Oktober 19, 2021
Von Emrawi
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Kurdische Strukturen, linke migrantische Gruppen aus der TĂŒrkei und die Kampagne Rise Up 4 Rojava rufen fĂŒr den Welt-KobanĂȘ-Tag in Wien zu einer Demonstration auf, das Motto: „Den tĂŒrkischen Faschismus stoppen!“

Im Demonstrationsaufruf wird deutlich gemacht, warum auch Menschen in Wien zum Welt-KobanĂȘ-Tag auf die Straße gehen sollten: KobanĂȘ sei ein „Symbol des antifaschistischen Widerstandes und ein Zeichen dafĂŒr, dass Frauenbefreiung, der Aufbau von RĂ€ten und solidarischen Wirtschaftsstrukturen auch in einer Welt des Krieges und der UnterdrĂŒckung möglich sind“, erklĂ€ren die Aktivist:innen.

In ihrem Aufruf gehen sie aber auch auf die aktuelle Lage in Kurdistan ein: „Das tĂŒrkische AKP/MHP-Regime hat in den vergangenen Monaten mehrfach Zivilist:innen und Stellungen der kurdischen Arbeiter:innenpartei PKK in SĂŒdkurdistan/Nordirak angegriffen. Trotz Bombenterror und dem Einsatz von chemischen Kampfstoffen scheitern die Besatzer in SĂŒdkurdistan aber regelmĂ€ĂŸig am Widerstand der Guerilla. Weil die Invasion in SĂŒdkurdistan nicht wie gewĂŒnscht verlĂ€uft, hat der tĂŒrkische Faschismus sein Radar jetzt wieder verstĂ€rkt auf Rojava gerichtet und es sieht so aus, als ob das anvisierte Ziel die nordsyrische Stadt Tel Rifat ist.“

„Weil wir einen gemeinsamen Feind haben“

Die Demo in Wien soll ein klares Signal gegen den Krieg senden: „Wir gehen am 1. November auch in Wien auf die Straße, weil wir fĂŒr ein Ende des Krieges sind. FĂŒr ein Ende des Krieges, den das Erdoğan-Regime und andere Regime gegen die Frauenbewegung und gegen alle freiheitlichen KrĂ€fte fĂŒhren. Weil wir gegen die Angriffe auf Nordostsyrien sind, gegen die chemischen Kampfstoffe, die Erdoğan in SĂŒdkurdistan einsetzt, gegen die Angriffe auf die ezidische Selbstverwaltung im Shengal. Wir gehen auf die Straße, weil wir fĂŒr die Freiheit des Vorsitzenden der kurdischen Arbeiter:innenpartei Abdullah Öcalans sind, denn nur mit ihm ist eine friedliche Lösung der Konflikte im Mittleren Osten möglich.“

Bei der Demonstration geht es aber um mehr, als um den Krieg: „Wir gehen auf die Straße, weil wir einen gemeinsamen Feind haben“, erklĂ€ren die Aktivist:innen. „Eine von patriarchalen Werten geprĂ€gte globale kapitalistische Machtstruktur, in der permanent Krieg um Einfluss und Ressourcen gefĂŒhrt wird. Ein System, in dem Konzerne und Regierungen fĂŒr Profit und Macht ĂŒber Leichen gehen. Ein System, das den Dschihadismus fördert und das jederzeit droht, in den Faschismus umzuschlagen.“



Die Demonstration in Wien startet um 15 Uhr im Resselpark.

Welt-KobanĂȘ-Tag

Im September 2014 erschĂŒtterte der Vormarsch der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) den Mittleren Osten und die ganze Welt. Die unter anderem mit erbeuteten US-Waffen aus irakischen BestĂ€nden und tĂŒrkischer UnterstĂŒtzung hochgerĂŒstete Terrororganisation hatte nach der kampflosen Einnahme von Mosul ihr Augenmerk auf Nordsyrien und insbesondere auf KobanĂȘ gerichtet. Nichts schien die Islamisten zu stoppen, nachdem Raqqa ĂŒberrannt und die HĂ€lfte Syriens fĂŒr das selbsternannte „Kalifat“ beansprucht wurde. In Raqqa hatte sich der IS zudem reichlich mit russischen Waffen ausgestattet und marschierte direkt weiter auf KobanĂȘ. Mit der Übernahme der Region wollte sich der IS eine weitere Verbindung zu seinen Nachschubwegen in die TĂŒrkei öffnen und der demokratischen Selbstverwaltung einen empfindlichen Schlag versetzen. Da die Selbstverwaltung fĂŒr die TĂŒrkei den Hauptfeind darstellte und auch von den ĂŒbrigen NATO-Staaten abgelehnt wurde, wurde KobanĂȘ abgeschrieben. Der Kampf um KobanĂȘ bildete aber den entscheidenden Wendepunkt. Der tĂŒrkische Regimechef Erdoğan behauptete immer wieder, KobanĂȘ sei gefallen und US-Außenminister John Kerry erklĂ€rte, so bedauerlich es sei, werde man nicht eingreifen, denn KobanĂȘ habe keine „strategische Bedeutung.“ Erst der hartnĂ€ckige Widerstand der YPG und YPJ, der Menschen in KobanĂȘ und weltweiter Protest zwangen die USA zur UnterstĂŒtzung. Die Hauptlast trugen aber weiterhin die YPG und YPJ. In 134 Tagen Kampf um jeden Quadratmeter der Stadt brachten sie der grĂ¶ĂŸten Terrormiliz des 21. Jahrhunderts die entscheidende Niederlage bei. In SolidaritĂ€t mit den Menschen, die damals den Kampf um eine freiheitliche und demokratische Welt gewonnen haben, wurde der 1. November als internationaler Welt-KobanĂȘ-Tag ausgerufen.




Quelle: Emrawi.org