Dezember 25, 2021
Von Indymedia
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Tragisch: Fehlurteil und keine lebensrettende  Versorgung

Telefoninterview mit Jutta Krebs

Wir haben fĂŒr Oktober ein Telefoninterview mit der Frau eines in Italien Inhaftierten gemacht.  Das sollte auch Euch interessieren.. In der Sendung geht es um den langjĂ€hrig bestĂ€ndigen Knastrebellen Andreas Krebs. Wir trafen 2014 auf ihn, als er die zunĂ€chst nur in Tegel gegrĂŒndete lokale Gefangenengewerkschaft auf Bayern ausweitete, also gleichzeitig mit AndrĂ© Moussa Schmitz fĂŒr NRW zum BegrĂŒnder der Bundesweiten Organisation GG/BO wurde. Damals hatte er schon viele Jahre Knast und Widerstand hinter sich. Er hatte Briefkontakt mit aktiven Gefangenen in viele verschiedenen KnĂ€ste. Direkt bei der GG-GrĂŒndung war er in Landshut, schnell danach – weil er zu unbequem und aktiv war – in Aschaffenburg.. Dort konnten wir damals ein inoffizielles Handy-Interview fĂŒr den “BĂŒrgerfunk” mit Andreas machen. Er berichtete von großem Interesse an der Gefangenengewerkschaft. In beiden KnĂ€sten hatte er schnell Mitglieder geworben. Er sprach von Arbeitsbedingungen bei der Spielzeug-Firma Bruder, die viel in bayrischen KnĂ€sten arbeiten ließ und von willkĂŒrlich unterschiedlichen Lohneinstufungen.

Im gleichen Jahr wurde er entlassen und beteiligte sich von draußen an der Anti-Knast-Bewegung. Unter anderem machte er kurz nach der Entlassung bei einer Veranstaltung der Anti-Knast-Tage in Wien zusammen mit uns die Gefangenengewerkschaft  bekannt. ZunĂ€chst war er dabei sehr zurĂŒckhaltend, Er entschuldigte sich sogar, dass er viele KnastschĂ€den habe und nicht wisse, ob er das gut durchhalte. Als er dann das große Interesse der Zuhörenden und Nachfragenden spĂŒrte, befreite er sich. Er wurde zum hauptsĂ€chlichen Berichterstatter. Erst ĂŒber die GG/BO, dann aber auch ĂŒber viele konkrete Erfahungen mit der Repression in Bayern, . Ein Jahr spĂ€ter war er auch bei den Anti-Knast-Tagen in Hamburg. Er machte einen Vortrag und GeprĂ€chskreis ĂŒber die notwendige Zusammenarbeit  zwischen drinnen und draußen und auch nochmal ĂŒber die Gefangenengewerkschaft. Wobei er ĂŒber die schon etwas enttĂ€uscht war. Da mĂŒsse sich etwas mehr bewegen. Er kritisierte besonders, dass Veröffentlichungen fĂŒr die Gefangenen meist nur auf Deutsch vorkamen und auslĂ€ndische Gefangene dadurch weniger angesprochen wurden. In seinen 2020 veröffentlichten Buch schreibt er: “Wie sich die Gefangenengewerkschaft heute entwickelt hat, weiß ich leider nicht, da mir hier in Italien jegliche Infos und Materialien fehlen. Ich bin ein StĂŒck weit isoliert, denn ich habe keinerlei Ahnung, was gerade politisch passiert .. Hier hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht, dass ich ab und zu mal eine Tageszeitung bekomme, die mich wenigstens ein bißchen auf dem Laufenden hĂ€lt ” (In den Tageszeitungen kommt die GG/BO nicht mehr so oft vor. Aber es gibt noch aktive Mitglieder. Die könnten ihm schreiben !)

Wieso aber Italien? In Deutschland hatte Andreas die FĂŒhrungsaufsicht “an der Backe”, also die Kontrolle und Kommadogewalt durch Justizinstanzen. Dem wollte er sich nicht unterwerfen. Er hatte zunĂ€chst unangemeldet klandestin gelebt. Aber ohne Einkommen und Krankenversicherung, jedoch krank, konnte er das nicht sehr lange durchhalten. Die Aufsicht, Kontrolle und Beobachtung ging ihm aber total auf den Wecker. U.a. deshalb plante er, zusammen mit seiner Partnerin Jutta nach Italien zu ziehen, sich dort eine Zukunft aufzubauen. Sie landeten in der Region von Neapel. 

Ein „Betriebsunfall“ bzw. eine Notwehrreacktion brachte ihn dort erneut in den Knast. Urteil 24 Jahre! Er „sitzt“ jetzt schwer krebskran bei Neapel,  Er ist in einer Abteilung fĂŒr Kranke, bekommt aber keine angemessene Versorgung. Kein Krankenhausaufenthalt, keine Operation bzw. spezielle Therapie, nicht die notwendigen Medikamente. .  

Er wird möglicherweise den Wiederaufnahmetermin seines Prozesses nicht mehr erleben. FĂŒr medizinische Hilfe, die sein Leben verlĂ€ngern und ertrĂ€gbar machen wĂŒrde, ist es wohl lĂ€ngst zu spĂ€t  In sofern hĂ€tte der Termin vorgezogen werden . Damit das Fehlurteil “Mord” noch auflösbar gewesen wĂ€re, bevor jetzt die Justiz ihn durch Nichtstun ermordet. 

Aber um bei uns zu bleiben hat Andreas in der Haft ein Buch geschrieben: “Der Taifun, Erinnerungen eines Rebellen.” Die Erlöse und Spenden dienen der medizinischen Versorgung von Andreas Krebs. Der Buchtext endet so: “So lange wie ich kann, werde ich weiter kĂ€mpfen, kĂ€mpfen bis zum Letzten! Ich hoffe,, dass irgend etwas eines Tages auch FrĂŒchte trĂ€gt. Ich hoffe es sehr!” Dann fĂŒgt er noch hinzu: “Ich will nur noch einmal zu Hause sein, nur das und nichts anderes!” Denn er ist ein Mensch, kein Politroboter. Und er möchte wenigstens begleitet von seiner Frau in WĂŒrde sterben können. 

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Einige Links zur weiteren Information

https://sabot44.org/2021/05/08/wie-ein-taifun-schlagartig-und-ohne-grose…

https://andreaskrebs.blackblogs.org/ 

https://www.anarchistischefoderation.de/italien-andreas-krebs-braucht-dr…

https://barrikade.info/Andreas-Krebs-Kurze-Chronologie-des-Todes-hinter-…

https://www.abc-wien.net/?tag=andreas-krebs

https://de.indymedia.org/node/34296

https://www.a-radio.net/schlagwort/italien




Quelle: De.indymedia.org