Januar 9, 2021
Von FAU Freiburg
181 ansichten

2020 war bestimmt durch die globale Pandemie. Man könnte meinen, der rechte Terror in Hanau, die Klimakrise oder die aussichtslose Lage von GeflĂŒchteten an den europĂ€ischen Außengrenzen seien aus einer anderen Zeit. Der Fokus lag auf einem Thema: Corona. Dabei blieben andere Probleme aktuell und spitzten sich teilweise zu.

Berufe von der Pflege ĂŒber den sozialen Sektor bis zur Lebensmittelversorgung & Logistik sind nun „systemrelevant“. Über die Arbeitsbedingungen in diesen Sektoren wurde diskutiert, die Arbeiter*innen beklatscht – und am Ende dĂŒrfen sie trotzdem die Kosten der Pandemie tragen, sind weiterhin prekĂ€r beschĂ€ftigt, arbeiten oft am Limit und erkranken wesentlich hĂ€ufiger an Corona. Die Pandemie ist dabei nicht die Ursache vieler seit langem bestehender sozialer Ungleichheiten, sondern hat diese verschĂ€rft. Dieser Prozess wird weitergehen, insbesondere auch nach der Pandemie.

Dabei gibt es nun teilweise auch ein neues Bewusstsein dafĂŒr, dass plötzliche VerĂ€nderungen möglich sind. Das zeigt sich fĂŒr die FAU Freiburg durch die vielen neuen Mitglieder, die in diesem Jahr beigetreten sind. Auch bundesweit steigt das Interesse an der FAU, zum Beispiel durch die erfolgreiche UnterstĂŒtzung des Arbeitskampfs von Saisonarbeiter*innen in Bornheim.

Mensa, Dragon-Sweater und weltweite SolidaritÀt

Mit dem Beginn der Pandemie ließen auch die ersten KĂŒndigungswellen nicht lange auf sich warten. So kĂŒndigte das Studierendenwerk ĂŒber 100 Minijobber*innen der Uni-Mensen, darunter auch einem Mitglied der FAU Freiburg. Gemeinsam konnten wir vor dem Arbeitsgericht eine Abfindung erstreiten. Die Situation vieler Minijobber*innen ist nach wie vor besonders prekĂ€r, wĂ€hrend der Krise ist das erst recht skandalös, da sie weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld und als Student*innen auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Weltweit werden die Kosten der Corona- Krise auf dem RĂŒcken der Arbeiter*innenklasse ausgetragen, zum Beispiel in Bangladesch. In dessen Hauptstadt Dhaka wurden in der Dragon-Sweater-Textilfabrik viele Arbeiter*innen illegal gekĂŒndigt und ausstehende Löhne nicht gezahlt. Es gab zahlreiche internationale SolidaritĂ€tsaktionen, u.a. durch die International Confederation of Labour. Auch die FAU Freiburg organisierte Kundgebungen vor Filialen von New Yorker und Lidl, die Produkte von Dragon Sweater bezogen haben. Mit Erfolg: Nach Monaten des Kampfs konnten die Arbeiter*innen einen Sieg erringen und einem Großteil von ihnen wurden ausstehende Löhne gezahlt!

GrĂŒndung der AG Soziale Arbeit

Mitglieder der FAU Freiburg aus dem sozialen Bereich berichten von Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie. Da nur Stunden bezahlt werden, die aktuell an Klient*innen geleistet werden können, mussten die Arbeiter*innen wĂ€hrend des ersten Lockdowns Gehaltsschwankungen hinnehmen. „Es fühlt sich ein bisschen an wie Tagelöhnerei“, berichtet eine der betroffenen Personen.

Außerdem kĂŒndigte die Stadt Freiburg an, die (minimale) Tariferhöhung nicht wie bisher ĂŒblich direkt an die TrĂ€ger weiterzuleiten. Stattdessen sollen diese ihre Kosten selber erwirtschaften, das heißt: erhöhte Kita-BeitrĂ€ge fĂŒr Eltern oder Stellenstreichungen und damit noch mehr Stress und Arbeitsverdichtung.

Wir kĂ€mpfen gegen diese AbwĂ€lzung der Corona-Kosten auf die Arbeiter*innen im Sozial- und Erziehungsbereich und darĂŒber hinaus. Dazu haben wir dieses Jahr innerhalb der FAU Freiburg die AG Soziale Arbeit gegrĂŒndet. Die sowieso schon schlechten Arbeitsbedingungen im sozialen Bereich sind durch die Krise nicht besser geworden. Aufgabe muss es hier sein, das mit Druck von Unten, von den BeschĂ€ftigten zusammen mit sozialen Bewegungen, die Krise nicht noch mehr zulasten der BeschĂ€ftigten aber auch der Klient*innen geht.

Lesekreis und Beratung

Zusammen mit dem Arbeitskreis kritische Sozialarbeit haben wir einen Lesekreis zum betrieblichen Organizing mit regelmĂ€ĂŸigen Treffen durchgefĂŒhrt. Wir haben das Buch „Geheimnisse einer erfolgreichen Organizerin“ gemeinsam erarbeitet, das einige Inspirationen fĂŒr zukĂŒnftige Aktionen und ArbeitskĂ€mpfe bot. Wir haben auch noch an diversen arbeitsrechtlichen Schulungen teilgenommen und wie jedes Jahr eine EinfĂŒhrungsveranstaltung zur Arbeit der FAU organisiert.

Nach dem Beginn der Pandemie haben wir gemeinsam mit dem BĂŒndnis Corona-SolidaritĂ€t Freiburg eine gewerkschaftliche Telefonberatung ins Leben gerufen, welche wir auch im kommenden Jahr wieder anbieten und ausbauen wollen.

Wir konnten einer Minijobberin bei einem Konflikt mit ihrem Chef unterstĂŒtzen. Außerdem unterstĂŒtzten wir einen tschechischen Arbeitsmigranten, der nach eigener Aussage in einem Luxushotel um seinen Lohn geprellt wurde.

Nach der Gesundheitskrise kommt die Wirtschaftskrise. Deren BewĂ€ltigung und die sozialen Folgen werden die nĂ€chsten Jahre prĂ€gen. FĂŒr uns bleibt klar: Der einzige Weg dagegen ist SolidaritĂ€t – miteinander und mit denen, die von der Krise am hĂ€rtesten getroffen werden. Werdet Mitglied in der FAU! Wir freuen uns immer ĂŒber neue Gesichter.

Von folgenden unserer Veranstaltungen aus dem Jahre 2020 gibt es auch Audio BeitrÀge/Mitschnitte

– Zur Geschichte und Gegenwart des politischen Streiks in der Bundesrepublik

– UmkĂ€mpftes Wohnen – Neue SolidaritĂ€t in den StĂ€dten

– Links der Linken – Sam Dolgoff und die radikale US-Arbeiterbewegung




Quelle: Freiburg.fau.org