Juni 20, 2022
Von End Of Road
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kopiert aus der taz

Nach ĂŒber einem Jahr bricht das Bremer Klimagerechtigkeitscamp seine Zelte ab. Es braucht andere Aktionsformen, sagen die Aktivist*innen.

Gekommen, um zu bleiben? Nicht mehr. Das Klimacamp Bremen wenige Wochen vor seinem Ende

Das Bremer Klimacamp baut ab. Am Dienstag ist vorbei, was 420 Tage gewĂ€hrt hat. „Das Camp hat unseres Erachtens ausgedient“, heißt es in einer Mitteilung der Aktivist*innen. „Die Bevölkerung und die Politik haben sich an den Anblick des Klimacamps gewöhnt.“

In den vergangenen Monaten wollten sie Aufmerksamkeit fĂŒr die Klimakrise erregen und die Politik dazu bewegen, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten und Bremen bis 2032 klimaneutral zu machen. Dass das klappt, danach sieht es derzeit nicht aus.

Aber: „Wir haben die Öffentlichkeit erreicht“, sagt Heike Dietzmann. Sie hat selbst nicht im Camp gewohnt, es aber unterstĂŒtzt. Nun möchte sie die Bre­me­r*in­nen ĂŒber den Abbau informieren. „Durch GesprĂ€che und Workshops haben wir auch Menschen angesprochen, die sich vorher noch nicht so intensiv damit beschĂ€ftigt hatten.“

Vom Marktplatz in die Wallanlagen

Begonnen hat alles im April vergangenen Jahres auf dem Marktplatz, mit ein paar Sofas und einer wĂŒtenden Rede. Kurz danach konnten sich die Ak­ti­vis­t*in­nen vor Gericht gegen das Verbot des Ordnungsamtes, auch Zelte aufzustellen, durchsetzen. Das Camp wurde grĂ¶ĂŸer und bunter, zum Blickfang zwischen Dom und Rathaus. Doch so richtig kuschelig wurde es dort nie.

Das mag zum einen an der Schwere des Themas gelegen haben, aufgrund dessen die Aktivis­t*in­nen dort ihren Alltag verbrachten. Der Stress mit Behörden, die vermeintliche Konkurrenz eines Kinderkarussells vom Bremer Freimarkt sowie die Suche nach Nachwuchs, der sich auf dem Marktplatz die NĂ€chte um die Ohren schlĂ€gt, hat sicherlich auch nicht zu mehr GemĂŒtlichkeit beigetragen. Als „lebensfeindlichen Ort“ bezeichnete der Camp-GrĂŒnder den zugigen Platz, auf dem es auch nachts taghell und dank Domglocken und Straßenbahn laut ist.

Anfang November kam es zum lang ersehnten Umzug. Es ging in die Wallanlagen, auf eine Wiese unweit der Innenstadt. Zum Wohnen ein angenehmerer Ort – doch mit dem Ortswechsel und dem Winter wurde die Aufmerksamkeit stetig weniger. Selbst im FrĂŒhjahr sei der Ort nicht wieder so belebt gewesen wie zuvor, sagt Dietzmann. „Wir wollen unsere Ressourcen lieber anderswo einsetzen.“ Der Aufwand sei gemessen an der Wirkung zu hoch.

Bereut haben die Ak­ti­vis­t*in­nen den Umzug aber nicht. „Es ist wie mit allen Dingen – irgendwann ist es auch mal genug. Dann braucht es was anderes“, so Dietzmann. Auch andere Aktionsformen – „angemessenere“. Was das genau heißt, darĂŒber sei man noch im Austausch. Ebenso darĂŒber, in welchen Gruppierungen man sich in Zukunft organisieren werde.

Quelle: taz.de




Quelle: Endofroad.blackblogs.org