Dezember 7, 2020
Von ZĂŒndlumpen
193 ansichten


Papa ist alles mal wieder nicht streng genug, und zu unserem Besten muss er halt mal wieder hart durchgreifen: Deutschlands Vorzeige-Elter Markus Söder schickt seine Kinder mal wieder (natĂŒrlich als Erster) in Hausarrest. Ab Mittwoch dĂŒrfen Leute wieder einmal nur „mit triftigem Grund“ ihr Zuhause verlassen, teilweise – bei entsprechendem Inzidenzwert – sogar zwischen 21 Uhr und 5 Uhr gar nicht mehr. Außerdem gilt allgemein ein Alkoholverbot (damit ĂŒbrigens auch ein GlĂŒhwein-Verbot) auf öffentlichen PlĂ€tzen. Nur an den Weihnachtsfeiertagen sollen die neuen Maßnahmen im „christlichen Familienland Bayern“ gelockert werden, insbesondere fĂŒr „den Besuch der Christmette“. An Sylvester jedoch, dem „Fest der Freunde“, soll es keine Ausnahme geben. Eigentlich alles wie beim ersten Lockdown, außer dass dieses Mal die GeschĂ€fte geöffnet bleiben. Klar, denn das WeihnachtsgeschĂ€ft will man nicht gefĂ€hrden und was sicher eine Lektion aus dem ersten Lockdown ist, ist, dass man den Leuten die Möglichkeit lassen muss, sich zuhause durch den Konsum von unterschiedlichsten GĂŒtern zu beschĂ€ftigen, damit sie nicht komplett durchdrehen. Lediglich strengere Kontrollen der Kundenanzahl in grĂ¶ĂŸeren GeschĂ€ften soll es geben, zum Leidwesen aller Ladendiebe. Zwar mĂŒssen diese PlĂ€ne am Dienstag noch vom Landtag abgesegnet werden, doch das sollte wohl nur eine Formsache sein. Denn selbst die Opposition – wie auch schon beim ersten Lockdown – steht hinter der Regierung, auch wenn sie, wĂ€re sie selbst an der Macht, gerne noch strengere Maßnahmen durchsetzen wĂŒrde: So schwebt beispielsweise irgendeiner SPD-Schnepfe eine „generelle Maskenpflicht“ auf der Straße vor, eine andere forderte Betriebsschließungen ĂŒber die Weihnachtsferien und wies darauf hin, dass sie all das, was Söder jetzt verkĂŒndet hat, bereits frĂŒher durchgesetzt hĂ€tte.

Wieder einmal werden wir „zu unserem Besten“ eingesperrt. Doch auch wenn wir damit nun zum zweiten Mal ganz offiziell das Haus  nicht mehr verlassen dĂŒrfen (außer in dringenden FĂ€llen) und uns auch sonst alles verboten wurde, das Spaß macht, wurde nun bereits das ganze letzte Jahr, seit Beginn der „Krise“, damit begonnen, ein ganzes soziales Miteinander nachhaltig umzubauen. Angesichts einer Pandemie scheint es fĂŒr die diejenigen, die ĂŒber uns herrschen, nur eine Antwort zu geben: sich in autoritĂ€ren Maßnahmen gegenseitig zu ĂŒberbieten. Und jeden Menschen so weit wie möglich voneinander zu trennen, sodass eine Ansteckung minimiert werden kann.

In der Logik derjenigen, die die Art und Weise, auf die unsere Gesellschaft funktioniert, auf jeden Fall aufrechterhalten wollen, ist das durchaus nachvollziehbar. Denn in der heutigen Zivilisation kann eine Pandemie eine potenziell dramatische Wirkung entfalten. Wir leben in einer hochtechnologisierten, globalisierten Welt, in der Menschen in MegastĂ€dten, in Fabriken und GroßraumbĂŒros zusammengepfercht sind, in der wir in immer Ă€hnlicheren, sterilen Lebensbedingungen leben, die fĂŒr ein Virus ideal sind, und in der „wichtige GeschĂ€ftsleute“ durch die ganze Welt jetten, um ihre GeschĂ€fte zu machen. Ein Virus kann sich da rasend schnell verbreiten. Die Lösung derjenigen, die maßgeblich dafĂŒr verantwortlich sind der Welt das Aussehen zu verpassen, das sie heute hat: die Flucht nach vorn. Beziehungsweise die Flucht in die virtuelle RealitĂ€t. Digitalisierung gilt als Zauberformel zur BekĂ€mpfung von Epidemien. Wer glaubt, dass Home Office und Zoom-Meetings nur vorĂŒbergehende PhĂ€nomene sind, die spĂ€testens mit „Durchimpfung“ der Bevölkerung ein Ende nehmen werden, hat noch nicht verstanden, was sich hier gerade abspielt: „Daheim bleiben. Einfach daheim bleiben, Kontakte reduzieren, Kontakte vermeiden“ ist nicht nur die „Überschrift von allen“ Maßnahmen, die in Bayern vorerst bis zum 5. Januar gelten, sondern auch langfristig das Ziel, um kĂŒnftige – eventuell auch tatsĂ€chlich fatale – Pandemien zu vermeiden. Wozu sich auch im Real Life treffen, wenn angeblich derselbe Spaß auch ohne Infektionsrisiko digital stattfinden kann?

Digitalisierung bedeutet auch eine Erleichterung sozialer Kontrolle. Corona-Warn-App, DrohnenĂŒberwachung, Online-Meetings, etc. ermöglichen eine Überwachung der Menschen, ohne dass an jeder Straßenecke eine Straßensperre durch die Polizei oder das MilitĂ€r aufgestellt werden muss. Dass diese Gesellschaft ein Knast ist, wurde einem in diesem Jahr eindrucksvoll vor Augen gefĂŒhrt, und es wurde noch nie so offen mit den VorzĂŒgen einer generellen Einsperrung der Menschen geliebĂ€ugelt. „Das in sich geschlossene Knast-System hat in Zeiten der Krankheit durchaus Vorteile“, schĂ€mte sich beispielsweise die SZ nicht, im Mai in Hinblick auf Corona lobend zu bemerken. Und noch nie wurden autoritĂ€re Regime wie beispielsweise China so positiv hervorgehoben.

Aber warum so eine harte Verhaltenskontrolle? Wieso reicht ein „Appell an die Eigenverantwortung“ nicht, sondern braucht es auch „Leitplanken“, um Söders Worte zu gebrauchen? Weil es eben auch Uneinsichtige gibt, die nicht ohne Weiteres akzeptieren, zuhause eingesperrt zu werden (wenn sie denn ĂŒberhaupt ein Zuhause haben), die verantwortungsloserweise lieber leben wollen und dabei eine Ansteckung riskieren, als sich zuhause lebendig zu begraben, die lieber im leidenschaftlichen Verkehr mit anderen Menschen, unkontrolliert und unhygienisch, den Tod riskieren als im goldenen KĂ€fig der eigenen Wohnung StĂŒck fĂŒr StĂŒck an Vereinsamung zu verenden. Die auch nicht das Problem darin sehen, dass Menschen einander nah sind, einander berĂŒhren und in körperlichen Austausch treten, sondern im Kapitalismus, im Staat, in der Zivilisation, in all diesen Institutionen, fĂŒr die jedes Individuum nur eine zu verwaltende Fallzahl ist, die im Sinne der Mechanismen einer globalisierten und technologischen Welt kontrolliert werden muss, damit das ganze System funktioniert.  Die aktuellen Strukturen mĂŒssen sich in der Lage zeigen, mit einer Pandemie oder sonstigen Krisen umzugehen, damit die Leute nicht auf die Idee kommen, die Institutionen zu zerstören, die einen erst in eine solche Lage bringen.

Sollten die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zur EindĂ€mmung und Kontrolle der Covid-19-Epidemie nicht greifen, könnte im Sinne einer „Kernschmelze“ das gesamte System in Frage gestellt werden. Es droht, dass dies die Gemeinschaft in einen völlig anderen Grundzustand bis hin zur Anarchie verĂ€ndert.

Diese Sorge drĂŒckte ein Strategiepapier des Bundesinnenministeriums aus, das bereits Mitte MĂ€rz verfasst wurde und das das Bundesinnenministerium Ende April, nachdem es bereits vorher geleakt worden war, selbst veröffentlichte.

„Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich an die Regeln halten“, sei das Verhalten derjenigen, die sich nicht zuhause einsperren lassen, rĂŒgte ein Kommentator in einer MĂŒnchner Lokalzeitung Leute, die eine Party gefeiert hatten. Wer sich nicht an die Regeln halte, töte mit jedem Atemzug ganz viele Menschen. Das versuchen mir die Institutionen zu verkaufen, die fĂŒr den Tod so vieler Menschen verantwortlich sind, sei es durch Krieg, Umweltzerstörung und -verschmutzung, durch medizinische Experimente, durch Atomwaffen und Atomkraftwerke, durch Fabrikarbeit, durch Schließung von Grenzen (erinnert sich noch wer an das Massengrab Mittelmeer?), durch Bullen und MilitĂ€r. Die Institutionen, die unterschiedlichste Lagersysteme zur Massenabfertigung und Verwaltung der Massen eingerichtet haben, die natĂŒrlich die Verbreitung eines jeden Virus, aber auch sonstiger potenziell tödlicher oder krank machender Übel befördern, seien es Schulen, Kasernen oder KnĂ€ste, seien es Alters- und Pflegeheime, KrankenhĂ€user, GroßraumbĂŒros und Fabriken, Abschiebelager und AsylunterkĂŒnfte, öffentliche Verkehrsmittel, Bahnhöfe und FlughĂ€fen. Die bereit sind die Wirtschaft um jeden Preis am Laufen zu erhalten (logisch, denn sonst wĂŒrde das aktuelle (Wirtschafts-)System auch zusammenbrechen), wĂ€hrend sie gleichzeitig „zum Schutz der Menschheit“ bereit sind jegliche soziale Beziehung der Menschen zu zerstören. Denen zur Aufrechterhaltung von „Recht und Ordnung“ jedes Mittel recht ist.

Wenn selbst die BefĂŒrworter der Globalisierung, des Kapitalismus, der Technologie, der Zivilisation und des Staates der Meinung sind, dass all dies nur mithilfe von „Social Distancing“ aufrechterhalten werden kann, worauf warten wir dann noch, all diese Scheiße endlich zu zerstören? Und zwar nicht nur Home Office, die Corona-App und die „AHA-Regel“, sondern auch gleich die Institutionen, die uns auch schon „vor Corona“ das Leben zur Hölle gemacht haben?




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org