Juni 29, 2021
Von Graswurzel Revolution
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Störungsfrei konnte ich in dieser Nacht nach sorgfĂ€ltiger und intensiver Vorbereitung die in Stein gehauene Kriegsverherrlichung in Kalkar mit den Taten “Unserer Helden” konfrontieren. Der Schatten der Wehrmachtsverbrechen fĂ€llt nun deutlich sichtbar auf das unsĂ€gliche Monstrum. Am Dienstag, dem 22. 06. jĂ€hrt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 80sten Mal. Das rassistische Kriegsziel einer Eroberung von “Lebensraum im Osten” fĂŒr die “germanische Rasse”, die weitgehende Ausrottung und Versklavung der Bevölkerung, die vollstĂ€ndige Vernichtung der Juden, der Roma und Sinti waren das Programm, das die Wehrmacht in Kooperation mit den Einsatzgruppen der SS umsetzte. Millionen Menschen fielen diesem verbrecherischen Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht im Osten zum Opfer.

Zwar ist in Kalkar – angestoßen durch meine hartnĂ€ckigen kreativen Interventionen – eine öffentliche Diskussion ĂŒber die Zukunft dieses “Denkmals” zustande gekommen und am 22.06. wird in der Ratssitzung ĂŒber einen BĂŒrgerantrag zum Abbruch dieser Kriegsverherrlichung debattiert. Doch ob neben den zu erwartenden gut klingenden AbsichtserklĂ€rungen die konkrete Beseitigung dieses Schandmals herauskommt, ist fraglich. Und bis zu meinem jĂŒngstem Eingriff an diesem Wochenende wurde in Kalkar weiterhin der rassistische Vernichtungskrieg der Nazis durch ein sogenanntes Kriegerdenkmal glorifiziert, das 1936 fĂŒr “unsere Helden” des ersten Weltkrieges errichtet wurde und das seit 1983 durch die Anbringung der Jahreszahlen 1939 – 1945 auch die im zweiten Weltkrieg getöteten deutschen Soldaten der Nazi-Wehrmacht zu “Helden” erklĂ€rt. Wohl einmalig ist auch das Hitlerzitat auf der RĂŒckseite, dass von der Stadt Kalkar bisher nicht nur geduldet, sondern auch nach zwei meiner Übermalungsaktionen in den Jahren 2019 und 2020 immer wieder gereinigt wurde. Vor einem Jahr ließ die Stadt Kalkar eine Informationstafel neben das steinerne Gebilde stellen, auf der aber eine notwendige Distanzierung, eine Selbstkritik an der Verhöhnung der Opfer und an der Glorifizierung des verbrecherischen Vernichtungskrieges der Wehrmacht fehlen.

Die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige AufklĂ€rung zu dem was “unsere Helden” im Vernichtungskrieg im Osten leisteten, habe ich auf eine Seite dieser Informationstafel angebracht. Dazu gehört auch das erschĂŒtternde Foto, wie eine Mutter mit ihrem Kind von einem deutschen Soldaten bei einer Mordaktion an der jĂŒdischen Bevölkerung in Ivangorod 1942 erschossen wird. Dieses Foto habe ich als Vorlage genommen fĂŒr die Konstruktion des Schattens, den ich auf das Schandmal gesprayt habe. Das Hitlerzitat auf der RĂŒckseite ĂŒberdeckt nun ein antifaschistisches Graffito, eine Grafik, die ich aus dem Ortsnamen “Kalkar” entwickelt habe.

Mit lieben und kreativen GrĂŒĂŸen

Wilfried Porwol




Quelle: Graswurzel.net