Dezember 3, 2021
Von InfoRiot
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Demonstration gegen die geplante Ansiedlung von Tesla in GrĂŒnheide (25.2.2020)

Das Wasser wird knapp im Osten Brandenburgs – auch wegen der Fabrik des US-Autobauers Tesla in GrĂŒnheide. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte davor gewarnt, nun macht er Ernst: In Zukunft soll der Wasserverbrauch fĂŒr alle Anwohner und Unternehmen gedeckelt werden. Das berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Donnerstag.

Der WSE versorgt rund 170.000 Menschen mit Wasser. Nun soll – in AbhĂ€ngigkeit von der Bewohnerzahl – fĂŒr jedes GrundstĂŒck eine Maximalmenge an Wasser festgelegt werden, die pro Jahr zur VerfĂŒgung gestellt wird. Auch der Verbrauch von Unternehmen soll beschrĂ€nkt werden.

Hintergrund der Entscheidung ist, dass die WasservorrĂ€te von Jahr zu Jahr knapper werden. »Im Juni dieses Jahres wurden unsere BehĂ€lter abends nicht mehr voll«, sagte demnach WSE-Chef AndrĂ© BĂ€hler zum RBB. Nur eine andere Witterung habe Abhilfe schaffen können. Schon 2018 hatte das genehmigte Förderkontingent nicht ausgereicht, um die Versorgung sicherzustellen; deshalb habe man sie damals schon ĂŒberschreiten mĂŒssen, erklĂ€rte der stellvertretende WSE-Chef Gerd Windisch.

Bislang stellt der Wasserverband pro Jahr rund elf Millionen Kubikmeter Wasser zur VerfĂŒgung – Tendenz steigend, denn immer mehr Menschen und Unternehmen ziehen in die Region. Mit dem Tesla-Werk in GrĂŒnheide kommt noch ein Großverbraucher hinzu: Bis zu 1,4 Millionen Kubikmeter jĂ€hrlich soll es beziehen. Die MĂ€rkische Oderzeitung (MOZ) hatte am Dienstag behauptet, fĂŒr Tesla solle es – im Gegensatz zu anderen Unternehmen – eine Sonderregelung geben.

Obwohl der Wassermangel eher ein strukturelles Problem in der Region zu sein scheint, machen manche Kommunalpolitiker deren Bewohner dafĂŒr verantwortlich. Man wolle ihnen nicht das Wasser wegnehmen, sagte Henryk Pilz, BĂŒrgermeister von Erkner, man wolle nur ĂŒbermĂ€ĂŸigen Wasserverbrauch reglementieren. Denn es sei problematisch, wenn Anwohner im Sommer ihre Pools immer wieder mit neuem Wasser befĂŒllen, anstatt das alte zu reinigen. »Umweltschutz, Klimawandel und Ressourcenschonung beginnen am eigenen Wasserhahn und im Umgang mit ­Trinkwasser«, so Pilz. Ähnlich Ă€ußerte sich Arne Christiani, BĂŒrgermeister von GrĂŒnheide. »Wenn man die Unvernunft der Menschen sieht, die einen normalen Wasserverbrauch immer wieder ĂŒberschreiten, vor allem im Sommer, bleibt einem nichts anderes ĂŒbrig«, erklĂ€rte er.

Von den 16 Gemeinden und StĂ€dten, die im WSE Mitglied sind, votierten nicht alle fĂŒr den Plan. Laut RBB stimmte zum Beispiel die Stadt Strausberg dagegen. Allerdings hatte deren Vertreter zuvor laut MOZ noch Zustimmung signalisiert. Auch der BĂŒrgermeister von Neuenhagen, Ansgar Scharnke, hatte zuvor angekĂŒndigt, mit Ja stimmen zu wollen. »Es darf nicht sein, dass nach Tesla keine weitere Entwicklung in unseren Gemeinden möglich sein soll«, sagte er laut MOZ. Damit das Gewerbegebiet der eigenen Gemeinde erweitert werden könne, werde Wasser benötigt. »Dies geht nur durch Kontingentierung oder Genehmigung höherer Fördermengen vom Land.«

Hinter dem Sparplan dĂŒrfte allerdings noch ein anderes KalkĂŒl stecken: Tesla hat sich schon im vergangenen Jahr mit einem Vertrag knapp zehn Prozent des im Verband verfĂŒgbaren Trinkwassers gesichert, fĂŒr die erste Ausbaustufe seiner Fabrik. Sollte der WSE das benötigte Wasser nicht liefern können, dann könnten hohe EntschĂ€digungen gefordert werden.

Um das Risiko fĂŒr die Gemeinden und StĂ€dte im WSE zu reduzieren, soll nun das Industrie- und Gewerbegebiet Freienbrink, wo Tesla ansĂ€ssig ist, zu einer Art Sondergebiet gemacht ­werden. Dort sollen zwei WSE-Tochtergesellschaften gegrĂŒndet werden, einmal die Wacunis blue GmbH fĂŒr die Versorgung mit Trinkwasser, zum anderen die Wacunis green GmbH, die zustĂ€ndig werden soll fĂŒr die Entsorgung der AbwĂ€sser. Da sie in der Regel nur mit ihrem Stammkapital haften, könnten im Fall der FĂ€lle die Verbandsmitglieder vor deutlich höheren Forderungen geschĂŒtzt werden.




Quelle: Inforiot.de