der DDR gelebt haben, sehr wichtig. Wenn wir uns im GesprĂ€ch mit dieser Generation ein eigenes Bild von einer sozialistischen Gesellschaft machen können, haben wir schon viel gewonnen. Aufbauend auf diesem Erfahrungsschatz können unsere Projekte der Selbstorganisierung und des Klassenkampfes von unten, nur profitieren und wachsen.Diese Projekte sind der SchlĂŒssel zum Aufbau von Gegenmacht und Autonomie auf politischer, sozialer, kultureller und organisatorischer Ebene.In diesem Sinne, lasst uns am 03. Oktober gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Ausbeutung und UnterdrĂŒckung setzen.




Quelle: De.indymedia.org